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1887.

Dienstag, den 17. Mai.

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Solche Ausrufe erschallten von

gethan, Betty", allen ©eiten.

46. Fortsetzung.

„Ich danke Dir herzlich, Brigitte, ich bin nicht hungrig," erwiderte Betty, glaubst Du, daß ich heute Abend wohl noch Miß Nanny sehen könnte?

9 Ich glaube nicht, Miß Nanny ist wahrend der" letzten Tage leidend gewesen."

„Was hat sie denn?" ,

Sie hat genug, Rheumatismus und ein rheu­matische» Fieber, hat der Doktor gesagt, ant­wortete Brigitte. t , .,

„O weh, weh!" rief Betty, »dannkannich gewiß nicht zu ihr. E» ist da» unglücklichste Ding von der Welt, daß Miß Nanny M krank sein muß. Die arme Miß Nuala befindet sich m der arößen Unruhe."

„Wieso denn Betty?" ,

Da hat der Herr heute Nachmütag da» arme Kind angesallen und sie hat ihm etwa» entgegen gesagt, und nun hat er sie in ihr Zimmer einge- schloffen und mich hat er f-*;-*--» "*>

Kerkermeisterin spielen wollte", .

sich die Augen mit einer Ecke ihrer Schule.

Deutsches Reich.

Berlin, 16. Mai.

* Die Unfallversicherungs-Kommis- Mon des Reichstages, welche am Sonnabend die Berathung der Unfallversicherung für Seeleute be­gonnen hat, brachte dieselbe heute um em gute» Stück vorwärts. Angenommen wurde ein Amen­dement des Abg. Woermann, wonach die Rente der Hinterbliebenen nach dem Jahresarbeitsdienst ■ ohne Zurechnung der Beköstigung bemes- ! sen werden soll.

* Die Branntweinsteuerkommission des Reichstags hat heute § 1 der Vorlage, worin bte Steuersätze für die Verbrauchsabgabe auf 50 und 70 Pfennig festgesetzt worden, mit 19 gegen 6 Stimmen angenommen.

* Da» Zustandekommen de» Zuckersteuer- qesetze» scheint nach der.Nationalzeitung' davon abzuhängen, daß das Au»beute-Verhältniß bester, al» in dem Entwurf mit dem heutigen Stande der Produktion in Einklang gebracht werd. E» scheint, daß da» Verhältniß von 9 :1 schon inner« halb der Regierungskreise befürwortet worden war, daß die Vertreter der Zuckerproduzenten sich aber dort stärker erwiesen, al» die der Interessen der Reichskaste. Wenn nicht schon im Bundesrath, so wird es doch hoffentlich im Reichstage möglich sein, eine wirkliche Reform durchzusetzen.

• DerPolizeikommistar Schnäbele wird nicht pensionirt, sondern zum Spezialkommistar in Laon ernannt.

* Die .Kreuzzeitung' schreibt: „Die Nachrichten, welche uns au» Paris, und zwar von gut unter« richteter Seite zugehen, lasten die Zukunft Frankreich» in einem sehr unsicheren Lichte erscheinen. Unter solchen Umständen gewinnt die Absicht der französischen Regierung, demnächst em Armeekorps mobil zu machen, eine Bedeutung, welche Deutschland im Jntereste seiner Sicherheit zu Gewaltmaßregeln zwingen wird. Die Macht- Haber in Frankreich mögen sich deshalb nicht wun­dern wenn man bei uns in maßgebenden Kreisen die eventuelle Verstärkung aus Kriegsfuß für fämmt- liche in den Reichslanden stehenden Truppen in Erwägung ziehen sollte."

Im Th»> der Mttbikde«.

Roman aus dem Englischen von E. Blackburn e.

• In einigen Pariser Blättern wird jetzt von der Abhaltung der für 1889 geplanten Weltaus­stellung abgerathen. E» sei, heißt e», mit der patriotischen Pietät nicht vereinbar, mit einer Feier wie der der 100jährigen Gedenktage der Ereignisse von 1789 da» geräuschvolle Treiben einer kosmo­politischen Menge zu verbinden. Seitdem bte Ausstellung beschlossen worben, habe sich bte po« litische Sage wesentlich geänbert. Man könnte keinen hellblickenden Geist finbett, brr es wagen möchte, sich bafür verbindlich zu machen, daß Europa auf zwei Jahre der Ruhe zählen könne. Erst kürzlich habe ein Krieg in Sicht gestanden; die Befürchtungen hätten sich allerdings zerstreut, aber sei denn die volle Sicherheit zuruckgekehrt? Dreißig Monate im Voraus Besuche aller Nativ« neu einzuladen und zu versprechen, daß während dieser Zeit keinerlei Ereigniß die Festlichkeit, die man organifirt, unmöglich machen wirb, da» sei doch eine kühne Verpflichtung. ,©tMe meint, nachdem einmal der verhängnißoolle Entschluß ge« faßt worden sei, die Arbeiten in Angriff zu nehmen, sei es unzulässig, dieselben wieder einzustellen. Aber es würde keinen Nachtheil im Gefolge haben, wenn man die Eröffnung der Ausstellung um ein Jahr verschöbe, dieselbe also erst 1890 erfolgen . ließe. Dieser Aufschub würde die Möglichkeit ge­währen, es ruhig mitanzusehen, wie sich die Dinge in der Politik entwickeln und den Veranstaltern selbst würde damit Zeit gegeben, ihre Aufgabe ohne Ueberstürzung durchzuführen. Die Art, wie sich .Siöcle' mit seinem Vorschläge um den Kern­punkt der Frage herumwindet, berührt fast komisch. Das monarchische Europa will die Ausstellung nicht beschicken, weil e» sich nicht dazu hergeben ! will, die Revolution al» solche zu feiern. Und das ist ja gerade der Zweck der geplanten Aus­stellung. Diese» Bedenken, welches ,Swcle aus­zusprechen sich scheut, glaubt da» Blatt durch seinen Vorschlag der Aufschiebung der Ausstellung um | ein Jahr beseitigen zu können. Die politischen Gründe, welche ,©iede' ins Feld führt, find herz­lich wenig stichhaltig, denn wenn man nicht wech, wie sich die Dinge in den nächsten 2 Jahren ent­wickeln werden, so kann man noch weniger wiffen, wie sie sich in 3 Jahren entwickeln werden.

• Der russisch-officiöse »Nord' tritt den tn

„Mr. O'Donnel hat nie ein Herz gehabt", be- merkte die Wittwe Taffe. .

„Es ist ihm einerlei, wie er nut den Leuten umgeht", sagte Peter. „Ich glaube, er ist schlechter als ein Franzose oder Engländer."

Da» glaube ich auch, Peter entgegnete Betty. „Aber, Brigitte, ist Miß Nanny sehr । schlecht?" M _

„Sie ist schlecht genug," antwortete Brigitte.

I Ich habe ihr eben ein Pflaster von gekochten Epheublättern und Gänsefett auf den Rucken ge­legt, das feinst- Ding, um Schmerzen zu stillen.

Bald darauf wurde Betty Neal erlaub!, zu Miß Nanny zu kommen. Sie fand die alte Dame ! im Bette, von rheumatischen Schmerzen und tjefti«

Di. Fulda« geitung' erscheint täglich, S^nd F««t°ge * *

9 „Wa» ist geschehen, Betty?" fragte sie prüfend. „Miß Nnala ist doch nichts zugestoßen?

Und nun fing die treue, gutherzige Betty an zu erzählen; erzählte Miß Nanny mehr von Garret O'Donnel» Selbstsucht und Egoismus, wie diese I

- 9 und Betty wischte kett unter die gewöhnlich unvernünftigen Beseh e di- mit M-r »>«*?•_ 4t Ä-ZÄÄ* *» macht ft« Ä. «$.8L«W I JÄÄ“« A I-WMchtigm Ausschweifungen und Liebe zur Gemächlichkeit, der

französischen Blättern colportirten Gerüchten von einem erfolgten ober noch bevorstehenden Abschluß eines französisch-russischen Bündniffe« entgegen und sagt: Kaiser Alexander III. hat nur einen Ziel- punkt: den allgemeinen Frieden. Um diese» Ziel zu erreichen, soweit wenigsten» die» in seiner Macht steht, glaubt der Beherrscher Rußland» sich seine volle Actionsfreiheit wahren zu fallen. Dadurch wird Niemand bedroht, Niemand ermutigt und jeder kann Nutzen daraus ziehen.

* Fulda. 12. Mai. lieber die jüngste An« Wesenheit unsere» Hochwürdigsten Herrn Bischofs in Berlin lesen wir in der ,N.-G. Z.': „Die kurze nur auf einen Tag beschränkte Anwesenheit de» Herrn Bischofs Kopp in Berlin hat ver­schiedene Kommentare über die Motive der Reise hervorgerufen. Das Gerücht, daß die Reise auch mit der Ratiborianer-Adreffe in Verbindung stehe, dürfte sich schwerlich bewahrheiten. Wahr­scheinlicher klingt die Meldung, die Ordensfrage und Verhandlungen darüber seien der Grund der Hieherkunft gewesen. Die .Kreuzztg.' bringt nun noch eine dritte Version, wonach auch die Be­setzung des bischöflichen Stuhle» in Breslau in Frage gestanden habe. Andererseits taucht hier das Gerücht von einer Kandidatur Sockel für Breslau auf. Der Genannte war früher Religions­lehrer, später Pfarrer von Mauritius in Breslau und wurde vor nicht langer Zeit von der Regierung in das Domkapitel vorgeschlagen. Eine Bestätigung dieser Meldungen, die ich unter aller Reserve ver­zeichne, bleibt abzuwarten."

Ausland.

* Brüssel, 16. Mai. Die gespannte Lage im Hennegau dauert fort. Im Centre wurde die Arbeit von Neuem eingestellt in den Kohlengruben von Boisdulnc, Houffe, Bonvy und Sarslong- champs, woselbst gegen 4000 Arbeiter sinken.

! In der vergangenen Nacht wurden von den An­hängern Desuiffeaux' abermals Plakate tn Salon« viere angeschlagen, die zu allgemeiner Arbeits­niederlegung aufreizten. Im Revier Charleroi wird feit vorgestern gestrikt, in Chatelet seit heute in den Gruben Carabinier, Trieu, Kaifin und Ormont. Die Gährung wird gesteigert durch bte gestern stattgehabten Meetings, doch folgen auch er allezeit nachgab, von feiner systematischen 93er» nachlässigung und täglichen Tyrannei gegen da» unglückliche Mädchen.

„Gatt helfe ihr!" rief Miß Nanny unter her­vorstürzenden Thränen. „Du thatest Recht daran, Betty, daß Du hierher kämest und mir Alles er­zähltest. Ich wünsche bei Gott, daß Garret ODon- nel mir das Mädchen geben möge. Sie soll ihm keinen Pfennig mehr kosten und das Wenige, wa» ich noch habe, will ich ihr hinterlaffen.'

Ich glaube nicht, daß sie der Herr wird gehen lassen, serwiederte Betty; „denn sie kocht für ihn nnd besorgt alle seine Geschäfte."

„Mein arme», liebe» Mädchen!" rief Miß Nanny, die sich lebhaft vorstellte, wie verlaßen und traurig Nuala in ihrem Zimmer fitzen mochte.

Betty ich will schreiben und ©artet O Donnel bitten,'mir das Mädchen zu schicken. Aber wa» sage ich, ich bin nicht säh.g, die Feder zu halten.

O weh, mein armer Liebling," rief Betty ver­zweifelt. Plötzlich kam ihr ein Gedanke tn ben Sinn. „Jakov Drake ist unten m der Küche, sagte sie eifrig; könnte er nicht fchreiben, was Ste ihm sagen würden?"

„Du hast Recht, Betty, da» geht. Geh', hole i Papier, Feder und Dinte und sage Jakob, er möge : > heraufkommen."