Einzelbild herunterladen
 

Sonnabend, den 9. April.

M 80.

1887.

•nie .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Erstes Blatt.

Wegen des hl. Osterfestes wird die nächste Nummer ds. Bl. erst am Dienstag erscheine«.

ö Das Fest der Auferstehung.

Sonnenschein auf grünen Fluren, In dem Herzen Sonnenschein, Ostermorgen, Ostermorgen!

Welches Glück, ein Christ zu sein!

Wie nach dem frostigen, rauhen Winter der freundliche Lenz, so stellt sich nach der ernsten Fastenzeit und nach der traurigen Leidens- und Charwoche das freudenvolle Fest der Auferstehung des Herrn, das hl. Osterfest ein. Die Auferstehung der Natur fällt, wie alljährlich, mit der christlichen Auferstehungsfeier zusammen, und in dem geheim- nißvollen Weben und Leben der wiederaufwachen­den Säfte in Pflanzen und Blumen, in Baum und Strauch, in dem neubelebten Walten und Schaffen der Vogel- und Jnsektenwelt, überhaupt in dem ganzen natürlichen Auferstehungsprozeß der Schöpfung entdeckt der denkende Geist tausenderlei symbolische Gleichnisse und Analogien mit dem übernatürlichen Auferstehungswerke des Erlösers und seiner Kirche.

Ja, der Mensch selbst fühlt im Angesichte des Frühlings sein Inneres sich neu beleben, das Blut ftheint schneller durch die Adern zu rollen, der Körper ist wie erfrischt und verjüngt, und mit fröhlicheren Sinnen, in heiterer Stimmung labt sich Auge und Sinn an dem sprießenden Grün, an den schüchtern sich hervorwagenden Blumen, an dem lachenden Sonnenschein; der erquickende Frühlingshauch und die Hellen Weisen der Vöglein erfüllen die Seele mit Lust und Behagen, und aus fiommem Herzen steigt ein inniges Gebet empor zu dem Schöpfer, dessen Weisheit und All­macht sich selbst im Kleinsten und Unscheinbarsten wunderbar offenbart.

In dieser schönen Jahreszeit des Wechsels und der Erneuerung fühlt der menschliche Geist sozu­sagen instinktiv das Bedürfniß, auch sein geistiges, sein übernatürliches Ich zu erneuern, seine Seele von allen Flecken und Schäden de» geistigen Win-

Im ihil in Aldnbirkkn.

Roman aus dem Englischen von E. Blackburne.

16. Fortsetzung.

15. Kapitel.

Wird sie ihn heirathen?

Selbst ein so hübsches Mädchen wie Nuala O Donnel erhält nicht jeden Tag einen so edel« müthrgen und uneigennützigen Heirathsanlrag. In Folge dessen fühlte sie sich, obgleich ihr an dem Manne nicht» lag, stolz und erregt, da sie in die fast dunkle Halle eintrat. Sie Mte kein sterbliche» Weib sein müssen, wenn sie anders ge- fühlt hätte. Sie hörte ihren Vater im Speise­zimmer mit Konrad zanken; und schlich leise durch die Thür in ihr eigene» Zimmer, ohne von ihm gehört zu werden.

Nachdem sie ihren Hut und Shaw! abgelegt hatte, setzte sie sich in der Nähe de» Fenster» nieder und versuchte, über die Ereignisse des Nachmittags nachzudenken. Wohlstand, Bequemlichkeit, Gemüths- ruhe in Bezug auf pekuniäre Angelegenheiten wa ren ihr geboten, aber um welchen Preis? Für da« Opfer ihre» jungen Lebens. Sie sollte da» Weib eine» Mannes werden, der ihr Vater hätte sein können, eine» Mannes, den sie nicht liebte

| ters zu reinigen. Gerade zur rechten Zeit wendet sich deshalb die Kirche an uns mit der Mahnung und Bitte, durch den andächtigen Empfang der heil. Sakramente unser Inneres zu erneuern und zu heiligen und so in würdiger Verfassung, im echt christlichen Geiste das Gedächtniß der Aufer­stehung de» Herrn, das hl. Osterfest, zu feiern.

Kein Fest des christlichen Kirchenjahres bietet mehr Trost, Stärkung, Beruhigung und Aufmun­terung für unser irdisches Dasein, als gerade das hl. Osterfest. Denn e» lehrt uns, daß alle Leiden und Widerwärtigkeiten, alle Kämpfe und Stürme des Lebens, wenn wir sie im richtigen Geiste durchringen und ertragen, nur die Vorbereitung find für die dereinstige Auferstehung. Aber auch schon htenieden auf der Welt sehen wir in der Geschichte der Völker und namentlich der Kirche die Leidenszeit und den darauf folgenden Aufer­stehungstriumph sich immer wieder symbolisch er­neuern. Eben scheint wieder der Augenblick ge­kommen zu sein, da die Kirche nach langen Kämpfen und Leiden zu ungeahntem Triumph über die bis­herigen Widersacher sich erhebt, und das schon todtgesagte Papstthum, wie ein Phönix aus der Asche zu neuem Leben und Triumph erstanden, sich anschickt, den weltlichen Gewalten, die es bis­her befehdeten, zur Bekämpfung der Umsturzbestre­bungen und der wachsenden Zügellosigkeit und Glaubenslosigkeit hilfreiche Hand zu leisten. Möch­ten die Zeichen dieser beginnenden Bewegung nicht täuschen, möchte bald der Tag erscheinen, an dem die Kirche mit ganz besonderer Freude und Befrie­digung singen kann: Alleluja, da» ist der Tag, den der Herr gemacht hat. Beten wir am heil. Osterfeste recht innig um die Erhöhung der Kirche, um bie Wiederherstellung ihrer vollen Bewegungs­freiheit zum Heil und Segen der kranken mensch­lichen Gesellschaft.

Für die katholische Kirche in Preußen ist das diesjährige Osterfest von ganz besonderer Bedeu­tung, es verheißt den Katholiken endlich den kirch­lichen Frieden oder wenigstens eine bedeutende Förderung desselben, es gibt ihnen die frohe Hoff­nung, daß vor Allem das so lange entbehrte segensvolle Wirken der religiösen Orden, wenn auch in beschränktem Umfange, sich wieder entfal­ten und dem kirchlichen Leben einen neuen kirch­lichen Impuls geben wird.

und den sie bi» jetzt als ihr in fozialer Stellung bedeutend untergeordnet angesehen hatte. Ihr Herz war bei der Sache nicht betheiligt, wohl aber ihr Kopf.

Nuala ging in Gedanken über ihr Alter und über ihre gesellschaftliche Stellung hinaus; und sie hatte eine halbentwickelte Idee, daß Irland bald für eine große soziale Revolution reif sei. Zwar hatte sie keine großen politischen Ansichten, wohl aber zuweile« seltsame ehrgeizige Gedanken, und sie wünschte oft die Möglichkeit herbei, in der Zukunft etwa« für die Wohlfahrt ihre« Vaterlandes thun zu können.

Und sie wünschte keine Verbesserungen nach dem Lieblingsplane der sogenannten Patrioten. Sie wollte keine heftigen Maßregeln, keine Revolution, ausgefochten auf der Spitze de» Schwertes; keine Vergötterung der Demokraten. Sie hatte nur den Wunsch, Irland al» einen ehrenwerlhen und geehrten Theil de« britischen Reiche» zu sehen. Solche Gedanken hatten bei ihr feste Gestalt ange­nommen, und sie hielt e» für ihre Pflicht, etwas zu ihrer Verwirklichung beizutragen. Sie hatte eine wunderbar exaltirte Meinung, nicht von ihrer Persönlichkeit — sie war ja nur ein Wib — aber von ihrer sozialen Stellung al» einer O'Don- nel auf Schloß Garret. Und nun sollte Schloß

Zwar entbehrt dieses hoffnungsfreudige Bild de» diesjährigen Osterfestes auch nicht der trüben Schat­ten, wie im Leitartikel unserer letzten Nummer näher ausgeführt war; indessen beten wir zu Gott, daß er die Seinen erleuchte und sie auch in den Jrrgängen menschlicher Klugheit und Berechnung das wahre Wohl der Kirche und ihrer treuen An­hänger erkennen lasse. Endlich wird doch der Tag erscheinen, an dem in ganz Deutschland die katho- liscke Kirche ihre Auferstehung feiert — möchte die Prüsungszeit bald vorüber sein!

Dem Einzelnen aber ist e» auch mitten in den ärgsten äußeren Stürmen und Wirren jederzeit vergönnt, mit dem Erlöser ein freudige» „Alleluja" zu feiern. Da» Osterfest des Christen besteht in der geistigen Wiedergeburt und in der Vereinigung mit Gott, und diese Auferstehungsfeier winkt Allen, welche ihrer würdig sind. Da gilt kein Stand, kein Wessen und kein Können; Hoch und Niedrig, Arm und Reich, Fürst und Bettler, am Tische des Herrn sind sie Alle gleich, hier gilt nicht da» Ansehen der Person, sondern nur der innere Werth und da« Gewicht des Glaubens und christlichen Wandels. Wie das neugeborene Christkindlein im armseligen Stalle zu Bethlehem, wie der G.kreu« zigte auf Golgatha, so predigt auch der glorreich auferstandene Heiland laut und eindringend das große Evangelinm von der allgemeinen Nächsten« und Bruderliebe und von der Gleichberechtigung aller Menschen vor dem Throne Gottes.

Deutsches Reich,

. Berlin, 8. April.

* Ueber die Haltung des Fürsten Bismarck zum kirchenpolitischen Gesetz erfährt die .Konserv. Korresp.', daß der Fürst, falls die Kopp'- schen Anträge, auch die vom Herrenhause abge­lehnten, im Abgeordnetenhause wieder eingebracht werden sollten, sich demselben nicht widersetzen, vielmehr eine wohlwollend neutrale Stellung zu ihnen einnehmen würde; jedenfalls sei aber zu erwarten, daß er für die Annahme der Herren- hausbeschlüffe im vollen Umfang eintrete. Diese Mittheilung des konservativen Organ» ist glaub­haft, denn da» darin angedeutete Verhalten de« Reichskanzler» ist die nothwendige Konsequenz seiner bekannten Herrenhausrede. Man kann Io« Garret vielleicht für immer van den O'Dannel» weggenommen werden, ohne daß entscheidende Schritte in der Sache geschehen waren.

Frauen lieben die Idee, sich selbst zur Märty­rin zu machen. Da» ist ein erbliches Gefühl des Geschlechts». Wenn dasselbe in Schranken gehalten wird, ist es eine Quelle der Zärtlichkeit, Sanftmuth und Selbstverleugnung, welches den Reiz btr Weiblichkeit bildet ; andererseits ist e» eine fruchtbare Quelle der Eitelkeit, wenn Frauen mit ihrem sogenannten Opfer in den' Augen der Welt glänzen wollen und dafür tausendfach Be­wunderung und Mitleid verlangen.

Nun, Nuala O'Donnel würde vielleicht auch Bewunderung geliebt haben; aber ihre stolze Seele würde sich empört haben b<t dem leisesten Gedan­ken an Mitleid, gleichviel auf welche Veranlassung hin es ihr angeboten worden wäre. Sympathie — ja; das warmherzige Mädchen würde da» willig angenommen haben; aber M'tlcid — o nein!

Nuata dachte, wenn sie die wirkliche Herrin von Schloß Garret sei, könne sie viel zur V.r« wirklichung ihrer Ideen beitragen. Wie die Sache sitzt lag, war sie einfach unnütz. Sie konnte jetzt nicht einmal einen Einfluß zum Guten auf Ran­dal Macsorley ausüben. Er war geschickt, heiß.