jg 82. Mittwoch, den 13. April.
1887.
lilhtr W 3eitnng.
«nie .Fuldaer Zeitung« erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vl-rtchahrllcher Abonnementspreis ohne Bnngerlohn und Bestellgeld. 1 M. 50 Pf mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen« tn Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts I M. 75 Pf.
Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
* Eine Errungenschaft der Jnnungsbestrebungen.
Die Freunde der Handwerksreform haben in der soeben veröffentlichten dem Bundesrathe zur Be- rathung unterliegenden Jnnungsvorlage einen, wenn auch nur kleinen Erfolg zu verzeichnen. Die schon in der Thronrede angekündigte Vorlage führt sich als Novelle zur Gewerbeord- ordnung ein, schlägt zu dem jetzigen § 100 e sieben weitere Zusatzartikel (100 f—100 m) vor, und betrifft die Heranziehung von Nichtinnungsmeistern zu den Kosten der den Innungen obliegenden Aufgaben.
Im einzelnen bestimmt die Novelle: Die höheren Verwaltungsbehörden können auch Nichtin- nnngsmeister zu folgenden Jnnungslasten heran- ziehen: 1. Zu Jnnungsherbergen und Gefcllen- arbeitsnachweis; 2. zu den Fortbildungsanstalten für Meister, Gesellen und Lehrlinge; 3. zu den Schiedsgerichtskosten. Die Heranziehung darf jedoch nur erfolgen, wenn die Einrichtung sich zweckgeeignet erwiesen hat. Die Beitragspflicht gibt auch das Recht zur Benutzung der Einrichtung. Die Schiedsgerichte treten an Stelle der sonstigen Behörden. Die Beiträge sind jährlich auszuschreiben und ist über die Ausgaben für die einzelnen Institute gesondert Rechnung zu führen. Befreit von der Beitragspflicht sollen sein: 1. „Arbeitgeber, deren Betrieb nach Umfang und betriebsweife zu den fabrikmäßi- gen Anlagen zu zählen ist und 2. Gewerbetrei- bende welche regelmäßig weder Gesellen noch Lehrlinge beschäftigen."
Aus den Motiven ergibt sich ein Ueber- blick auf die Entwickelung desJnnungs- wesens. Wir erfahren dort, daß anfangs 1886 es im Reiche 9185 Innungen gab, davon 1299 neu errichtete, 2891 reorganisirte und 4995 in der Reorganisation begriffene. Des Weiteren wird in der Begründung auf die Wichtigkeit der 3 oben bezeichneten Aufgaben für das ganze Handwerk hingewiesen und ausgeführt: bisher stehe nur inbezug auf das Lehrlingswesen den Innungen ein Hinübergreifen über den Kreis ihrer Mitglieder zu. Eme Erweiterung liege aber um so näher, als die Innungen mit ihren Einrichtungen dem ganzen Handwerke dienten.
ZU Wl rn Merbirtm.
Roman aus dem Englischen von E. Blackburn«.
18. Fortsetzung.
17. Kapitel.
Was meint er?
Nuala sah am Herde einen großen Mann stehen, in einen grauen Jagdanzug mit Knickerbockers und grau wollenen Strümpfen gekleidet — einen Mann im Alter von vielleicht sünfunddreißig Jahren, mit einem langen braunen Bart und Schnurrbart, dichtem, kurz geschnittenen Haar und kastanienbraunen, gutmüthig blickenden Augen.
Und Robert Thurgood seinerseits sah die schönsten Augen, die er je geschaut, zauberisch auftauchend, indem sie ihn unruhig anblickten, das anziehendste Gesicht, umrahmt von schwarzem Haar, welches in Locken auf ihren Schultern hing. Er sah, wie wohlgeformt letztere waren, obschon sie in ihr schlecht gemachtes, abgetragenes Sammet- kleid gekleidet war; und seinem scharfblickenden, geübten Auge, welches weibliche Schönheiten in fast allen Ländern Europas geschaut hatte, entging nicht die seltene und geschmeidige Anmuth in den Bewegungen des Mädchens.
„Mr. Thurgood, vermutlich?"
Das sind wahre Worte.
Sehen wir nun uns aber die Vorlage darauf an, ob sie diesem Zwecke dient und wie weit. Was den Jnnungsfreunden besonders im Jntereffe des Handwerks am Herzen liegt, ist aus dem Anträge des Centrums und der Konservativen zu ersehen. Das, ist abgesehen von der Heranziehung der Nichtinnungsmitglieder zu den Kosten, 1. Der Befähigungsnachweis und das von jedem bureaukratischen Gutdünken unabhängige Privileg der Jnnungsmeister, allein Lehrlinge auszubilden. Diese Forderungen haben keine Berücksichtigung gesunden, zur großen Freude der Freikon- servatioen und Nationalliberalen. Die ,Post' freut sich über die Ablehnung dieser „extremen" Forderungen und die ,Nat. Ztg.' jubelt, daß ihre „Besorgnisse sich nicht bestätigt" haben.
Diese Freude des Mischmasches ist der beste Beweis, daß die Vorlage nur halbe Arbeit thut und dem Manchesterthum nicht gründlich zu Leibe geht. Was nun die einzelnen Bestimmungen dieser Jnnungsvorlage anbelangt, so ist das Bedenklichste, daß die Beitragspflicht der N.cht- mitglieder nicht gesetzlich obligatorisch gemacht ist, sondern von dem diskretionären Gutdünken der Verwaltungsbehörden abhängig bleiben soll. Es wird also alles davon abhängen, ob die Behörden mehr oder minder innungssreundlich find, ihre Anforderungen an die geschaffenen Jnnungs- anstalten mehr oder minder hoch stellen. Das ist hier, wo es sich um Geldfragen handelt, mindestens ebenso bedenklich, wie bei dem Lehrlings- privileg, obwohl wir nicht läugnen wollen, daß manche Behörden bei Ertheilung dieses Privilegs rücksichtsvoll verfahren haben.
Noch bedenklicher ist es, daß die Aufsichtsbehörden auch die Ausnahmen von der Beitrags- pflicht bestimmen soll, ohne daß das Gesetz selbst die erforderlichen Fingerzeige dafür gibt. Das betrifft namentlich die Frage, was fabrikmäßiger, was Handwerksbetrieb ist. Dis ,Kreuzztg.' freut sich, daß die Vorlage das „weder für thun- lich noch für nothwendig" erklärt und es der Prüfung von Fall zu Fall überläßt. Wir stehen nicht auf diesem Standpunkt, der keinen Schutz für Willkürlichkeiten gewährt und eine zu verschiedenartige Behandlung in den einzelnen Regierungsbezirken herbeiführen
Er verbeugte sich.
„Ich bin Nuala O'Donnel," sagte sie einfach. „Wollen Sie sich nicht setzen?"
„Es thut mir leid, zu hören, daß Mr. O'Donnel nicht zu Hause ist. Gestern Abend wurde mir zu verstehen gegeben, daß ich ihn heute Nachmittag sprechen könne, wenn ich wolle."
Nuala erröthete, was ihrem Besucher nicht entging. Ebenso bemerkte er, daß sie etwas eilig und aufgeregt erwiderte: „Mein Vater reist heute Morgen nach London und er hat mich bevollmächtigt, Sie in seiner Abwesenheit zu empfangen."
„Wußte Ihr Vater gestern schon, daß er heute nach London reisen wollte?"
Er sprach in dem ruhigen, höflichen Tone eines gebildeten Mannes und doch mit einer solchen befehlenden Miene, daß Nuala auf keinen gütigen Vergleich hoffte. Sie befand sich jetzt wieder in einer jener unangenehmen Lagen, in welche sie ihr Vater so oft versetzte und sie wußte, daß sie dann alles möglichst wieder gut machen sollte.
„Ja, der Plan zu dieser Reise war zwei Tage vorher gefaßt."
„Dann bin ich etwas überrascht, daß er mich gestern Abend nicht empfangen hat."
„Er ist verschiedener Tinge wegen sehr aufgeregt gewesen."
muß. Wir halten im Gegentheil mit dem Abg. Hitze („Schutz dem Handwerk") generelle Bestimmungen doch für besser, wobei allerdings der Verwaltung ein gewiffer Spielraum gestattet werden muß. Dieser „erhebliche von festen Normen nicht beschränkte Spielraum" ist selbst für die,Nat. Ztg.' das häuptsächlichsts Bedenken gegen die Vorlage.
Was schließlich die Aussichten der Vorlage angeht, so wird sie laut den Aeußerungen der Parteiblätter die Zustimmung des ganzen Kartell- verbände», einschließlich der Nationalliberalen finden. Das Centrum dürfte im Verein mit den Konservativen, falls diese mitthun, den Versuch machen, den bedenklichen Bestimmungen die Spitze abzubrechen.
Das Gebotene ist wenig, aber auch dieses wäre noch nicht erreicht ohne dis energische Agitation der Freunde der Handwerksreform. Daher muß die Vorlage den Muth derselben neu beleben, aber auch in den Innungen den Entschluß festi- gen, ihrerseits durch gewiffenhafte und selbstsucht- freie Erfüllung ihrer Pflichten die Durchführung weiterer Reformen zu beschleunigen.
Deutsches Reich.
Berlin, 12. April.
* Der Reichskanzler Fürst Bismarck begiebt sich für einige Tage nach Friedrichsruh.
* Die ,Nordd.' publizirt wieder eine Anzahl diplomatischer Aktenstücke, die im Sommer 1870 zwischen dem damaligen deutschen Geschäftsträger in Rom Grafen Arnim und Bismarck gewechselt sind. Es soll damit bewiesen werden, daß das „Vaticanum" und die Unfehlbarkeit nicht Anlaß des Kulturkampfes waren; trotz des Drängens Arnim's habe die Regierung strikte Zurückhaltung in dieser Dogmsnfrage beobachtet. Daß Fürst Löwenstein, wie er erkläre, einen formellen Auftrag des Csntrums nach Rom nicht gehabt habe, fei zugegeben, er habe nur als „ornamentales Aushängeschild" gedient, während andere, namentlich Lingens, die Geschäfte besorgt hätten. — Dem gegenüber bemerkt die ,Köln. Vztg.', daß damit an einer hohen Stelle Eindruck gemacht werden solle, welche zunächst in der Frage der kirchenpolitischen Novelle das entscheidende Wort
Nuala hoffte sehnlichst, dieser Mann wurde nicht mehr lange hin und her fragen, um die Urfache zu erforschen, wegen deren ihr Vater verweigert hatte, ihn zu empfangen.
„Aber sicherlich würde ich ihn dann doch wenig- stens einige Minuten haben sprechen können. Vielleicht hat mir der Diener keine korrekte Nachricht gebracht, denn er hat bestimmt gesagt, heute Nachmittag könnte ich Mr. O'Donnel sehen."
„Ah, vielleicht nicht", sprach sie, den Vorwand einer Entschuldigung eifrig ergreifend." Es thut mir wirklich sehr leid, daß Sie in der Hoffnung, meinen Vater zu sehen, getäuscht sind."
Er versuchte nicht, ihr irgend eine Höflichkeit wieder zu sagen, zum Beispiel, daß die Einführung bei ihr ihn für diese Täuschung entschädigt habe, sondern er fuhr fort: .
„Wann kommt Mr. O'Donnel nach Schivtz Garret zurück?"
„Ich weiß es nicht ganz sicher. Ec hat die Zeit nicht bestimmt angegeben."
Nuala wußte wohl, daß ihr Vater genau so lange in London oder Paris bleiben würde, als seine Gelder hinreichten.
„Ich würde ihn gern gesprochen haben", sagte er nachdenklich; „es ist eines unangenehm r. Geschäfte» wegen. Ich dachte, da wir N hbarn