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1887.

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Deutsches Reich.

Berlin, 24. April.

* Das Abgeordnetenhaus nahm den Ge- setz-Entwurf betr. Heranziehung der Fabriken u. s. w. zu den Wegebau-Lasten der Provinz Sach­sen in dritter Lesung an. Staatsminister Lucius erklärte, die Regierung werde sich gegenüber den gleichartigen Bedürfnissen der andern Provinzen den Conscquenzenen des vorliegenden Gesetzes nicht entziehen; die einheitliche Regelung sei aber un­möglich. Das Haus genehmigte ferner in dritter Lefung den Gesetzentwurf wegen Vertheilung der Grundstücks . Lasten in der Provinz Hannover so wie die Hau-Bergordnung für den DLkreis. Das Haus tritt in die zweite Berathung des Volks- schulleistungs . Gesetzes. Zelle beantragt Zurück­weisung an die Kommission, um größere Klarheit über die Tragweite des Gesetzes zu gewinnen. Hansen (frei-kons.) ist für die Vorlage, aber mit Antrag Friedberg, welcher die Geltungsdauer nur bis 1892 festsetzt. (K. .Vztg.)

* Im Abgeordnetenhaus brachten die Confer- vativen den Antrag auf Erhöhung des Wollzolls von 2 M. auf 20 M. ein. Die Regierung soll aufgefordert werden, für diese Erhöhung im Bun­desrath einzutreten.

» Der .Reichsanzeiger' publizirt die Ernennung des bisherigen Domherrn Eduard Klawitter in Pelplin zmn Dompropst bei der Kathedralkirche des Bisthums Kulm.

* In hiesigen diplomatischen Kreisen mißt man der Affaire Schnaebele keine politische Be­deutung bei. Der Reichskanzler soll gestern Abend bei einem Diner sein Erstaunen darüber ausgesprochen haben, daß die Angelegenheit solches Aufsehen mache und die Börsen beunruhige. (Fr. Z.)

* Die.Times' erklärt, den Zwischenfall Schnä­bele nicht für so ernst halten zu können, als dies auf anderer Seite geschehe; sie könne nicht glau- ben, daß die Verhaftung ein überlegter Akt der Provokation gewesen sei. Auch der .Standard' hält die Annahme, daß die Verhaftung absichtlich angeordnet worden sei, um die Franzosen zu ver­letzen und zu erbittern, sür unglaublich. Frank­reich, so meint das Toryblatt, sei augenblicklich so geduldig, daß es nicht in den Krieg gehen werde, nur um eine Beleidigung zu rächen, allein der

Im Thal der Silbttbitktn.

Roman aus dem Englischen von E. Blackburn-.

28. Fortsetzung.

Die Frau wandte langsam ihren Kopf und sah das Kind in Ruala's Armen. Allein ihr Ange- sicht blieb unbeweglich und sie wandte sich wieder ihrem tobten Manne zu. Plötzlich verbreitete sich dunkle Röthe über ihr Gesicht; es schien etwas in ihr zu arbeiten und sie zu erschüttern. Sie stand auf, doch ihre Bewegungen erschienen mehr mecha­nisch, als durch ihren freien Willen veranlaßt. Sie schlug ihre Hände zusammen und breitete sie wieder aus, stürzte dann aber gleich einer Tige« rin auf ihr Kind, entriß es den Armen de» zittern» den Mädchens und zischte zwischen den Zähnen hindurch:

Ich dachte, Gott wäre so barmherzig gewesen, mir bald Thränen zu schenken. Aber ihr Anblick macht meine Thränen erstarren. Wie dürfen Sie mein Kind anrühren! Wollen Sie es mir auch nehmen, wie Sie ihn mir genommen haben?"

Mrs. Cameron," sagte Robert Thurgood sanft, „das ist ein Mchverständniß. Miß O'Donnel kam hierher, um zu versuchen, Jbnen in Ihrem großen Leide einigen Trost zu bringen." Er legte bet

.Standard' glaubt auf Grund des bis jetzt vor­liegenden Materials sagen zu müßen, daß, wenn die deutschen Behörden nicht klar ihre Handlungen rechtfertigen können, d e öffentliche Meinung von ganz Europa dieselben laut verurtheilen werde.

• Der deutsche Botschafter Graf Hatzfeldt in London ist gestern mit zweiwöchentlichem Urlaub nach Berlin abgereist.

» Wie die ,R. A. Z.' erfährt, hat Graf Joachim Pfeil, welcher nach der Ermordung Dr. Jühlkes in Kismaju von der Deutsch-Ostafrikanischen Ge- fellschaft als Generalgouverneur von Somaliland gewonnen worden war und Ende Dezember v. I. nach Ostafrika abreiste, seine Stellung zu der Gesellschaft gekündigt.

» München, 24. April. Freiherr von Leon- rod, Präsident des Landgerichts München I und Bruder des Erzbischofs von Eichstätt ist nach der ,Fr. Zig.' zum Justizminister ernannt worden.

• Metz, 22. April. Die Verhaftung des gestern Abend nach Straßburg verbrachten franzö­sischen Polizei-Commissars Schnäbele, welcher der Schwager des Reichstags-Abgeordneten Antoine ist, erfolgte, laut der .Straßb. Post', auf Grund eines von dem Untersuchungsrichter des Reichs- gerickts, Landgerichtsrath Leoni zu Straßburg, erlassenen Haftbefehls. Ueber die näheren Um­stände bei der Verhaftung erfährt das Blatt Folgendes. Auf Schnäbele wird seit reichlich sechs Wochen gefahndet; doch hatte dieser zweifelsohne Wind davon bekommen, so sehr man sich auch bemühte, die Sache geheim zu halten; denn seit dem genannten Zeitraum hatte Schnäbele, entgegen seiner sonstigen Gepflogenheit, sich ängstlich ge­hütet, deutsches Gebret zu betreten. Schnäbele auf irgend eins Weife in die Hände zu bekommen, damit war speziell der Polizei-Kommiffar Gautsch in Ars, ein ob seiner Tüchtigkeit erprobter Be­amter und — nebenbei bemerkt — Elsäffer von Geburt, betraut worden, bei der hier zu Lande geradezu sprichwörtlich gewordenen Schlauheit des Schnäbele eine nichts weniger als leichte Sache. Trotzdem gelang es Hrn. Gautsch, den Schnäbele in seine Gewalt zu bekommen, obschon dieser so etwas vermuthet haben mochte; denn er trug bei seiner Verhaftung einen haarscharf geschliffenen Dolch bet sich, von dem er aber trotz aller Ge­wandtheit, die ihm zu eigen war, keinen Gebrauch diesen Worten seine Hand auf ihren Arm, aber sie schüttelte dieselbe rauh ab.

„Schickt sie hinweg!" schrie sie. „Bringt sie aus meinen Augen. Sie gehört zu dem Volke, das mir meinen Gatten genommen hat."

„Gott nahm ihn," sagte Ruala, „und Sie sind sehr ungerecht gegen mich. Ich weiß nicht, was Sie meinen."

„Gott! Gott nahm ihn nicht! wenn Gott gü­tig und gnädig ist, warum ließ er dann den Gatten nicht bei der Frau und bei dem Kinde? Ihr schottischer Accent wurde breiter und breiter, je erregter sie wurde. Ich versichere Ihnen, daß mein Mann oft gesagt hat, Ihr aufrührischer Verwandter Macsorley hätte keine Ruhe, bis ihm eines Tages eine Kugel durch den Leib gejagt wurde. Ich weiß, was dieser Macsorley gegen meinen Gatten getrieben hat und es gibt kein Gesetz und keine Gerechtigkeit mehr im Lande, wenn sie ihn nicht als den Mörder Camerons in Untersuchung ziehen.

Der Schrecken lähmte Ruala's Zunge, so daß - sie für den Augenblick keine Erwiderung machen konnte, sondern mit einem blaffen Gesichte und ungestüm pochenden Herzen dasaß Als die Frau geendigt hatte, sagte sie leise: „Es thut mir leid, daß Sie so schlecht von uns denken. Ich weiß,

machen konnte, da seine Gegner auf dergleichen vorbereitet waren. Die beiden Geheimpolizisten, welche Herrn Schnäbele dingfest machten, nachdem er deutsches Gebiet betreten hatte, waren Herrn Gautsch unterstellt und handelten im Auftrage und unter Leitung des Letztgenannten. Die beiden Geheimpolizisten waren diesseits der Grenze postirt, natürlich so, daß Schnäbele sie erst bemerkte, als es für ihn zu spät war, auf französisches Gebiet zurückzuflüchten, wozu er übrigens den Versuch machte, und die Bewältigung Schnäbele'S, welcher trotz seines vorgerückten Alters nicht :ge» ringe Körperkräfte besitzt, war keine leichte. Von französischer Seite wird behauptet, Schnäbele fei auf französischem Boden verhaftet worden. Auch der gestern mit Gefolge in Arnaville anwesende Oberprokurator von Nancy will auf Grund von Zeugenaussagen daffelbe behaupten. Diese Behaup­tung ist durchaus unwahr. Es sind mehr als ge­nügend Zeugen vorhanden, daß Schnäbele auf deutschem Gebiete verhaftet wurde. Dies haben gestern Nachmittag noch der Oberstaatsanwalt von Colmar, der Erste Staatsanwalt von Metz in Be­gleitung des vom Reichsgericht Beauftragten Un­tersuchungsrichters aus Straßburg und Polizei­beamte von Metz und Novoant an Ort und Stelle in jeder Weise festgestellt. Heute findet in Metz die eidliche Vernehmung der Zeugen statt, welche die Verhaftung Schnäbele'S aus nächster Nähe mit angesehen haben." (K. Vztg.)

* Metz, 24. April. Die auswärts verbreite­ten Nachrichten von in den letzten Tagen hier stattgehabten Ausweisungen sind unbegründet.

Ausland.

* Paris, 24. April. Gestern wurden die Akte über die Verhaftung Schnäbele'S an den französischen Botschafter laut ,Fr. Ztg.' nach Ber­lin geschickt, der wahrscheinlich den ersten Schritt bei der deutschen Regierung thun wird. ,Temps' sagt, jeder Gedanke an eine Provokation Deutsch­lands sei ausgeschloffeu, aber daffelbe würde nur dann korrekt gehandelt haben, wenn es von Frank­reich die Versetzung Schnäbele'S gefordert hätte, sofern derselbe wirklich gegen Deutschland ton» spirirte.

— Die .UniverS' meldet die Ernennung des Cardinals Rampolla zum Cardinal-Staatssekretär.

daß mein Vetter Randal Macsorley über diese unglückselige Thal ebenso erbittert ist, als ich."

„Kommen Sie hinweg flüsterte Robert Thur­good. Nuala gehorchte ihm und betrat wieder die Küche, wo sie an allen Gliedern zitternd auf einen Stuhl sank. Niemand war mehr da als der Unter-Inspektor und Betty Neal. Die Letz­tere begab sich zu ihrer Herrin, welche ihr einen kurzen Bericht über die Zusammenkunft abstattete. „Sie müffen nach Hause gehen, sagte Betty. „Hier ist kein Platz für sie."

„Ich wäre bester zu Hause geblieben," sprach Nuala gedankenvoll. „Ich bedauere, hier nicht nützen zu können." '

„Sie haben doch etwas genutzt, bemerkte Mr. Thurgood ermuthigend." „Sie haben diese atme Frau dieser schrecklichen Gefühllosigkeit enteisten."

„Ein zweifelhaftes Gute."

„Kann Ihre Dienerin hier bleiben?"

„Gewiß. Du wirst hier bleiben, Betty. Einer muß nach dem Kmde sehen."

„Sie haben gut sprechen, Miß. Wer soll Sie denn zu Schloß Garret zurück begleiten."

„Ich werde Mrß O'Donml nach Hause bringen. Stevens, was wollen Sie thun?"

„Ich bleibe diese Nacht hier, antwortete et bedeutungsvoll.