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JK 113-

Freitag, den 20. Mai.

1887.

hlhtr W 3titiig.

Die Ratibor-Adreffe.

In der .Ratibor Leobschützer Zeitung' hat der Herr Stadtpsarrer von Ratibor, Herr Geistlicher Rath Schäffer, vormaliges Centrumsmitglied, in Betreff der vom Herzog von Ratibor geplanten und später wieder aufgegebenen Adreffe an den hl. Vater unterm 10. Mai folgende Erklärung

Lesung einer Stelle in der .Ratibor-Leobschützer Qeitung' Nr. 104 fühle ich mich veranlaßt, meine persön­liche Ueberzeugung auszusprechen, daß Seine Durchlaucht der Herzog von Ratibor gemäß dem ehrlichen Bestreben, erkannte und bekannte Jrrthümer mögllchst gut zu machen, es nicht verdient, das Ziel maßloser Angriffe zu fern. So wenig ich die Jrrthümer Sr. Durchlaucht theilte oder schonte, so sehr acht- ich das vor Herrn Erzprrester Ruffek bei Gelegenheit der Einführung des neuen Pfarrers in Räuden vor zahlreichen Zeugen abgelegte B-kenntniß des richtiqqestellten katholischen Standpunktes und die sreudig- qefchästige Leitung der Arbeiten im Herrenhause zu Gunsten desselben. Ich möchte darum meinen, daß der Präsident des Herrenhauses einige Schonung und Rücksichtnahme verdient, auch wenn man den Plan einer Adresse den muthmaßlichen Anlaß zu neuen Spaltungen unter den Katholiken weder Befürworten noch fördern kann."

Diese Erklärung ist hochintereffant und um so bemerkenswerther, als sie augenscheinlich mit der wenige Tage später erfolgten Erklärung des Herzogs von Ratibor und Grafen Brühl in der .Post' und .Kczztg.' in ursächlichem Zusammenhänge steht. Die Person des Herzogs von Ratibor selbst er­scheint in der Beurtheilung des Stadtpfarrers von Ratibor für uns Katholiken in einem gün- stigeren Lichte als bisher; und es wird wohl kaum einen Katholiken geben, der nicht seine Helle Freude daran hätte, wenn ein Mann wie der Herzog von Ratibor seine „erkannten und bekannten Jrrthümer möglichst gut macht", wenn er seinen früher falschen Standpunkt j tzt „richtig stellt". Es versteht sich auch von selbst, daß ein kathc- lisches Blatt, sobald ihm diese Umstände von kompetenter Seite verbürgt sind, dem Herzog gegen­über eine gam andere Haltung einnehmen wird. Sollten in der That „maßlose" oder, wie der Herzog selbst meint, „gehässige" Angriffe vorge­kommen sein, so würden mir solche überhaupt nicht billigen, möchten nun die Umstände liegen, wie sie wollten. Jedoch sind uns Angriffs, welche ein solches Prädikat verdienen und das Maß be­rechtigter Abwehr und nothwendiger Offenheit überschreiten, bisher nicht zu Gesicht gekommen.

Es ist ein sehr bequemer Standpunkt, wenn

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Im Wl dkl Ätbitltte.

Roman aus dem Englischen von E. Blackburne.

48. Fortsetzung.

Aber Mary regte sich nicht, und Garret O'Don- nel ging zu ihr, stellte sich ihr zur Seite und sprach: „Ruala — Mary wurde mir heute ver- wählt, und ich fordere von Dir, daß Du ihr von jetzt an die Achtung und den Gehorsam erzeigen wirst, den Du ihr als meiner Frau, der Hsrrin des Hauses und Deiner Stiefmutter schuldest."

Ruala wußte nicht, ob sie pecht hörte. Könnte es möglich sein, daß ihr Vater, der stolze Garret O'Donnel, aus Schloß Garret sich so vergessen und eine solche Heirath geschlossen hatte! In sprach- losem Erstaunen blickte sie von einem zum andern und dann sagte sie in einem ungläubigen Tone: „Vermählt, Papa! Mary Dempsey Dir vermählt 1

„Und warum nicht, bitte?" fragte er, während sich eine ärgerliche Röthe über sein Gesicht verbreitete.

„Vater, ich kann nicht glauben, daß Du Dich und Deine Stellung so weit vergessen haben könn- test!" rief da» Mädchen zögernd, während all' ihr blaue» Blut in Wallung gerieth. Mary Dempsey! Es ist nicht möglich!"

man selbst einen Fehler begangen hat und m der Presse deßhalb zurechtgewiesen wird, mit der Miene gekränkter Unschuld auf die „gehässige" PMe hinzuweisen, und sie bei der Gelegenheit mit verächt­lichem Achselzucken zu behandeln, wie das der Herzog von Ratibor gethan hat. Will man gerecht sein, so vergegenwärtige man sich den Gang der Dinge in ihrer Reihenfolge. Was that der Herzog von Ratibor? r

Im Jahre 1873 veranstaltete er die bekannte Staatskatholiken-Adrc sse zu Gunsten der Maigesetze und versuchte — gottlob vergeblich — die „national­gesinnten" deutschen Katholiken unter Hinweis auf angebliche „hierarchische Uebergriffe" und „unbe­rechtigte Ansprüche" Roms von Papst und Bischöfen zu trennen. Zeuge dessen ist sein jetziger Genosse, Graf Brühl, der 1873 eine geharnischte Erklärung gegen den Herzog erließ.

Seitdem hatte man in kirchenpolitischen Dingen wenig mehr vom Herzog von Ratibor gehört, höchstens daß er in jeder Hinsicht seinen staats­katholischen Ansichten treu geblieben war und sich offen als Gegner des C-ntrums bewies. Der Name des Herzogs war mit jenem mißglückten Versuch von 1873 untrennbar verknüpft, die „Ratibor- Adreffe" blieb Allen unvergessen. Zum ersten Male wurde der Name des Herrenhauspräsidenten in Verbindung mit wichtigen kirchenpolitischen Fragen wieder genannt, als Monsignore Galim- berti in Berlin wellte, von dem Herzog zur Tafel geladen wurde und dort mll Hilfs des Herzogs und des Grafen Fred Frankenberg die bekannte Depesche an den hl. Vater abließ, welche der Freude über die Annahme der Kirchenvorlage im Herrenhause Ausdruck gab. Damals waren aber gerade im Herrenhause wichtige Verbesserungs­anträge des Hochw. Herrn Bischofs von Fulda, welche eine größere Unabhängigkeit der Kirche von der Staatsgewalt garantiren sollten, abgelehnt worden, und der Bischof von Fulda selbst hatte jene denkwürdigen Worte gesprochen, daß er nur mit schwerem Herzen, in der sicheren Voraussicht weiterer Verbesserungen und um das Friedens­werk nicht ernstlich zu gefährden, sein Ja für eine Vorlage abgeben könne, welcher der gesammte Epis­kopat und das katholsche Volk mit großen Besorg- nifssn gegenüberständen. Zu den Männern, welchen es die preußischen Katholiken mitzuverdanken haben, daß die Kirchenvorlage kein günstigeres Resultat

„Ich will Ruala in dieser Weise nicht von mir sprechen hören!" unterbrach Mary selbstvertrauend und froh. „Sie oder ich muß das Schloß ver­lassen! In meinem eigenen Hause hoffe ich ihr zeigen zu können, daß sie mich als Herrin desselben zu behandeln hat!" .

„Beruhige Dich, beruhige Dich, meine Liebe," erwiderte Garret O'Donnel, ihr auf die Schulter klopfend. „Ruala ist ganz bereit, Dich als ihre Mutter zu bewillkommnen, Dich als die Gebieterin des Hauses anzuerkennen und Dir allen schuldigen Gehorsam zu erzeigen." ,

„Ich bin zu gar nichts der Art bereit!" ent­gegnete Ruala mit flammenden Augen und purpur- rothsn Wanken. „Ich werde Mary Dempsey weder Achtung noch Gehorsam erzeigen. Das sage ich ein- für allemal. Ich kenne nun das Geheimmß ihrer Grausamkeit und Frechheit gegen mich wäh­rend der Zeit, die ich in meinem Zimmer einge- schlossen gewesen bin. Du magst mit mir machen, was Du willst, Vater, ich werde sie niemals als Deine Frau oder als die Herrin von Schloß Gar­ret anerkennen." ,

Da» Mädchen zitterte heftig, als sie schloß und sie mußte sich auf einen Stuhl stützen.

Mit einem von Leidenschaft entstellten Gesichte

für die Kirche erzielte, welche auch ihren Einfluß in Rom geltend machten, um den hl. Vater zu überzeugen, daß zur Zeit mehr nicht zu erreichen fei, gehörten aber in erster Linie der Herzog von Ratibor und seine katholischen Spezialfreunde im preußischen Herrenhause. Die hierauf folgende Entscheidung des hl. Vaters begnügte sich in Er­mangelung eines Besseren vorläustg mit der Kirchen­vorlage in der Herrenhausfassung,' ließ aber keinen Zweifel darüber, daß diese ihn keineswegs beftie- digt habe, daß vielmehr alle Mühe und Sorge aufgewendet werden müsse, um noch mehr zu er­reichen, um die noch bestehenden Beschränkungen der Freiheit der Kirche vollends zu beseitigen. Die Katholiken haben selbstredend der Anordnung des hl. Vaters Folge geleistet und sich, in der Hoffnung auf zukünftige bessere Erfolge bei den Entschließungen Roms „beruhigt". Das war es ja, was der hl. Vater in dem Schreiben an den Erzbischof von Köln begehrte.

Daß unter solchen Umständen das neue Kirchen - gesetz weder in Rom, noch in den preußischen Bischofssitzen, noch auch im katholischen Klerus und Volke mit wahrer, voller Befriedigung und mit lautem Jubel begrüßt wurde, versteht sich ganz von selbst. Die Stimmung des katholischen Volkes war deßhalb einer öffentlichen Freuden­kundgebung anläßlich des neuen Gesetzes so un­günstig wie nur möglich. Aber was geschah? Die sogenannten „Staatskatholiken" des Herren­hauses, wollten sich von der allgemeinen herrschenden Stimmung emancipiren und in Form einer Dankadresse an den hl. Vater ihrer hohen Befriedigung über da» neue Gesetz und über den angeblich schon ganz erreichten „kirchlichen Frieden" Ausdruck geben. Durch diese Kundgebung wollten diese „Staatskatholiken" des preußischen Herren- Hauses sich in offenen Gegensatz stellen zu der im langjährigen schweren Kampfe erprobten Centrums­fraktion des Abgeordnetenhauses, und das nach­holen, was diese angeblich versäumt hätte. Was mußte da näher liegen, als daß die ganze katho­lische Presse wider diesen gegen Windthorst und das Gentrum, wie gegen sie selbst gerichteten Plan wie ein Mann Front machte? Wer will ihr das verübeln? Und dann fragen wir: Sollte die katholische Presse nicht berechtigt sein, die schneidige Waffe, welche in der Wiederauffrischung der be- rüchtigten Staatskatholiken-Adresse von 1873 lag, nahte sich ihr Vater ihr und zischte fast: „Du mußt meinem Weibe den schuldigen Gehorsam er­zeigen!" , _ ,, .

„Ich werde mich Mary Dempsey 6 Frechheit nicht unterwerfen," sagte ste fest und bei diesen Worten glitt sie aus dem Zimmer.

Wie gewöhnlich stand die Hausthür offen und ein kühler Wind, der sich nach dem Regen erhoben hatte, blies frisch herein. Lange war Ruala nicht mehr in der frischen Luft gewesen und fast unwill­kürlich wandte sie sich der offenen Thür zu. Eine Minute stand sie hier, da fuhr ihr rote ein Blitz der Gedanke durch den Sinn: „Soll ich nicht zu Tante Ranny fliehen?"

Sie wußte zu gut, welch' ein Leben voll Schmä­hungen und Entsagungen sie bei Mary erwartete. Ihr Entschluß war gefaßt, und Ruala eilte ohne Hut und Shawl, während die langen schwarzen Locken im Winde flatterten, die Treppenstufen hm- unter und den feuchten Kiesweg entlang, ^hr Herz schlug heftig und ihr Kopf schwindelte, aber die frische Luft und der seine herabsallende Regen tha- ten ihr wohl und sie hatte schon da» Ende de» Grasplatz» erreicht, al» sie ihren Vater rufen hörte: „Ruala!"

(Fortsetzung folgt.)