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Dienstag, den 19. April.
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.Fuldaer Zeitung'
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Deutsches Reich.
Berlin, 18. April.
• Ein der ,Gcrm.' zugehendes Telegramm aus Rom meldet, der Pariser .Univer»' werde heute (Montag) die römische Denkschrift an den Herrn Erzbischof Crementz veröffentlichen, nach welcher da» Centrum für da» Gesetz (soll wahrscheinlich heißen, sür die Herrenhaus-Fassung) stimmen solle. Die Denkschrift erkläre, das Gesetz verbeffere die Lage wesentlich. Falls ein Konflikt über das Veto zwischen Bischof und Oberpräsident entstehe, entscheide Rom. — Ist der letztere Satz präcis und seinem vollen Inhalte nach zu fassen, so bemerkt die ,Germ.' zu vorstehender Meldung, dann enthält derselbe eine wesentliche Beste- rung der Lage bezüglich des Einspruchs. Es kommt dann noch daraus an, wie diese Besterung gesichert ist. Daß der Einspruch kein absoluter sein dürfe, war vom hl. Stuhle bei den Wiener Verhandlungen unbedingt und in den bestimmtesten Ausdrücken aufrecht erhalten worden, die vorjährigen Jacobim'schen Roten vor der Bewilligung der Anzeige enthielten die Sache ebenfalls, nur nicht so expressiv verbis, bei den diesjährigen Verhandlungen aber hatte man nichts davon gehört, und der Versuch des Herrn Bischofs Kopp, «pf andere Weise die absolute Konsequenz des Vetos zu beseitigen' indem nach dem österreichischen System, im Falle der Nichteini- g u«g von Bischof und Staatsbehörde über einen Einspruch, der betr. Geistliche kanonisch dennoch ins Amt eingesührt werden und nur die staatlich en Kompetenzen nicht erhalten solle, dieser Versuch einer Lösung war schon in der Herrenhauskommistion abgelehnt worden. Jetzt wird also die Lösung auf dem andern Wege versucht, daß der Einspruch selbst eventuell im Falle des Konflikts noch einer weiteren — kirchlichen — Instanz zur Beur- theilung unterliegen soll. Da diese Instanz aber sicherlich nur einen Einspruch anerkennen wird, weicher innerhalb der im abgelehnten Kopp'schen Amendement enthaltenen Einspruchsgründe sich hält, d. h. also keine politische capitis deminutio des Klerus enthält und nicht die kirch- liehe Pflichterfüllung desselben strafen will, so ist nicht abzusehen, weshalb die Regierung und
I« rtzil dn Silbftbirhtn.
Roman aus dem Englischen von E. Blackburne.
23. Fortsetzung.
Schon hörte Ruala bei den ersten Strahlen der Morgendämmerung die Arbeiter im Schloßparke, ehe der Schlaf ihre Augenlider schloß. Als sie ab>r beim Frühstück saß, vernahm sie Randal Macsorlcy's hclle Stimme in der Halle.
„Ist Ruala unten?"
„Ja, Mr. Randal," antwortete Konrad, „sie nimmt ihr Frühstück im Sprechzimmer."
„Ich komme her, um mit Dir zu frühstücken," sagte er das Zimmer betretend. „Guten Morgen, Ruala."
„Guten Morgen, Randal. Du bist ein früher Besucher."
„Ich war ausgegangcn, um Vögel zu erjagen, und ich dachte, ich wäre Dir auch jetzt schon willkommen und bekäme zugleich mein Frühstück um so eher."
„Gewiß, setz Dich", und das Mädchen begann den Frühstückstisch für ihn zu decken, nicht übel gelaunt, daß sie einen G.s.llschafter Halle.
„Ich habe eine Neuigkeit für Dich, Randal", sagte sie, während sie ihm am Kamine etwas Zwieback röstete.
ihre Parteien jetzt dem Versuche noch widerstehen sollten, die Kopp'sche Faffung der Einspruchs- gründe in das Gesetz selbst aufzunehmen und dadurch Konflikte von vornherein auszuschließen wenigstens nach Möglichkeit zu versuchen.
Wir sind, sagt das genannte Blatt weiter, auf die nähere Ausführung des letzten Satzes des Telegramms in der römischen Denkschrift gespannt. So wie uns telegraphirt wird, kann er nur den erörterten Sinn haben, und dann enthält er eine wesentliche Besserung, nämlich bezüglich der Folge de» Einspruchs, aber nicht direkt bezüglich der Gründe deffelben, obgleich auch diese indirekt von der päpstlichen Oberinstanz nur in dem Kopp'schen Sinne gemeint sein können. Daß aber auch bezüglich der Orden irgendwelche B-fferung erreicht worden sei, wird leider nicht gemeldet, und so scheint cs bezüglich dieser dabei zu bleiben, daß nicht nur die reichs- gesetzlich ausgeschloffenen zunächst ausgeschloffen bleiben, sondern daß auch die mit Aenderung des preußischen Gesetzes wieder zugelaffenen Orden für jede Riederlaffung der Erlaubniß bedürfen, und daß dann noch jede Riederlaffung der Auflösung durch königliche Verordnung unterliegt. Und ferner bleibt eine Staatsaufsicht, welche auf die Aufnahme neuer Mitglieder und auf die ganze Bewegung und Thätigkeit der Orden sich erstrecken kann, ohne daß dieser Aufsicht gesetzlich irgend welche Schranken gezogen wären I Wir haben cs ja sogar bei un'eren barmherzigen Schwestern erlebt, wie weit man sich zu gehen erlaubt hat — wie erst eventuell gegenüber anderen Orden! Diese „Lösung" der Ordensfrage, wenn sie nicht gebessert wird, bleibt wirklich himmelweit zurück hinter Dem, was der päpstliche Stuhl in dieser Beziehung bei den Verhandlungen in Wien (1880) von der preußiscken Regierung gefordert hat!
* Der Reichstagsabgeordnete Dr. Lingens erhebt in einer Zuschrift an die .Norddeutsche' Widerspruch gegen deren Angabe, wonach er 1870 als Mittelsperson der Centrumspartei mit der Kurie verhandelt habe. 1870 sei eine Centrums- partei überhaupt noch nicht vorhanden gewesen, 1871 habe an der Spitze des Zentrums, kein Welfe, sondern Herr v. Savigny, ein eifriger Freund des deutschen Reichs gestanden.
* Der V'cepräsident des Staatsministeriums,
„Run was denn?"
„Denke Dir, ich erhielt eine Einladung zu einer Gesellschaft."
„Ich auch."
„Rein!" Ruala sah ihn verwundert an.
„That'ächlich, ich versichere es Dir — von dem Sachsen auf Glinmore, und ich finde das unbegreiflich frech von ihm."
„Warum? Ich finde cs sehr freundlich."
„In der Thal?" rief er in einer knabenhaften Weise. „Ec weiß sehr wohl, daß ich der Verfasser der patrioiischen Balladen und Artikel in .Hibernias Banner' bin, denn ich sorge dafür, daß ihm das Blatt immer zugeschickt wird; und doch hat er die Kühnheit gehabt, mir eine freundliche Einladung zu einer Gesellschaft zu schicken, um mir zu sagen, daß das, was ich schre.be, nicht mehr Eindruck auf ihn macht, als wenn Wasser über den Rücken eines Herzog» läuft."
Ruala saß am Herde und blickte ruhig auf ihren unwürdigen jungen Verwandten. Als er geschlossen hatte, wußte sie hell auflachen über diese pathetische und sinnreiche Bloßstellung seines verwundeten Stolzes. ~
„Ich finde nichts Lächerliches an der Sache", erwiderte er. „Tu wirst doch auch unter keinen Umständen hingehen wollen."
Minister des Innern v. Puttkamer, ist gestern früh aus Italien wieder in Berlin einge troffen.
* In einer Flugschrift: „Ist der Kulturkampf als beendet zu betrachten? Ein offenes Wort zur Beherzigung", kommt Fürst Karl zu Isenburg-Birstein zu folgendem Schluß: Wenn wir nun die Beantwortung der Frage versuchen, ob der Kulturkampf mit der Annahme der dem Abgeordnetenhause vorliegenden^Novelle in der vom Herrenhause beschlossenen Fassung als beendet zu betrachten sei, so möchten wir sie bejahen, in so fern man unter Kulturkampf den berechtigten Widerstand versteht, welchen die Katholiken den Maigesetzen gegenüber zu leisten verpflichtet waren. Die noch bestehenden Beschränkungen der Freiheit der katholischen Kirche sind nicht der Art, daß Veranlassung zu einem passiven Widerstand vorliegt. Gewiß ist noch nicht alles erreicht, und dies haben wir ja ausdrücklich betont, aber die noch nöthigen Modifikationen der Gesetzgebung werden leichter in einem freundlichen Verhältniß auf dem Wege diplomatischer Ver- Handlungen erreicht alch durch parlamentarischen Kampf. Damit ist die parlamentarische Aktion durchaus nicht ausgeschlossen, und das zweite Schreiben des Kardinals Jakobini erkennt dieselbe ja sogar ausdrücklich als nothwendig an, nur wird es nöthig sein, ihr einen andern Charakter als den bisherigen zu geben.
• Die neue Branntweinsteuer - Vorlage ist dem Bundesrathe gedruckt zugegang.n. Die Vorlage trägt den Vermerk, ganz geheim. Die Zeitungsmelduna, Finanzminister v. Scholz werde sich zur Besprechung der Branntweinsteuerfrage nach München begeben, um mit süddeutschen Finanzministern zu konferiren, hat sich nicht bestätigt. Rach der «Kreuzze tung' war von einer solchen Reise nie die Rede. Heute hat in den zuständigen BundeSrathsausschüssen die Berathung des Nachtragsetats begonnen.
* Die Berufung eines allgemeinen Par« teitages der deuschfreifinnigen Partei soll in naher Zeit erfolgen. Ursache: Ausfall der letzten Reiche tagswahlen.'
'* Das Reichsg ericht hat in dem Prozesse des königlich preußischen Fiskus, vertreten durch die königliche Regierung zu Oppeln, Klägers, wider den Kaufmann L. Riesenfeld zu Kreuzburg
„Und warum nicht, bitte."
„Erstens, weil Dein Vater nicht hier ist, und dann kann man doch von einem Sachsen k-.ine Gastfreundschaft annehmen."
„Ich würde Gastfreundschaft annehmen von einem Isländer oder Hottentotten — oder auch von einem Sachsen schon der Abwechselung wegen. Es ist hier entsetzlich langweilig."
„Dessen ungeachtet kannst Du diesesmal nicht hingehen, weil Dein Vater nicht zu Hause ist."
„Randal," rief sie unwillig, wenn der Wille da ist, dann gibt es auch einen Weg. Ich habe den Sachsen gesehen und mit ihm gesprochen. Er ist sehr höflich und wenn ich kann, werde ich hingehen. Doch ich wollte heute zu Tante Ranny, Du kannst mich dahin begb iten."
22. Kapitel.
Heber die Mauer.
Miß Ranny hatte Ruala gesagt, sie möchte während des Nachmittags zu ihr kommen, indeß weil Randal j tzt da war, suchte sie aus seinem Besuche Vortheil zu ziehen. Sie hätte gewünscht, Randal möchte etwas von ihrem Verhältniß zu Gustav Lynch wissen, allein sie konnte es nicht über das Herz bringen, ihm etwas davon zu sagen. Nicht sehr schm.ichelhast für Mr. Lynch suchte sie nun die ganze Sache zu verg ffen, und