Donnerstag, den 5. Mai.
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1887.
Mier K Jtiliig.
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Im Thil der Silbrrtürto.
Roman aus dem Englischen von E. Blackburne.
36. Fortsetzung.
35. Kapitel. Entdeckungen.
Nuala O'Donnel's Fuß und Knöchel waren nur gequetscht; aber glücklicherweise weder verrenkt noch zerbrochen. Dr.Fennessy war früh morgens zu ihr gegangen und hatte Gustav Lynch ihren Unfall mitgetheilt. Der Advokat hielt sich für verpflichtet, seine Braut unverzüglich zu besuchen, und al« er heimging durch dle Felder, konnte er nicht umhin zu wünschen, daß Nuala etwas liebevoller gegen ihn sein möge.
Denn es ist wahr, Nuala hatte nie eine Zuneigung gezeigt, die sie wirklich nicht fühlte. Aufmerksam und unterwürfig war sie — denn sie war eine sehr dankbare Natur — allein sie konnte keine Zuneigung erheucheln. Sie gab nicht vor, den Mann zu lieben und er einerseits wußte, wie nutzlos es sein würde, diese Gefühle zu erzwingen. Da er ein weiser Mann war in seiner Zeit und Art, beschloß er, alles der Zeit und Nähe zu überlassen, festhaltend an dem alten deutschen Grundlatze, daß dem alles gewährt, der versteht zu warten.
Mittlerweile lag Nuala auf dem Sopha, stark
Deutsches Reich.
Berlin, 4. Mai.
— Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" publizirt neun weitere Depeschen und Schreiben aus der Concilszeit, um zu beweisen, daß der Kulturkampf seinen Ausgang nicht vom Concil genommen habe. Die betr. Behauptung der Centrumspreffe sei Geschichtsfälschung; Bismarck habe immer die Auffasiung vertreten, daß Deutschland vom Concil nichts zu fürchten habe. Von den Aktenstücken sind nur zwei von Bismarck, die übrigen von dem Staatssekretär v. Thile und dem Botschafter v. Arnim.
* Der morgen eingehende Branntweinsteuer« Entwurf setzt nunmehr die Konsumabgabe für das bevorzugte Produktionsquantum auf 45, nicht auf 50 Mark pro Hektoliter fest. Der ursprünglich beabsichtigte Satz von 50 Mark ist auf 45 Mark ermäßigt worden.
* In Leipzig haben einige dort studirende Russen den General Kaulbars besucht, und über die Unterredung derselben werden der .Post' folgende „authentische Mittheilungen von betheiligter Seite" gemacht: Zunächst betonte der General ausdrücklich, daß wohl niemals über einen Menschen auf dem Erdenrund so viel gefabelt, so ungeheuerliche Behauptungen in der Presse, namentlich in der deutsch-österreichischen und englischen, aufgestellt worden seien, al» über ibn. All-» ft» Mno*n was man von feiner thätigen Antheilnahme an bulgarischen Verschwörungen behaupte; er habe nichts gethan, als den Auftrag feines kaiserlichen Herrn vollzogen, und auch gar nicht nöthig gehabt, mit russischem Gelds Aufwiegelungen gegen die bulgarische Regierung anzuzetteln; die fortwährenden Unruhen seien nichts weiter, als der freiwillige Ausfluß der Volksmeinung und des allgemeinen Unwillens über die leitenden bulgarischen Staatsmänner, denen nicht weniger als alles an der Befähigung fehle, die Geschicke eines Staates zu lenken. Von Fürst Alexander erklärte Kaulbars, daß derselbe im Interesse der Aufrechterhaltung des europäischen Friedens hätte beseitigt werden müssen. Daß er (Fürst Alexander) die russische Autorität in Bulgarien nicht gehörig respektirt,
sei ihm nicht so hoch anzurechnen; er habe aber die Absicht gehabt, unter Verletzung der Berliner Abmachungen, sich zum Herrscher eines großen vereinigten Staates, der die ganze Balkan-Halbinsel umfassen sollte, empor zu schwingen, und zu diesem Zweck die weitestgehenden und gefährlichsten Konspirationen in Fluß gebracht. Dieses Beginnen des Fürsten habe Rußland natürlich nicht stillschweigend dulden können, weil die Existenz Rußlands im Süden durch dieses zweifellos kühne und bewundernswert he Staaten-Unternehmen, das sich der österreichischen Unterstützung erfreuen dürfte, ernstlich bedroht worden wäre. Im Uebrigen sei man im Jrrthum, wenn man etwa glauben wollte, Alexander habe seine orientalischen Pläne endgiltig aufgegeben; im Gegentheil, der Fürst werde eines Tages die Welt mit der Thatsache überraschen, daß er mitten unter seinen Getreuen in Sofia weile und sein gefährliches und gewagtes Spiel auf's neue beginne. Dann aber werde die russische Regierung auch nicht länger zögern mit der Veröffentlichung des Akten-Beweismaterials, welches zur Evidenz dorthun werde, daß es unklug von den europäischen Mächten wäre, den Usurpatoren- Gelüsten des Battenberger's Vorschub zu leisten." Nun, Kaulbars sagt's, und Kaulbars ist „ein ehrenwerther Mann."
* Ueber neue nihilistische Anschläge berichtet der Petersburger Korrespondent des ,Hann. Cour.' unterm 30. April: „Am 27. April machte der korpS, Pawel Rüssarew, seinem Leben durch ernen Gewehrschuß ein Ende und am 28. April brachte sich der auf der Petersburger Seite wohnhafte Lieutenant Markow, 24 Jahre alt, durch einen Revolverschuß eine lebensgefährliche Wunde bei. Beide Ereignisse bringt man mit den nihilistischen Umtrieben der letzten Zeit in Zusammenhang. Ueberhaupt redet man in den letzten Tagen in der Stadt wieder viel von nihilistischen Anschlägen, denen die Polizei auf die Spur gekommen sein soll. Wie viel Wahres an allen den betreffenden Gerüchten ist, läßt sich augenblicklich schwer beur- theilen, da in dieser Hinsicht das strengste Geheim- niß beobachtet wird. Thatsache ist, daß die Polizei gegenwärtig ungemein rührig ist. Hierbei findet der Stadthauptmann General Gresser jetzt eine
zweifelnd, ob ihr Betragen auch recht und ehrlich sei. Gott weiß, sie wünschte rechtlich gegen den Mann zu handeln, dem sie verlobt war, und zugleich war sie neugierig, was ihr Mr. Thurgood zu sagen hatte. Das arme Kind war gezwungen anzuerkennen, daß ihre Unterhaltungen mit Robert Thurgood nicht ungefährlich für sie waren; denn sie waren die einzigen Freuden in ihrem traurigen, freudlosen Dasein. Sie war gern bei ihm, sie sehnte sich nach ihm. Da» Mädchen haßte sich selbst und war unwillig über sich selbst wegen dieser Gefühle. Ihr liebendes weibliches Herz sagte ihr, daß Robert Thurgood der gutmüthigste Mensch war, den sie je gesehen hatte. Aber sie nahm sich vor, Gustav Lynch treu zu sein, koste es was es wolle, und mit echt weiblicher Logik fing sie den Kreuzzug gegen sich selbst an, als sie jetzt Robert Thurgood erlaubte, sie zu besuchen.
„Sie sehen, ich kann mich nicht bewegen," sagte sie, ihm die Hand entgegen reichend, und ungc- achtet ihres fünf Minuten vorher gefaßten klugen Entschlusses leuchteten ihre Augen und eine liebliche Röche überflog ihre Wangen. „Dr. §enn ssy besteht darauf, daß ich mich ruhig halten soll."
„Ich habe Dr. F mufft) gesehen, und ich war erfreut zu hören, daß die Sache nicht ernstlich ist."
„O nein, die Quetschung schmerzt, das ist alles."
rege Unterstützung in dem neu ernannten Chef der Staatspolizei, General Schebeko. General Schebeko war längere Zeit persönlicher Adjutant des Chefs der einst so gefürchteten, jetzt eingegangenen dritten Abtheilung und ist daher im Kampfe gegen den Nihilismus kein Neuling mehr. Seine Ernennung zum Gehilfen des Ministers des Innern wird in gut unterrichteten Kreisen als ein Zeichen der Annäherung zwischen Alexander III. und dessen Stiefmutter, der Fürstin Jurjewskaja, betrachtet. Tie Schwester des Generals Schebeko ist nämlich die langjährige Freundin und Vertraute der Wittwe Alexanders II., und man schreibt die Ernennung des Generals zu seiner gegenwärtigen wichtigen Stellung dem Einfluß der Fürstin zu. Beiläufig sei hier bemerkt, daß General Orshewsky nicht seinen Abschied erhielt, weil er, wie einige Blätter melden, von dem am 13. März versuchten Mordanschlag nichts wußte, sondern weil er die Verhaft tung der Verbrecher bis zum letzten Angenblicke aufschob. Ec wollte die Nihilisten, um größeren Eindruck zu machen, an Ort uud Stelle, womöglich unmittelbar kurz vor der Ausführung des geplanten Verbrechens, fassen lassen. Dieses Verhalten, das Gefahren nach sich ziehen konnte, soll ihm von höchster Seite einen Verweis zugezogen haben.
* Darmstadt, 4. Mai. Die zweite Kammer lehnte das Weinsteuergesetz mit 24 gegen 22 Stimmen ab ,
" Leipzig, 4. Mar. Die heute Nachmrttag hier stattgefundene Versammlung deutscher Kämmer und Kammgarnspinner beschloß bezüglich des Antrages des Abg. Graf Kanitz einstimmig: In Erwägung, daß die deutsche Wollkämmerei gegenwärtig eines höheren Zollschutzes nicht bedürftig ist, eine Erhöhung des Zolles auf gekämmte Wolle aber andere Zweige der deutschen Wollindustrie erheblich schädigen würde, sich gegen eine Erhöhung des Zolles auf gekämmte Wolle (Kammzeug) zu erklären.
* München, 4. Mai. Die Polizei verhaftete einen Menschen, angeblich Namens Hellmann, welcher versuchte, größere Beträge von Checks auf London anzubringen. Er hatte gleichzeitig anderen Banquiers Kaufordres auf London ertheilt.
Wie schön sie aussah, sogar in ihrem alten Sammetkleide, das sie etwas verziert hatte mit gelber Spitze, die ihr Miß Nanny geschenkt hatte. Der rothe Shawl, der über ihre Füße gelegt war, sah dazu ganz hübsch aus.
„Sie haben Mr. Lynch gesehen?"
„Ja." Das Licht erstarb in ihren Augen bei diesem Worte. „Ich sagte kein Wort von unserer Unterhaltung, obschon ich versucht war, es zu thun, denn ich bin mit Mr. Lynch verlobt, und es scheint mir nicht recht zu sein, daß ich etwas zu ihnen over Sie etwas zu mir sagen sollten, was ich ihm nicht erzählen dürfte."
„Urtheilen Sie über sich selbst, Miß O'Donnel, wenn ich Sie in alle Umstände werde eingeführt haben," erwiderte er, im Geheimen ihren starken, kleinen Geist bewundernd. Er bemerkte, wie erregt sie war, wie ihre hübsche kleine Hand zitterte, und wie das Blut in ihre Wangen schoß und wieder zurückwich.
„Lass n Sie uns auf unsere Unterhaltung von gestern Abend zurückgreifen," fuhr er fort „Ich glaube verstanden zu hab-n, Mr. Lynch Härte Ihnen gesagt, daß der Gläubig r, von welchem Ihr Vater vaS Geld auf Ihr Besitzcoum geborgt hat, dasselbe baldigst zurückforderte und daß Ihr Vater unfähig sei, es zu bezahlen?"
„Ja."