1887.
Montag, den 16. Mai.
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schoflen war.
„Sie flnd ein gute», treues Mädchen, sprach Garret O'Donnel gnädig. „Wenn ich schelle kam- men Sie herauf, um den Lohn zu holen, den ich dem betrügerischen, alten Weibe schuldig tun; Sie können nun das Zimmer verlassen."
Mary Dempsey ging hinaus, ein sonderbares
Deutsches Reich.
Berlin, 14. Mai.
* Die zweite Ausgabe der .Post' bringt folgende Erklärung des Herzogs von Ratibor und des Gra- fen Brühl: Es ist in verschiedenen Blättern von | einer Adresse die Rede, welche, von einigen katholischen Mitgliedern des Herrenhauses ausgehend, an den Papst gerichtet werden sollte, um demsel« ben zu danken, daß er zur Herstellung des kirchlichen Frieden» in wohlwollendster Weise fernen Einfluß geltend gemacht und in Uebereinstimmung mit der Regierung und unter Zustimmung beider Häuser des Landtags die noch schwebenden Diffe- mizpunkte so glücklich gelöst habe. Wir warm weit entfernt, zu glauben, daß eine derartige Kundgebung ein Gegenstand gehässiger Angriffe werden könnte, ehe noch überhaupt ein bestimmter Entschluß gefaßt und die Adrefle selbst bekannt gemacht wurde. Da dies leider aber geschehen ist, stehen wir von dem Vorhaben ab, weil wir den so lange entbehr- ten Frieden, ben wir endlich erreicht zu haben glaubten, nicht aus's Reue stören und dazu wenig- stens unsererseits keinen Anlaß geben wollen. Die gehässigen Angriffe der sich katholisch nennen- den Presse würden uns daran nicht gehindert haben, denn wir fürchten sie nicht, sind sie auch schon von dieser Seite gewohnt und in keiner Weise gewillt, darauf zu antworten. — Die .Schles. Volksztg.' bemerkt im Anschluß an die Nachricht, daß die Adrefle unterbleibt: „Wäre nur einiger- maßen Aussicht auf Betheiligung des katholischen Volkes vorhanden gewesen, so wäre die Adrefle selbstverständlich nicht unterblieben. Hoffentlich gelangen die Veranstalter derselben nunmehr allmählich zu der Einsicht, daß sie nicht berechtigt sind, sich als Vertreter der Anschauungen der deutschen Katholiken zu geriren; daß sie vielmehr nur eine verschwindende Minderheit hinter sich haben und höchsten» al» Werkzeuge zur Stiftung von Zwietracht zu gebrauchen wären, und auch das nur mit geringer Aussicht auf Erfolg."
• Der Oberpräsident von Posen wies ans Grund des Einspruchsrechte» die Präsentation des ehemaligen Germania-Redakteurs Szymanski für eine Pfarrstelle Privatpatronates zurück.
„Hier ist der Schlüffel, Sir", sagte Mary Dempsey, denselben O'Donnel triumphirend au»- händigend, nachdem er sich wieder in seinen kostbaren Armstuhl niedergelaflen Hatte, um seinen Karlowitzer weiter zu schlürfen, „ich habe die Thur zugeschloflen, Sir."
Recht so", seufzte Garret O'Donnel, „es freut mich, daß wenigstens noch eine Person tu meinem Lause ist, die von dem verderblichen Beispiele des Ungehorsam» meiner Tochter nicht angesteckt ist.
Mary Dempsey stand vor ihrem Herrn mit niedergeschlagenen Augen und zusammengeschlagenen Länden. Sie war ein muntere«, hübsche» Land- Mädchen, voll Leben und List — mit schwarzen Augen, rosigen Lippen, guten Zähnen und einer Figur, wie sie Ruben» zu malen liebte.
«» wäre gewiß nicht schön von mir, Sir, sagte sie sanft, „wenn ich etwa« gegen eine junge Dame gleich Miß Ruala sagen wollte; aber ick denke Sie haben Recht daran gehandelt, Betly > «“•ei'v »•••» »—" ' sj.
Real'wegzuschicken, Miß Ruala ist jung und weiß ' Licht in ihren hübschen, braunen Augen. f
Im Thal der Mitin.
Roman aus dem Englischen von E. Blackburne.
44. Fortsetzung.
45. Kapitel.
Garret O'Donnel schreibt einen Brief.
♦ Die Kaiserin ist heute früh nach Baden- Baden abgereist. Der Aufenthalt dortselbst wird etwa 6 Wochen dauern, worauf sich dann die hohe Frau nach Koblenz begiebt.
* Der Kronprinz ist heute Mittag von Ems abqereist und trifft morgen früh in Potsdam ein.
• Die beiden Häuser des preußischen Landtag» hielten heute ihre letzten Sitzungen in der Session 1887 ab. Das Herrenhaus nahm die Landgüterordnung für Kassel und das Kreis- theilungsgesetz für Posen und Westpreußen, ferner das Kunststraßen- und das Beamtenunfallgesetz nach den Beschlüflen des Abgeordnetenhauses an. Das Kreistheilungsgesetz veranlaßte eine lebhafte Debatte. Die Polen protestirten gegen da» Ge- setz. Herr v. KoScielski erzählte, der Beschluß über die Theilung de» Kreise» Jarotschin sei im Abgeordnetenhause nur dadurch zu Stande gekommen, daß widerstrebende Abgeordnete am Arme gefaßt und zur Jathüre hereingeführt worden seien. Der Präsident wies eine solche Kritik de» anderen Hauses als unparlamentarisch zurück. Minister v. Puttkamer und Geh. Rath v. Bitter wiesen die Anschuldigungen v. KoScielskis zurück. — Das Abgeordnetenhaus erledigte Petitionen. Neber eine Petition von Einwohnern Posens gegen die Heranziehung ihrer Kinder zum Religionsunter, richt in deutscher Sprache wurde nach längerer Polendebatte zur Tagesordnung übergegangen. Neber eine Petition des rheinischen Bauernvereins um Verkürzung der Schulpflicht für rheinische Dorfkinder wurde gleichfalls zur Tagesordnung übergegangen, da regierungsseitig die generelle Regelung der Verhältnifle für die Rheinprovinz in Aussicht gestellt ist und eine milde Praxis in dieser Beziehung bereits geübt wird. — Rach- mittags 41/* Uhr traten beide Häuser des Land- tags unter Vorsitz des Herzogs von Ratibor zu
i einer gemeinschaftlichen Sitzung zusammen, in welcher der Vizepräsident des Staatsministeriums von Puttkamer auf Grund Königlicher Verordnung den Schluß des Landtags aussprach. Mit einem vom Herzog von Ratibor ausgebrachten begeisterten dreifachen Hoch auf S. M. den Kaiser und König wurde die Sitzung geschloffen.
• Der deutsche Militärattache in Paris, Frei- Herr v. H u e n e, der erst feit einigen Jahren noch nicht alle» zu unterscheiden, aber Betty Real hätte e» ihr sagen sollen."
Garret O'Donnel sah dar Mädchen von der Seite an und sie gefiel ihm. „Was meinen Sie damit?" sagte er halb stolz.
„Run wohl, Sir, während der Zeit, da Sie weg waren, empfing Miß Ruala immer Herren hier im Hause.
„Was!"
Garret O'Donnel schien in seinem tugendhaften Unwillen zu vergeffen, wie hülflos und schutzlos er feine Tochter immer gelassen hatte.
„Ja, Sir, Mr. Randal war immer hier, und der Rath und Mr. Thurgood, alle kamen hierhin/ fuhr Mary fort, erwärmt führ ihre brillante Er- findung, „und Betty Real wußte eS und begleitete Ruala durch da» Gebirge, um Mr. Thurgood zu begegnen. Diese letzte Bosheit entwickelte sich aus der Thatsache, daß Ruala zu Mr». Cameron ge- gangen war in der Nacht, da der Aufseher er«
Hauptmann ist, ist der .Nationalzeitung' zufolge durch ein ganz außergewöhnliche» Avancement zum Major im Generalstabe befördert worden. Diese Maßregel wird al» die Antwort auf die Angriffe der hiesigen Preffe gegen den deutschen Militär- attacho au» Anlaß der Affäre Ayrolle» betrachtet.
* Abgesehen von den beiden Steuervorlagen gedenkt der Reichstag, dem Vernehmen nach, >i» zum Donnerstag vor Pfingsten feine Arbeiten ämmtlich zu erledigen, so daß nach Pfingsten ediglich die Berathung der beiden Steuervorlagen zum Abschluß zu bringen bleibt. Der Wiederzu- ammentritt soll am 8. Juni erfolgen.
• Der Geschäftsübersicht des Abge- ordnetenhauses über die heute abgeschloffene Session, welche am 15. Januar d. I. ihren Anfang nahm, ist zu entnehmen, daß da» Hau» 55 Plenarsitzungen abhielt. Außerdem fanden 26 Abtheilungs-, 142 Commissions- und 170 Fraktionssitzungen statt. Von 30 dem Hause zugegangenen Gesetzentwürfen wurden 29 angenommen. Der Gesetzentwurf, betreffend Gewährung einer Staatsbeihilfe an die rheinische Provinzialhilfscafle blieb unerledigt. Außerdem wurden der Etat, Rechnungsvorlagen und Denkschriften erledigt. Selbst- ständige Anttäge wurden von Mitgliedern des Hauses 7 eingebracht, davon ist ein Antrag erledigt durch Annahme des angeregten Gesetzentwurfs, auf einen Antrag wurde eine Resolution beschlossen, einer abgelehnt, einer durch Nebergang zur Tagesordnung erledigt, einer zurückgezogen und 2 blieben unerledigt. Petitionen sind 516 eingegangen. t
• Aus Grund de» Gesetze», betreffend die Be. schrärckungen des Grundeigenthums in der Umgebung von Festungen macht der Reichskanzler bekannt, daß die Erweiterung der Festungsanlagen von Straßburg im Elsaß, Metz und Posen bezw. ihrer Rayons in Aussicht genommen ist.
Ausland.
* Brüssel, 13. Mai. Dem .Peuple'- zufolge ist unter den Grubenarbeitern be» mittleren Kohlenbassins ein Strike ausgebrochen. — 14. Mai. Obgleich in ben meisten Gruben im Centre heute früh die Arbeit wieder aufgenommen wurde, dauert die Küche betrat, fand sie dieselbe leer. Sie glaubte, Betty werde in ihrem Schlafzimmer fein, um ihre Sachen einzupacken, und ging dorthin, aber Betty war nicht zu sehen.
„Ist sie zu Miß Ruala?" dachte da» argwöh. Nische Mädchen. Aber auch in ben Treppen war Alle» still unb einsam unb Mary kehrte in bie Küche zurück, um dort die Ankunft der treulosen Betty zu erwarten.
„Wo ist Betty?" fragte sie ben nun eintreten« ben Konrad.
„Was geht das Dich an?" war die eben nicht sehr ceremonielle und höfliche Antwort.
„Es geht mich nicht viel an," antwortete Mary, „aber der Herr will ihr ben Lohn ausbezahlen."
„Ich will den Herrn für Betty sprechen; also bekümmere Dich nicht um sie," sagte Konrad, und beschäftigte sich damit, die Meffer und Gabeln in ben Tellerkorb zu zählen.
Mary Dempsey hielt sich ruhig. Sie war in ihrer Art ein kluges Müschen unb kannte ben Werth des Sprichwortes, daß Sprechen — Silber, Schweigen — Gold ist.
Jetzt schellte Garret O'Donnel unb sie sagte: „Der Herr schellt. Du gehst bester sofort, wenn Du etwas für Betty sagen nullst."
Ohne Gegenantwort verließ Konrab bie Küche und erschien vor seinem Herrn.