•O
1887
Freitag, den 22. April
M 90
Zeitiiiig
Fuldaer
• Das die erste Vorlage.
Deutsches Reich.
Berlin, 21. April.
3” fVrate: einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wrederholungen entsprechender Rabatt.
In 91)11 dkl MnbirKku.
Roman aus dem Englischen von E. Blackburne.
26. Fortsetzung.
„Nun, halten Sie Ihren Mund, Mr. Mahony." Er kratzte sich mit seinem Haken hinter dem Ohre, als ob diese Operation ihm helfen sollte, seine Gedanken heraus zu bringen. „Es wäre merkwürdig/ fuhr er dann mit seiner besten amtlichen Miene fort, „wenn ein Mann nicht mehr glauben sollte, was er mit seinen Augen gesehen und mit seinen Ohren gehört hat, sobald ihm ein Weib dagegen spricht. Es giebt weder Recht noch Gesetz mehr, wenn mein Herr nicht Miß O'Donnel hei- rathen wird." c u
Während dieser Rede hatte sich Randal der Thüre genähert und schaute mit einem Ausdrucke der äußersten Verwirrung hinaus. Wir wollen sehen, Jakob," sagte er. „Adieu, Mrs. Mahony," und er begab sich auf den Rückweg.
Mrs. Mahony sah ihm von der Thür au» nach, dann sagte sie mit der den Frauen in solchen Dingen eigenen Verschlagenheit: „Merken Sie nicht«, Jakob. Er selbst liebt Miß Ruala."
„Der könnte sie ja doch nicht heiratben, Mr«. Mahony. Aber da« war der feinste Poteen, den ich je getrunken habe, so stark wie Feuer und so
Abgeordnetenhaus begann heute Berathung der kirchenpolitischen Vor dem Hause sammelte sich schon lange vor Beginn der Sitzung ein dichter Knäuel von Neugierigen, der von der Polizei immer zer- streut wurde, aber stets sich von Neuem bildete. Im Hause selbst sind die Tribünen überfüllt, die Abgeordneten sind äußerst zahlreich erschienen, vom Centrum fehlt kein Mann, von der „Nre- dergeschla«,enheit" und all den Zeichen deprimrrter Stimmung, wie sie gouvernementale und nationalliberale Blätter bemerkt haben wollen, ist nicht« beim Centrum zu bemerken; speziell Dr. Windt- horst und Baron von Schorlemer unterhalten sich in anscheinend bester Laune. Am Ministertische verweilen bei Beginn der Sitzung nur der Kultus- Minister v. Goßler und der Minister des Innern v. Puttkamer mit zwei Räthen. Später erscheint noch, und zwar um ll1/, Uhr, Fürst Bismarck in Begleitung seines Sohnes, de« Grafen Herbert Bismarck, und des Direktor» der Reichskanzlei, Geheimraths Rottenburg; nach ihnen kam auch der Justizminister Dr. Friedberg.
Die Konstituirung der Rednerliste nimmt geraume Zeit in Anspruch. Gegen die Vorlage sind u. A. eingeschrieben Gneist, Richter, Virchow, Frhr. v. Zedlitz und Stöcker, für Dr. Windt- horst, Graf Schwerin, Frhr. v- Hommerstein und und Dr. Brüel.
Als erster Redner eröffnet der Kulturkampsvater Dr. Gneist die Debatte. Ein Summen geht sofort durchs Hau«, wir hören Bemerkungen wie „Ach", „O V“ u. dgl., was sich dadurch erklärt, daß Dr. Gneist der doktrinärste, langweiligste, dabei seiner schwachen Stimme wegen am wenigsten verständliche Redner des Hauses ist. Vielleicht hat auch mancher Abgeordnete das Gefühl gehabt, daß es sich bei diesem Redner in der Hauptsache um Aufwärmung „oller Kamellen" handele. Das war auch thatsächlich der Fall, wie im Vorjahre so auch dieses Mal. Herr Gneist bringt eine lange Erörterung über die Anzeige, die ihm auch jetzt noch nicht gefällt. Er spricht gegen die Orden, namentlich gegen die Schulschwestern, welche die „nationale" Erziehung bedrohen. Der Staat kann
warten die von dem Herrenhause angenommene Fassung der Vorlage in irgend einem Punkte zu Ungunsten der kirchlichen Freiheit verändert werden sollte, so würden wir uns genöthigt sehen, gegen das Ganze zu stimmen. Dem eben entwickelten Standpunkt gemäß erachten wir eine Kommissionsberathmrg nicht für nothwendig und würden eventuell gegen eine solche uns erklären."
Windthorst verliest das Actenstück mit scharfer Pointirung, die großen Eindruck hervorruft, und fügt hinzu, er hoffe, daß das Werk fortschreite in der Weise, wie der hl. Vater in dem Schreiben an den Erzbischof von Köln es vorgezeichnet. Als dritter Redner motivirt der Abg. Richter feine negative Haltung. Er ist gegen die Vorlage wegen des Einspruchsrecht«, da» er nicht zulaffen kann. Die übrigen Bestimmungen der Vorlage wären für ihn annehmbar, namentlich diejenigen über das Meffelefen und Sakramentespenden, sowie über die Orden. Unannehmbar ist die Vorlage für ihn durch Constituirung des Einspruchsrechts von 1873. Ec habe gegen Aufhebung des Artikel« 18 der Verfassung ebenso wie gegen den Einspruchs-Artikel gestimmt und seinen Wählern in einem offenen Schreiben die Gründe dargelegt. Die damals abgelehnte Falk'sche Einspruchsormu- lirung kehrt jetzt wieder als „politisches Bestätig- ungsrecht der einzelnen Geistlichen", da«, wie die Erfahrungen auf dem kommunalen Gebiete zeigen, umfassend gehandhabt werden kann im Interesse des jeweils herrschenden Systems. Es werde dadurch Servilismus und Streberthum befördert nnd politischer JndifferentismuS wachgerufen. Redner skizzirt, wie politische Zeugnisse vom Land- rath bis herab zum Gendarmen eingeford:rt werden können über diese Geistlichen. Richter streift die fJakobini'schen Noten und sagt, beim Septennat sollte die geistliche Autorität für weit« liche Zwecke nutzbar gemacht werden. Der Versuch ist in der Hauptsache durch das Centrum gescheitert. Hätte die« für das Septennat gestimmt, so wäre ihm Cadaver > Gehorsam vorgeworfen worden. Redner geißelt das Verhalten der Gouvernementalen in Sachen der Jacobini'schen Noten und führt aus, wie die Gouvernementalen päpstlicher als der Papst und katholischer als die Katholllen sich stellten und die Unfehlbarkeit de« Papste» für sich in weltlichen Dingen in Anspruch nahmen. Die Landräthe von Duderstadt und Kossen werden erwähnt und dann konkludirt: Jetzt
Seiten erhoben sich die Berge zu einer Höhe von fast tausend Fuß, größtenteils mit einheimischen Waldungen bekleidet, während sich unten im Thale, seinen anmuthigen Windungen folgend, bald brett, bald schmal, je nachdem ihm die umgebenden Hügel Raum ließen, der See Longveih outbreitete. Es war nun Mittag, und die Helle, kalte Nooem- bersonne beleuchtete die Abhänge der Berge und zeigte die kahlen Bergkegel, denn auf den Höhen gedieh fast kein Pflanzenwuchs mehr. Jedoch nicht« von dem allen zog Jakob Drake« Aufmerksamkeit an, der den Kopf von feiner unliebsamen und unwillkommenen Mission voll hatte.
Nach einiger Zeit kam er zu einem schmalen Seitenwege, der auf den Glen zuführte. Gerade hier mußte er längere Zeit einen schmalen Berg- pfad verfolgen, dann aber erweiterte sich das Thal und er schaute meilenweit auf wohl angebaute« Land. Am Waldessaume stand ein au« rolhen Backsteinen neu errichtete«, nettes Hau». Ec wußte, es war von dem Besitzer von Glinmoce für den Schotten Cameron erbaut. Das Haus war von ftnetn hübschen Garten umgeben und trotz feiner Neuheit sprach aus allem eine Häuslichkeit und Reinlichkeit, welche da» beste Z.ugniß für die Be- wohner abgab.
Als Jakob sich der Wohnung näherte, stan
solche Dinge, wie sie in der Vorlage beseitigt wer- den, nicht au« der Hand lassen, ohne sich selbst aufzugeben und den Rechtsboden zu verlieren, auf dem die römische Kirche btt uns steht; er t.nn sich nicht schützen gegen das aggreffive Vorgehen der römischen Kirche, die sich nur im Kampf mit dem Staate aufrecht zu erhalten vermag. Das ist die Quintessenz der Rede Gneist's, die natürlich mit all den Blüthen der phrasenreichen Kulturkampfstheorien der siebziger Jahre geschmückt ist und deshalb auch wiederholt Heiterkeit im Centrum hervorruft. Aus der Rede kann man nur einzelne abgerissene Sätze verstehen, so daß in gewissen Intervallen der Ruf „Lauter, lauter" von einzelnen Abgeordneten ober ganzen Gruppen ertönt. Aber es hilft nichts, Gneist bleibt im alten, unverständlichen Ton.
Nächster Redner war Dr. Windthorst. Er führt kurz ans, die Rede Gneist's habe nur enthalten, was man stets und zum Ueberdruß bei der Schaffung der Maigesetze hören konnte. In der jetzigen Situation unterlasse er e« jedoch, Gneist zu antworten. Er entledige sich eines Auftrages seiner Fraktion und verlese eine von seinen Fraktionsgenossen einstimmig genehmigte Erklärung. Die sodann verlesene Erklärung lautet nach dem Bericht der ,Germ.' wörtlich:
„Von Seiten des h. Stuhles, dessen Kompetenz in Fragen des Kirchenregiments zweifellos fefisteht, ist zu erkennen gegeben worden, daß die eon dem Herrenhause angenommene kirchenpolitische Vorlage, mit Rücksicht auf die gegenwärtigen Verhältnisse iolerirt werden könne, daß ferner dies« Vorlage den Zugang zu dem so lange und mühsam angestrebten Frieden eröffne; daß «ndlrch, was insbesondere die Frage des Einspruchs betrifft, zwischen dem h. Stuhl und der preußischen Regierung augenblicklich weitere Verhandlungen stattfinden und der h. Vater dabei sich bemühen werd«, eine friedliche Vereinbarung darüber zu erzielen, wie das Einspruchsrecht anzulegen sei und welche Regel gelten solle, wenn zwischen dem Bischof« und dem Oberpräsidenten Meinungsverschiedenheiten bestehen. Bezüglich der erwähnten Verhandlungen wird auf die beiderseitigen Noten verwiesen und ausdrücklich bemerkt, daß letztere im Wesentlichen die Auffassung des Bischofs von Fulda über das Recht des Einspruchs und die Gründ« desselben enthalten. Bon diesen Erwägungen geleitet, hat der h. Vater uns ausgefordert, für dte Annahme der kirchenpolitischen Vorlage, rote sie nach den Beschlüssen des Herrenhauses fich gestaltet hat, einzutreten. Den Hoffnungen des h. Vaters uns anschließend und getreu jenem Standpunkte, den wir während des ganzen kirchenpolitischen Kampfes unausgesetzt betont haben, werden wir dieser Aufforderung Folge leisten. Falls wider Er
klär wie Wasser. Doch nun muß ich gehen. Gott stehe uns bei. Es ist ein grausame« Werk, was ich heute thun muß."
„Was ist e« denn, Jakob. Sagen Sie es uns."
„Nun, Madame, nicht mehr und nicht weniger, al« daß ich den Leuten in Glinmore ihre Mie the kündigen muß."
„Sicher, Jakob?"
„Ganz gewiß; ich gehe nicht bloß hin, um die regelmäßigen Notizen aufzunehmen, wie viel sie schuldig sind, sondern ich soll ihnen gleich sagen, daß sie ausziehen müssen."
„O weh, das ist zu hart für die armen Leute."
„In der That, Mr». Mahony. Ich bin ein armer Mann, aber ein Viertel meine» Jahrlohnes wollte ich geben, wenn ich diese« nicht zu thun brauchte. Allein sehin Sie, weil so viele Schafe gestohlen worden sind, so will der Engländer die alten Miethsleute wegschaffen und andere Leute au« England und Schottland kommen lassen."
„Wie wissen Sie da», Jakob?"
„Weil ich e» Mr. Thurgood zu meinem Herrn sagen hörte."
„Gott helfe ten armen Leuten."
Jakob Drake setzte seinen Weg durch das liebliche Thal der silbernen Birken fort. Zu beiden