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M 95. Donnerstag, den 28. April. 1887.

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o Die preußische Kirchenvorlage.*)

L

Das preußische Abgeordnetenhaus hat die Kirchen­vorlage in der Fassung des Herrenhauses nun auch in dritter Lesung unverändert angenommen. In wenigen Tagen wird die so viel besprochene Vorlage, vom König sanktionirt, im .Staats­anzeiger' publizirt werden und dann in der Praxis ihre Probe zu bestehen haben. Die Einzelheiten der Verhandlung und Abstimmung stnd durch die Berichte hinlänglich bekannt, auch sind die wich­tigeren Reden bereits in entsprechender Weise er­örtert worden. Uns erübrigt es heute noch, einen zusammensasssnden Rückblick auf die Stellung­nahme der verschiedenen in Betracht kommenden Faktoren zu werfen und die durch das Gesetz ge­schaffene Lage kurz zu markiren. Zu den bei der Beschlußfassung über die Kirchenvorlage maßgeben­den Faktoren sind zu rechnen der hl. Vater, die preußische Regierung und als ihr äußerer Reprä­sentant der Ministerpräsident Reichskanzler Fürst Bismarck, endlich die verschiedenen Parteien. r Die Stellung des Papstes zu der kirchenpoli­tischen Vorlage ist bekanntlich in dem Schreiben Leo's XIII. an den Erzbischof von Köln vom 7. April, d. I. niedergelegt. Der Einfluß, den die Entschließungen de» h. Stuhles auf die Hal­tung der Centrumspartei naturgemäß hatte und haben mußte, bedarf kaum mehr der Erörterung, nachdem die Partei thatsächlich den Weisungen Roms gefolgt ist, und das katholische Volk, sowie auch die katholische Preffe die Mahnungen de» heiligen Vaters mit ehrerbietigem Gehorsam hin­genommen haben. In der centrumsfeindlichen Preffe werden einige aus dem Zusammenhänge geriffene Citate aus zwei oder drei katholischen Blättern vorgesührt, welche beweisen soll n, daß ein Theil der Preffe gegen den heiligen Vater eine unge­ziemende Sprache führten und offene Auflehnung gegen das Schreiben vom 7. April predigten. Es fällt uns nicht ein, jedes Wort verantworten oder vertheidigen zu wollen, welches in dem einem oder anderen Blatte in erklärlicher Aufregung, im Uebereifer oder in der hochgradigen B e s o r g n i ß um die ZukunftSinterefsen der Kirche in

*) Nachdr. verb.

3m Thal der Mrrdirkm.

Roman aus dem Englischen von E. Blackburn«.

31. Fortsetzung.

30. Kapitel.

O heimathliche Musik! Unvergleichlich.

„Nun wohl Robert, alles was ich Dir sagen kann, ist dieses, daß ich bei all meiner Erfahrung in Haushaltungssachen noch nie von einem so außergewöhnlichen Programme in einem anständi­gen Hause gehört habe, und Mrs. Tooner schüt­telte die sie bekleidende Seide und'Spitzen, und faltete ihre behandschuhten Hände, indem sie die Ankunft der W.'ihnachtsgäste erwartete.

Das Programm, welches ihr Bruder angeord- net hatte, war gegen ihre Idee von einem Gast- mahle. Der Gedanke langweilte sie, daß sie ver­suchen sollte, alle Parteien zu versöhnen und zu vergnügen. Um alle, Junge und Alte, angenehm zu unterhalten, halte der Herr von Glinmore zuerst ein gutes Effen angeordnet und dann einen großen Ball in der ersten und zweiten Etage. Er hatte Musik von Dublin herüberkommen las­sen und zwei einheimische Pfeifer und Streicher waren schon in der Küche untergebracht. Unge­achtet de« Haffe» gegen den Sachsen, mit dem sich manche in der Nachbarschaft brüsteten, waren

den jüngsten Tagen geschrieben worden ist. Aber wa» will man denn mit diesen zwei oder drei Citaten aus der ganzen stattlichen Reihe von weit über 200 katho­lischen deutschen Blättern beweisen ? Freilich, wenn irgend ein Superkluger sich selbst über die bezüg­lichen Ausführungen und Besorgnisse der direkt unter den Augen de» Erzbischofs von Köln er­scheinenden .Kölnischen Volkszeitung, entrüstet, so dürfte wohl kaum ein einziges katholisches Blatt der Kritik entgehen. Indessen dürfen Alle, welche sich um die Wahrung der päpstlichen Autorität ganz ohne Grund so sehr besorgt zeigen, die be­ruhigende Versicherung hinnehmen, daß die be­rufenen Hirten des katholischen Volkes, daß der Episkopat mit Ernst und Eifer darüber wachen wird, daß die Pflichten, welcher jeder Katholik gegenüber dem päpstlichen Stuhle hat, wenigstens von den prononcirten Vertretern der katholischen Inten ffen nicht verletzt werden.

Jeder mit den Verhältniffen genau Vertraute, welcher speziell weiß, daß die ernsten Bedenken, welche das katholische Volk in Preußen gegen einzelne Bestimmungen des neuen Gesetzes hatte, nur die Ansichten und Empfindungen des gesammten Episkopates getreu wiederspiegelten, wird da» großartige Schauspiel, welches sich in diesen Tagen im katholischen Volke Preußens in aller Stille vollzogen hat, die Unterwerfung der sich aufbäumen­den eigenen Meinung und Empfindung unter die Autorität de» päpstlichen Stuhle», nur al» einen neuen glänzenden Beweis dafür ansehen, daß die preußischen Katholiken unter den treuen, prinzipien­festen und glaubensstarken Söhnen unserer heiligen Kirche nach wie vor in der allerersten Reihe stehen, und daß nichts im Stande ist, das Band, welches sie mit dem Oberhaupte der Kirche vereinigt, zu lockern, die kirchliche Autorität in ihren Reihen zu untergraben.

Deutsches Reich.

Berlin, 27. April.

* Der Kro nprinz des deutschen Reiches setzt, wie aus Ems gemeldet wird, dortselbst seine Kur mit bestem Erfolg fort.

• In Regierungskreisen betrachtet man der .Kreuzzeitung' zufolge die Affaire Schnäbele

sie seiner Einladung willig gefolgt, und schon vor der bestimmten Stunde begannen Fuhrwerke aller Art ihre lebende Fracht an der Thüre auszula­den. In der mit Teppichen belegten breiten Halle, die so bequem möblirt war, wie manches Em­pfangszimmer, empfingen Mr. Thurgood und feine Schwester die Gäste.

Würdige Matronen, stattliche Landedelleute, blühende frisch aussehende Mädchen und hübsche, junge Männer waren in Menge angekommen. Mrs. Dooner blickte erschreckt auf ihre Anzahl und glaubte, es wäre gewiß ein Mißoerständniß gewesen, daß ihr Bruder alle diese Leute zum Effen eingeladen hätte. Jetzt nahmen wieder neu Ankommende ihre Aufmerksamkeit, in Anspruch und Robe.t Thurgood stellte seiner Schwester Miß Nanny O'Reil und Miß O'Donnel vor.

Mit äußerster Bestürzung blickte Mrs. Dooner auf Miß Nanny. Festhaltend an den Traditionen ihrer Jugend, hatte sie sich so gekleidet, wie sie es für paffend hielt und wie es damals bei sei- chen Gelegenheiten gebräuchlich war. Aus ihrem Cedernschranke, worin sie ihren werthvollflen Schmuck verborgen hielt, nahm sie ein buntes seidenes Kleid, welches seit vierzig Jahren regel- mäßig an einem Tage im Jahre das Tageslicht sah, wenn es Miß Nanny auslüstete."

Vierzig Jahre früher, als Miß Nanny dieses

«al» erledigt, da zur Genüge dargethan, daß die Verhaftung auf deutschem Boden erfolgt war. Auch in den Kreisen der fremden Diplomatie soll diese Anschauung zur Geltung und zum Ausdruck gekommen sein.

* Beide Häuser des preußischen Landtag« hiel­ten heute Sitzungen ab. Das Abgeordneten­haus nahm die dritte Lesung der kirchenpoliti­schen Vorlage vor. Abg. Stengel erklärte Namens eines großen Theil» der Freikonservati­ven, Abg. v. Minnigerode Namen» einer An­zahl deutschkonservativer Mitglieder sich mit Rück­sicht auf die vom Ministerpräsidenten Fürsten Bismarck lei der zweiten Berathung abgegebenen Erklärungen der Abstimmung zu enthalten. Als dritter Redner spricht der Apostat des Centrums Cremer, um einen heftigen Angriff auf das Centrum und die katholische Preffe zu richten, welche er beschuldigt, die Revolutionirung und Demokratisirung der Kirche von unten zu erstre­ben. Ec tadelt die Erklärung des Centrums, die kein Wort vom Staat enthalte und besage, man unterwerfe sich dem Papste, weil man müsse, aber nicht als Preußen. Redner dichtet der ka­tholischen Preffe an, .sie setze den Papst herab. Er ergeht sich ganz im Tone der offiziösen Preffe über die „Preßkapläne", die die widerhaarig­sten Menschen auf Gottes Erdboden seien, bei denen von Zucht, Sitte und Unterordnung keine Spur vorhanden sei. Diese Leistungen des Herrn Cremer werden angeführt ganz im Sinne seiner bekannten Harlekinaden. Dr. Freiherr v. Schor- lemer-Al st erklärt darauf, daß das Centrum beschlossen habe, in die Debatte nicht einzugreifen und bei seiner Erklärung erster Lesung es zu belaflen. Die eben gehörte Rede gebe dem Centrum keine Ver- anlaffung, von seiner beschlossenen Haltung abzusihen. Darauf folgt die namentliche Abstimmung dritter Lesung über das ganze Gesetz. Bei derselben stimmten 385 Abgeordnete ab; 42 enthielten sich der Abstimmung, so daß 343 Boten für und gegen abgegeben worden sind. Mit Ja stimmten 243, mit Nein 100 Abgeordnete. Das Centrum votirte geschlossen für die Vorlage. Die Nationalliberalen stimmten geschlossen gegen die Vorlage, nur Günther, vom Herde, Dr. Reinhold, Dr. Schultz (Bochum) und Vygen, der im Vor-

Kleid getragen hatte, war sie eine Schöne in der Grafschaft gewesen, ein schlankes, blondhaariges Mädchen. Nach manchen Berathungen mit dem Octskleidermacher war das Gewand so geändert worden, wie es ihre gesetzte Figur erforderte und so präsentirte sie sich wohlgefällig Mrs. Dooners erstaunten Blicken. Der Rock war sehr kurz und ließ Miß Nanny'» Füße sehen, die in weiße Stoff­schuhe mit fleischfarbenen Sohlen gehüllt waren; die Taille mit kurzen Aermeln war ausgeschnitten; da» Ganze mit seltenen alten, gelblichen Spitzen verziert, die Mr». Dooner fast für werthlo» hielt. Mehrere Ketten hingen um Miß Nanny'S breiten Nacken und ihre Arme waren mit kostbaren Armbändern geschmückt. Um das Sonderbare in ihrem An­zuge volländig zu machen, hatte sie ihre gewöhn­liche weiße Haube mit breiten Bändern aufgesetzt, der Gesellschaft zu Ehren mit einem Rosenzweige verziert, der von einem Ohre zum andern reichte.

„Ich glaube sicher hier willkommen zu sein," sagte Miß Nanny freundlich zu ihrer Wirthin. Ich wollte meinen Nachbarn zeigen, daß ich durch­aus nicht üb. t gesinnt gegen sie bin, deshalb komme ich und bringe meine Rechte."

Nnala wurde Mr». Dooner vorgestellt, die sie in der Nähe genau betrachtete. Du» war da» „hübsche München." MrS. Dooner mußte zuge­ben, daß diese Benennung wohl verdient war.