Einzelbild herunterladen
 

jy ns. Montag, den 23. Mai. «

hlhtt Ä 3eiting.

ggr Mit dem 1. Juni eröffnen wir ein Monats - Abonnement auf die „Fuldaer Zeitung" zum Abonnementspreise von 50 Pfg. (ohne Bestellgeld). Bestellungen werden von den Postanstalten und Landbriefträgern sowie von unseren Stadtboten und der. Expedition (Butter- markt) entgegen genommen.

von Frankreich zu versehen haben werden. Daß Präsident Grevy in allen diesen Fragen persönlich sehr wenig in'« Gewicht fällt, ist bekannt.

8*^ «WKSgAM» S" »WTÄ 1 "■50

o Die Ministerkrifis in Frank­reich.*)

Die gegenwärtige französische Ministerkrisi« be- anspmcht ein außergewöhnliche« politische« Interesse, und zwar au« mehrfachen Gründen. Unsere Be­ziehungen zu Frankreich mögen im diplomatischen Verkehr viele Jahre hindurch die freundlichsten gewesen sein, aber deßhalb war die Gefahr eine« Revanchekrieges keinen Augenblick beseitigt. Heute soll sie nun, wie au« den sattsam bekannten außer­ordentlichen militärischen Rüstungen und Vorbe­reitungen hervorgeht, näher al« je liegen, und deßhalb hat die gegenwärtige französische Kabinet». krisi« für unser Verhältniß zu Frankreich, für die demnächstigen Aussichten in Bezug auf Krieg und Frieden, ein bedeutsame« Jntereffe. Die jüngsten Vorgänge bei der Lohengrin- Aufführung, dre Schnäbele-Affaire, der übertriebene Boulanger- Kultus und die neuerdings aufgetauchte Meldung von der Versuchs-Mobilmachung eines französischen Armeekorps waren in der That nicht geeignet, eine durchaus friedliche Auffassung der Lage zu unterstützen. ~

Die Fragen: wer wird jetzt m Frankreich dre Zügel der Regierung in die Hand nehmen? — wird die Revanchepartei Oberwasser bekommen, wird Kriegsminister Boulanger in Amt und Ein­fluß bleiben, oder wird ein in jeder Beziehung ge­mäßigtes und dabei selbstständiges Kabinet ans Ruder gelangen, — sind für die nächste Zukunft nicht nur Frankreichs allein von Bedeutung. Frey- cinet, welcher sich zur Zeit feines früheren Minister­präsidiums in Berlin einer sympathischen Beur- theilung erfreute — soweit dies überhaupt mög­lich ist — hat den ihm gewordenen Auftrag, die

*) Nachdruck verboten.

Im Shil »er Mndirtei.

Roman aus dem Englischen von E. Blackburn«.

50. Fortsetzung.

50. Kapitel.

Zurückgeführt.

Miß Ranny konnte jetzt ihr Zimmer wieder ver­lassen und lag auf dem Sopha neben dem Feuer, als Ruala eintrat. Die Geschichte ihrer Flucht war bald erzählt und als sie schloß, sagte die alte Dame: „Du hast ganz Recht gethan, mein Kind. Du konntest nicht bleiben und Dich Mary Dempsey zugesellen. Ich könnte die Idee nicht fassen, daß das Kind meiner Schwester einer solchen Person unter- geben sein sollte. Du kannst bei mir bleiben, unv war mein ist, soll Dein fein. Ich bin Ihnen sehr verpflichtet, Mr. Thurgood, daß Sie mir mein Kind gebracht haben; doch das ist nicht das ein­zige Gute, welche» Sie mir erwiesen haben.

Ruala stand am Kopfende des Sopha«, und so konnte Miß Ranny die rosige Röthe nicht sehen, welche bei diesen Worten ihr Gesicht überfl g. Robert Thurgood näherte sich, erfaßte de« Mäv- chen« Hand und sagte: „Miß O'Reil, ich glaube fest, daß ich Sie Ihre» neugefundenen Schatze»

Kabinetsbildung zu übernehmen, ablehnen müssen, weil er bei den Personen, mit denen er verhandelte, namentlich bei Ferry und Clemenceau, auf Schwierig- eiten stieß. Augenscheinlich hat die selbstständige Natur Freycinet» die Fesseln, welche von den sinter den Koulissen operirenden Parteityrannen einem freien Wirken angelegt werden wollten, verschmäht. Run soll dem Vernehmen nach ein ogen. „gemäßigtes" Ministerium, ein aus ge- irmischtm Elementen zusammengesetztes (unter Rouvier oder Raynal), die Erbschaft Goblet's antreten. Die nächsten Tage werden vielleicht noch weitere Kombinationen bringen.

Reben der Frage der Kabinetspräsidentschaft, welche dem Ministerium seinen Typus aufdrücken soll, ist der springende Punkt die Boulanger-Frage. Einsichtsvolle Politiker wünschen die Beseitigung Boulanger'» aus der Regierung, um Frankreichs auswärtige Politik aus der vervösen Unruhe und Unsicherheit zu erretten, welche in den Augen aller vernünftigen Leute in Frankreich die Allen vor- schwebende Revanche-Idee eher gefährdet als för­dert. Mesen ruhiger denkenden Köpfen, welche namentlich in der Finanz- und Handelrwelt vor- herrschen, steht ein großer zügelloser Haufe von Gebildeten und Ungebildeten gegenüber, denen der Name „Boulanger" sozusagen gleichbedeutend scheint mit der Ehre und Größe Frankreich»; Ob General Boulanger |tn der That ein so tüch­tiger Militär ist, wie manche Franzosen ihn schildern, dar wissen wir nicht, andererseits aber glauben wir seins Bedeutung nicht unterschätzen zu sollen; beim er verfügt ohne Zweifel über eine tüchtige Portion Unternehmungsgeist und Energie, über ein gewisses Organisationstalent, über einen rücksichtslosen Willen und über eine nicht zu unter­schätzende Popularität. Wir möchten es deßhalb sogar für sehr ftaglich halten, ob. der offizielle Kriegsminister Boulanger dem Frieden für bte Zeit gefährlicher werden könnte, als der Exmmister und kommandirende General Boulanger, dessen Popularität durch den Rücktritt wider Willen nur einen neuen Glorienschein gewinnen würde und ihn in einem Moment der allgemeinen Aufregung leicht an die Spitze der Regierung bringen könnte. So ist also die Zukunft vorläustg in jeder Be- ziehung unsicher, und erst die nächsten Ereignisse können Klarheit darüber schaffen, wessen wir uns bald wieder berauben werde. Wollen Sie ihn mir überlassen, wenn Sie ihn eine Zeitlang gehütet haben. Miß O'Reil, Ruala hat mir versprochen, mein Weib zu werden."

Die alte Dame blickte von einem zum andern, in sein hübsches stolzes Gesicht und in das Nua- la's, welches vor seliger Freude strahlte. Sie konnte das Glück nicht verbergen, welches aus ihren glänzenden Augen schien und als ihre Tante sie zärtlich umarmte, seufzte sie: „O Tante Nanny! Ich bin so glücklich!"

Rur eine Minute hatte sie Robert Thurgood sanft umschlungen, hatte die größte Zufriedenheit und Glückseligkeit in ihr gepreßte», kleine» Herz gesenkt — um im nächsten Moment durch den Eintritt Garret O'Donnel» wieder vertrieben zu werden.

„Ruala!" , , .

Da» Mädchen stieß einen Schrei au» und um­schlang Robert Thurgood konvulsivisch. „Sie haben mir versprochen, mich nicht gehen zu lassen, rref sie wild. Ich kann nicht gehen! Ich kann nicht nach Schloß Garret zurückgehen l"

„Halte Deinen Mund I" sagte rhr Vater in einem so ungebildeten Tone, wie man ihn niemals von dem aristokratischen Garret O'Donnel erwar­tet haben sollte. „Du hast gewagt, meiner Auto-

Deutsches Reich.

Berlin, 22. Mai.

• Der Kronprinz empfing gestern den Reichs­kanzler Fürsten Bismarck zum Vortrage. Fürst Bismarck bezieht sich in einigen Tagen nach Friedrichsruhe. Staatssekretär Graf Bis­marck trifft Anfang» nächster Woche aus Dublin wieder hier ein.

• Prinzessin Friedrich Karl kehrt am 26. d. aus Italien, Prinz Friedrich Leopold am 28. d. von seiner Reise um die Welt wieder nach Berlin zurück. m

• Der Reichstag führte heute die 2. Be- rathung der Kunstbuttervorlage zu Ende. Eine lange Debatte veranlaßte der von der Commission neu aufgenommene § 2, welcher die Herstellung und den Vertrieb von Mischbutter (Mischung von Margarine und Naturbutter) überhaupt ver­bietet. Staatssekretär v. Bötticher sprach sich gegen diesen neuen Paragraphen aus, durch dessen Annahme da« Zustandekommen des Gesetzes über­haupt in Frage gestellt würde. Das Gesetz charakterisire sich nicht als ein landwirthschast- liches, sondern als ein Nahrungsmittelgesetz; seine Aufgabe fei, da» Publikum vor Täuschung zu bewahren, nicht eine lästige Konkurrenz zu be­reiten. Gegen den § 2 sprachen ferner bte Abgg. Peters (nlb.), Witte (frf.), Clemm (nlb.) unb Grub (nlb.), während bte Abgg. Graf Adel­mann (Centr.), v. Webell-Malchow (kons.), Robbe (RchSp.), Graf Holstein (kons.), sowie der Refe- reut Dr. DrechS'.er bafür eintreten. Schließlich würbe § 2 mit knapper Mehrheit angenommen. Der Rest ber Vorlage wurde gleichfalls durchweg nach den Beschlüssen der Kommisfionsvorlage ge- nehmigt. — Montag: Literarkonvention, Rest der heutigen Tagesordnung unb Wahlprüfungen.

♦ Der Abgeordnete Johannsen (Däne) hat, unterstützt von Polen, Protestlern und Sozialde­mokraten, folgenden Antrag eingebracht: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen: km Reichstage eine Vorlage, betreffend die Revision der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen und sonstigen Vor« rität zu widerstreben, aber ich werde Dir Gehor­sam beibringen. Dein Betragen ist schimpflich; meine Frau hat mir davon erzählt, wie Du in meiner Abwesenheit Herren empfangen, mit Ihnen Zusammenkünfte gehabt hast, unb von Deinem leichten Betragen überhaupt. Ich werde dem ein Ziel setzen. Komm augenblicklich nach Schloß ©ar­tet zurück!"

Ruala starrte von Mr. Thurgood weg auf ihren Vater, während er sprach. Sie wollte eine schwache Widerlegung versuchen, aber Miß Ranny unter- brach sie: „Gott vergebe Ihnen, Garret O'Don­nel, diese verleumderischen Worte und alles Elend, das sie dem armen Kinde verursacht haben! Doch bald wirb sie au» Ihrer Macht sein," fügte sie unvorsichtig hinzu, „benn da steht ein guter unb treuer Mann, bereit unb willig, sie zu seinem Weibe zu machen, unb mein bester Segen beglei- tct !"

Das war eine unglückliche Rede von Miß Nanny. Die Thatsache, daß sie die Sache billigte, war für Garret O'Donnel genügend, dagegen zu sein. „Sie scheinen die Sache ohne meine Genehmigung ab­gemacht zu haben," erwiederte er schneidend, „aber Sie haben vergessen, baß meine Einwilligung noth« wenbig ist." „ , f

„Ich bitte Sie jetzt darum," sagte Robert Thur-