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M 104.

Montag, den 9. Mai.

1887.

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Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

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Deutsches Reich.

Berlin, 7. Mai.

* Das Reuter'sche Bureau meldet unterm 4. d. M. aus Rom: „Der Papst empfing gestern ein in sehr herzlichen Ausdrücken abgefaßtes Schreiben des Kaisers Wilhelm in Beantwortung des Telegramms, welches der Papst anläßlich der Annahme des neuesten kirchenpolüischen Gesetzes seitens des preußischen Landtages an Se. Majestät gerichtet hatte. In diesem Schreiben dankt der Kaiser Leo XIII. für seine kluge und versöhnliche Mitwirkung in der Angelegenheit und drückt den Wunsch aus, daß der religiöse Frieden nie­mals gestört werden möge."

* Der .Germania' wird mitgetheilt, daß der Herzog von Ratibor, Präsident des preußischen Herrenhauses, Graf Frankenberg und andere Her­ren eine Dankadresse an den Papst in Umlauf setzen.

* Das Abgeordnetenhaus nahm heute in dritter Lesung den Nachtragsetat für 1887/88 an. Abg. Knauer (kons.) bemängelte den neuen Branntweinsteuercntwurf, von dem er sich den wünschenswerthen Ertrag nicht verspricht, von dem er aber eine Schädigung der Brennerei befürchtet. Betreffs der Zuckerbesteuerung sprach er sich für eine Beschränkung auf die Konsumsteuer aus und befürwortete überdies eine schärfere Heranziehung der großen Geldsäcke. Abg. Rickert meinte, die Branntweinsteuervorlage bezwecke, Geld au» den Taschen der Steuerzahler in die der Branntwein­brenner überzuführen, eine Behauptung, die Abg. Tiedemann'Bomst zurückwies. Dann wurde in die zweite Berathung d s Kreistheilungsgefctzes für Pofen und Westpreußen eingetreten. Die Abgg. v. JazdzewSki, v. Jarochowrki und v. Czarlinski bekämpften die Vorlage als eine Kriegsmaßregel gegen die polnische Bevölkerung; ihnen schloß sich Abg. Dr. Windthorst an, welcher meinte, daß e» bei dem unausbleiblichen Weltkriege nicht ange­bracht sei, die Polen gegen Deutschland zu reizen. Abg. v. Tiedemann-Labischin gab ein Bild von den administrativen Zuständen Posen» und wie» auf Grund deffelben die Rothwendigkeit einer Thetlung der zu großen Kreise nach. Abgeordneter Czwalina (freis.) bestritt diese Rothwendigkeit. Die

z« rh-l itt Merblldm.

Roman aus bem Englischen von E. Blackburn«.

39. Fortsetzung.

Wir befinden uns in London an einem Hellen Februar-Morgen, kaum eine Woche nach den so eben berichteten Sreigniffen. Die parlamenta­rische Saison hatte so eben begonnen und die Stadt begann sich zu füllen. Aus dem gewöhn­lichen Absteigequartier der reisenden Junggesellen — dem Tavistock - Hotel in Convent Garden — kam ein geputzter, ländlich aussehender Herr, und wanderte den Strand entlang, an den Fontainen und Löwen von Trafalgar Square vorbei. Jetzt lenkte er seine Schritte auf Whitehall zu und fich schnell nach dem Hauptwege der zu Scotland Dard führte.

„Kann ich den wachthabenden Offizier sprechen?" fragte er den wachthabenden Polizeimann.

„Gewiß, Sir," war die Antwort, und sofort erschien der Offizier und fragte, in welcher Weise er dienen könne.

„Ich bin ein Rechtsanwalt au» dem nördlichen Irland," sagte der Fremde, „und ich suche eine Person, die kürzlich einen meiner Clienten be- raubt hat."

„Können Sie mir nicht die näheren Umstände der Sache mittheilen," sagte der Offizier.

Abgg. Graf Kanitz (kons.), Hobrecht (nat.-lib.) und Dr. Wehr (freikons.) befürworteten die Vorlage aus nationalpolitischen Gründen; ebenso Minister v. Puttkamer, welcher gegenüber der Berufung der polnischen Redner auf die Verheißungen des Besitzergreifungspatents nachwies, daß die Er­füllung dieser Verheißungen zur Vorbedingung hätte, daß die Polen gute Preußen würden. Ge­nehmigt wird die Begrenzung der Kreise Adelnau, Ostrowo, Birnbaum, Schwerin a. W., Fraustadt, Liffa, Gostyn, Rawitsch, Grantz und Reutomischel. — Montag: Fortsetzung der heutigen Berathung, Fürsorge für Beamten bei Betriebsunfällen.

* Das neue (6.) Verzeichniß der beim Reichs­tage eingegangenen Petitionen zählt wieder eine große Zahl von Maffenpetitionen auf. 4306 Weinbauer bitten um hohe Besteuerung der durch Zuckerwaffer vermehrten Weine, Errichtung von Grenzkontrolstationen für importirte Weine, Ver­bot des Verkaufs von blo» weinähnlichen Getränken unter irgend einer Bezeichnung von Wein und eine reichsgesetzliche Bestimmung, wonach mit Zuckerwaffer und anderen Ingredienzen vermehrte Weine nur unter der Bezeichnung „Kunstwein" verkauft werden dürfen. Von landwirthfchaftlichen Vereinen und Gruppen ist eine ganze Fluth von Petitionen um Erhöhung der landwirthfchaftlichen Schutzzölle, Uebergang zur Doppelwährung, Ab­änderung der Spiritusfleuer rc. eingegangen. Verschiedene Fischereivereine bitten, frische gesalzene Fische mit einem Eingangszoll von 10 Mk. pro 100 Kilogramm zu belasten. Eine große Anzahl israelitischer Gemeinden petitioniren gegen ein Verbot de» rituellen Schächten» der Schlachtthiere.

* In einer heute Vormittag im Centralhotel stattgehabten Versamml'ung de» Verbandes deutscher Spiritus-Interessenten, welche von ca. 120 Personen besucht war, fand eine Be­sprechung der Branntweinsteuervorlage statt, deren Ergebniß die einstimmige Annahme folgender Re­solution war: 1) Der Gesetzentwurf, betreff, die Besteuerung de» Branntweins vom 5. Mai 1887, enthält eine einseitige Begünstigung de» Brennerei­gewerbes. 2) Die Kontingentirung de» Brennerei­gewerbe», auf welcher der Steuerentwurf sich auf­baut, würde die natürliche Entwickelung der Land- wirthschaft selbst hemmen, die Gewerbe der Spiri-

„Jetzt wünsche ich nur die Länder zu wissen, zwischen denen und Großbritannien keine Ausliefe­rung statt findet; denn der Bursche ist sehr schlau und wird fich sicher an einen solchen Platz bege­ben haben."

Der Offizier nahm ein Buch und gab die ge­wünschte Belehrung, unter anderen Plätzen auch Spanien nennend, zwischen dem und Großbritan­nien und Irland keine Aurlieferung stattfand. Der Fremde dankte höflich, und denselben Abend sah man ihn am Bord eine» Schiffe», da» nach der spanischen Küste absegelte — um den Verbrecher zu suchen, der seinen Clienten beraubt hatte. (?)

Acht und vierzig Stunden später erhielt der Offizier der Hauptwache an Scotland - Dard In­struktionen von Irland für die Verhaftung von Gustav Lynch au» Donnelstown, beschuldigt de» doppelten Verbrechens der Dokumentenfälschung und Unterschlagung.

38. Kapitel.

„Höret auf mich."

Gräulich war die Bestürzung in Donnelstown und der ganzen Umgegend, als fich die Nachricht von der Flucht des Advokaten verbreitete; und ungeachtet ihrer Wuth konnten manche nicht um­hin, sich über die Geschicklichkeit zu wundern, mit welcher er dieselbe eingeleüet und ausgeführt hatte.

tusfabrikation, des Spiritushandels, der Liqueur- fabrikation rc. auf's Aeußerste schädigen und überhaupt dem Spiritusoerkehr die nothwendige Basis der Sicherheit und Stetigkeit rauben. Die Versammlung erklärt sich deshalb und aus allge­meinen wirthschaftlichen Gründen gegen die Kon­tingentirung. 3) Die Versammlung ist der An­sicht, daß eine Steuer in Höhe der vorgeschlagenen für das Spiritusgewerbe nicht erträglich sei. Da die Ziffern, auf welchen die amtliche Berechnung de» finanziellen Ergebnisse» der Steuer beruht, al» durchweg richtig nicht anerkannt werden können, so erscheint ein Steuersatz van wesentlich geringerem Betrage zur Herbeiführung de» gewünschten Er­trägnisse» genügend. 4) Die Versammlung erklärt sich damit einverstanden, daß die Steuer, wie die» der Entwurf vorschlägt, erhoben werde, sobald der Branntwein aus der steuerlichen Kontrole in den freien Verkehr tritt. 5) Die vielfachen Schädigun­gen, welche die vorgeschlagene Steuer für wette Kreise der Bevölkerung mit fich bringen mußte, wäre unzweifelhaft erkannt und auch wohl gewür­digt worden, wenn die Regierung sich hätte ent­schließen können, bei der Steuervorlage sich de» Beiraths von Sachverständigen au» den verschie­denen Spiritusbranchen zu bedienen. Die Ver­sammlung beauftragt den Ausschuß, durch Petitio­nen und in sonstiger Weise dahin zu wirken, daß bei der bevorstehenden Reichstagsberathung die be­rechtigten Interessen der bedrohten Spiritusgewerbe gewahrt bleiben.

* Hebet da» Melinit, dem vielbesprochenen französischen Sprengstoff, schreibt die .Norddeutsche Allgemeine Zeitung': Ueber die chemische Zusam­mensetzung de» Melinit» hatte der hiesige Profes­sor der Chemie Dr. Scheibler, dem Kriegsmini­sterium bereit» zu einer Zeit Mittheilung gemacht, wo diese Zusammensetzung noch nicht in weiteren Kreisen bekannt war, und gleichzeittg hatte der­selbe eine Anzahl von Melinitproben wechselnder Mischung an die königliche Artillerie - Prüfungs­kommission abgeliefert. Bei diesen Proben hat sich nun die interessante Thatsache ergeben, daß sich dieser Sprengstoff mit der Zeit von selbst entmischt, wobei Stickoxydga» oder salpetrige Säure frei wird. Da« Melinit eignet sich hiernach nicht zu kriegerischen Zwecken, wa» man auch in Frank-

— Der scharfsinnige Rechtsgelehrte schien diesen Plan schon geraume Zeit vorher gefaßt zu haben. Er hatte in seiner Hand eine unglaublich große Geldsumme vereinigt, die zu jeder Zeit erhoben werden konnte. Unter allerlei Vorwänden hatte er e» von den sonst so vorsichtigen Nordländern zu erschmeicheln gewußt; und in ihrer Bewunderung für die Gewandtheit de» Schwindler» vergaßen sie zuerst, auf die Höhe der Summe zu achten, die er unterschlagen hatte.

Es wurde auch bekannt, daß er in Flach« spc- kulirt habe, da« im nördlichen Irland viel gezo­gen wird; und daß er auch mit diesem Handelsar­tikel geschwindelt hatte während der letzten Wo­chen, die er in Donnelstown gewesen war. Da« batte er so angefangen: Gustav Lynch hatte ein Nebengebäude, und in diese« legte er eine gewisse Menge Flachs, welche» er als Bezahlung genom­men hatte. Er schrieb an mehrere Kaufleute, daß er eine große Quantität diese« Rohmaterial« hätte und geneigt sei, e« bedeutend unter dem aewöhnlichen Preise zu verkaufen. Drei K-ufleute tarnen auf da» Anerbieten und jeder glaubte eine enorme Menge Flach» vor fick zu sehen. Jeder kaufte es und Jeder sah sich belchwmdelt, venu Gustav Lynch hatte den Flachs über alte Kisten und Kasten gethürmt. In Wirklichkeit war e» wenig gewesen; aber jeder Kaufmann glaubte ein