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1887

Zeitung

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o Die preußische Kirchenvorlage.*)

lich durch die nationalliberalen Kultmkämpfcr von Profession L la Gneist und von Syriern, die nichts gelernt und nichts vergessen haben, wie auch durch die wenigstens Halbwegs bekehrten Konservativen L la von Hammerstein, und endlich durch die nicht minder einigermaßen bekehrten ehemaligen Fort­schrittler in den letzten Tagen vollauf bestätigt worden ist.

Im Thal der Zilberbirhe».

Roman aus dem Englischen von E. Blackburn«.

32. Fortsetzung.

Obschon es noch früh am Abende war, begann der Ball, und wie jedermann weiß, war Mrs. Dooner nun als Wirthin ohne Beschäftigung. Sie und ihr Bruder waren der Mühe überhoben, die Leute mit einander bekannt zu machen; deßhalb setzte sie sich obenan in den Saal, vorgeblich um mit einigen Wittwen ein Gespräch anzuknüpfen, in der Thctt aber nur, um ihren Bruder zu be­wachen.

Gerade sah sie ihn mit Miß Nuala tanzen. Die Quadrille war vorbei und sie sah, wie er das Mädchen aus dem Zimmer führte. Sie be­traten ein kleines Gewächshaus, daß sich nach der Halle zu öffnete, und wo schon mehrere Paare standen. An der Außenseite dieses Gewächshauses, dessen Fenster geöffnet waren, befand sich eine Veranda, und dort ging Ranval Macsorley ruhe- los auf und ab. Er sah sie eintreten, und sein eifersüchtiges Herz beneidete den Mann, dem sie so süß zulächelte. Sie laß gerade unter einem dec offenen Fenster und Robert Thurgood stand vor ihr. Der Schall ihrer Stimmen erreichte sein Ohr, da er nur einige Schritte von ihnen und

hing des Abgeordnetenhauses hauptsächlich vom FürstenBismarck selbst vertheidigt und ver­treten, und zwar dergestalt, daß die römisch> katho­lischen Blätter, welche ohne Zweifel aus den Reden Bismarck's nur paffende Auszüge in Rosenfarben zu Gesicht bekommen haben, von der hohen Kirchen­weisheit des Reichskanzlers geradezu entzückt sind und mit echt lateinischer Ueberschwenglichkeit dem erhabenen Fürsten Jubellieder singen. Gewiß haben auch wir in den letzten Tagen aus dem Munde des Fürsten Bismarck manches dankenswerthe Wort gehört, welches mit Erfolg den hartgesottenen Kulturkämpfern durch die Parade fuhr, gewiß sind auch wir dem Kanzler dankbar dafür, daß er seine alten Vorurtheile gegen Rom und das Papstthum theilweise aufgegeben hat, aber andererseits mußte es uns auch wieder um so bitterer berühren, wie geringwerthig der Kanzler den ganzen schrecklichen Kulturkampf mit all' dem religiösen, moralischen und selbst physischen Elend, welches er im Gefolge gehabt hat, anschlägt. Fürst Bismarck hat die Idee, welche sich wie ein rother Faden durch die bekannten Notenpublikationen der ,Nordd. Allgem. Ztg.' zog, auch in seinen verflossenen Rede» kon­sequent durchzufechten gesucht: er will den Kultur­kampf nur als einen politischen Kampf be­trachtet haben, hauptsächlich als einen Kampf gegen das reichsfeindliche Csntrum, nicht als einen Kampf gegen die katholische Kirche, gegen Rom und das Papstthum. Nun, der Beweis ist ihm nicht ge­lungen und wird ihm nie gelingen. Abgesehen da­von, daß Fürst Bismarck, wie der Abg. Virchow noch am Montag hervorhob, sich u. A. in seiner Herrenhausrede vom 14. April 1875 prinzipiell vom evangelischen Standpunkte aus für die Noch- Wendigkeit des Kulturkampfes aussprach und sogar seine eigene Seligkeit durch den römischen Papst gefährdet sah, wird er die Thatsachen nicht aus der Welt schaffen, können, daß alle diejenigen Fak- toten, welche seit dem Jahre 1873 den Kultur­kampf in seiner gröbsten Form möglich gemacht haben — Minister Falk, die liberalen und konser­vativen Kulturkämpfer im preußischen Landtage und im deutschen Reichstage — keinen Augenblick daran gezweifelt haben, daß es ein Kampf gegen das Papstthum als solches, ein Kampf des Prote­stantismus gegen den Katholizismus sei, eine Auf­fassung, welche uns durch klassische Zeugen, näm-

ganz im Schatten stand. Gelegentlich hörte er ihr süßes, leises Lachen und sein Herz sehnte sich nach ihr, als nach dem einzigen Gute, das für ihn das Leben werthvoll machen konnte.

Randal sah, wie sich ein Mann der Veranda näherte, vorsichtig umherspähte und dann durch ein Fenster hereinsah. Plötzlich sprang er vorwärts und ehe sich Randal dazwischen stellen konnte, feuerte er einen Revolver auf Robert Thurgood ab.

31. Kapitel.

Erwartung des Urtheilspruches.

Robert Thurgood strauchelte und fiel in der nächsten Minute zu Boden. Mit einem Schreckens- schrei kniete Nuala neben ihm nieder und suchte sein Haupt zu erheben. Mehrere Männer stürzten vorwärts, und einer riß das Fenster weiter auf, sprang hinaus und fand den zitternden und er­regten Randal mit einem Revolver in der Hand.

„Macsorley!'' und der junge Thomas Owens blickte seinen Freund erstaunt an. „Wer feuerte den Schuß ab?" fragte er hastig und gedanken­los, „Macfotley, du doch nicht?"

„Ich! Gerechter Himmel! Thomas, wie kannst Du so fragen?"

„Wer ist es ? Wer ist da? Wer ist es, Owens ?" fragte man jetzt von allen Seiten.

II.

Stellen wir nochmals in aller Kürze das Ur- theil des hl. Vaters über das neue preußische Kirchengesetz fest, so ist an die Spitze zu stellen der die Entscheidung enthaltende Satz, wonach „das beschlossene Gesetz ein nicht heuchlerisches noch zu verachtendes Heilmittel vieler Uebel darstellt und den Zugang zu dem so lange und mühsam angestrebten Frieden eröffnet." Wenn der hl. Vater es aus diesen Gründen für „ange- zeigt" hielt, daß „die Katholiken einem solchen Entwurf zuzustimmen nicht verweigern", so hat er aber auch über allen Zweifel klar gestellt, daß dieses Gesetz noch nicht der volle Friede selbst, sondern nur ein „Zugang" zum Frieden ist, indem er wörtlich erklärte: 1. daß „von jenen harten Gesetzen nur soviel abgeschafft oder geän­dert wird, daß sie weniger schwer ertr'agen werden zu können scheinen", 2. daß „noch nicht Alles erreicht ist, was die Katholiken zu er­reichen mit Recht wünschen" 3. „daß der apostolische Stuhl stets alle Vorsorge und Umsicht verwenden wird, damit ein solcher Stand der Dinge, der noch nicht der beste ist, noch weiter und umfassender verbessert werde".

Das ist der Standpunkt des päpstlichen Stuh­les, und wenn der hl. Vater nicht durch die be­kannte Jakobini'sche Note und neuerdings noch durch ein Schreiben an Windthorst die Roth- wendigkeit des Fortbestehens der Cen­trumspartei ausdrücklich betont hätte, so würde sich schon aus den citirten drei Sätzen des Bre­ves vom 7. April diese Nothwendigkeit ergeben, namentlich nachdem die nationalliberale Partei und ein unbeträchtlicher Theil der anderen prote­stantischen Parteien durch ihre Reden und ihre Abstimmungen hinlänglich bewiesen haben, wie wenig sie von den alten kulturkämpserischen Ideen geheilt sind, nachdem sich auch herausgestcllt hat, daß ohne die Centrumspartei keine parlamen­tarische Mehrheit für die Verbesserung der kirch­lichen Lage der preußischen Katholiken aufzutrei­ben ist.

Der in der angeführten Weife vom hl. Vater befürwortete Gesetzentwurf wurde in der Verhand-

*) Nachdr. verb.

Deutsches Reich.

Berlin, 28. April.

♦ Durch die heute in der .Norddeutschen' er­folgte Mittheilung über den Bericht, der dem Auswärtigen Amt auf dessen Requisition seitens des Reichsjustizamts über den Fall Schnäbele zugegangen ist, wird indirekt bestätigt, daß das Auswärtige Amt thatfächlich mit der ganzen An- gelegenheit nicht eher etwas zu schaffen gehabt hat, als bis nach erfolgter Verhaftung der fran­zösische Protest dagegen eingegangen ist. Daß Schnäbele freigelaffen wird, sobald das überhaupt ohne Verletzung formeller Vorschriften erfolgen kann, 'gilt in unterrichteten Kreisen nach wie vor für zweifellos.

• Der bisherige russische Botschafter am Berliner Hofe Graf Schuwalow, den französische Blätter zum Nachfolger des Herrn v. Giers machen, soll zum Statthalter des kaukasischen Gebietes in Aus- sicht genommen sein. Der deutsche Botschafter am russischen Hofe General v. Schweinitz kehrte gestern aus seinen Petersburger Posten zurück.

* Auch heute hielten beide Häuser des Land­tags Sitzungen ab. Das Herrenhaus nahm die Gesetzentwürfe über das Theilungsverfahreu und den gerichtlichen Verkauf von Immobilien im Geltungsbereiche des rheinischen Rechts und über die Organisation der Berufsgenossenschaften für die landwirthschaftliche Unfallversicherung an. Sonn- abend: Volksschulleistungsgesetz. — Das Abge- ordnetenhaus setzte die Berathung der Vor- läge wegen Gewährung einer Staatrsubvention an die rheinische Provinzialhülfskasse behufs He­bung des Grundkredits fort. Die Abgg. Frhr. v. Erffa, v. Körber und v. Rosenberg befürwor­teten die Vorlage im Interesse der Landwirthfchast und in der Erwartung, daß auch anderen Pro­vinzen Erleichterungen gewährt werden würden.

„Ich bin es", sagte Randal ruhig und sprang zugleich mit dem Revolver in der Hand durch das Fenster herein.

Was mußte er sehen! Da lag der verwundete Mann mit geschlossenenen Augen, während der Doktor, auch einer der Gäste bemüht war, das Blut zu stillen, welches aus feiner Wunde in feiner Schulter floß.

„Die Verletzung ist nicht gefährlich," sagte der Doktor beruhigend zu Mrs. Dooner. „Ihr Bruder ist nur schwach wegen des Blutverlustes."

„Mr. Macsorley, bitte, geben Sie uns eine Erklärung dieser verdächtigen Umstände."

Der Sprecher war Mr. Stevens, der Unter« Inspektor. Randal stand- mit bleichem, verdäch- tigern Gesichte vor der erschreckten Menge, die ihn alle, wohlbekannt mit der irischen Gewohnheit, schnell Entschlüsse zu fassen, als den Thäter be- trachtete.

„Das will ich." Keine Unschlüssigkeit war in seiner Stimme. , ,

„Ich stand auf der Terrasse, als ich iah, wie sich ein Mann näherte, und fevor ich Zett fand, mich ihm entgegen zu stellen, fchoß er einen Revol­ver auf Mc. Thurgood ab. Ich lief ihm nach, und er ließ dieses fallen, was ich aufnahm, und er hielt den Revolver dahin.

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