log. Sonnabend, den 14. Mai. u
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Deutsches Reich.
Berlin. 13. Mai.
• Beide Häuser des Landtag» Men heute Sitzungen ab. Da» H e r r e n h a u » nahm nach Mgerer Debatte den Gesetzentwurf, betreffend bte Cantongefängnisse in der Rheinprovinz, an und ertheilte die Genehmigung zur strafrechtlichen «et« solguna des Frhr. v. Schorlemer-Metternich wegen Beleidigung des Herrenhauses, und des Frhr. von Solemacher«Antweller wegen Herausforderung zum Duell, lehnte dagegen die Verfolgung einer Anzahl Zeitungen in geheimer Sitzung ab. — Morgen Kreistheilungsgefetz, Landgüterordnung für Kassel, Beamtenunfallgesetz. — Da» Abgeordnetenhaus ging über Petitionen und Wtederzulaffung der Realschulabiturienten zum Studium de» Staat«- baufaches zur Tagesordnung über, überwies bte« selben Petitionen aber, soweit darin eine generelle Regelung der Vorschriften über die Vorbildung für den Eintritt in den höheren Staatsdienst gefördert wird, der Regierung zur Berücksichtigung. Von nationalliberaler und freisinniger Seite wurde Berücksichtigung der Petitionen in ihrem vollen Umfange gefordert. - Morgen Petitionen. - Der Schluß des Landtags findet Morgen Abend 7 Uhr statt.
• Der Reichstag, dem die Novelle zum Nahrungsmittelgefetz zugegangen ist, nahm heute da« Militärreliktengesetz in zweiter Lesung an. Staatssekretär v. Bötticher konstatirte die Ueberzeugung der preußischen Regierung und der Reichsverwaltung, daß die Reliktenbeiträge ber Sivil- beamten entweder ganz oder theilweise in Wegfall kommen müßten. DiesejErklärung wurde bei den Nationalliberalen und Konservativen, rote beim Centrum mit Befriedigung ausgenommen. Bon den Freistnnigen hielt Abg. Dr. Baumbach bte Erklärung nicht für binbenb genug, roährenb Abg. Richter in bem Wegfall ber Reliktenbeiträge eine fchablonenhafte Gehaltserhöhung er- blickte unb sich bemzufolge dagegen erklärte. Dann wurden Wahlprüfungen erledigt und bte Wahlen ber Abgg. Lande«, Fehling, von Kleist- Ratzow und Dr. Meyer «Halle für gülttg er- klärt. — Nächste Sitzung Dienstag: Nachtrag»- etat, LUerarkonvention, Wahlprüfungen.
In <1(1 dn Mtrbirkei.
Roman aus dem Englischen von 6. Blackburn«.
U. Fortsetzung.
44. Kapitel.
Mary Dempsey.
Beschämt und fast vernichtet verließ Nuala da» Gemach und stieg di« Treppe zu ihrem eigenen Zimmer hinauf. Nachdem sie e« erreicht hatte, zog sie vorsichtig ihr Kleid au» und betrachtete ihren Arm, den chr Vater so rauh gedrückt hatte. Da waren die Abdrücke seiner Finger in schwarzen Merkmalen auf ihrem weichen Fleische. So un- würd g war da» Mädchen noch nie znvor behan« beit worden; ihr kleine», stolze» Herz war tiefy demüthigt und bittere Thränen fioffen über ihre Wangen. Nuala fühtte, daß dieser Tag auf die eine ober anbere Weise einen Wendepunkt in ihrem Leben herbeiführen werde, und sie wußte, daß ihr so etwa« nicht wieder begegnen werde. Sie saß vor bem Spiegel, ihre Augen auf bte grausamen Merkmale auf ihrem Arm geheftet. Dieselben stießen sie zurück unb bezauberten sie boch eud. chieder und sie sagte fast mechanisch: „6r hat meinen Geist ost genug gedrückt, Gott weiß e»! Meinen Körper hätte er schonen können/
tärbudget, die Regierung hat schon 13 Millionen daran gegeben, aber der Budgetausschuß verlangt eine noch gründlichere Sparsamkeit zur Herstellung de« Gleichgewichts im Budget. Wir sehen dm Ministerpräsidenten auf Aufforderung des Budget- ausschuffes erscheinen, um Rechmschast zu gebm und sich zur Sache zu äußem, wir sehen, wie Herr Goblet von den Deputirten wie ein Schulbube behandelt sund wie ihm der Kopf zurechtgesetzt wird. Und das Ende vom Liede scheint jetzt, nachdem Budgetkommisston und Regierung nicht einig wer- den können, der Sturz des Ministeriums Goblet zu werdm, beim ber mit 25 gegen 5 Stimmen gefaßte Beschluß ber Kommission, bie von ber Regierung vorgeschlagenen Ersparnisse als ungenügend zu bezeichnen, läßt nur zwei Möglichkeiten offen, entweder den Konflikt, also Beseitigung der bis. herigm Regierung, oder noch weitere Nachgiebigkeit de» Ministeriums, welche jedoch, nachdem die Sache schon soweit gediehen ist, eine eklatante De« müthigung der Regierung bedmten wird. Vorstehende Ausführungen sollen keineswegs unser Wohl- gefallen an den französischen Zuständen beweisen, im Gegentheil. Aber sie sollen an einem neuen Beispiel darthun, rote fragwürdig die kleinen Mittelchen gewesen find, mit denen die „Kartellbrüder, schäft" die Reichstagsmehrheit an sich gezogen hat. Damals war alles voll von Lob und Preis über die „grande nation“, deren Patriotismus und Opferwilligkeit unsere „Reichsnörgler" fchamroch machen müffe. Hmte, zwei Monate später, dottert die „grande nation“ noch am Budget herum, zwingt die Regierung zur Sparsamkeit und zur Ausgebung weitgehender Millionen-Wünsche. So
1 ändern sich die Seiten. Zu gleicher Zett sehen wir bei uns wieder eine neue Auflage der so fruchtbar sich erwiesenen Wahltawk austauchen. Bekanntlich wurde alle«, wa« die „Opposition" bekämpfte oder wenigstens näher prüfen wollte, mit dem Schlagworte abgethan, „da» ist der Friede", wer dagegen ist, ist gegen den Frieden, ist ein FtanzosenfreuA ein LandeSverräther, ein — Gott weiß, wa«. So geht'« jetzt wieder mit ber Branntweinsteuervor- läge. „Die Schnap«vorlage ist ber Friebe , heißt e« jetzt in bett Organen, welche ihren politischen unb wirthschastlichm Verstand zeitweilig zu Gunsten eine« Höheren penfionirt haben, wer dagegen
I ankämpst gefährdet den Frieden. Auf diese Art
kalten Zimmer zu sitzen; er denkt nur an sich selbst." .
Wieder klopfte e« an der Thüre und Konrad fragte: „Bist Du da, Betty?"
„Ja, ich komme." „
„Ich werde bald wieder zurück sein, Liebling, sagte sie zu Nuala und verließ da« Zimmer.
Die Thüre blieb halb offen stehen, und bald vernahm Nuala unten in der Halle heftigen Zatck. Sie lauschte und hörte Konrad sagen: „Ich werde Mß Nuala nicht einschließen. Nehmen Sie zum Kerkermeister einen schicklicheren Mann, al» mich, der sie al« Kind in seinen Armen getragen hat. Nein, in der That, Sir,' ich will thun, wa« Ne wünschen, aber niemals einen Finger gegen Miß Nuala ausheben." , , . ,
„Was, wollen Sie mir verweigern, was ich Ihnen befehle? rief Garret O'Donnel ärgerlich.
„Dieses ja, Sir;" und Nuala hörte, wie er aus der Halle ging und die Thüre hinter sich ^°Frau", sagte chr Vater jetzt zu Betty Neal, „gehen Sie und schließen Sie Nuala in ihrem Ammer ein und dann bringen Sie mir den Schlüssel.
„Verlangen Sie das nicht, Mr. O'Donnel , sagte dir alte Frau ruh'g. „Ich werde nicht»
1 gegen da» arme, unschuldige Kind thun. Gehen
♦ Die .Germania' tadelt an der Ratibor- I Frankenberg'schen Adresse, daß sie von Unberufenen ausgehe, nicht von Denjenigen, die unsere geistlichen Führer oder unsere politischen Vor- kämpfer sind und fährt dann fort: „Im Gegentheil, indem der Name eines Mannes an ber Spitze ves Unternehmens steht, bet im Kulturkampf an der Spitze de« traurigsten Actenstücke» stand, welche« damal« überhaupt von Katholiken gegen ihre hart bedrängte Mutter, die Kirche, gerichtet worden ist, indem mtt diesem Manne sogar wieder derselbe Graf Frankenberg in einer Linie erscheint, welcher noch in den letzten Wochen die Grundsätze der Kirche verleugnete und ihre treuesten Kinder ver- höhnte und verletzte, hat die Jnswerksetzung der Adreffe von vornherein den Charakter, al« sollten nun nachträglich Diejenigen, welche in Roth und Kampf ihre Mutter nicht veriheidigten, sondern verließen und angriffen und zum Theil da« sogar noch jetzt thun, al» die nun durch die Ereignisse Gerechtfertigten und darum al« die berufenen Führer in der jetzigen Situation erscheinen. Diese । Verwirrung der katholischen Grundsätze, dtt Geschichte de« Kulturkämpfe« und de« Bewußtsein« der treuen Katholiken Preußen« aber lehnen wir bestimmt ab, und find dabei ber Zustimmung aller im Kulturkampf bewährten Katholiken sicher/
Vom Rhein, 12. Mai. Gelegentlich ber Reichstagswahlen suchte bie gesammte Presse bet „Angstprobutt»" dem deutschen Michel auch dadurch Sand in die Augen zu streuen, daß sie auf jede Mahnung zu größerer Sparsamkeit in den Staatsausgaben und zu gewiffenhaster Prüfung der Regierungsforderungen auf das Beispiel der französischen Republik und der Pariser Deputtrten- lammet hinwie», welche angeblich Alles, was da» Ministerium verlange, au« lauter Patriotismus, ohne ein Wort darüber zu verlieren, und ohne Zwiespalt der Parteien mit freudigem „Huttah bewillige. Diese» Exempel hat damals manchem biederen Philister sür den Augenblick (weiter hatte es ja auch keinen Zweck) eingeleuchtet und ihn in der Ansicht bestärkt, daß bie beutsche «Opposition unb bie frühere Reichstagsmehrheit nur au» „Reich,- Nörglern" bestehe. Unb jetzt? Schon feit Wochen verhanbelt in Pari« bie Deputirtenkammer unb ihr Budgetausschuß mtt dem Ministerium Goblet wegen nothwendiger ^Ersparnisse im Budget, auch im Mill-
Jetzt klopfte e» an bet Thüre unb Nuala zog I ihr Kleib hastig roieber an. Niemand sollte diese Beweise ihrer Demüthigung sehen.
„HereinI" ,, _
Betty Neal trat mit einem unruhigen Gesicht«- au»brud herein. „Wa« ist geschehen, liebe Miß Nuala", ftagte sie und dabei schlang sie ihre Arme um da» junge Mädchen.
„Warum ftagst Du, Betty?"
„Dazu habe ich den besten Grund. Der Herr wüthet unten im Hause gleich einem losgelaffenen
glaube, ich habe meinen Vatn erzürnt", sagte Nuala ruhig. „Er hat mir befohlen, da» Zimmer nicht zu verlassen, bi« er mir bie Er- i^Da«^st"nicht*'nöthig, liebe Mß. In bet Küche brennt ein liebe« Feuerchen unb e« ist niemand darin als ich. Ich habe einen heißen Kuchen ge- backen und mache Ihnen eme schöne Taffe Thee dazu."
„Ich danke Dir, Betty. Ich werde thun, war mein Vater wünscht."
Nuala war zu stolz, um ungehorsam zu sein.
„Run, wenn Sie nicht ander» wollen, sagte Beuy unwillig. „Ich werde zuwellen hierherkommen. Sie |u trösten. E» ist zu trostlos, allein in einem