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Donnerstag, den 12. Mai.

JVo 107.

1887.

Fnl-licr K

abhängen. Abg. Dr. Miquel (nl.) trat für die Vorlage ein und zwar aus finanziellen wie ethi­schen Rücksichten. Durch die höhere Steuer werde gegen die Branntweinpest doch ein Damm errichtet. In Bezug auf die Rektifikation werde er stch nicht auf die Zukunft vertrösten lassen, sondern darauf dringen, daß in die Vorlage eine bezügliche Be­stimmung ausgenommen werde. Abg. Szmula (Centr.) sprach sich prinzipiell für die Vorlage aus, fand aber den Steuersatz zu hoch. Der Entwurf wurde schließlich an eine 28er Kommission verwiesen. — Morgen: Rachtrazsetat, Jnnungsnovelle. Abg. Reubarth (Rchsp.), Merseburg VII, hat fein Mandat niedergelegt.

• Sitzung de» Abgeordnetenhauses vom 1L Mai. Auf der Tagesordnung steht zunächst dritte Berathung des Gesetzentwurfs, bett, die Theilung von Kreisen in den Provinzen Posen und Westpreußen. Abg. v. Wierzbinski (Pole) legt nochmals eingehend den ablehnenden Stand­punkt der polnischen Fraktion gegenüber der Vorlage, die sich gegen das Polenchum richte, dar. Da die Vorlage indeß doch werde ange­nommen werden, so beschränke er sich mit seinen Freunden darauf, gegen das Gesetz zu protestiren. Abg. Jensch (fteis.) wendet sich gegen die vom Abg. v. Tiedemann gegebene Darstellung der Verhältnisse in kleinen polnischen Städten. Abg. v. Tiedemann (freikons.) hält seine Darstellung aufrecht. Abg. Dr. Windthorst erklärt die Vor- läge als nutz- und erfolglos. In der Specialbe- rathung wird auf Antrag de» Abg. Kennemann (freik.) mit 172 gegen 132 Stimmen Zerkow zu dem Kreise Jarotschin gelegt. Die Theilung des Kreises Neustadt, die in der zweiten Berathung mit Stimmengleichheit abgelehnt worden, wird mit 145 gegen 144 Stimmen genehmigt. Der Rest der Vorlage wird nach den Beschlüssen der zweiten Lesung angenommen. Die Gesetzentwürfe betr. den Verkehr auf den Kunststraßen und die Landgüterordnung für den Regierungsbezirk Cassel werden gleichfalls in dritter Lesung angenommen. Morgen: Antrag der Conservattven betr. die Reform der direkten Steuern.

Das Abgeordnetenhaus nahm heute in dritter Lesung die Gesetzentwürfe betr. die Theilung von Kreisen in den Provinzen Posen und West- preußen, betr. den Verkehr auf Kunststraßen und

die Landgüterordnung für den Regierungsbezirk Cassel, an.

* Der Reichskanzler Fürst Bismarck begiebt sich der .Post' zufolge kurz vor Pfingsten nach Varzin. Im Juli wird Fürst Bismarck zum Kurgebrauch nach Kifsingen gehen.

* In der morgigen Sitzung de» Bundesraths kommt die Zucker st euervorlage zur Berathung.

* Staatssekretär Graf Herbert Bismarck hat auf ärztlichen Rath einen kurzen Erholungsurlaub angetreten und wird denselben bei dem ihm be­freundeten Vicekönig von Irland Lord London- derrp in Dublin zubringen.

* Der preußische Landtag wird Sonn­abend geschlossen.

* Die Zuckersteuervorlage ist heute dem Bundesrathe zugegangen. Dieselbe nimmt eine Consumsteuer von 10 Mk. pro Doppelcentner Zucker und eine Materialsteuer von 1 Mk. pro Doppelcentner Rüben in Aussicht. Der Satz für die Rückvergütung der Materialsteuer ist dem Ver- nehmen nach so bemessen, daß die Prämie um die Hälfte etwa vermindert wird.

* lieber die Branntweinst euer Vorlage ist, wie Abg. Oechelhäuser gestern in der Debatte andeutete, zwischen den drei Mehrheitsparteien eine Verständigung erzielt worden, so daß die Annahme der Vorlage mit gewissen Modificationen als gesichert anzusehen ist.

• Von industrieller Seite wird den ,Berl. Pol. Nachr.' geschrieben: „Ob die Pariser Wagner'sche Musik hören wollen oder nicht, kann uns Deutschen ziemlich gbeichgiltig sein, be- denklich bleibt indessen, daß der Pöbel von Paris es fertig gebracht hat, auch bei dieser an und für sich politisch nicht in» Gewicht fallenden Angelegen­heit der Regierung gegenüber seinen Willen durch­zusetzen. Dieselbe französische Regierung ladet für 1889 alle Länder der Erde zur Beschickung der Pariser Industrie-Ausstellung ein. Wenn diese Regierung nicht im Stande ist, die Aufführung einer deutschen Oper vor Beschimpfungen zu sichern, welchen Schutz will sie dann den deutschen Er zsugnissen versprechen, welche Garantie will sie« leisten, daß die Jury, welche eine ausgezeichnete deutsche Leistung etwa zu prämiiren wagte, nicht persönlich bedroht, daß die deutschen Ausstellung«- objecte nicht verunstaltet oder gar zerstört, daß die

Deutsches Reich.

Berlin, 11. Mai.

* Die .Germania' schreibt: Der hochwürdigste Herr Bischof Dr. Kopp war hierhergekommen, um mit dem Herrn Cultusminister v. Goßler über gewisse Fragen sich zu besprechen. Wie es heißt, wäre es namentlich die Ordensfrage ge­wesen, die den Herrn Bischof veranlaßt hat, eine Besprechung mit dem Herrn Cultusminister zu wünschen.

* lieber die kirchenpolitische Frage Hessens wird der .Germania' aus Rom ge- meldet: „Man versichert, Fürst Yfenburg sei officiell von der hessischen Regierung mit präcisen Instruktionen gesandt. Man befürchtet, daß die Dispositionen über die Pfarrweisung (soll wohl heißen Pfarrverwesung) ungünstiger ausfallen al« im preußischen Gesetz. Man sagt, der Groß- hrrzog von Hessen selbst zeige großes Interesse, den Klagen seiner katholischen Unterthanen abzu- helfen."

* Gegenüber der Meldung der .Berliner Po- littschen Nachrichten' von dem Bevor stehen eines Sperrgesetzes wird officiös constatirt, daß die Regierung jener Meldung vollständig fern-

Der Reichstag führte heute die erste Be­rathung der Branntweinsteuervorlage zu Ende. Abg. v. Wedell-Malchow erklärte die Zustimmung der Deutsch-Konservativen zur Vorlage, Abg. Richter bekämpfte dieselbe. Durch Branntwein- und Zuckersteuer sollten 200 Millionen neue Steuern geschaffen werden, während die Abschaffung der Zuckerprämien genügen würde, das thatsächliche Bedürfniß zu decken. Die Vorlage schaffe eine Prämie für die Großgrundbesitzer, die fortwährend neue staatliche Subventionen verlangten; am besten wäre e«, man kaufte die Gesellschaft bald aus. Die Festsetzung der Produktion durch den Staat, wie sie hier erfolge, sei der Anfang des Staats- fozialismus. Finanzminister v. Scholz rechnete dem Vorredner gegenüber vor, daß die zu erwartende Einnahme aus der Branntweinsteuer eben aus­reiche, die nothwendigsten Bedürfnisse zu decken. Von einer Staatssubvention an die Brenner sei keine Rede, sondern nur von einer Schonung der Brennerei, von der viele Millionen von Existenzen

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Im Thal »er Silbttbitktn.

Roman aus dem Englischen von E. Blackburne.

42. Fortsetzung.

41. Kapitel.

Die gute Neuigkeit.

In seiner Herzensgüte hatte der Priester seine Hand und seine Theilnahme angeboten. Aber die Frau grüßte nur durch ein kurzes Neigen ihres Kopfes und beachtete ihn weiter nicht. Sie nahm seine Hand nicht, und die heißblütige Menge sah die Vernachlässigung, womit sie ihren Priester be- handelte. Er war durch ihr Benehmen verwundert, und er wußte wohl, daß manche da waren, die das erkennen würden. Deshalb machte er auch keinen Versuch, die schweigende Beleidigung zu ignoriren, sondern sagte heiter: „Sie wollen meine Hand nicht nehmen, Mrs. Cameron. Allein ich wünsche Ihnen dennoch, daß Gott sie segnen und Ihnen helfen möge. Und Sie werden mir nicht verwehren wollen, zuweilen ein Gebet für Sie zu verrichten."

„Die Frau zog rasch ihren Schleier herunter. Leise Verwünschungen wurden von allen Seiten gehört und der gute Priester hatte keine nnbe- beuhtifcen Schwierigkeiten, wieder Gehör zu er­langen.

„Meine Leute, ich sah euch von meinem Fenster her," sagte Vater Fennefly und bewegte seine Hand in der Richtung nach seinem Hause hin, „und ich dachte, ich müßte herüberkommen und euere Her­zen durch eine gute Neuigkeit wieder fröhlich stimmen."

„Erzählen Sie, Hochwürden!"

„Es bedarf sicher guter Nachrichten, wenn wir wieder fröhlich werden sollen."

„Laßt Seine Hochwürden sprechen," stieß man von allen Seiten hervor.

„Ich sehe, daß manche unter euch zu den jen­seits des Gebirges Ausgestoßenen gehören, die nun auf die Güte ihrer Nachbarn angewiesen sind. Zn euch, ihr armen Leute, will ich sprechen. Ich habe gute Nachrichten für euch — Nachrichten aus fer­nem Lande jenseits des Meeres. Wir haben dar­über nachgedacht, was wohl das Beste für euch fei; und eine bedeutende Summe ist gezeichnet wor­den, groß genug, damit alle Männer. Weiber und Kinder, die durch die Austreibung betroffen sind, nach Australien auswandern können."

Hier wurde der Priester durch Jauchzen und Ausrufe unterbrochen. Einige sahen das Erwähnte wohl als ein Glück, Andere als das Gegentheil davon an.

„Und nicht allein das," Hub er wieder an,

„sondern wir haben auch eine freie Bewilligung von Kronland für Jedermann erhalten. Ein Ko- mite unserer Landsleute in Australien hat sich ge­bildet, und sie sind bereit, Jeden, der geht, zu bewillkommnen und ihm zu helfen. Und was mich sehr freut, ist, daß nicht allein Katholiken zu dem guten Werke geholfen haben, auch Protestanten, Presbyterianer und Methodisten haben beigesteuert. Ihre Geistlichen haben für die gute Sache gear­beitet wie die unserigen. Deshalb, wenn manche von euch weg sein werden aus dem alten Irland — bewahret eueren Glauben, aber vergesset nicht, für alle euere Wohlthäter zu beten, Morgens und Abends. Das ist wahres Christenthum, und ich will hoffen, daß meine Belehrungen nicht verloren fein werden. Und fo sprechet mir denn jetzt schon nach: Gott segne sie und belohne sie!" Bei die­sen Worten nahm er seinen Hut ab und hielt ihn in seiner Hand.

Jedes Haupt wurde entblößt; sogar JOtrs. Cameron schlug ihren Schleier zurück und Alle sprachen dem Priester andächtig nach: „Gott segne sie und belohne siel"

„Das ist recht!" sagte Vater Fennessy befere, bigt. „Und nun kommt nächsten Sonntag nach der Messe zu mir, damit ich euch Näheres über die Sache sage."