Jli 103.
Sonnabend, den 7. Mai.
1887.
fiilimtr W 3fitng.
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Erstes Blatt.
Arbeiterschutz.
Die Sache des Arbeiterschutzes hat durch die Anträge Hitze und Genossen, welche in 6 bis 7 Commisionssitzungen durchberathen und bez. der Frauen- und Kinderarbeit in allen wesentlchen Punkten, wenn auch abgeschwächt, zur Annahme gelangten, eine wesentliche Förderung erfahren.
Die wichtigsten Bestimmungen des Entwurfs sind: 1. Schulpflichtige Kinder zwischen 12—14 Jahren, welche bis jetzt 6 Stunden in Fabriken beschäftigt werden dürfen, sind vom 1. Juli 1890 von Fabriken absolut ausgeschlossen. Im Jahre 1884 wurden in Deutschland nicht weniger als 18600 Kinder in Fabriken beschäftigt, namentlich zeichnete sich Sachsen durch Ausbeutung der Kinderarbeit aus. Daher ist der jetzige Fortschritt um so mehr zu begrüßen. Kinder unter 12 Jahren sind schon nach der biherigen Gesetzgebung ausgeschlossen; aus der Schule entlasiene Kinder unter 14 Jahren werden nach wie vor 6 Stunden täglich arbeiten.
2. Arbeiterinnen, welche ein Hauswesen zu besorgen haben, dürfen in Zukunft nur höchstens 10 Stunden täglich in Fabriken arbeiten. Wer die Verhältnisse, namentlich in den Bezirken der Textilindustrie kennt, wo 12- und IZstündige, im günstigen Falle eine llstündige Arbeitszeit Regel ist, wird diesen Fortschritt zum Besseren zu schätzen wiflen. So ist der Arbeiterfrau Gelegenheit gegeben, Mittags und Abends etwa eine halbe Stunde ftüher nach Haufe zu gehen, um das Esien zu bereiten, den Haushalt zu besorgen. Um den Umfang der Beschäftigung verheirateter Frauen zu beurteilen sei nur angeführt, daß 1884 allein im Fabrikin- spektionsbezirk Bautzen 5000 verheiratete Frauen in Fabriken beschäftigt waren. Dann ist für ver- heirathete Frauen die freie Zeit von drei Wochen nach der Niederkunft, welche jetzt durch die Gesetzgebung vorgesehen ist, auf 4 Wochen erhöht.
3. Alle Arbeiter und Arbeiterinnen im jugendlichen Alter schließen an Samstagen und an den Vorabenden der landesgesetzlichen Festtage die Arbeitszeit schon um sechs Uhr Abend», was namentlich unsere katholischen Arbeiter freudig begrüßen werden.
I« tli'l Itt Albcrdirkm.
Roman aus dem Englischen von E. Blackburne.
38. Fortsetzung.
„Gott vergebe Ihnen!" sagte sie mit hohler Stimme, „daß Sie ein solche» Gewebe um ein unwiflende« Mädchen geschlungen haben."
„Wollen Sie nun einwilligen, mein Weib zu werden?" ,
„Nein." Sie war zu schwach und erschrocken, um mehr sagen zu können.
„Dann, Nuala O'Donnel, will ich Ihnen einen Begriff davon geben, was ich nut den Wechseln die Sie von mir erhalten haben, anzufangen ge- denke. Wenn Sie einmal später Ihren Namen schimpflich genannt hören, dann erinnern Sie sich, daß es durch Ihre eigene Schuld gekommen ist."
Mr. Lynch," wehklagte da» arme Mädchen, „haben Sie um Gotteswillen Erbarmen mit mir!"
„Heirathen Sie mich, antwortete er kurz, „und nicht einer soll von der Sache hören. G den Sie mir eine abschlägige Antwort, so werde ich tun, «a» ich gesagt habe."
„Das Juwel meine» guten Namen»," sagte fi , sich ckit geschloffenen Äugen zurücklehnend; „was wäre mein Leden ohne denselben werth. Emer echten Irländerin ist bk Ehre teurer, al» das
4. Auf Aufbereitungsanstalten der Bergwerke, bei Bauten zum Tragen der Lasten, im Betriebe der Eisenfabriken und Walzwerken, in Metall- und Steinschlcifereien dürfen Arbeiterinnen nicht mehr beschäftigt werden. Es sind das Arbeiten, welche die Gesundheit und Sittlichkeit gefährden und für eine Frau nicht passen.
5. Die Nacht- und Sonntagsarbeit ist Arbeiterinnen absolut untersagt, lieber 8x/2 Uhr Abends soll die Arbeit in der Regel nicht dauern, jedenfalls nur mit besonderer polizeilicher Genehmigung.
6. Es soll für Trennung der Geschlechter in den Fabriken nach Möglichkeit gesorgt werden. Wo solche nicht möglich ist, müffe getrennte Wasch- und Umkleideräume eingerichtet werden.
7. Endlich finden alle vorstehenden Bestimmungen nicht bloß auf alle gewerklichen Unternehmungen Anwendung, in denen Dampf zur Verwendung kommt, sondern auch dann, wenn Gas, Wind oder eine andere elementare Kraft regelmäßig benutzt wird.
Die Frage der Sonntagsruhe ist zurückgestellt, bis die Ergebniffe der Enquete vorliegen.
Was die Regelung der Beschäftigung für Kinder in der Hausindustrie und in gewerblichen Werkstätten anbelangt, so hat man sich wegen der großen prinzipiellen und praktischen Bedenken auf eine Resolution beschränkt, in welcher die verbündeten Regierungen aufgefordert werden, einen bezüglichen Gesetzentwurf vorzulegen.
Der Gedanke des Arbeiterfchutze» ist in siegreichem Vordringen und die Freunds wie die Gegner deffelben werden von dem Erfolge des Antrages der Centrumsfraktion Überrascht sein.
Deutsches Reich.
Berlin, 6. Mai.
* Von dem beim Herrenhause eingegangenen beiden Anträgen auf Ermächtigung zur strafrechtlichen Verfolgung betrifft der eine den Freiherrn v. Schorlemer-Metternich (wegen Beleidigung des Herrenhauses in dem durch die Blätter veröffentlichten Schreiben an den Frhrn. v. Solemacher); der andere aber verlangt die Genehmigung zur strafrechtlichen Verfolgung de« Herren» hausmitgliedes Frhrn. v. Solemacher (wegen Herausforderung zum Duell). Die Geschästsorb» Leben. Mein Dasein mit Ihnen, Gustav Lynch, wird ein lebenslange» Fegefeuer fein; lassen Sie mich hoffen, daß e» dazu bienen wirb, bie Sünbe zu sühnen, welche ich begehe, inbetn ich mich an Sie verkaufe, um meinen guten Namen zu retten. Kein Weib meines Geschlechte» hat je ben Finger de» Spotte« auf sich gerichtet gesehen, unb ich will keine unwürbige Ausnahme bilben. Ich will Sie heirathen, Gustav Lynch."
„Ich wußte, Sie würben bie Dinge in ihrem rechten Lichte ansehen," sagte er, inbem er sich roieber neben sie hinsetzte unb versuchte, ihre Hand zu ergreifen. „Nun lassen Sie un» diese unglückselige Unterhaltung vergessen unb versuchen, wieder auf dem früheren Fuße zu stehen."
„Ich kann e» niemals vergessen!" sagte sie, bie Hände über der Brust faltend unb mit ihren glanzlosen Augen gedanketlloS in« Leere starrend.
„Da« werden sie doch," tagte er schmeichelnd. „Unb nun versprechen Sie mir, daß Sie in der nächsten Woche mein SBtib werden wollen."
„I tzi tue n Sie wollen. Mir ist alle» gleich, alles, nur soll mein Name nicht qeichwärzt werden."
Unn so kam e«, daß Nuala O'Donnel sich selbst verpflichtete, Gustav Lynch binnen einer Woche ju heirathen.
Sine seltsame Erstarrung bemächtigte sich ihrer,
nungs-Kommission hat dem Vernehmen nach nun beschlossen, beim Plenum in beiden Fällen die Er« theilung der Ermächtigung zu beantragen.
• Der Reichstag fetzte die zweite Berathung des Nachtragsetats für 1887/88 fort. Von den einmaligen Ausgaben wurden die als erste Rate für eine Artilleriekaserne eingestellten 47 000 Mk. gestrichen. Die übrigen Positionen wurden einschließlich der zur Steigerung der Operation«- und Schlagfertigkeit des Heeres eingestellten 45 613101 Mark genehmigt. Im Extraordinarium wurden 6 943065 Mark für Garnisonbauten in Elsaß- Lothringen debattelos und 2 950 000 Mk. nach längerer Diskussion unter Ablehnung eines Antrags Richter, wonach die Regierung die Frage der Möglichkeit von Entfestigungen in Erwägung nehmen soll, bewilligt. Gegen die Forderung 36 314000 Mk. für die Vervollständigung des deutschen Eisenbahnnetzes im Interesse der Landes- vertheidigung machte Abg. Schrader wiederholt die schon in der ersten Berathung ausgesprochenen Bedenken geltend, ohne sich indeß gegen bie Forderung selbst zu erklären. Dagegen gab Abg. Richter die Erklärung ab, daß er es nicht verantworten könne, daß Reich zu Gunsten einiger Einzelstaaten schwer zu belasten. Auch diese Forderung wurde mit großer Mehrheit genehmigt. Damit war der Nachtragsetat erledigt. Das dazu gehörige Etatsgesetz wurde debattelos genehmigt. — Montag: Nachtrag zum rumänischen Handelsvertrag, Verkehr mit blei- und zinkhaltigen Gegenständen, Nachtragsetat, Jnnungsnovelle.
• Dem Reichstage ist heute der- in Aussicht gestellte Nachtragsetat, betreffend den Ausbau des Botschaftshotels in Paris zugegangen.
• Das Abgeordnetenhaus nahm in feiner heutigen Sitzung den Vertrag mit Waldeck wegen Fortführung der Verwaltung des Fürstentums gegen bie Stimmen ber Deutschfreisinnigen an. Dann würbe ber Nachtragsetat in zweiter Lesung angenommen. Das Kreistheilungsgesetz für Posen unb Westpreußeu aber von ber Tagesordnung ab» gesetzt. Morgen: Nachtragsetat, KreiStheilungS- Gesetz.
* In Abgeordnetenkreisen verlautete heute, daß noch in dieser Session ber Eingang einer Vorlage wegen Erhöhung ber lanbwirthschaft- lichen Schutzzölle nicht zu erwarten sei. Von
geistig und körperlich. Minutenlang erschütterte sie nur ber Gebanke, daß bie größte Möglichkeit vorhanben gewesen war, ihren guten Namen zu verlieren, und da» erschreckte sie so, daß sie bereit war, jeden Traum unb Wunsch ihrer Jugenb zu opfern, um bas zu vermeiden, was schlimmer war als ber Tob.
37. Kapitel.
Keine Auslieferung.
Die ganze Nacht hinburch erwog Nuala bie Ereignisse ber beiben vorhergehenben Tage. Bei ihrer geistigen Pein hatte sie ben Schmerz In ihrem Fuße fast vergessen, und bds Fieber ihres Gemüthes verschluckte dasjenige des Körpers.
Wie sreundlos füllte sie sich! Nie zuvor in ihrem Leben hatte sie bas so empfunden. Sie hatte einen Vater, aber er war ihr weniger als nichts. Randal verzehrte sich selbst in trauriger Gefangenschaft; ihre Tante Nanny schien Gustav Lynch fast zu begünstigen, und als das Mädchen üoer das Alles nachdachte, überfiel sie ein so jämmerliches Gefühl von Einsamkeit um Hülflosigkeit, vaß sie sich auf ihre Kissen zurücklegte und bitter« tich meinte.
„Ich kann es nicht annehmen," schluchzte sie, „ich kann es nicht. O, wenn ich Mr. Thurgoob Alles