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M 89. Donnerstag, den 21. April. 1887.

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* Die päpstliche Kundgebung über die kirchenpolitische Borlage

ist — so schreibt die .Kölnische Volkszeitung' — keiner von jenen Acten des heiligen Stuhles, welche im katholischen Volke Deutschlands mit un­gemischten Gefühlen begrüßt werden. Oftmals tat die Stimme des Statthalters Christi in den letzten Jahrzehnten ein volles Echo diesseits der Alpen gefunden, wenn sie klagend, tröstend, ermunternd zu uns sprach, inniges Mitleid, freudige Zustim- mung, thatkräftige Begeisterung erweckend. Anders dies Mal. Auch das Schreiben an den Erzbischof von Köln wird ausgenommen werden mit tiefer Ehrerbietung, mit dem unerschütterlichen Bewußt­sein, daß die hohe, herrliche, gewaltige Aufgabe, welche Gott gerade heutzutage den Katholiken unseres Vaterlandes zuzewiesen zu haben scheint, nur von treuen Gliedern der Kirche gelöst wer­den kann; aber damit verbunden wird sein Zweifel und Sorge: War das nöthig? Konnte nicht mehr erreicht werden? Es ist schwer, darauf mit einem runden Ja oder Nein zu antworten; dazu gehört eigentlich die genaue Kenntniß der diplomatischen Verhandlungen der letzten Jahre. Aber selbst wenn wir für unsere Person fest überzeugt wären, daß nach Lage der Sache nichts mehr zu erreichen, daß das Zustandekommen des kirchen-politischen Gesetzes in der unbefriedigenden Gestalt der Herren- hausbeschlüffe eine gebieterische Nolhwendigkeit war, rvir würden cs ««h—, «...

bange Frage stellt und mit Sorge in die Zukunft blickt.

Wir unterschätzen wahrlich nicht die großen Ge­folge, welche die unablässige Hirtensorge und diplo- matische Gewandtheit Leo's XIII., gestützt auf den hartnäckigen Widerstand der glänzend geführ- ten, eng mit Episkopat und Geistlichkeit verbun­denen deutschen Katholiken in den achtziger Jahren errungen hat. Die Maigesetzzebung, der babyloni- sche Thurm, den heute keiner der Bauherren ge- baut haben will, ist eine wüste Ruine, in deren Steinhaufen nur wenige Kenner sich noch voll- ständig zurecht finden können, und die letzle Novelle wirft neue Trümmer zu den alten. Das päpst­liche Schreiben überhebt uns der Nothwendigkeit, alles aufzuzählen, was auf dem Gebiete der kirch­lichen Verfassung und Verwaltung, der Disziplin

Im WI der Mdcrdirkcu.

Roman aus dem Englischen von E. Blackburn«.

25. Fortsetzung.

24. Kapitel.

In Bartel Mahony's Wirthschaft.

Solcher Art waren die Gefühle, welche Nuala O'Donnel und Randal Macsorley gegen Robert Thurgood hegten.

Ich sehe keinen Grund dafür, weshalb ich Mr. Thurgood hasien sollte," sagte die erstaunte Nuala, während sie durch Miß Nanny's schlecht gehaltene Wiesen schritten. „Augenscheinlich vermuthete er — oder Dir. Stevens hat es ihm erzählt — daß Du die Artikel, betitelt der Tyrann von Glin- more, geschrieben hattest, und ich meine, es wäre sehr artig von ihm, daß er Dir vergebt und Dich einladet."

Randal blickte sie seltsam an.

„Du nimmst sehr warm Partee für den Sachsen." , m , r, ,

„Das nicht gerade," sprach Nuala rasch; aber ich sehe nicht ein, warum wir mit ihm im Streite leben sollen. Ich halte es für bedeutend ange- nehmer, wenn w:r uns bemühen, Freunde dieses freundlichen Engländers zu sein."

und Vorbildung wie der christlichen Liebesthätig- keit errungen worden ist, und das Gefühl der Dankbarkeit und des freudigen Stolzes, welches eine Vergleichung der früheren mit den jetzigen Zuständen zu erwecken geeignet ist, mag durch anderweitige Erwägungen beeinträchtigt werden, aber rauben lassen wir es uns nicht. Was auch geschehen mag, die Thatsache wird bleiben: der Feldzug, welchen der ehemalige Minister Falk nebst seinen Vorder-, Hinter- und Flügel-Männern gegen die katholische Kirche in Preußen unternahm, hat mit einer schweren Niederlage geendet.

Ein anderes aber bleibt ebenfalls: die Anzeige­pflicht und damit die Gefahr, daß die Staats­regierung auf Umwegen durchsetzt, was dem Front- Angriff nicht gelang. Längst war vorauszusehen, daß kommen werde, was gekommen ist; schon seit dem Schreiben, welches der h. Vater vor sieben Jahren an den jetzigen Kardinal Paulus Melchers richtete, und vollends seit der vorläufigen Ge­währung der Anzeigepflicht im vorigen Jahre. Aber wir begreifen den Unmuth darüber, daß jetzt unter Zulassung des h. Stuhles ein Entwurf Gesetz werden soll, welcher der Regierung ein that- sächlich unbedingtes Veto gegen jede Ernennung zu einem katholischen Pfarramts einräumt. Gerade unser braver Klerus hat die Last und Hitze des Kampfes getragen; er hat ein besseres Schicksal verdient, als die Abhängigigkeit von einer Re- i Stoung^ bei-w-Her, über^MMWW^.zW schäften entscheiden — verdient aber auch die glänzende Anerkennung, welche ihm aus dem Munde des h. Vaters zu Theil wird: daß gerade „die unter den schwierigsten Umständen erbrachten Be­weise der Gewissenhaftigkeit", sein strenges Fest- halten an der Heiligkeit seines Amtes und sein dem geistlichen Nachwuchs gegebenes Tugendbeispiel die Hoffnung erwecken, er werde auch unter der Herr­schaft der Anzeigepflicht der alte bleiben.

Das Schreiben nimmt Bezug auf Verhandlungen über „eine gütliche Vereinbarung, wie die Sache gedeutet und welche Norm befolgt werden muß, wenn ein Mal der Bischof etwas anderes will, als der Oberpräsident erstrebt," und gleichzeitig erfahren wir, daß der h. Stuhl in dieser Hinsicht im Wesentlichen sich an die bezüglichen Anträge des Herrn Bischofs von Fulda anschließt. Ob

Randal Macsorley's hübsches, aber bäuerisch aus sehendes Gesicht wurde dunkelroth und bald darauf tödtlich blaß. Er biß sich auf die Lippen, um die Worte nicht zu sagen, welche auf seiner Zunge waren, und ging ohne eine Erwiderung bis zu Miß Nanny's Wohnung. ,

„Guten Morgen, ich werde nicht mit hmem- gehen," sagte er dann kurz und verschwand mit diesen Worten im Gesträuch. ,

Nuala blickte ihm erstaunt nach. Es ging über ihren Begriff, wie ihr gefühlvoller, enthusiastischer, gutmüthiger Vetter so handeln könne; allein sie schrieb alles seinem beleidigten Patriotismus zu, betrat mit einem feinen Lächeln Miß Nanny's Wohnung und war bald darauf in ihrer Ge-

Mittlerweile durchschritt Randal das Gesträuch und die Felder mit einem neuen Gefühle in seiner Brust. Ruhelos schritt er an den gekrümmten Ufern des Baches auf und nieder. Der äußerste und ungerechtfertigste Haß gegen Mr. Thurgood erfüllte seine Seele. Endlich stand er still und fragte sich selbst, erfüllte ihn dieser unerbittliche Haß gegen den Engländer nur, weil er ihn als den Feind seines Vaterlandes ansah?

Und Randal Macsorley war gezwungen, fernem Gewissen zu antworten und sich selbst zu gestehen,

auf diesem Wege etwas Erhebliches gewonnen wird, wir fürchten sehr, daß im Konfliktsfall hinter dem Oberpräsidenten die Macht steht, und in dieser schlechten Welt geht nicht selten Macht vor Recht oder Billigkeit. „Der Staat regiert, die Kirche protestirt", hat schon der alte Görres gesagt, und er hatte seine guten Gründe dazu. Wir bezweifeln sogar, daß sich überhaupt eine Form finden läßt, welche der Anzeigepflicht ihren bedenklichen Charakter benimmt. Es handelt sich hier um einen modus vivendi, um einen Versuch, bei dem es weniger auf die Paragraphen ankommt, als auf die Hand­habung, nicht auf den Buchstaben, sondern auf den Geist, und von den kirchen-politischen In­stinkten der preußischen Bureaukratie haben wir zu viel Proben erhalten, um nicht auf Lebenszeit mehr als genug zu haben. Eine unschädliche An­zeigepflicht müßte gegenseitiges Wohlwollen und Vertrauen zur Voraussetzung haben, und das Vertrauen fehlt. Gott gebe, daß wir uns täuschen — wir wollen dann gern allen Oberpräsidenten und sonstigen Betheiligten Abbitte leisten — oder daß der h. Stuhl durch nachdrückliches Bestehen auf den Anträgen des Bischofs von Fulda als Vorbedingung der dauernden Gewährung der Anzeigepflicht den Obsrpräsidenten den Schmerz erspart, den Einspruch z. B. aus dem schwerwiegen­den Grunde erheben zu müssen, weil der betr. Geistliche sich bei den Wahlen nicht die Anerken-

-mv'Hanen oeMcngenoen anzuerkennen, davon ist der h. Vater, auch abge­sehen von den fortdauernden Verhandlungen über das Einspruchsrecht, weit entfernt. Bis in die letzten Tage hinein forderten einige besonders weise Kulturkampfsblätter als Vorbedingung für di; Annahme der Herrenhausbeschlüsse eine „bündige Versicherung" des Papstes, daß er nun aber auch nichts, gar nichts weiter mehr wolle, andernfalls Ablehnung! Jetzt haben diese Hanswurste die „bündige Versicherung" schwarz auf weiß! „Noch ist nicht alles erreicht, was die Katholiken zu er­reichen mit Recht wünschen. . . . Von jenen harten Gesetzen wird so viel abgeschafft oder doch ge­ändert, daß sie weniger schwer ertragen werden zu können scheinen. Immerhin wird der Apostolische Stuhl stets alle Vorsorge und Umsicht verwenden, daß ein solcher Stand der Dinge, der noch nicht daß dem nicht fo sei. Ec haßte den Sachsen nur, weil er Nuala O'Donnel zu bewundern schien; und ihm schien es, als ob Nuala ihrerseits den Sachsen bewundere.

Es wurde ihm nun klar, daß er seine kleine Cousine liebte, wie nur je ein Mann ein weib­liches Wesen geliebt haben mag; und wenn dieser Sachse sie ihm wegnähme? Er konnte nicht daran denken, dem Mädchen seine Liebe zu gestehen, da er ja gar nichts in der Welt sein Eigen nennen konnte.

Allein er war jung, leidenschaftlich, wild in der Liebe zu einem hübschen Mädchen - sehr eifersüchtig auf sie — und fast bereit > dem eine Kugel durch den Leib zu jagen, der sie ihm neh- men würde. Nun vernahm er schwere Fußtritte erst in der Ferne, dann ganz nahe. Ec schaute umher, es war Jakob Drake.

Einen großen, schwarzen Hut auf dem Kopfe, mit einem grauen Ueberrock und grünen Kama- schen angethan, den eisernen Hacken grün umwi- ckelt, schritt er mit wichtiger Miene daher.

„Holla, Jakob."

„J,r Diener, Mc. Randal. Wie befinden Sie sich, Sir."

„O lehr wohl, Jakob, und wie geht cs Ihnen?,,