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Sonnabend, den 30. April.

M 97.

1887.

Die .Fuldaer Zeitung- erscheint täglich, Sonn-'und Feiertage ausgenommen Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bnngerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf. mit der belletristischen Wochen! eilage .Sterne und Blumen m Fulda I M. ,0 Pf., auswärts I M. <o Pf.

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Zweites Blatt.

Im Thai der Siliiettiirta.

Roman aus dem Englischen von E. Blackburne.

33. Fortsetzung.

Es war ein elendes Ende, das der so wohl be­gonnene Abend nahm, denn der Sachse war schnell in der allgemeinen Achtung durch seine Aufmerk­samkeit, Güte und Gastfreundlichkeit gestiegen. Die öffentliche Meinung, durch die versammelte Gesell­schaft vertreten, war hoch zu seinen Gunsten ge­stiegen, und folglich zu Nngunsten für Randal Macsorley. Sie nannten es „gemein", zuerst dcs Sachsen Salz gegeffen und dann seine Hand gegen ihn erhoben zu Haden, denn keiner — Miß Nauru) ausgenommen — hielt den jungen Mann für nicht schuldig. Richard Stevens schickte zur Polizei um ein Detachement, und als Randal nun in der Halle stand, die Hände auf den Rücken gebunden, kam Miß Nanny hervor und sagte:

„Randal, mein lieber Junge, ich werde nicht glauben, daß Du schuldig bist, bis Du es mir mit Deinen eigenen Lippen schwörst. Und höre, mein Lieber, die besten Vertheidiger sollen für Dich austreten; denn ich werde diesen alten Platz ver­kaufen, der dreihundert Jahre hindurch nicht ohne einen O'Reil war, wenn ich nicht Geld genug haben sollte, für Dich zu kämpfen. Gott helfe Dir und gebe Dir ein muthigcs Herz!"

„Ich danke Dir, Tante Nanny!"

Das war alles, was Randal Macsorley sagte, und dann ging er aufrecht und festen Schrittes durch die Halle.

Nuala sagte nicht ein Wort, und ein leises: Gott helfe Dir und Gott vergebe Dir! von Vater Fennessy, war der einzige Ton, den sein Ohr ei- reichte. Mrs. Dooner warf ihm einen verächtlichen Blick nach und Thomas Owens drückte ihm schwei­gend die Hand.

Und so kam es, daß Randal Macsorley den Rest des Tages, an dem das: „Friede den Men­schen, die eines guten Willens sind" erschallt, in einer Gefängnißzelle zu Glenveih verbrachte.

* * ♦

Nuala verbrachte den Weihnachtstag bei Miß Nanny und Gustav Lynch speiste natürlich mit ihnen. Es war ein sehr trauriges Mittagsmahl, denn Miß Nanny konnte nicht aushören, von den Ereigniffen der letzten Nacht zu sprechen. „Es ist schrecklich, zu denken, daß der arme Junge heute, am schönsten von allen Tagen des Jahres, allein sein muß," sagte sie, und die Thränen der gut­herzigen alten Dame stoffen aus's neue.

Nach dem MittagSeffen konnte sie aber doch, ungeachtet ihres Kummers, ihr gewohntes Schläf­chen nicht entbehren, und die Verlobten blieben allein.

„Nuala," sagte Gustav Lynch sanft, indem er seine Hand auf seine bleiche, im Geiste abwesende Braut legte, „ich habe heute Morgen einen Brief von Ihrem Vater erhalten."

.So?"

„Er gibt seine volle und freie Einwilligung zu unserer Herrath." Gustav Lynch sagte nicht, daß Garret O'Donnel zugleich wieder um eine bedeu­tende Summe Geld bei ihm angefragt hatte.

Nuala sagte nichts; aber sie dachte daran, was ihr Herz Nachts vorher zu ihr gesagt halte, als Robert Thurgood bleich und blutig zu ihren Füßen gesunken war.

„Warum sollen wir nicht bald Hochzeit haben? Ich sehe keinen ernstlichen Grund, noch länger zu warten."

Des Mädchens Gemüth war krank. Sie erhob

sich gebrochen, stellte sich traurig an's Feuer, Ver- , zweiflung im Herzen und brachte nur das einzige , Wort hervor: „Warten."

Die Tage verflossen, und in wenigen Wochen war Mr. "Thurgood, besten Wunde vsrhältniß- mäßiz leicht war, wieder hergestellt. Nicht der geringste Verdacht haftete auf einem Andern, und Randal stand allein da, des Mordversuchs auf Robert Thurgood am verflostenen Weihnachtsfeste beschuldigt.

32. Kapitel.

Im Thale der silbernen Birken.

Der Prozeß gegen Randal Macsorley wegen des Mordversuchs auf Robert Thurgood verlief in gesetzmäßiger Weise. Dem gewöhnlichen Ge­brauche entgegengesetzt, wurde der Gefangene per­sönlich verhört; das Resultat aller Kreuz- und Querfragen war, daß Randal Macsorley den fei­gen Angriff auf das Leben seines Gastgebers nicht selbst gemacht, wohl aber die Person erkannt, die es gethan hatte.

„Sie sind verpflichtet, den Namen dieser Person anzugeben."

„Was!" rief Randal, „denken Sie mich zu einem Angeber machen zu können!"

Diese Erwiederung wurde im ganzen Gerichts­höfe mit dauerndem Applaus ausgenommen. So laut und anhaltend waren die Beifallsbezeugungen, daß der Richter gezwungen war, um Stillschwei­gen zu ersuchen.

„Angeber!" dieser Name, so gehaßt und ge­fürchtet von den Irländern. „Angeber!" mit dem Finger würde spöttisch auf einen solchen gezeigt werden immerdar — und Wenige, außer den Ir­ländern, begriffen völlig die Schande, welche die­ser Name mit sich brachte.

Verschiedene Umstände vereinigten sich, um Ran­dal Macsorley zu verdammen. Sein eigener ein­facher und wahrheitsgetreuer Bericht der Sache wurde kaum geglaubt. Die Thatsache, daß ihm der Revolver gehörte, war verdächtig, besonders da er standhaft verweigerte, zu berichten, wie er in den Besitz eines andern gelangt sein konnte. Seine aufrührerischen Artikel, welche er gegen den „Tyrannen von Glmmore" geschrieben hatte, wur­den dem Gerichte vorgelegt, und als Anklage gegen ihn benutzt, sowie so manche wilde und thörichte Worte, die er in seinem säst knabenhaften Ent­husiasmus unwissend gesprochen hatte. Alles die­ses, verbunden mit seinem Entschlüsse, den Namen des UebelthüterS nicht anzugeben, vereinigte sich gegen ihn. Der Nicktet sagte ihm, daß er, wenn er den Namen des Mannes verhehle, sich als sei­nen Verbündeten hinstelle; aber nichts, weder Ge­setz, noch Furcht vor Strafe, konnte seinen Vorsatz erschüttern.

„Ick will eine Bemerkung machen, Mylord," sagte Randal, fest vor sich sehend, um Niemanden ju verrathen. „Ich kann den Namen des Man­nes, welcher den Versuch gegen das Leben Mr. Thurgood's gemacht hat, nicht offenbaren, aber er ist hier im Gerichtshöfe. Wenn er will, mag er vortreten. Wenn er das nicht thut, braucht et sich nie zu fürchten, daß mich je das niedrige Ge- fühl der Rache verleiten werde, sein Geheimniß zu entdecken."

Eine Todtcnstille herrschte im Gerichtshöfe. Miß Nanny stand auf, Erwartung in ihrem bleichen Antlitze und erforschte die Gesichter der in Menge Anwesenden. Von je sechs Gegenwärtigen kannte sie fünf, doch sie glaubte zu sterben, als Minute um Minute verrann, ohne daß ein Zeichen gegeben wurde.

Der Richter schloß die Sitzung. ' Mau erwar­tete, daß er nicht zu strenge sein würde; doch die Umstände waren augenscheinlich schwer, so daß,

als er aus dem Geschworenensaale zurückkehrte, bekannt gemacht wurde, daß die Geschworenen glaubten, Randal Macsorley sei betheiligt gewesen an dein Mordversuche auf Mr. Thurgood am Weihnachtsabende, zu gleicher Zeit empfahl man ihn der Gnade.

Noch einmal wurde Randal die Freiheit ange­boten, wenn er den Namen des Mannes nennen wolle, den er in jener Nacht gesehen; doch er widerstand der Versuchung. Und so verkündete denn der Richter mit augenscheinlichem Widerwil­len das Uctheil: „Fünf Jahre Zuchthaus mit harter Arbeit."

Ein Schrei ertönte im Gerichtshause und Miß Nanny ward weggeführt, wehklagend: „Mein Junge! Mein Junge!" (Forts, folgt.)

Vermischtes.

§ Aus der englischen Industrie wird eine Taschen­nähmaschine in Umlauf gesetzt. Das kleine mit außer­ordentlicher Präzision konstruirte Werk steht in einem kleinen Kästchen von etwa 8 Zoll Länge und 2 Zoll Breite. DaS Ganze erreicht noch nicht das Gewicht von 250 Gramm und kann auf bequemste Weise auf Reisen mitgeführt werden.

['2t u ä der Instruktiv ns stunde.) Wachtmeister: „Der Krieg wird eingetheilt in großen und kleinen Krieg — resp. in Schlachten und Borpostengefechte. Schlaule, was gibt es also für Kriege?" — Schlaule (der gerade ein Stück Kommisbrod im Munde hat und gerade gewaltigen Durst verspürt): „Es gießt Seidli und Maß- Krüge."

[Verfehlte Klage.) Sie: Rein, Eduard, mit diesem Kleide geht's nicht länger. — Sieh' doch, die Helle Farbe paßt gar nicht zu dem Frühjahrsgrün. — Er: Aber ich bitte Dich, Kind, ich kann doch die Bäume Deines KleideS halber nicht roth anstreichen lassen.

Literarisches.

Eine neue illustrirte Zeitung, die von der Schablone der bisher üblichen illustrirte» Blätter vollkommen ab­weicht, sind die seit Beginn des neuen Quartales bestehen­den „Zeitbilder". Das Blatt, das wöchentlich in Stärke von 1 >/< bis l>/s Bogen größt-n Folio-Formates erscheint, widmet sich ausschließlich dem Jnterefle des Tages, indem es die hervorrragenden Ereignisse aus aller Welt, wie die bedeutenden Persönlichkeiten der Zeit- geschichte vorsührt. Dadurch, daß der Text, überall gleich unter dem Bild- befindlich, sich auf das Rothwendige be­schränkt, ist es möglich gewesen, die „Zeitbilder" unge­wöhnlich reich auszustatten und dabei einen Preis zu stellen, der höchstens die Hälfte desjenigen der anderen großen illustrirten Zeitungen beträgt (1 Mark 50 Pfg. für 13 Nummern vierteljährig), während an Illustratio­nen ebensoviel, wenn nicht mehr geboten wird. Das reich flutende Leben der Gegenwart auf dem ganzen Er­denball- in den Bereich ihrer Darstellungen ziehend, bie­ten die „Zeitbilder" eine künstlerisch werthvolle Ergänzung zu jeder Tageszeitung. Den Bielbeschäftigten gewährt außerdem die im Beiblatte enthaltene „Zeitgeschichtliche Rundschau" die Möglichkeit, sich im Fluge über alles Wichtige im politischen und sozialen Leben der Gegenwart zu orientiren. So erhalten die „Zeitbilder" einen dauern- d ii Werth für Haus und Familie als eine, künstlerisch rote inhaltlich hervorragende illustrirte Chronik der Zeit. Zu beziehen durch A. Maier's Buchhandlung.

Berlin, 26. April. Die häufigen Verlegungen der Ziehungen, selbst der größten Lotterien wie Rothe Kreuz- und Kölner Dombau-Geld-Lolterie, habe» auch die so günstig gestellte Marienburger Geld-Lotterie in Mitleiden­schaft gezogen, so daß die auf heute angesetzte Ziehung der­selben auf den 9. Juni d. I. verlegt werden mußte. Aus- geschlossen von diesen Verlegungen bleibt hingegen die Schneidemühler LaxuS-Pferdemarkt-Lotterie, deren Ziehung, wie dies bei sämmtlichen Pferde-Lotterien bekanntlich der Fall ist, bestimmt am festgesetzten Tage, also nächste Woche Dienstag, den 3. Mai er. erfolgen muß, und komme» darin Haupttreffer von 10,000 Mk., 3000 M., 1500 M., zur Verloosung. Durch die vorzügliche Wahl der übrigen Gewinne, größtentheils Gold- und Silbermünzen, die auf Wunsch mit einem geringen Abzüge sofort in Baar aus­gezahlt werden, erfreuen sich die Loose eines sehr starken Absatzes, so daß dieselben bis zum Ziehungstage voll­ständig geräumt werden. Loose zum Preise von nur 1 M., 11 Loose 10 M„ (Porto und Liste 30 Pf.), sind beim General-Debit, dem bekannten Bankhause von A. Fuhse, Berlin W„ Friedrichstr. 79 im Faber'schen Hause, so­wie sämmtlichen durch Plakat kenntliche» Verkaufsstellen 1 zu habe».