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M 81.

Dienstag, den 12. April.

1887.

Iiliitr W 3(itng.

Di« .Fuldaer Beitunq' erscheint täalich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage »Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 11. April.

• Das »Berliner Tageblatt' erhält folgendes indirektes Telegramm aus Petersburg: „Gestern (Mittwoch) Nachmittag sollte ein neues Spreng­bombenattentat gegen den Czaren und die Czarewna auf der Großen Morskaja zur Aus­führung gebracht werden. Die beiden Attentäter, ein junger Mann und eine Frau, ersterer an­scheinend ein Student, wurden rechtzeitig verhaftet. Wenige Minuten nach der Verhaftung der Beiden fuhr das Kaiserpaar im offenen Wagen über die Große Morskaja."

• Der .Reichsanzeiger' publizirt die Ernennun­gen des bisherigen Bürgermeisters der Stadt Straßburg Otto Back zum Unterstaatssekretär der Abtheilung für Finanzen im Ministerium des Innern und des bisherigen Regierungspräsidenten Studt zu Königsberg i. Pr. zuck UckterstaatS- sekretär der Abtheilung des Innern in demselben Ministerium.

* Der Staatsanzeiger veröffentlich amtlich das diesjährige S ecundärbahngesetz. Nach dem­selben sollen 19 neue Bahnlinien gebaut, -.auf 6 Linien neue Geleisanlangen ausgeführt unb eine Reihe von Bahnhofserweiterungen vorgenommen werden. Außerdem nimmt die Vorlage die Er­richtung von Dienstwohngebäuden für das Bahn- bewachungspersonal in Aussicht. Der durch die Vorlage bedingte Gesammtauswar.d beziffert sich auf 71 334 000 Mk.

* Der Kaiser hat den General der Infan­terie v. Voigt-Rheetz, bisher Generalinspek- teur der Artillerie, zum Generalinspekteur der Feldartillerie, den Generallieutenant Roerdansz zum Generalinspekteur der Fußartillerie und den General-Major von Teich mann - Logischen zum Inspekteur der ersten Fuß-Artillerieinspektion ernannt. Die Genannten wurden heute von S. M. dem Kaiser empfangen.

* Kaiserslautern, 9. April. Der Prinz- Regent hat dem bekannten Führer der hiesigen Volkspartei, Bürgermeister Hohle, sein Bild mit einem schmeichelhaften Schreiben gesandt als Dank für das von Bürgermeister Hohle an dem Ge­burtstage des Prinzregenten an diesen abgesandte Glückwunschtelegramm.

Im Thal der Merbirkm.

Roman aus dem Englischen von E. Blackburne.

17. Fortsetzung.

16. Kapitel.

Nuala's Besucher.

„Endlich I" Mit diesem Ausrufe begrüßte Gar­ret O'Donnel seine Tochter, als sie sein Zimmer betrat, welches mit seinem gedämpften Lichte, sei­ner angenehmen Wärme und Einrichtung einen seltsamen Gegensatz zu den anderen Räumen der Hauser bildete. Um den Kamin herum lagen mehrere Reisesäcke, ein geräumiger Mantelsack, Riemen und andere Gegenstände für die Reise.

„Bedurftest Du meiner, Papa?" Nuala blickte erschreckt auf die vielen Reiseartikel um den Ka­min herum.

„Bedurfte ich deiner?" widerholte er sarkastisch. „Du wußtest sehr wohl, daß ich Dich nöthig hatte, und dennoch gingest Du zu dem unsinnigen Weibe Anna O'Neil — Garret O'Donnel würde die alte Dame einmal» Nanny genannt haben — und ließest mich auch hier, da Du mir die für die Reise nohwendigen Sachen noch nicht halb zurecht gelegt hattest. Ich war also gezwungen, eine Liste aufzustellen — ja, selbst eine Liste zu schrei-

Arrsland.

• Der ,N. Fr. Pr.' zufolge hat der Prozeß gegen die Theilnehmer an dem Attentate vom 13. März gegen den Czar am 8. d. M. begon­nen. Den gerichtlichen Verhandlungen wohnen Vertrauensmänner des Adels und der Bürger­schaft bei. — Wie ein Russe in dem ,Berl. T.' mittheilt, sind auf Alexander III. seit seiner Thronbesteigung schon vier Mordanschläge geplant und kurz vor der Ausführung entdeckt worden, Europa aber wiffe nur von dreien. Das erste, mehr als zwei Jahre zurückdatirende, sollte in der Kaserne eines in Petersburg garni- sonirenden Regiments, beim Besuch des Kaisers, zur Ausführung kommen. Wie es den Nihilisten möglich geworden, sich speziell in den Küchenräu­men festzusetzen, blieb vielen ein Räthsel. Sie hatten es aber fertig gebracht. Die dort geplante Explosion würde die Räume, welche der Kaiser betrat, unzweifelhaft demolirt haben. Von diesem Mordanschlag drang bisher nichts in die Oeffent- lichkeit; die Vertuschung deffelben glückte. Das zweite Mal wollte man den Kaiserzug durch eine Mine bei Luga in die Luft sprengen, doch wurde dasselbe rechtzeitig entdeckt; dann stand das Leben des Czaren bei dem Besuch in einer der Petersburger Militärschulen in C /ihr und das viei'te Mal am T/13. März d."y. Seitdem solle,? aber noch zwei Mordversuche gemacht wor- om

* Die internationale Telephonie

ist kein leerer Wahn mehr. Nicht ganz 8 Wochen sind1 seit der Betriebseröffnung der ersten inter­nationalen Telephonlinie Brüssel-Paris ver­flossen und schon lehrt der erste von der belgischen Regierung veröffentlichte Ausweis, daß die tele­phonische Verbindung zwischen den Hauptstädten Belgiens und Frankreichs nicht bloß einem vor­handenen Bedürfniß enlspricht, sondern für den Staat die Quelle eines erheblichen Einkommens ist. Obwohl der telephonische Bronzedraht bisher nur die beiden Börsen von Brüssel und Paris in Verbindung setzt, vom großen Publikum also noch nicht benutzt wird, so werden gegenwär­tig doch zwischen Paris und Brüssel stündlich min- ben — und ich bin davon sehr ermüdet. Ich bin ganz abgemattet von allem Verdruß, den ich heute Nachmittag gehabt habe." Und Garret O'Donnel sank zurück, als ob er ganz erschöpft sei.

„Es thut mir leid, Papa, daß Du Dich so gequält hast; aber ich dachte wirklich, es sei alles in Ordnung."

„Aha!" Er stieß einen langen Seufzer aus. Du hast kein Gefühl, keinen Vorbedacht — selbst­süchtig! selbstsüchtig immer! Bin ich ein so schlech­ter Vater gewesen, daß Du systematisch jeder meiner Wünsche und meiner gewöhnlichsten Be­quemlichkeiten vernachlässigst?"

„Aber, Papa, was habe ich denn gethan? Habe ich Deine Aufträge nicht immer ausgeführt?"

„Bei diesen Worten kam sie näher zu dem Lichte. In ihren Augen waren Thränen und ihr Mund bebte bei dem Bestreben, ihre Erregung niederzukämpfen. Sie war gewohnt, diese unge­rechten Vorwürfe täglich zu hören, aber dessen­ungeachtet schnitten sie ihr stet» von Neuem durch das Herz. Ihre gefühlvolle, liebreiche Natur em­pfand Alle«, Freude und auch Schmerz.

Nuala, ich wünsche, daß Du mir nicht mehr in einer solchen schwatzhaften Weise antwortest."

„Ich beabsichtigte nicht, hart zu sein, Papa, aber sage mir, was Du noch nöthig hast."

| bestens 18 telephonische Mittheilungen ausgetauscht. Während der Tageszeit erreicht also die Zahl der Depeschen 216, was eine Tageseinnahme von mindestens 648 Frcs. und eine Jahreseinnahme von mindestens 236,000 Frcs. darstellt. Die ganze Anlage des Bronzedrahtes hat dem belgischen Staate die Summe von 105,000 Frcs. gekostet, so daß also die Rentabilität der neuen Telephon­linie gar keinem Zweifel unterliegt. Um allen An­forderungen gerecht werden zu können, wurde die Errichtung einer zweiten Leitung zwischen Pari» und Brüssel in Aussicht genommen. Dies wird um so nothwendiger, wenn sämmtlichen Abonnen­ten der Telephonnetze von Paris resp. Brüssel der Anschluß an die Verbindungslinie gestattet ist. Bis jetzt sind nur die beiden Böcsensäle von Pari» und Brüssel mit einander verbunden, und alle diejenigen, welche Verbindung wünschen, sind ge­nötigt, solche in den betreffenden Börsenlokalen (eine Unterredung von 3 Minuten kostet jetzt 5 Frcs.) nachzusuchen. Praktische Versuche haben die Möglichkeit eines solchen Anschlusses ergeben, ob­schon der durch die jede» Mal erforderliche Ver­bindung der Privat- mit der Gesammt-Leitung be« nöthigte Zeitverlust fast 50 pCt. beträgt. Die Bronzedrähte dürften wohl endgültig den Sieg über die jedem Einfluß der Atmosphäre unterwor­fenen Eifendrähte davongetragen haben. .>

Verhandlungen schweben ferner über die Eröff­nung der zweiten internationalen Telephonlinie

! 2x»• 9l,ießen. Die Sip.w Verviers-Aechen wird den Grundstock zur großen Lmte Brussel- Köln-Berlin abgeben, deren Herstellung nach dem finanziellen Erfolge der Linie Paris-Brüssel keinem Zweifel mehr unterliegen kann. Gleichzei­tig sind die Verhandlungen zwischen Belgien und Holland wegen Anlage einer Telophonlinie Brüs­sel-Antwerpen-Rotterdam-Haag-Am­sterdam eröffnet worden, und die niederländische Regierung hat sofort ihre Geneigtheit kundgegeben, die Linie zu errichten. Schließlich hat die fran­zösische Regierung die Verpflichtung übernommen, bis 1. August 1887 die Telephonlinie Paris- Marseille als Anschluß an die neue Linie Am- sterdam-Brüffel-Paris herzustellen, so daß der Fern­sprechdraht in wenigen Monaten einen der größten Mittelmeerhäfen mit einem der größten Nordsee­häfen verbinden wird. __________

„Ich habAine vollständige Liste über das aufgc- stellt, was ich noch nöthig habe. Sieh dieses nach, was ich mit vieler Geduld geschrieben habe."

Nuala nahm die Liste und las sie sorgfältig durch. Es standen darauf so viele Cosmetiö», Parfümerien und Pomaden, wie nur in dem Putz- kästen einer verwelkten Schönheit von fünzig Jah­ren Platz haben mochten.

„Ich verstehe alles, zwei Haarbürsten, tute Flasche Brillantine, aber was in aller Welt ist dieses?"

„Du magst wohl fragen. Frage Dein Genüssen."

„Ich erkläre Dir, Papa, daß ich nicht die ge- ringste Idee davon habe. Was könnte es fein?"

„Du wirst mich doch nicht ohne eine Flasche Eau de Cologne abreifen lassen?" sprach er in einem so feierlichen Tone, als ob er auf seinem Sterbebette einen Segenswunsch aussprechen wollte.

Das Mädchen konnte kaum ein Lächeln unter­drücken. .

„Ist das Alle»? Was ist das andere Dmg?" ',',Das andere Ding, wie Du cS in Deiner ge­wöhnlichen Schwatzhaftigkeit nennst, ist Chloral, das einzige Mittel, welch:« mich vor der Seekrank- heit schützen kann."

„Wer, Papa, beide« kannst Du ja am besten in Belfast kaufen, bevor Du absegelst."