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M 86.

Montag, den 18. April.

1887.

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ErftesBlatt.

* Fürst Alexander von Bulgarien.

Da« Buch des Hofp.edigers Koch über den Fürsten Alexander während seines Aufenthaltes in Bulgarien ist sehr interessant. Koch war von Anfang des Jahres 1880 bis zur Abdankung des Fürsten beständig in der Umgebung des Letzteren. In die Einzelnheiten der politischen Vorgänge eingeweiht, hat er mit Unterstützung des Fürsten wohl am besten ein richtiges Bild vom Gange der Dinge in Bulgarien gezeichnet, die so hoff­nungvoll begonnen hatten und so kläglich endigen sollten. Kaiser Alexander II. war dem Fürsten außerordentlich gewogen und an ihm fand der Fürst einen liebevollen Berather und Beschützer. Merkwürdigerweise war anfangs auch die pansla- vistische Richtung in Rußland für den Fürsten durchaus eingenommen, nämlich so lange als der Fürst den Ideen dieser Richtung zu entsprechen schien. Sogar Ä attoff schrieb anfangs zu Gunsten des Fürsten. Die inneren Wirren wa- ren eine beständige Quelle der Sorge und Beun- ruhigung für diesen. Bei den Männern, mit denen der Fürst in den ersten Jahren seiner Herrschaft zu thun hatte, wogen Unfähigkeit und Ueberhebung vor und nur wenige ehrliche und brauchbare Männer erleichterten dem Fürsten seine Aufgabe. Die schlimmsten Feinde des Landes und des Fürsten waren aber die Russen und namentlich einzelne von dm Männern, die der Czar mit der Aufgabe betraut hatte, seinem Schütz­ling Dienste zu leisten. So lange Czar Al ex an« der II. noch lebte, vermochte der Fürst durch seinen Einfluß bei demselben sich mit Leichtigkeit der schlechtesten Creaturen zu entledigen, aber der häufige Wechsel brachte doch keine Befferung. Das änderte sich aber sehr bald nach der Thron­besteigung Alexanders III. Das Zerwürfniß datirt Koch von der Unterzeichnung der Conven­tion der Viererkonferenz wegen Ausführung der Orientbahnanschlüffe her, die man in Petersburg zu Hintertreiben suchte. Dabei legten die Send- linge Rußlands Alles darauf an, dem Fürsten da» Leben sauer zu machm. Einzelne derselben benahmen sich dem Fürsten gegenüber mit einer beispiellosen Unverschämtheit. Die Sobol.ff, Kaul-

In Stzil der Mekdirde«.

Roman aus dem Englischen von E. Blackburne.

22. Fortsetzung.

„Er kam hierher auf Papa'» besondere Auffor­derung," sagte Ruala. „Er war auf Schloß Gar­ret am Abend vor Papa'» Abreise — denselben Abmd, als ich bei Dir war, und da Popa ge­rade über etwa» aufgebracht war, hat er ihn nicht empfangen und ihm sagen lassen, er möge am folgenden Tage wieder kommen und die Sache mit mir ordnen."

Miß Ranny erhob ihre Augen und schlug die Hände zusammen mit einer Bewegung von stum­mer Verzweiflung.

„Das sieht Garret O'Donnel gleich. Alles Un­angenehme sucht er von sich weg auf die Schul- tem Anderer zu wälzen."

„Mr. Thurgood kam wegen des Hundes," wagte Ruala zu sagen, ohne auf Miß Ranny's Bemerkung über ihres Vaters Betragen einzugehen.

„Verlangte er viel?"

„Zuerst wollte er, der Hund solle erschossen werden. Al» er aber *uhiger geworden war, ver­langte er nur, daß derselbe angelegt werden solle."

„Ich dachte, er würde Deinen Vater verklagt haben, das muß ich gestehen."

bar», Hitrowo, Ionin behandelten den Fürsten mit einer Anmaßung, daß ein unendlich hohes Interesse an der Aufrechterhaltung der Unabhän­gigkeit des Landes dazu gehörte, nm den Fürsten dieselbe ertragen zu lassen. Die Darstellung Koch's ist eine fortlaufende Schilderung russischer Jntri- guen. Meisterhaft hat Fürst Alexander es ver­standen, im Heer und Volk allmälig einen Natio­nalstolz groß zu ziehen, der für die Zukunft die schönsten Früchte versprach.

Der unverschämteste von allen Russen war der Staatsrath Ionin, den Alexander III. an Stelle de« vom Fürsten erbetenen ehrlichen Ernroth ge­sandt hatte. In der Antr ttsaudienz beim Für­sten erklärte Ionin wörtlich: „Der Czar hat Ihnen die Vollmachten gegeben, er nimmt sie Ihnen nun auch wieder, weil Sie von denselben einen schlech­ten Gebrauch gemacht haben." Auf alle Einwürfe des Fürsten antwortete Ionin frech, und als der Fürst ihm dieses Benehmen verwies, erklärte er: „Als Ionin bitte ich um Verzeihung für die Aus­drücke, die ich anwandte, aber als Abgesandter Seiner Majestät bin ich gezwungen, sie zu wie­derholen, denn ich habe von dem Kaiser den Be­fehl erhalten, diese Sprache anzuwenden." Koch theilt zum Theil den Briefwechsel mit, den der Fürst in dieser Zeit mit dem Kaiser führte; aus demselben geht der ganze Ernst, aber auch die ganze Entschlossenheit hervor, mit der der Fürst seiner Aufgabe gerecht zu werden strebte. Ande­rerseits leuchtet aber aus den Maßnahmen Ruß­lands der Haß hervor, den man damals schmnmrs Petersburger Hofe gegen den Fürsten hegte, sowie die ganze Ungeschicklichkeit zu Tage tritt, mit der Rußland damals wie j.tzt seine Interessen in Bulgarien verfolgte. Unter solchen Um« ständen war die Stellung des Fürsten handgreif­licherweise keine angenehme. Mehr als einmal faßte er den Gedanken, abzudanken und nach dem Auftreten Ionin'« wurde Koch sogar nach Darm­stadt geschickt, um den Eltern ve» Fürsten den Entschluß desselben, den Thron auszugeben, be- kanntzugeben. Das Interesse am Schicksal Bul­gariens hielt den Fürsten allein zurück. Bei den Großmächten fand der Fürst in den schlimmsten Lagen keinen Halt; er war auf sich selbst gestellt. Deutschland machte sogar im Herbste 1885 dem Fürsten den Vorschlag, sich nur al« „Statthalter

„Er hat auch nicht gesagt, daß er nicht weiter vorgehen wolle, er sagte überhaupt nicht« Endgül­tige«. Aber, Tante Ranny1" und da« Mädchen wurde über und über roth und zögerte.

„Run, wa« gibt'« denn?" Miß Ranny blickte Ruala scharf an.

„Ich habe Dir noch etwa« von Gustav Lynch zu sagen."

„Von dem?"

„Over sagte er e« Dir vielleicht, Tante Ranny?"

„Ich habe Gustav Lynch seit dem Tage, da Du bei mir wärest, nicht gesehen."

Ruala setzte sich, sah noch verwirrter au« und vermied e«, dem Blicke ihrer Tante zu begegnen.

„Ich wünschte, er hätte e« Dir erzählt," sagte da« Mädchen kläglich, dann hätte er mir die Roth« wendigkeit erspart, e« Dir zu sagen."

„Soll Schloß Garret verkauft werden?"

„Rein."

„Da« erwartete ich schon seit längerer Zeit. Wa« ist e« denn?"

„Tante Ranny, fei mir nicht böse. Ich konnte nicht anders handeln. Ich stehe im Begriff, Gustav Lynch zu heirathen."

Worte fehlen, um den Ausdruck des Erstaunens Aergers und der Ungläubigkett auf dem Gesichts der alten Dame zu beschreiben.

Rußlands" zu betrachten, erhielt aber von diesem die Antwort, er sei jederzeit bereit 'gewesen, auf die Rathschläge Rußlands zu hören, und thue noch jetzt gern Alles, was die russischen Interessen verlangten, sofern es nur seinem eigenen Lande nicht schade, er trete aber eher zurück, als daß er sich mit einer Stellung begnüge, die in seiner Person sein ganzes Volk herabwürdige. Nichts­destoweniger fühlte der Fürst die Nothwendigkeit, um seines Volkes willen sich Rußland zu nähern, und so bat er bei seiner Rückreise von London in Wien den Grafen Kalroky, eine Versöhnung anzubahnen. Zu diesem Zwecke wurde er von dem Kaiser von Oesterreich zu den Manövern bei Pilsen geladen und begab sich dann, nachdem der Boden gehörig vorbereitet war, zu Giers, der sich damals in Franzensbad aufhielt. Er sprach sich dort mit Giers aus und erhielt von diesem die Versicherung, daß er Alles thun werde, um eine Versöhnung zu Stande zu bringen. Da kam aber ein Zwischenfall, der den Riß zwischen Rußland und dem Fürsten noch größer machte und schließ­lich zu einem definitiven Bruch führte, die Revo­lution von Philippopel.

(Schluß im zweiten Blatte.)

Deutsches Reich.

Berlin, 17. April.

* Aus Rom, 17. April, bringt die ,Frkf. Ztg.' in ihrer heutigen Morgenausgabe folgende sehr ^bestimmt läutende Privätmeldung:

„Ich bin im Stand« bezüglich des Verhaltens des Vatikans zu dem preußischen Kirchengesetz folgende Einzelheiten mitzutheilen. Nachdem die politische Kongre­gation des Kardinalkollegiums das Kirchengesetz, wie es vom Herrenhaus angenommen worden, durch einstimmigen Beschluß mit „Tolerari possumua“ versehen, richtete der Papst drei Schriftstücke wesentlich gleichen Inhalts nach Deutschland, eine Denkschrift in lateinischer Sprache an den Erzbischof von Köln und je einen Brief in franzö­sischer Sprache an Windthorst und das gesummte Centrum. In der Denkschrift wird auf den Beschluß des Bischofs­tages in Fulda hingewiesen und ausgeführt, daß durch das Gesetz viele der dort ausgesprochenen Wünsche erMt würden, und es wurde am Schluffe der Erzbischof aufgefordert, das Centrum zu veranlaffen, für das Gesetz zu stimmen. Bonden Kopp'schen Amendements ist darin

„Tante Ranny!" rief Ruala, indem sie sich zu ihren Füßen auf die Knies warf und ihre Thrä- nen strömen ließ, „ich konnte nicht ander«. Gustav Lynch ist unser ganze« Besttzthum verpfändet. Er ist der wirkliche Eigenthümer von Schloß Garret, nicht wir. Er hat mir versprochen, Schloß Gar­ret am Tage unserer Verheirathung auf meinen Namen setzen zu lassen."'

„Nuala," sprach die alte Dame sanft und legte ihre Hand auf de« Mädchen« Haupt, „es thut mir leid, daß ich diese« hören muß. Warum soll­test Du Dein junge« Leben einem Manne opfern, der alt genug ist, um Dein Vater sein zu können. Liebst Du ihn denn?"

„Nein, aber ich denke an Popa."

Miß Nanny's Augen flammten und sie erhob sich hastig aus ihrem Stuhle.

„Mein Kind," ritf ft», „an den denke ich auch, aber noch mehr an Dich. Sage dem Kutscher, er möge wieder anspannen und dann komm und verbringe morgen Nachmittag bei mir."

Nach der Abfahrt Miß Nanny'r fetzte sich Nuala am Kamine nieder. Sie wollte lesen, aber das Buch lag unbeachtet auf ihren Knieen. Plötzlich wurde die Thür geöffnet. Korrad erschien und sagte: „Hier ist ein Brief für Sie, Miß Nuala."