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M 102.

Älintr

Freitag, den 6. Mai.

1887.

Zeilmiz.

Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf mit der belletristischen Wochenkeilage »Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf. ' ‘

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Deutsches Reich.

Berlin, 5. Mai.

* Das Abgeordnetenhaus berieth heute den Antrag des Abg. Minnigerode und Genossen wegen Erhöhung der landwirthschaftlichen Schutz­zölle. Abg. Minnigerode beg.ündet seinen An­trag mit einer eingehenden Darlegung der Noth- lage der Landwirthschaft. Die landwirthschaft­lichen Produkte seien stetig im Preise gefallen, während sich die Produktionskosten nicht vermin­dert hätten. Höhere Schutzzölle bedürften nament­lich Getreide, Vieh, Butter und Schmalz. Abg. v. Schorlemer-Alst, welcher mit einer größeren Zahl von Centrumsmitgliedern zu dem Antrag v. Minnigerode einen Antrag auf motivirte Ta­gesordnung eingebracht hatte, trat gleichwohl mit großer Wärme für den Antrag v. Minnige­rode ein und erkannte dessen Berechtigung an. Werde motivirte Tagesordnung abgelehnt, werde er für den Antrag v. Minnigerode stimmen. Minister für Landwirthschaft Dr. Lucius erklärte Geneigtheit der Regierung in der Richtung des An­trags v. Minnigerode der Landwirthschaft zu Hilfe zu kommen; aber sie bedürfe hierzu die Mitwirkung des Reichstags. Hoffentlich werde dieselbe nichtfehlen. Abg. Graf Kanitz (ks.) dankte dem Minister für diese Erklärung.Abg. v.Saucken-Tarputschen (frs.) bekämpft den Antrag und verbreitete sich über die Verwerflichkeit der Agitation über die Doppelwährung. Abg. Stffet (Hb>.) sympathisch für den Antrag v. Minnigerode. Abg. Dr. Windthorst beantragte, das Haus wolle mit Rücksicht auf die Erklärung der Regierung zur Tagesordnung übergehen. Abg. Hob recht (ntl.) erklärte sich gegen den Antrag, weil die Sache nicht vor den Landtag gehöre, sondern vor den Reichstag. Abg. Rickert beantragte ein­fachen Uebergang zur Tagesordnung. Der An­trag Rickert wurde schließlich abgelehnt und zwar mit 233 gegen 62Stimmen. Abg. v.Minnige­rode zog seinen Antrag zurück, indem er die Hoffnung aussprach, daß die seinerseits gegebenen Anregungen recht bald einen praktischen Erfolg haben würden. Morgen Nachtragsetat und Kreis- theilungsgesetz für Westpreußen und Posen.

• Justizminister Friedberg hat beim Herren-

Im <|al »er SilktHrtra. .

Roman aus dem Englischen von E. Blackburne.

37. Fortsetzung.

36. Kapitel.

Ihr guter Name.

Der Advokat war am nächsten Morgen beim Frühstück, al» er Nuala'S Briefchen erhielt. — Merkwürdig, Gustav Lynch schien nicht mehr der- selbe Mann zu sein, wie wir ihn kennen lernten an jenem düstern November-Nachmittage, da un­sere Erzählung begann. Nicht al» wenn er in fei­ltet äußeren Erscheinung etwa» vernachlässigt hätte, nein, er war ebenso sorgfältig gekleidet und geputzt wie ftüher. Aber eine rastlose Unruhe war in seinen Augen und e» schien, al« ob er scheute, Jemanden gerade in» Gesicht zu sehen.

An diesem Morgen hatte er ein wichttge» Ge- schäft abzumachen, .welche» ihn verhinderte, sofort nach Schloß Garret zu gehen; und al« er nun in seiner Schre-.bstube saß, die Ankunft seine« Clienten erwartend» dachte er nach, wa« ihm Nuala wohl könne zu sagen haben. Vielleicht dachte er — und sein Blick erhellte sich etwa», al» dieker Gedanke durch sein Gemüth schoß — vielleicht hat sie von ihrem Vater gehört und rotfl /einer Bitte willfahren, daß die Hochzeit bald ge-

Hause die Genehmigung zur strafrechtlichen Ver­folgung des Herrn von Solemacher-Antweiler wegen Herausforderung zum Duell in dem be­kannten Streit mit dem Freiherrn v. Schorlemer- Metternich beantragt. (F. Z.)

* Die Affaire Schnäbele, welche acht Tage lang die öffentliche Diskussion beherrschte, ist, wie in unterrichteten Kreisen von vornherein mit Sicher­heit erwartet wurde, in friedlichem Sinne beige­legt worden. Seiner Verurtheilung und Bestrafung hätte nichts im Wege gestanden, wenn er nicht in der Lage gewesen wäre, sich auf eine Einladung eines deutschen Beamten zu einer dienstlichen Be­sprechung auf deutschem Gebiete zu berufen. Die Annahme ist zwar ausgeschlossen, daß es sich bei dieser Einladung um eine „Falle" gehandelt habe; nichts destoweniger hat es die deutsche Regierung für richtig gehalten, jener dienstlichen Einladung die Eigenschaft freien Geleits beizulegen, und so ist Schnäbele wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Schnäbele ist nach Frankreich zurückgekehrt und wird seinen Grenzposten nicht wieder einnehmen.

* Ueber die Branntweinsteuervorlage macht eine Berliner Korrespondenz der Münchener .Allgemeinen Zeitung' folgende Mittheilungen: Die Verbrauchsabgabe soll 50 Pf. für den Liter reinen Alkohols betragen, soweit die Gesammt - Jahres­menge den Betrag von 5 Litern auf den Kopf der Bevölkerung nicht übersteigt, dagegen für den Liter der darüber hinaus hergestellten Menge 70 Pf. Frei von der Abgabe bleibt Branntwein, schastlichen Zwecken benutzt, sowie der Branntwein, welcher ausgeführt wird. Zur Entrichtung der Abgabe, welche fällig wird, sobald der Branntwein in den freien Verkehr tritt, ist verpflichtet, wer den Branntwein zur freien Verfügung erhält. Wenn die Abgabe hinterzogen wird, fo verfällt der Defraudant einer Strafe, welche 5 Mark für jeden Liter beträgt. Bei Defraudationen unter erschwerenden Umständen tritt Gefängnißstrafe nicht unter einer Woche ein. Brennereien, welche Me­lasse, Rüben oder Rübensaft verarbeiten, können der Maischbottichsteuer unterworfen werden, welche 1,31 Mark für jeden Hektoliter des Rauminhalt» der Maischbottiche und für jede Einmaischung be­trägt. In den gewerblichen Brennereien findet die Erhebung dieser Steuer nicht mehr statt, da­

feiert werden solle. Gustav Lynch hatte manche Privatgründe, welche ihn selbst auch zu diesem Wunsche veranlaßten, und er beschloß, wenn Nuala nicht» Bezügliche» äußern sollte, fo wolle er e» thun.

„Jakob", sagte der Advokat, al» er das Ge­räusch eine» Wagens vernahm, der sich feiner Wohnung.'nähette, „da ist Mr». Johnstone und wenn sie eine Privatfache mit mir zu verhandeln hat, fo müssen wir allein fein."

Mrs. Johnstone betrat die Schreibstube de» Advokaten. Sie war eine Ehrfurcht gebietende Erscheinung in Wittwenkleidern; wahrscheinlich in den vierziger Jahren.

„Haben Sie gethan, wa» ich Ihnen vor einigen Tagen vorgeschlagen habe, Mr». Johnstone?"

„Ja, Sir; ich bin Ihrem Rathe genau nach- gekommen."

„Daran zweifle ich nicht. Sagen Sie mir jetzt was Sie gethan haben."

„Ich habe Ihnen die neunhundert Pfund in der Bank hebitirt. Ich hoffe sicher, daß Sie dieselben gut verwenden werden zum Nutzen mei­ner beiden Kinder."

Darüber brauchen Sie keinen Zweifel zu hegen, Mr«. Johnstone," sagte der Advokat vergnügt, während er seine Lieblingsstellung einnahm, den

| gegen wird hier ein Zuschlag von 20 Pfennig für den Liter zu der Verbrauchsabgabe erhoben. Gleich­zeitig mit der Einführung der Steuer wird der Zoll auf eingeführten Branntwein aus 150 Mark für den Doppelcentner festgestellt; die UebergangS« abgabe aus den nicht zur Branntweinsteuergemem- schaft gehörigen Bundesstaaten hat 96 Mark für den Hektoliter reinen Alkohols zu betragen. Der Ertrag der Steuer soll, wie man hört, auf gegen 100 Millionen Mark veranschlagt werden. Die Erhöhung des Zolles für eingeführten Branntwein beträgt 70 Mark für den Doppelcentner.

* Obwohl mit der Branntweinsteuervor­lage eine ganz merkwürdige Geheimnißkrämerei getrieben wird, scheint es doch festzustehen, daß die Steuer 50 Mark pro Hektoliter reinen Alko­hols betragen soll. Die Steuer wird eine Con­sumsteuer sein. Im vorigen Jahre verlangte die Regierung nur 40 Mark, während da» Centrum nur 25 Mark pro Hektoliter bewilligen wollte. Herr Richter berechnet in der ,Freis. Ztg.' den Brutto-Ertrag der Steuer bei einem Consum von jährlich 2,900,000 Hektoliter auf 145 Millionen Mark. Alle Erhöhungen von ©teuer« und Zöl­len feit 1879, also feit 8 Jahren, betragen nur 170-180 Millionen.

* Aus München wird der .Donanzg.' von zuverlässiger Seite geschrieben: „Wer vor einigen Jahren in den Morgenstunden in der St. Anna- vorstadt wandelte, konnte täglich einem feinen Herrn begegnen, der einen etwa 6jährigen Knaben Beginn Ser**teW* urß'ietöjT e?riknM"M. Tiu sorgsamen Vater, der da» Söhnlein zur Schule geleitete. Aber nicht zur Schule allein. Der Weg führte an der St. Annakirche vorbei und niemals versäumte es der um sein Kind besorgte Vater, den Knaben auch in die Kirche zu führen zu einem kurzen Gebet vor Beginn der Tagesar­beit. — Arn jüngsten Gründonnerstag konnte man denselben Herrn mit seinem älteren erwachsenen Sohne, einem stattlichen Offizier, in derselben St. Annakirche sehen, wie er mit Andacht und Würde znrn Empfang der Sakramente ging. Und wer war der Herr? — Der jetzige Justizminister Frhr. v. Leonrod." Daß ein solcher Mann nicht nach den Herzen katholikenfeindlichen Liberalen ist, liegt auf der Hand.

Rücken dem Feuer zugekehrt; „ich weiß schon, wie ich da« Geld verwenden will, und hoffe sicher, daß es Ihnen dabei sieben Prozent einbringen wird."

„Ich danke Ihnen, Sir;" erwiderte die Wittwe dankbar, „aber glauben Sie auch, daß die Zinsen sicher gezahlt werden."

„Ganz sicher. Vertrauen Sie auf meine Lei­tung; Sie wissen, Geld bringt Geld."

„Ich wollte auch noch einer andern Sache wegen Sie um einen Rath bitten," fuhr Mr». John stone fort, ein großes Taschenbuch hervorziehend. „Ich habe hier noch dr,eihundert jPfund, welche ich während der Lebenszeit meines Galten zurück- gelegt habe; diese möchte ich gerne sicher angelegt wissen für mein kleines Mädchen."

„Sehr ehrenwerth von Ihnen, Mr«. Johnstone, sehr ehrenwerth," sagte der Advokat, welcher gleich dem guten, alten Georg III. die Gewohnheit hatte, seine Worte zu wiederholen; „lassin Sie e» mich für Sie zählen."

E» waren ein und fünf Pfund Banknoten und Goto.

„Wollen Sie mir auch dieses Geld überlassen." „Wenn Sie wollen, Rath. Ich bin gesonnen, das Geld stehen zu lassen, bi» mein Mädchen er­wachsen ist oder bi» sie sich verheirathen wird,