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1887.

3titimg.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. ,

Im g|al der Silderdirkm.

Roman auS dem Englischen von ®. Blackburn«.

43. Fortsetzung.

„Er ist wirklich zu schlimm," rief er kläglich, während er seinen Karlowitzer schlürfte, „es war wirklich zu unbedachtsam von Gustav Lynch, in solcher Weise gehandelt zu haben. Ich wollte lie­ber todt sein, al» mich selbst um Geschästsangele- genheiten kümmern. Hörst Du mir zu, Nuala?"

„Ja, Vater," ertönte e» au« einer Ecke am Fenster, wo Nuala mit einem Buche in der Hand saß.

Ihr Vater wandte sich nachläsfig halb um und prüfte sie genau. Sie schien in da« Buch vertieft und ihre ganze Umgebung darüber zu vergeffen.

„Nuala!"

„Ja, Vater," erwiderte sie wieder, aber ohne da» Haupt zu erheben.

Garret O'Donnel stieß einen tiefen Seuzer der Ergebung au« und stützte seinen Kopf auf feine Hand. *

Nuala blickte ruhig auf, legte ihr Buch weg und stellte sich neben feinen Stuhl.

„Vater," sprach sie etwa« ängstlich, fehlt Dir etwa« ?"

«r schüttelte langsam und traurig sein Haupt. Nuala war an diese Darstellungen ihre« Vater« gewöhnt, aber jetzt, da er für kurze Zeit abwesend

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Deutsches Reich.

Berlin, 12. Mai.

* Die bekannten schlesischen Staatskatholiken, an ihrer Spitze der Herzog von Ratibor und Graf Frankenberg, haben eine Dankadresie an den heil. Vater geplant und wollen dafür Unterschriften im Herrenhause und an anderen Stellen sammeln. Die katholische Presie erinnert bei dieser Gelegenheit an die bekannte Staatrkatholiken-Adreffe vom 14. Juni 1873, in welcher Graf Frankenberg und Genoflen die Maigesetze anerkannten und dem Staate da« Recht zusprachen, die Grenzbestimmung zwischen Staat und Kirche selbstständig zu gestalten. Die geplante Adresse lautet:

„Heiliger Vater I Deine hier unterzeichneten getreuen Söhne nahen Deinem heiligen Stuhle in kindlicher Ergeben­heit, um Folgendes vor Dir auszusprechen. Dein erhabenes Schreiben vom 7. April, in welchem Du den katholischen Abgeordneten aufgibst, für den Gesetzentwurf zu stimmen, welcher vom Herrenhause genehmigt wurde, begrüßten wir mit größter und ungeteilter Freude. Mit Dir, heiliger Vater, erkennen wir in diesem Gesetz, welches auf Befehl des Kaisers vorgelegt worden ist, dm Zugang zu dem so lange und so mühsam erstrebten Frieden. Wir finden mit Dir in dm von dem Landtage noch angenommenen Ver- befserungm der Vorlage weitere erheblich« Vortheile für unsere heilige Kirche und sind über^ugt, daß unsere katho­lischen Mitbürger Dir darin vollkommen beistimmen, daß das gegenwärtig erreichte Gute den ungewissen Hoffnungen der Zukunft vorzuziehen ist. Wir hegen so wie Du das volle Verträum, daß der unglücklich« Kampf, welcher unser Vaterland zerriß, und Dein väterliches Her, so tief be­kümmerte, durch Deine und unseres erhabenen Kaisers höhere Weisheit nunmehr zu Ende gehen wird. Wir setzen das vollste Verträum in Deine Entschließungen, was die Zukunft angeht. Wir bemhigen uns nicht nur bei den- selbm, sondern wir kommen ihnen mit wahrer Freude und Genugthuung entgegen. Indem wir für die väterliche Liebe und Sorge, mit welcher Du seit Anfang Deiner segens­reichen Regiemng die kirchlichen Verhältniffe in unserem Baterlande behandelt hast, Dir unfern kindlichen Dank aussprechm, flehen wir zu Gott, daß Dein glorreiches Pontifikat noch lange Jahre zum Segen der Welt anbauern möge und erbitten für uns und die Unserigen Beinen apostolischen Segen."

* Herrenhau»sitzung vom 12. Mai. Das Hau» ehrt da» Andenken de« verstorbenen Mit- gliede« de» Oberbürgermeister Dr. Weigel (Cassel) durch Erheben von den Plätzen. Der Vortrag betr. die Fortführung der Verwaltung der Fürstenthümer Waldeck unb Pyrmont,

sowie der Nachtragsetat für 1887/88 werden debattelos genehmigt und verschiedene Rechnung«, fachen analog den Beschlüssen des anderen Hauses erledigt. Morgen 1 Uhr: rheinische Kantongefäng­nisse, Petittonen, Bericht der Justizkommiflion betr. die Affaire Solemacher-Schorlemer.

* Das Abgeordnetenhaus berieth den Antrag der deutschkonservativen Fraktion wegen Reform der direkten Steuern. Abg. v. Rauchhaupt begründete denselben, außerdem sprachen von den Konservativen für den Antrag die Abgg. Wolff, Graf Kanitz und von Minnigerode. Dieselben be­zeichneten den Zweck der Antrags die.Einführung des Prinzips der ausgleichenden Gerechtigkeit in unser direktes Steuersystem. Finanzminister v. Scholz sprach sich zwar sympathisch für den Antrag au», hob aber unter Hinweis auf frühere Versuche zur Lösung die einer solchen entgegenstehenden Schwierig­keiten hervor. Abg. Rickert erklärte, daß er für keine Steuerreform ohne Quotisirung stimme. Schließlich wurde eine von den Abg. v. Huene (Centr.), Hobrecht (nl.) und Freiherr v. Zedlitz- Neukirch (freif.) eingebrachte und von diesen be- fürwortete motivirte Tagesordnung angenommen, welche die Erwartung ausspricht, daß die könig- liche Staatsregierung mit entsprechenden Vorlagen vorgehen wird.

* Der Reichstag nahm den Nachtragsetat betreffend den Umbau des deutschen Botschaft-- Hotels in Paris an und nahm dann die erste Be- rathung der Jnnungsnovelle vor. Die Abgg. Metzner und Biehl (Centr.) sprachen sich insbe­sondere dagegen aus, daß die Ettheilung der weiteren Rechte an die Innungen von dem Er- messen der oberen Verwaltungsbehörden abhängig gemacht werde. Abg. Dr. Baunbach sprach sich principiell gegen die Vorlage aus, ebenso Abg. Kräcker (So,.). Dagegen wurde der Entwurf von bett Abgg. v. Kleist-Retzow (konservativ) unb Robbe (Rchsp.) warm befürwortet, wobei ersterer allerbings auch ben Standpunkt vertrat, daß an die Stelle be» Ermessens ber Verwaltungsbehörben bet» Majorität-Prinzip treten solle. Abg. Dr. Miquel erklärte sich Namen« eines großen Theils seiner politischen Freunbe für bie Vorlage unter ber Voraussetzung, baß bieselbe nicht bie Brücke gewesen war, hatten sie boch wieber für sie ben Reiz be« Reum.

„Vater," wieberholte fie, inbem sie sanft seine Schulter berührte, „fehlt Dir etwa«? Kann ich etwa« für Dich thun?"

„Ich habe einen großen Kummer," sagte er nachdrücklich unb mit bebenber Stimme, währenb er mit seinem feinen Taschentuche eine erkünstelte Thräne abwischte.

„War für einen großen Kummer hast Du? fragte ba« Mäbchen, überwältigt von ber Ahnung eine« großen Unglück«, ba« wieber über ihnen schweben mochte. ,, r

Er ließ seine Hänbe auf bie Arme seine« Stuh- le« fallen unb faß ba in einer verzweiflungsvollen Haltung. „Wie kannst Du mich fragen? Wie mag ich wohl gesündigt haben, daß ich so behan­delt werde?" _

„Vater, lieber Vater, wa« hast Du denn? Kann ich etwa» für Dich thun?"

Die einzige Antwort war ein tiefer Seufzer, und er starrte gedankenlos vor sich hin. Ec sah äußerst elend, traurig und hoffnungslos au«, und al» ihn Nuala so sah, wurde ihr zart fühlende« Herz von heftiger Unruhe gequält.

„Lieber Vater, sag' mir, wa« Drr fehlt. Sie nahm eine seiner kleinen, weißen Hänbe, legte sie zwischen ihre braunen und fuhr fort mit bet süßesten, einschmeichelndsten Stimme eine« Werbe«:

zur Zwang«innung bilben solle. Geh. Ober-Reg. Rath Lohmann, ber Namen« ber verbünbeten Regierungen bie Vorlage vertrat, erwiderte, baß bie Vorlage durchaus auf dem Boden der besteh­enden Gesetzgebung stehe. Die Vorlage wurde schließlich an die Gewerbeordnungskommisston ver­wiesen. Morgen: Militärreliktengesttz, Wahl­prüfungen.

• Die überseeische Auswanderung nimmt int laufenden Jahre sehr viel größere Dimensionen an, als im vorigen Jahre, übertrifft bis jetzt auch die des Jahres 1885. Es sind nämlich im März er. 11671 deutsche Auswanderer befördert gegen 7946 im Jahre 1886 und 10974 im Jahre 1885. Von den Auswanderern de« letzten Mo­nats kamen 8210 aus dem Königreich Preußen, darunter allein aus Westpreußen 2240, au« Pommern 1588 und aus Pofen 1257. Im ersten Quartal be« laufenden Jahre« sind im Ganzen 19020 Deutsche ausgewandert gegen 12838 im 1. Quartal 1886 und 17924 im Jahre 1885. Im gleichen Zeitraum der Jahre 1884 bis 1881 zurück hatte die Auswanderung allerdings 29782, 28291, 41593, 40032 Personen betragen.

Ausland.

* Die Kaiserstadt an der schönen blauen Donau ist zur Zeit der Schauplatz stürmischer studentischer Demonstrationen gegen den Proftffor Maassen. Derselbe hat durch seine Rede gegen den Schmer- ling'fchen Sprachenantrag den Unwillen ber beut* scheu Studenten hervorgerufen, ber sich in lär­menden Scenen, bie sie dem Professor bereiten, Luft macht. Daß ein solche» Treiben nicht ge- duldet werben kann, liegt auf ber Hanb und so sind denn energische Maßnahmen gegen bie De­monstranten in Aussicht genommen, eventuell soll bie juristische Fakultät geschloffen werben.

• Die Wiener Burschenschaften richteten an ben Abg. Tomaszcuk folgenbe« Schreiben:

„Euer Wohlgeboren! Unter Hinweis auf die in Ihrer Rede vom 29. v. M. gemachten Ausfälle gegen den Ver­band der Deutsch-Rationalen, welche in den Worten gipfeln: „Die Korruption wird geradezu rin nationales Unglück, wenn sie sich zu dem Objekt ihrer Verlockung die Jugend wählt und wenn fie in das Herz der Jugend das ®tft des Haffes, des ReideS und der Mischen Gehässigkeit ein-

„Du thust Unrecht, mir Deinen Kummer zu ver­heimlichen. Laß ihn mich mit Dir theilen!"

Garret O'Donnel zog seine Hanb au» denen seiner Tochter, bedeckte sein Gesicht mit beiden Hän­den und rief mit einer vor Erregung zitternden Stimme: „Nuala, Nuala, was hast Du gethan? Deine Heuchelei hat mir fast da» Herz gebrochen."

43. Kapitel.

Garret O'Donnel erscheint in einem neuen Charakter.

„Frage mich nicht nach biefen Sachen, Vater," rief Nuala O'Donnel.

Das Mädchen kniete vor ihrem Vater; eine halbe Stunde hat sie schon seine Vorwürfe über fire Unwürdigkeit, ihren.Eigennutz, ihre Heuchelei 'unb Gebankenlofigkeit ehrfurchtsvoll angehört. Sie ist zu sehr gewöhnt, biese Verweise zu hören, unb bie einzige Antwort darauf sind die Thränen in ihren Augen; aber als ihr Vater schließlich das Ansinnen an fie stellt, fie möge in ben nächsten Tagen nach Glinmore gehen unb mit Mr. Thur- goob wegen ihrer Geschäftsangelegenheiten unter- handeln, da empört sich ihr Inneres.

„Nuala," stieß er säst feierlich hervor.

Da« erregte und reizbare Mädchen tobte inner­lich gegen die beleidigende und herausfordernde Ueberlegung in ihre» Vaters Betragen. Sie weiß aus Erfahrung — o f« gut, was der Mann, zu dem fie gehen soll, sagen wirb.