M 84.
Freitag, den 15. April.
1887.
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*£ Papstthum und kathol. Kirche spielen gegenwärtig die Hauptrolle in der deutschen resp. Bismarck'schen Politik, in der äußeren sowohl wie in der inneren. In den Blättern, welche mit Recht stets als papst- und kirchenfeind- liche angesehen wurden, ist fortgesetzt am meisten die Rede vom Papste und von der kathol. Kirche. Wenn auch sehr widerwillig, so lasten sich selbst die gehässigsten Elemente von der Bismarck'schen Politik ziehen, eine ganz andere Sprache dem Papste und der katholischen Kirchs gegenüber zu führen, als sie Jahre lang gewohnt waren. Windt- horst hat einmal das treffende Wort gesprochen, er wünsche, daß Bismarck möglichst lange im Amte bleibe, weil nur ein Mann wie er im Stande sei, die Staatsmaschine aus dem Morast des Kultur- kampfes herauszuschaffen. Das bewahrheitet sich in unseren Tagen. Die Begeisterung für den Kulturkampf ist keineswegs erloschen und das Mißtrauen und der Haß gegen Rom, wie überhaupt gegen alles Katholische ist durchaus nicht erstorben. Protestantische und liberale Stimmen über das, was im preußischen Herrenhause be- schloffen worden ist, beweisen es nur zu deutlich. Wäre es nicht Bismarck selbst, der Arm in Arm mit dem Papste bestimmten politischen Zielen zustreben möchte, so wäre kaum daran zu denken, daß im preußischen Abgeordnetenhause eine Mehrheit. für Lugeständnisse an die katholische Kirche sich fände. Am unbequemsten ist gewissen Elementen die Lösung der Ordensfrage. Daß Ocdensleute wieder nach Preußen kommen und daselbst ungehindert sollen wirken können, erscheint ihnen fast unerträglich. Daher kommt es denn, daß namentlich dem Beschlüsse des Herrenhauses über diesen Punkt der Krieg angekündet worden ist. Im Abgeordnetenhause soll er wieder abgcändert werden. So wollen es voreingenommene Protestanten im Verein mit liberalen Kulturkämpsern. Ob es dazu kommt oder nicht, hängt wesentlich davon ab, wie Fürst Bismarck in drr Sache auftritt. Sicher wird der Widerspruch verstummen oder doch nicht durchdringen, wenn er sich mit Ernst und Energie der Sache annimmt. Auch mit dem Centrum und seiner Haltung machen sich unsere Gegner sehr viel zu schaffen. Das könnten sie ebenso gut unterlassen. Mehr als einmal hat Windthorst im Laufe
jm Shü drr Merbirkm.
Roman aus dem Englischen von E. Blackburne.
20. Fortsetzung.
Den ganzen Tag war Ruala im Hause gewesen, was sonst selten bei ihr vorkam. Aber die Vorbereitungen zur Abreise ihres Vaters hatten sie den ganzen Vormittag in Anspruch genommen; dann hatte sie nach der Anordnung ihres Vaters mehrere Briefs schreiben müssen und zuletzt kam Mr. Thurgoods Besuch. So nahm sie nun ihren alten, schwarzen Strohhut und ihr Plaid und schlenderte den Park hinunter in das Gesträuch, wo jetzt die Brombeerstauden und Silberbirken blätterlos und einsam sie anstarrten. Winter und Sommer war dies Nuala's liebster Spaziergang. Sie kannte jeden Baum und Brombeerstrauch des ganzen Platze« und dis blau n Glockenblumen, welche zur Sommerszeit an beiden S iten des Pfades blühten, hatte sie mit eigener Hand ge- gepflanzt. Sie schritt mit seltsam gehobenen Gefühlen vorwärts und rückwärts. In der nächsten Zit beunruhigten sie die Schulden und Schuldner in Donnelstvwn nicht mehr. Sre fühlte sich gleich einem, der an der Schwelle eines neuen Lebens steht; ihr Blut rollte rasch durch die Adern, ihre
| der Jahre den Herren von der Regierung, wie auch den Mehrheitsparteien zugerufcn, sie sollten nur über die Köpfe des Centrums weg mit Rom Frieden schließen. Dessen muß man sich jetzt erinnern. Es ist so selbstverständlich, als irgend etwas in der Welt, daß das C-ntrum sich beruhigt und zustimmt, wenn das Oberhaupt unserer heil. Kirche sich beruhigt und zugestimmt hat. Mögen also nur Beschlüsse gefaßt werden, mit denen der Papst einverstanden sein kann. An der Zustimmung des Centrums wird es in diesem Falle nicht fehlen. Demgemäß wird sich das Centrum im preußischen Abgeordnetenhaus verhalten. Wie das neue kirchenpolitische Gesetz, welches zu Stande kommen soll, so macht auch die Stellung Birmarck's zum Papstthum überhaupt viel von sich reden. Daß Bismarck politische Vortheile durch die Freundschaft mit Rom gewinnen will, liegt auf der Hand. Nicht minder selbstverständlich ist es, daß auch der katholischen Kirche und ihrem Oberhaupts freund- liche Beziehungen zu einem Staatsmanns wie Bismarck sehr werthvoll und erwünscht sein müssen. Nicht minder werthooll und erwünscht muß aber in den Augen des Papstes die Anhänglichkeit und Treue der katholischen Völker fein. Gerade wir haben es ja mit durchlebt, daß das Papstthum keinen andern Halt hier auf Erden mehr hatte, als die Opferwilligkeit und Treue der katholischen Völker, während Alles gegen das Papstthum und die Kirche stand, dem Gewalt hier auf Erden gegeben ist. Schon deswegen werden diejenige» nicht Recht bekommen, die da glauben, der Papst werde sich von Bismarck gegen die kirchentreuen Katholiken oder überhaupt gegen die Völk-r und ihre Freiheiten mißbrauchen lassen. Daß Bismarck Solches plant, ist ja möglich; allein die Geschichte seiner Politik liefert ja mehr als einen Beweis dafür, daß seine Berechnungen fehlgeschlagen haben, sobald die Katholiken eine Rolle darin spielten.
Deutsches Reich.
Berlin, 14. April.
♦ Wie man soeben der ,Frkf. Ztg.' aus Köln telegraphisch meldet, findet die neueste römische Nachricht des Pariser ,Univers', der Papst habe auf Beschluß einer Kardinals-Kommission in einem Schreiben an den Erzbischof von Köln gerathen,
für die kirchenpolitische Vorlage zu stimmen, in der .Köln. Vztg.' ihre Bestätigung. Dieselbe sagt ferner, die volle Tragweite der päpstlichen Kundgebung könne erst nach Vorliegen de« Wortlauts ermessen werden. Man habe Grund zu bezweifeln, daß die in der kirchenpolitischen Vorlage nach den Beschlüssen des Herrenhauses getroffene Regelung des Einspruchsrechts al« endgültige sich darstellte.
* Der Bundesrath hält morgen seine erste Plenarsitzung nach Ostern ab, auf deren Tagesordnung voraussichtlich die Anträge Preußens betreffend die Besteuerung von Zucker und Branntwein stehen werden.
* Zur Besprechung der Branntweinsteuerfrage hatten sich heute hier circa 60 Spritfabrikanten und Großdestillateure aus Deutschland versammelt. Dieselben sprachen sich fast einstimmig gegen jede Contingentirung, sowie dafür — aus, daß der zulässige Steuerzuschlag den Betrag von 25 Mark für den Hektoliter nicht übersteigen dürfe. Bezügliche Rssolutioneu wurden angenommen.
* Von Seiten der deutschen Rechtsanwaltschaft ist laut der .Köln. Vztg.' eine neue ausführliche Denkschrift wegen der Gebühren- Ordnung dem Reichstage überreicht worden.
• Neisse, 13. April. Die 10. Generalversammlung der Katholiken Schlesiens soll, der ,Nffr. Ztg.' zufolge, in diesem Jahre in Neisse stattfinden.
* Köln, 13. Apkil. Von dem regen Jutereffe des hochw. Erzbischofs Dr. Krementz für die Arbeiterfrage gibt ein Schreiben Zeugniß, welches derselbe auf eine Mittheilung der Verwaltung des Bielefelder Vereins „Arbeiterheim" über die Lage dieses Unternehmens an den Vorsitzenden, Pastor von Bodelschwingh zu Bielefeld, gerichtet hat. Es heißt in dem Schreiben: „Mit Ihnen bin ich der Ansicht, daß die Wohnungsfrage von der größten Wichtigkeit in sozialer Beziehung ist, und wenn ein in hiesiger Stadt gemachter erster Versuch, einen dieselben Bestrebungen verfolgenden Verein zu gründen, nicht gelungen ist, so gebe ich mir die Hoffnung, daß eine baldige Wiederaufnahme dieses Versuches zu einem günstigen Erfolge führen wird. Die von dem dortigen Vorstande gemachten Erfahrungen
Augen leuchteten und ihre Wangen glühten; sie dachte, es müsse bald ein; andere Zeit für sie kommen.
Jetzt hörte sie auf den abgefallenen, feuchten Blättern einen festen Fußtritt. Sie blickte umher und gewahrte Gustav Lynch. Nuala hatte ihn ganz vergessen. Noch gestern hatte sis ihm versprochen, über seinen Antrag nachzudenken und daher überzog nun eine glühende Schamröthe ihr Gesicht. Sie ging ihm entgegen, reichte ihm die Hand und sprach einige gleichgil'.ige Begrüßungs- warte. Seine Gegenwart vertrieb gleich einer dunklen Wolke den Sonnenschein, welcher soeben noch in ihrer Seele geleuchtet hatte. Er mar das Sinnbild der Schulden, Schuldner und aller andern auf Schloß Garret ruhenden Schwierigkeiten, und daher kam plötzlich ein unendlich drückendes Gefühl über Nuala's Gemüth, das noch durch den zweifelnden Gedanken, ob sie seine Frau werden solle oder nicht, vermehrt wurde.
Glücklicher- oder unglücklicherweise ahnte Gustav Lynch ihre Gedanken nicht im mindesten. Mit wahrhaft männlicher Selbstgefälligkeit schrieb er ihr Eiröthen dem Vergnügen über sein uner- wartetes Erscheinen zu. Diese Idee machte den Advokaten bedeutend liebenswürdiger. Er vergaß, die kleine Hand loszulassen, welche er in der
seinen hielt und betrachtete ihr liebliches Gesicht, welches ihm noch nie so schön vorgekommen war. — Als Nuala ihn aber anschaute, konnte sie nicht umhin zu denken: „Wie alt sieht er aus!"
19. Kapitel. Verlobung.
Kühn gemacht durch-das Feuer ihrer Augen, wovon Gustav Lynch annahm, daß es für ihn geleuchtet hätte, nahm er Nualas kleine Hand und legte sie auf seinen Arm in einer Weise, die ihr noch mehr Widerwillen einflößte.
Noch gestern hatte sie sich fast vocgenommen, ihn zu heiraihen, weil sie einsah, daß etwas geschehen müsse, um aus ihren Verlegenheiten herauszukommen ; bald nachher war cs ihr jedoch wieder leid gewesen und jetzt noch tausendmal mehr.
„Ihr Vater ist abgereist?"
„Ja, er ging heute Morgen und nahm Konrad mit."
„Wie lange denkt er wsgzubleiben?
„Ich weiß es nicht. Das hängt von Umständen ab."
„Von welchen Umständen? Vergeben Sie mir mein Forschen; Sie wss.'N, daß alle«, was Sie betrifft, auch mich betreffs."
Nuala erwiderte nichts. Sie sah ein, daß Gustav Lynch ganz geneigt war, die Sache als vollständig