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jg 100. Mittwoch, den 4. Mai. 1887.

Jilket W 3citmn.

*** Die .Fuldaer Bettung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

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Deutsches Reich.

Berlin, 3. Mai.

• Der Kaiser hat wie aus Madrid gemeldet wird, an die Königin Christine von Spanien ein Telegramm gerichtet um ihr im Namen der deutschen Armee für da» Portrait de» verstorbenen König» Alfon» zu danken, welche» die Königin dem in Straßburg garnisonirenden 15. Ulanen« regiment geschenkt hat.

* In einem längeren Artikel über die Annahme de» kirchenpolitischen Gesetze» schreibt der .Osser« vatore Romano' u. A.: „Als der Sturm über die Gefilde der Kirche fegte, blieben die katholischen Deputirten ftst auf ihren Füßen; erhobenen Haup­te» gingen sie dem Orkan entgegen. Dieselben haben in Preußen die große Macht de» Ka- tzolizismu» nicht nur auf dem Gebiete de» Ge­wißen», sondern auch auf dem der bürgerlichen Kraft dargethan. Diese ihre Kraft brachte den Fürsten Bismarck zur Ueberzeugung, daß der reit» giöse Friede nicht nur eine Wohlthat für die Katho­liken, sondern auch eine Nothwendigkeit für den Staat sei. Und als sie den Weg zum Siege be­reitet hatten, erklärten sie in edeler Weise, daß e» allein da» Recht de» Papste» sei, zu sagen, ob die mit ihrer Hülfe der Kirche wieder gewonnenen Ge­biete genügen würden für die Friedenspräliminarien oder nicht. Das Centrum muß noch auf seinem Posten bleiben; es muß wachen über die neuen Errungenschaften und darauf bedacht sein, in Ruhe und Frieden neue Vortheile für die Kirche zu er­langen."

• Unter Vorsitz des Fürsten Bismarck fand heute Nachmittag eine Sitzung des Staatsmini­steriums statt.

* Die Note des Fürsten Bismarck an den ftanzösischen Botschafter Herbette hat, wie der .Kreuzzeitung' aus Paris gemeldet wird, die re­publikanischen Kreise wegen der Vorwürfe der offiziell betriebenen Spionage im Reichslande stark deprimirt. Die französische Regierung nimmt in ihrer Erwiderungs-Note die angeführten Thatsachen mit „Vorbehalt" zu den Akten.

* Es wird bestätigt, daß der russische Bot­schafter in Berlin, Graf S ch u w a l o f f, von seinem hiesigen Posten abberufen und nach dem Kaukasus versetzt werden wird. Eine besondere (politische

Im Thal der Sillmdirdm.

Roman aus dem Englischen von E. Blackburn«.

36. Fortsetzung.

Aber Bernhard Clancy erwiderte nichts. Ec lehnte sich mit übereinander gekreuzten Armen gegen den Thürpfosten, nahm sein graues Käppchen ab, wischte sich die Augen und sagte: „Warum machen Sie mir gerade dieses Anerbieten, Sir?"

„Weil ich Ihnen helfen will, oder vielmehr Ihrem armen Weibe und Ihren Kindern. Wenn Euere Knaben erwachsen sind, will ich sie beschäf­tigen, wenn ich mit Euch zufrieden sein kann. Dienet mir treu, und ich will Euch dienen."

„Ich will es annehmen, Sir," sagte er in einem seltsam sanften und unterwürfigen Tone, „und ich danke Ihnen herzlich." Und dann fügte er leise hinzu: „Dieses gute Werk wird Ihnen zu gute kommen nach der schrecklichen Austreibung."

„Davon dürfen Sie mir nie etwas sagen," er- wiederte Robert Thurgood in demselben Tone. „Thun Sie Ihre Pflicht bei mir, und ich will die meinige an Ihnen und den Ihrigen thun. Guten Abend, Mrs. Clancy," sagte er dann lauter, „Ihr Mann und ich haben das kleine Geschäft abge­macht und ich hoffe, Sie bald in einer bequemeren Wohnung zu sehen."

Bedeutung wird der Thatsache nicht beigemessen. Bekanntlich wurde Graf Schuwaloff eine Zeit lang als Nachfolger des rusischen Ministers des Auswärtigen Herrn v. Giers bezeichnet; die Even­tualität des Rücktritts des Herrn v. Giers gilt indeß gegenwärtig al« endgültig beseitigt.

* Die Bra nntweinsteuervola ge soll mor­gen im Reichstag zur Vertheilung gelangen.

* Geheimer Oberfinanzrath Dr.Kopf ist zum Vizepräsidenten de« Reichsbankvirektorium» ernannt worden und wurde heute Vormittag durch den PeHsbankpräsidenten v. Dechend in das Kolke- giM eingeführt.

• Aus den eben erschienenen offiziellen Listen über den auswärtigen Handel des deut­schen Zollgebietes in den Monaten Januar bis Ende März 1887 ergibt sich, daß der deutsche auswärtige Handel sich im Allgemeinen auf einem befriedigenden Standpunkt erhalten hat, allerdings mehr in der Quantität als dem Werths. Wie die .Voßifche Zeitung' konstatirt^ steht dem Werthrück­gang aber ein Rückgang der Produktionskosten durch Benutzung der Vervollkommnungen des Maschinenwesens und neuer Erfindungen gegen­über. Das sind Erscheinungen, welche für die Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie sprechen. Die Ergebnisse der neuesten Listen über den aus­wärtigen Handel de» deutschen Zollgebietes im März und Januar bis März 1887 lauten günstig; besonders betreffs der Erzeugnifle der Textil­industrie, welche sämmtlich eine Steigerung der Ausfuhr zu verzeichnen haben. Auch die Ausfuhr von Glas, in erster Linie von Hohlglas, ist ge­stiegen (von letzterem von 103,420 auf 124,720 D.-Ztr.). Eine sehr bedeutende Steigerung der Ausfuhr liegt vom Zucker vor, dieselbe hat sich mehr als verdoppelt. Der Export von Roheisen und Eisenerzen ergibt eine erhebliche Verringerung, diejenige von Cement eine Vermehrung. Bemerkens­werth ist die bedeutende Steigerung von Chlor­kalium. Von Eisen und Eisenfabrikaten sind im ersten Quartal d. I. summarisch mehr als in 1886 ausgeführt worden, besonders von Schienen, Stab- eifen und Drahtstiften. Auch der Mafchinen-Export hat sich gehoben. Diejenige von Lokomotiven und Lokomobilen ist rückgängig gewesen. Bemerkens­werth ist noch die starke Einfuhr von roher Baum­wolle. Der Import von Getreide hat sich ungefähr

„Guten Abend, Sir, und sie mögen von Ihnen sagen, was sie wollen," sagte sie, sich an die all­gemeine Meinung erinnernd, „ich sage, Gott möge Sie und die Ihrigen segnen für da«, was Sie uns thun wollen."

„Ich danke Ihnen, Mr». Clancy, Guten Abend! Kommen Sie, Clancy, morgen früh nach Glin- more zu mir."

Bernhard Clancy lehnte sich an die Thür und schaute Robert Thurgood nach, bis er in der Dun- kelheit verschwunden war. Endlich kam er auf die Bitten seines Weibes herein und setzte sich zu dem frugalen Abendeffen nieder, bestehend aus Kartof­feln, Salz und einem Trunks Buttermilch. Betty hatte einst zu feiner Entschuldigung zu Miß Nanny gesagt, daß er kein schlechter Vater und Gatte sei; und wirklich, wer ihn jetzt beobachtet hätte, wie er die jüngsten Kinder fütterte und sie dann in ihr Beuchen auf's Stroh hinlegte, der hätte der Aussage seines Weibe» beistimmen müßen. Robert Thurgood wanderte durch da» Thal. Alles um ihn herum stellte eine Scene der Verwüstung dar. Der Wind flüsterte traurig durch die mit Stroh gedeckten verwüsteten Hütten und Robert Thurgood stellte sich einer gegenüber, deren Balken phanta­stische Gestalten anzunehmen schienen, die ihm den I Rücken wandten.

auf der vorjährigen Höhe gehalten, nur von Gerste ist er bedeutend gefallen.

• Die russische .Petersburger Zeitung' glaubt die moralische Verantwortnng für die A b m a ch u n g vom Januar 1877, betreff. Bosnien», zwischen den Kanzlern Rußlands und Deutschlands theilen zu müßen. Dieser Theilung widerspricht die ,Nordd. Allgem. Ztg.' in einem offiziösen Com- munique auf da» Bestimmteste. Gerade Fürst Gortschakoff habe bei dem Beginn der Verhand­lungen mit Oesterreich die Bedingung gestellt, daß dieselben vor Deutschland geheim zu halten seien, vielleicht aus dem Grunde, weil er vorausgesehen, daß diese und andere vertrauliche Verhandlungen, welche er gleichzeitig mit Deutschland führte, mit einander nicht so verträglich wären, daß nicht die einen durch die anderen Schäden hätten leiden können.

Ausland.

* Paris, 3. Mai. Der Ministerrath beauf­tragte den Finanzminister Dauphin, der Budget­kommission neue Reduktionen um 12 Millionen anzukündigen, wovon 8 im Kriegsbudget. — Schnäbele wird nicht in Ruhestand gesetzt werden, sondern einen anderen Posten erhalten. — Der Polizeipräfekt traf umfassende Vorsichtsmaßregeln für die heutige Premiere des „Lohengrin". (F.Z.)

* Pari», 3. Mai. Im Edentheater fand heute Abend die erste Aufführung von Wagner'» „Lohengrin" statt. Vor dem Theater fanden sich bei Einbruch der Dunkelheit etwa 150 Per­sonen ein, welche theils pfiffen ober: „Nieder mit Wagner," „Nieder mit Lamoureux," „Es lebe Frankreich" riefen, theils die Marseillaise anstimm­ten. Die Kundgebung war indessen ohne größere Bedeutung. Gegen 10 Uhr schien die .Menge trotz des Regens zuzunehmen; der Lärm war ein großer. Die Vorstellung selbst verlief ohne Zwi­schenfall. Lamoureux, die Künstler und die Kapelle wurden lebhaft applaudirt. Das Theater war sehr gut besucht.

* Florenz, 3. Mai. Die Leiche Rossini'» ist hier eingetroffen uud von den Regierungs-, und Gemeindebehörden, der französischen Kolonie und Musik-Notabilitäten empfangen worden. Sie wird heute feierlich in da» Pantheon überführt.

* Quebek, 30. April. In den katholischen Kirchen der Erzdiözese von Quebec wurde am 10.

Doch was lag da neben jenem Steinhaufen? Robert Thurgood ging näher und schaute in das weiße Angesicht von Nuala O'Donnel.

34. Kapitel.

Robert Thurgood's Aufgabe.

Beinahe mit Ehrfurcht blickte Robert Thurgood in das stille, weiße Angesicht. Eine Minute lang war er durch feine Entdeckung so verstört, daß er nicht den Versuch machte, sie zu erwecken.

„Miß O'Donnel," sagte er sehr sanft, sich zu ihr niederbeugend, aber sie erroieberte nichts.

„Miß O'Donnel!" Ec nahm ihre kleine, un- behandschuhte Hand in die seinige; sie war kalt, aber die Handlung erweckte sie so weit, daß sie schwach seufzte.

Robert Thurgood hatte eine Flasche mit Sherry in seiner Tasche. Sich plötzlich daran erinnernd, goß er etwas Wein in den liefern Theil des Futterals und benetzte damit ihre Lippen. Zu­gleich kniete er neben sie nieder und erhob faust ihr Haupt. Jetzt erwachte sie. Zuerst konnte sie sich selbst nicht erklären, wie sie in diese Lage ge­kommen war und bloß mechanisch nahm sie den Wein, welchen er ihr die Lippen hielt.

„Fühlen Sie sich besser, Miß O'Donnel?"