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1887.

Dienstag, den 26. April.

jn 93.

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Deutsches Reich.

Berlin, 25. April.

• Der Kaiser empfing gestern den deutschen Botschafter in Paris Grafen Münster, welcher kommenden Sonnabend auf seinen Posten nach Paris zurückkehren wird.

* Dos Abgeordnetenh aus nahm heute die zweite Berathung des kirchenpolitischen Gesetzes vor. Nachdem Abg. v. Hülsen (kons.) die An­nahme der Vorlage nochmals empfohlen, wurden die ersten 4 Artikel mit großer Mehrheit ange­nommen. Bei Artikel 5 betreffend die Wiederzu- lassung der Orden entwickelte sich eine längere Debatte. Abg. Dr. V ir ch o w bekämpfte die Artikel, da die Orden das eigentliche Streit-und Rüstzeug der katholischen Kirche seien. Abg. v. Mayer- Arnswalde befürwortete die Weiterentwicklung des Jnstitus der Diakonissinnen im Dienste des Kinder- unterrichtS und der Krankenpflege als Gegengewicht gegen die katholischen Orden. Abg. v. Dziem« bowSki (freis.) erklärte sich gegen Artikel 5, weil die Orden als Hauptagitationsmittel für dis nationalpolnische Propaganda dienten. Minister­präsident Fürst von Bismarck erwiderte, daß die Regierung gegen dieses Bedenken nicht blind sei, daß aber das provinzielle Jnteresie hinter das allgemeine Jnteresie zurücktreten müsie. Abg. Dr. Gneist (nl.), Hagens (nl.) und Dr. Wehr (sreikons.) erklärten sich gleichfalls gegen Artikel 5. Abg. Dr. v.Jazdzewski bestritt, daß die Orden in der Provinz Posen nationalpolnifche Propaganda betrieben hätten. Art. 5 wurde mit 230 gegen 117 Stimmen angenommen. Das ganze Gesetz wurde ohne namentliche Abstimmung mit großer Mehrheit angenommen. In erster und zweiter Lesung wurde der Gesetzentwurf betr. Abänderungen der Kirchengemeinde und Synodalordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Branden- bürg, Pommern, Posen, Schlesien und Sachsen und der Generalsynodalordnung für die evan­gelische Landeskirche der 9 älteren Provinzen der Monarchie angenommen. — Morgen: dritte Lesung des Volksschulleistungsgesetzes, zweite Lesung der Kantongefängnisie.

* Der Rachtragsetat ist dem Reichstag am Freitag zugegangen. Die darin geforderten bezw. angekündigten Forderungen für militärische

Im Thal der Silderdirkea.

Roman aus dem Englischen von E. Blackburne.

29. Fortsetzung.

Er sprach scharf und bestimmt, und Nuala fühlte, daß diese Worte vom Verstände und Gefühle, vom Kopfe und Herzen eingegeben waren.

„Ich bin überrascht?"

„Warum denn, Miß O'Donnel?"

„Weil ich nicht glaubte, daß ein Sachse so gut von uns denken könnte. Sie haben uns ein hohes Lob gespendet."

„Kein Lob über Verdienst."

„Sie scheinen Mr. Stevens Ansichten nicht zu thesien."

„Was meint der denn?"

„Daß die Irländer wie Vieh behandelt werden müßten; daß man sie lehren müsie, daß Macht Recht sei."

„Gott bewahre!" sprach er tn einem so feier­lichen, herzlichen Tone, daß Nuala gezwungen war zu sagen: „Dann hat Ihnen Mr. Stev-ns Unrecht gethan."

„In welcher Weise?"

„Er gab Tante Nanny, Randal Maciorsty und mir zu verstehen, das Sie seine Ansichten theilren."

Zwecke übersteigen bei weitem alles, was man bisher erwartet hatte und erwarten konnte. Der Gesammtbetrag der militärischen Zwecke beläuft sich, wie die ,Frs. Z.' ausrechnet, auf 320,347,776 Mk. Davon steht nur ein Betrag von 70,164,2t 1 Mk. mit dem neuen Militärgesetz im Zusammen­hang, während der hohe Betrag von 250,183,565 Mk. ganz auf neue militärische Forderungen ent­fällt, von deren Vorbereitung bei den Verhand­lungen über das Septennat noch niemand im Reichstag eine Ahnung hatte. Selbst im März bei Feststellung des ordentlichen Etats pro 1887/88 siel keinerlei Andeutung dahin, daß solche neue Forderungen noch bevorstehen. Die neuen For­derungen von 250 Millionen bezwecken theils die Verbesserung des Festungswesenss, theils die stra­tegische Verbesierung der Eisenbahnen an der Westgrenze, theils die Steigerung der Operations­und Schlagfertigkeit des Heeres im Allgemeinen. Von den Gesammtforderungen im Betrage von 320,347,776 Mk. werden 176,085,950 Mk. für das Jahr (1887/88 verlangt einschließlich einer nachträglichen Genehmigung von 7,859,448 Mk., welche im Jahr 1886/87 außeretatsmäßig^ ver­ausgabt worden sind. Der Betrag von 176,085,950 Mk. soll gedeckt werden durch Erhöhung der Matri- kularbeiträge auf 19,408,019 Mark und durch eine Reichsanleihe int Betrage von 156,677,931 Mk. Die HeereSverstärkung von 41,000 Mann nach dem neuen Militärgesetz beansprucht im Gan­zen 70,164,211 Mk. Davon entfallen 19,408,019 Mk. auf fortdauernde Ausgaben im Jahre 1887/88, 3,195,789 Mail »uf «nwnfia« Ausgaben zur Verstärkung der militärischen Betriebsfonds unv 47,570,403 Mark sonstige einmalige Ausgaben. Die neuen Forderungen für Ergänzung und Ver­stärkung der Festungen bezw. der Vertheidigungs- einrichtungen beziffern sich auf nicht weniger als 130 800,000 Mk. Hiervon entfallen als erste Rate im Jahre 1887/88 29,500,000 Mk. Diese sollen verwandt werden neben den bereits in dem festgestellten Etat für 1887/88 für gleiche Zwecke bewilligten 12 Millionen Mk. Die zweite neue große Forderung betrifft die „Steigerung der Operation^- und Schlagfertigkeit des Heeres." Die Gesammtforderung beläuft sich auf 52,112,973 Mk., wovon entfallen 45,613,190 Mk. auf das preußische Kontingent, 3,017,457 Mk. auf das

„Das thut mir leid, Miß O'Donnel. Sie müsien das nun aber nicht mehr meinen; Sie wissen nun, und zwar direkt von mir selbst, was meine Em­pfindungen sind."

„Ich wünschte, Tante Nanny und Randal hätten es gehört."

„Alles zu seiner Zeit. Ich hoffe das Vergnügen zu haben, die Bekanntschaft Ihrer Tante zu machen."

„O", rief Nuala plötzlich, „ich hätte fast ver- gessen, Ihnen zu fagen, daß ich heute bei Tante Nanny war. Doch nach der schrecklichen Scene, die wir soeben verlassen haben, paßt es sich auch kaum, von heiteren Sachen zu sprechen."

„Was wollten Sie mir denn fagen, Miß O'Donnel?"

„Daß Tante Nanny Ihre Einladung für Weih- nachtsabend wirklich annehmen wird. Es ist fast unerhört von ihr."

„Ich bin sehr erfreut darüber, Sie kommen also auch, Miß O'Donnel?"

„Ja, Tante Nanry wünscht, daß ich mit ihr gehe." Sie fügte nicht hinzu, daß ihr die gütige alte Dame noch obendrein einen neuen Anzug schenken wolle.

„Ich hoffe, daß Sie auch selbst gerne kommen wollen?"

„Ja", sagte sie kleinlaut.

sächsische, 2,283,221 Mk. auf das württember' gische Kontingent und 1,199,105 Mk. auf den Elsaß. Die dritte neue Forderung betrifft die „Vervollständigung des deutschen Eisenbahnnetzes im Interesse der Landesvertheidigung." Zu deren Begründung liegt eine ausführliche Denkschrift vor. Diese Denkschrift beziffert die Gesammtfor­derung auf 67,270,592 Mk., wovon 36,314,000 Mk. als erste Rate in den Etat pro 1887/88 eingestellt werden sollen.

* Der Reichs tag berieth heute den Nachtrags- etat für 1887/88. Kriegsminister Bronsart v. Schellendorff wies nach, daß die über­raschende Höhe des Nachtragsetats nicht allein eine Folge der HeereSverstärkung sei, die für diese noth- wendigen Ausgaben überschritten den Voranschlag nicht. Die neuen Ausgaben würden seitens der verbündeten Regierungen behufs gesteigerter Ver- theidigungSfähigkeit des Landes für unbedingt noth- wendig erachtet. Abg. v. Bennigsen betonte die Nothwendigkeit einer kommiffarischen Prüfung der Vorlage und befürwortete Beschleunigung der Zuckersteuerreform. Staatssekretär Dr. Jacobi bestritt die Richtigkeit der Meldungen, wonach die Regierung auf das Zustandekommen der Zucker­steuervorlage kein Gewicht lege. Für die Vorlage sprachen die Abgg. Frhr. v. Maltzahn-Gültz und Dr. Delbrück (Reichsp.), dagegen die Abgg. Rickert, Richter (.freis.) und Schumacher (Soz.). Abg. Richter hielt die Behauptung auf­recht, daß die Zuckersteuervorlage verzögert werde. Das deutsche Volk werde zu Gunsten einiger Zucker­prinzen ausgebeutet. Die Vorlage wurde schließ- ury au uu verwiesen. Die No­

velle zum Qnartierleistungsgesetz wird nacy Debatte an eine Kommission von 21 Mitgliedern verwiesen. Morgen: Servirtarif.

• Durch Zeugenverhör ist festgestellt, daß die Verhaftung de» französischen Polizeikommisiar» Schnäbele auf deutschem Gebiet erfolgt ist, was auch von ihm selbst gar nicht in Abrede gestellt wird. Die ,N. A. Z.' berichtet: Nach den an Ort und Stelle eingezogenen Nachrichten über die Verhaftung Schnäbele's habe di'.selbe auf Re- guisition der Staatsanwaltschaft und des Unter­suchungsrichters stattgefunden, sobald sich derselbe auf deutschem Gebiet betreten liefe. Schnäbele hat btn ihm die Verhaftung ankündigenden deutschen

„Sie sprechen so zweifelhaft."

„Ich bin noch nie in meinem Leben in einer großen Gesellschaft gewesen."

„Dann will ich hoff-n, daß Sie sich um so mehr freuen werden. Werden hier nicht viele Gesell­schaften gegeben?" ,

„Ich weiß es nicht. Papa geht nie irgend roc- hin. Er verkehrt wenig mit seinen Nachbarn und ermuthigt sie nie, uns zu besuchen. Wenn es ihm selbst hier einmal recht langweilig w rd", sprach sie mit wachsendem Vertrauen, „so gebt er zur Abwechslung nach London oder Paris."

„Verreisen Sie nie?"

„Nein, ich bin noch nie über die Umgegend hinausg-kommen."

„Wir muffen versuchen die Nachbarschaft etwas lebhafter zu machen, wenn wir beffer bekannt zu- fammen sind. Darf ich Sie um etwas bitten, Miß O'Donnel?" Als er diese Worte sprach, waren sie Schloß Garret schon nahe gekommen.

„Was wünschen Sie denn?"

„W llen Sie mir versprechen, Ihrem Vetter Mr. Macsorley nichts von dem zu wiederholen, was Ihnen Mrs Kameron gesagt hat?"

„Gewiß, wenn S e es für rathsam halten.

„Ich halte es fürs Beste."

„Es freut mich, daß Sie mich gewarnt haben;