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Jfö 91.

Sonnabend, den 23. April.

1887.

Die .Fuldaer Zeitung- erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bnngerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf. mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen- m Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts I M. 75 Pf.

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Deutsches Reich.

Berlin, 22. April.

* Aus Rom, 21. April erhält die ,Germ.' folgendes Privat-Telegramm: „Der Vatikan rich­tete einen Brief an den Abgeordneten Dr. W i n d t- horst, in welchem er die Verdienste des Cen­trums vollkommen anerkennt und seinem Wunsche nach Fortbestand desselben als Wächter für die Zukunft erneut Ausdruck giebt." Es sind bekannt­lich auch in dem Jacobini'schen zweiten Schreiben und dann bald darauf damals schon noch in einem besonderen Schreiben dieselben Gedanken und Wünsche des päpstlichen Stuhles bezüglich des Centrums und seiner Führer zum Ausdruck ge- kommen. Es kann das auch gar nicht an- ders sein. Eine treuere und tüchtigere und besser geführte Heerschaar für die Sache der Kirche als das Centrum giebt es gar nicht, und es ist geradezu Lächerlich, von einem Kampfe im Bunde mit dem Papste gegen das Csntrum zu reden oder, wie die ,Nordd.' instnuirt, in einer Kundgebung« für den Abg. Windthorst eine Spitze — gegen ' Rom zu erblick«^ *

* Das Abgeordnetenhaus führte heute die erste Berathung der kirchenpolitischen Vorlage zu Ende. Abg. v. Eynern (nl) sprach sich gegen die Vorlage aus, weil dieselbe nach den eigenen Erklärungen der Curie keinen Abschluß des Kampfes darstelle. Derselbe sei dem preußi­schen Staate von der Curie aufgedrungen worden, obgleich sich die katholische Kirche stets der wohl­wollendsten Behandlung seitens der Regierung zu erfreuen gehabt. Redner tadelte die schroffe Be­handlung, welche dem Anträge von Kleist < Retzows zu Theil geworden, besten Diskussion nicht hätte schaden können. Schließlich befürwortete er Ver­weisung der Vorlage an eine 21er Commission. Abg. Frhr. v. Hammerstein (kons.) führte aus, daß der Kulturkampf vom Liberalismus von lan­ger Hand vorbereitet gewesen und sich gleichzeitig auf die evangelische Kirche erstreckt habe. Mit der Erhöhung der Zuwendungen an die evange­lische Kirche sei es nicht abgethan, dieselbe bedürfe größerer verfastungsmäßiger Selbstständigkeit. Wenn der Protestantismus im Kampfe gegen den Katholizismus unterliege, treffe diejenigen die Ver­antwortlichkeit, die sich mit dem Papste verbündeten.

Im Sljal der Aldndirkm.

Roman aus dem Englischen von E. Blackburn e.

27. Fortsetzung.

„Ist das Peter Cronin?" fragte sie mit ihrer klaren, frischen Stimme.

„Ihr Diener," Miß O'Donnel, es ist nicht Peter Cronin, ich bin's."

„O Sie, Jakob, und Ruala stand erwartungs- voll da, glaubend, daß er mit irgend einer Bot­schaft seines abwesenden Herrn komme.

„Ja, Miß. eS ist eine schlechte Welt, in der wir leben." Jakob suchte irgend eine elegante und ausweichende Phrase zu finden, um auf die schreck­liche Nachricht, die er überbringen wollte, vorzu­bereiten. „Ich gestehe offen, daß ich heute so eine Art Fegefeuer gehabt habe."

„Nun Jakob," sagte das Mädchen mit einem lustigen Lachen, „das Fegefeuer wird wohl so gar schlimm nicht gewesen sein. Ich denke, darin können Sie es noch recht lange aushalten."

„Sie haben gut lachen und scherzen, Miß, aber hinten am Berge wohnt eine, die nicht lacht und scherzt und eS auch vielleicht ihr Lebtag nicht wieder thun wird."

„Was meinen Sie damit, Jakob?" fragte sie, plötzlich anders gestimmt.

Fürst Bismarck erwidert, dis evangelische Kirche werde durch die Rückgewährung der Rechte der katholischen Kieche in keiner Weise berührt. Er lehne es daher rundweg ab, die evangelische Kirche als irgendwie bedroht zu erachten. Die Regierung weigere sich auf'S Allerentschiedenste, den Weg des Vorredners zu betreten, denn sie wolle nicht den Kulturkampf auf dem einen Gebiete beenden, um ihn auf dem anderen zu beginnen. Das aber würde durch den Antrag Hammerstein-Kleist be­zweckt, der zu den alten Spaltungen eine neue hinzufügen würde. Fürst Bismarck spricht erregt von den Velleitäten Einzelner, die zur Durchsetzung ihrer Anschauungen die Regierung als Vorspann benützen wollten, und sagt, er habe eine höhere Meinung von den Protestanten und glaube nicht, daß sie in einer so schwierigen Situation „Rechte erpressen wollten." Er sei auch evangelischer Christ; er halte den Antrag Hammerstein-Kleist für den Frieden gefährdend und weigere sich entschieden, dem Antrag sein sacrificio dell’ intelletto zu bringen. Der Antrag werde von den Protestanten keineswegs gebilligt. Die Rede des Reichskanzlers ist ganz kurz, aber sie ist so äußerst scharf, so scharf, wie wir noch selten eine von ihm gehört. Der Tonfall ist äußerst markant, das sonst blaffe Gesicht des Reichskanzlers ist geröthet, er spricht nicht stockend, sondern zornig ergießt sich der Strom seiner Rede, an deren Schluß die Konservativen und Nationalliberalen in laute Beisallsbezeugungen ausbrachen.

Rach dem Fürsten Bismarck ergreift der pro- testantenvereinliche Pfarrer und Abgeordnete Pfaff das Wort zu einer Zurückweisung des Antrags Hammerstein-Kleist und der Vorlage. Er meint, einen kirchenpolitischen Frieden gebe es nicht eher, als bis ganz Preußen katholisch sei. Darauf vertheidigt der protestantische Cen­trumshospitant Dr. Brü'-H die kirchen- politische Vorlage. Redner ist bestrebt, die prote­stantischen Vorurtheile und Befürchtungen gegen­über dem Gesetzentwurf zu zerstreuen. Er geht namentlich auf die Ordensfrage ein und legt dar, daß der Protestantismus dem Wesen der Orden an sich nicht feindlich gegenüberstehe. Die Orden verbieten heiße die Ausübung christlichen Lebens, wie es die Katholiken nach ihrem Glauben ver­langen, verbieten. Die diskretionären Bestimmun-

„Jch war aus in Geschäften für den Herrn, kam auf dem Heimwege durch das Gebirge, und fand auf der Heide Mr. Cameron, den schottischen Auffeher von Glinmore."

„Was machte der denn da?"

„Er that nichts, der arme Bursche!"

„Ec ist doch nicht tobt?“ fragte Nuala mit Schrecken.

„Ja, Miß, Gott gebe ihm die ewige Ruhe — er gehörte nicht zur wahren Kirche."

„War er erschoffen oder war es ein Zufall?" „Es war kein Zufall, denn seine Flinte lag noch unabgeschoffm neben ihm. Ich ging zur Polizei und wir brauten ihn heim, und nun ist da» arme Weib und Kind allein mit einem Poli- zisten. Deßhalb tarn ich hierher, um Neal zn ' bitten, daß sie zu dem armen Geschöpfe gehen möge, wie da« wohl Christenpflicht ist."

Nuala eilte schnell in das Speisezimmer zurück und erschien bald wieder mit ihrem Hut und Plaid. „Jakob," ries sie, „ich will selbst zu der armen Frau gehen. Kommen Sie mit mir."

27. Kapitel.

Mutter und Kind.

„Gern wollte ich mit Ihnen gehen, Miß," sagte I Jakob sehr überrascht über Nuala'« Absicht. „Aber

gen über die Orden gefallen dem Redner nicht, aber er acceptirt sie, um die Vorlage nicht zu gefährden. Die jcht getroffenen Bestimmungen Über das Einspruchsrecht hält Dr. Brüel für bester als die früheren. In dieser Weise geht der Redner die einzelnen Bestimmungen der Vorlage durch, um schließlich noch kurz auf die Entstehung des Kulturkampfes einzugehen. Die Maigesetze sollten grundlegendes Recht schaffen, sollten ein „monumentum aere perennius“ sein, davon waren alle Kulturkämpfer überzeugt. J-.tzt sollen sie ihre Zeit darüber verloren haben, der Regierung Kriegsmaterial für parteipolitische Kämpfe geliefert zu haben. Redner weiß nicht, ob eine solche Politik sich mit der Gerechtigkeit und mit dem Sittengesetz vereinbaren läßt. Ist es gerecht, Krieg gegen die eigenen Untertanen zu führen? Der Krieg ist geführt gegen die unschuldigen Geistlichen und Laien. Vor Gott und den Menschen bleibt der Regierung die volle Verantwortung für all die Gewistensnöthen, Frei­heitsentziehungen, Leiden und Zurücksetzungen des Kulturkampfes. Die Hammerschläge gegen die katholische Kirche haben die Katholiken gestärkt und gefestigt. Nun ist es opportunistisch, einen anderen Weg einzuschlagen. Die katholische Kirche soll jetzt Ruhe haben. Die evangelische Kirche soll dienen­de Magd des Staates bleiben, ihr wird der Lohn in Gestalt der Dotation geboten. Die ausge­zeichnete Rede hält das ganze Haus wie im Vanne gefangen. Fürst Bismarck, der zu Beginn derselben sich mit dem Landwirthschaftsminister Dr. Lucius unterhalten hak, setzt sich auf seinen Platz und macht Notizen. Die in Gruppen da­stehenden Minister, unter denen jetzt auch der Minister des Innern v. Puttkamer und Justiz­minister Dr. Friedberg sich eingefunden, begeben sich gleichfalls an ihre Sitze um den Redner, der von feinem Platze aus spricht, bildet sich eine dickte Gruppe und alles hört in lautloser Stille zu.

Fürst Bismarck hält sofort die Gegenrede. Er konstatirt, daß die Rede Eindruck gemacht habe, sucht sich aber damit zu helfen, daß er die Brüel’sche Rede eine Ergänzung der _ gestrigen Richter'schen Rede nennt. Auf die Ausführungen selbst geht Fürst Bismarck nicht ein: er sucht Dr. Brüel damit abzuthun, daß er ihn als einen Reichsfeind hinstellt. Dr. Brüel sei der intellektuelle halten Sie nicht für besier, daß Betty Neal auch noch mitgeht."

„Das mag wohl sein," und Nuala ging in’s Speisezimmer zurück und schellte. Konrad erschien und schickte bald Betty Neal zu ihrer jungen Ge­bieterin.

Nuala setzte Betty und Konrad die Sache mit kurzen Worten auseinander und diese brachen in laute Ausdrücke des Schreckens und Entsetzens aus.

„Für Sie, Miß Nuala, paßt es sich aber nicht, nach diesem Orte zu gehen," sagte Betty.

„Ich werde aber hingehen, Betty," entgegnete ihre Herrin gebieterisch. '„Ich fühle mich dazu fähig. Und wenn ich nichts Anderes thun kann, so will ich der armen Frau wenigstens zeigen, daß sie nicht ohne eine Freundin ist."

„Ich finde auch, daß e» nicht recht ist, zur Zeit der Noth gegen Jemanden hart und grob zu sein," sprach Konrad.

„Aber wenn der Herr hier wäre, würde er Ihnen nicht erlauben, zu so später Abendstunde noch durch das Gebirge zu gehen," wandte Betty noch einmal ein.

„Mein Vater ist aber nicht hier, um es mir verbieten zu können und ich beabsichtige zu gehen, B ttp; ziehe Deinen Mantel an und komm."

Bclly mußte nun wohl ihrer jungen Gebieterin