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M 78.

Mittwoch, den 6. April.

1887.

Jilher W

Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenkeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

❖ Der zu gründende St. Josephs- Verein.

Zu den Männern, welche in der letzten Zeit für das Wohl der arbeitenden Klaffe besonders thätig gewesen find, gehören in erster Reihe der Land- und Reichstags-Abgeordnete Herr Dr. Hitze aus München-Gladbach und Herr Domkapitular Dr. Franz in Breslau, früher Redakteur der Germania. Die allerneueste That dieser beiden Herrn in der angegebenen Richtung verdient die sorgfältigste Beachtung der kath. Arbeiter und aller jener, welche mithelfen können und wollen, die schwere Last zu erleichtern, welche nach allge­meiner Uebereinstimmung gegenwärtig auf dem arbeitenden Volke ruht. Die beiden Herrn find bemüht gewesen die kath. Arbeiter überall in Ver­einen zu sammeln und diese Vereine mit einander zu verbinden, um so mit gemeinsamen Kräften an der glücklichen Lösung der weltbewegenden socialen Frage zu arbeiten. Sie haben stchauch an die bischöfl. Ordinate gewandt und um Unterstützung in ihren Bemühungen gebeten. Diese ist ihnen überall be­reitwillig zu Theil geworden. Die hohe Bedeu­tung der Thätigkeit dieser beiden Herren ist von den bischöflichen Ordinariaten anerkannt und die Gründung von kath. Arbeiter - Vereinen nach der je­weiligen Sachlage entsprechend aufs Wärmste empfoh­len worden. In Rheinland und Westphalen ist darauf­hin bereits eine Anzahl solcher Vereine ins Leben getreten. Auch die hiesige bischöfliche Behörde hat für Fulda die Gründung eine« kath. Arbeiter- Vereins in Anregung gebracht. Was zur Reali- sirung dieses Wunsches bereits dahier geschehen ist, hat die ,Fuld. Ztg.' seiner Zeit berichtet. Wir haben heute einen neuen Schritt in dieser Richtung zu verzeichnen. Au» den Arbeitern, welche über die Angelegenheit bereits drei Bespechungen abge­halten haben, hat der unterzeichnete Stadtkaplan einen provisorischen Vorstand gewählt und mit diesem die Statuten für den zu gründenden Verein entworfen und berathen. Er erläßt nunmehr (stehe Jnseratenthei!) eine Einladung an alle hie­sigen katholischen Arbeiter zu einer allgemeinen Versammlung, welche am Ostermontage Nachmit­tag» 4 Uhr in der Harmonie abgehalten werden soll. Er wird daselbst Zweck, Mittel und Ein­richtung des Verein» näher auseinander setzen,

I« 8|el itt Aldttbirkm.

Roman aus dem Englischen »on E. Blackburne.

14. Fortsetzung.

13. Kapitel.

Herzen in Gefahr.

„Gott helfe dem armen Kinde! Sie hat Nie­manden in der Welt, der sich um sie kümmern wirb,* sagte Miß Nanny mit Thränen in den Augen, al« Nuala da» Zimmer verlaffen hatte. Dann zog sie eiue große goldene Taschenuhr un­ter ihrem Kleide hervor und fuhr fort: „Es ist schon vier Uhr und ich habe nicht gern, daß sie den langen Weg nach Hause allein geht. Mr. Lynch, wollen Sie ihr nicht nachgehen und sie zurückbegleiten. Sie können mich dafür mit sechs Schillingen belasten.*

Für den Advokaten bedurfte es keiner zweiten Aufforderung. Der -hauptsächlichste Zweck seine- heutigen Besuche« bei Miß Nanny war ja nur gewesen, Ruala zu sehen und sich mit ihr zu un­terhalten; da« Geschäft hätte auch Jakob Drake abmacheu können.

Begleitet von Spot, verfolgte Nuala den schlüpfrigen Feldweg, ihr Herz erfüllt mit einem namenlosen, undefinirbaren Gefühle von Scham

worauf die definitive Konstituirung des Vereins erfolgen wird. Um allen Freunden des Vereins sowie jenen, welche geneigt sind, sich demselben anzuschließen schon jetzt einen Einblick in Wesen und Einrichtung des Vereins zu gestatten, sieht sich der Unterzeichnete veranlaßt, im Folgenden die Statuten des Vereins zu veröffentlichen:

s tatutkll

des St. Josephs Vereins zu Fulda.

I. Zweck.

§ 1. Der Verein bezweckt:

1) Förderung der Religiösität und Sittlichkeitder Mitglieder, 2) Soziale Hebung des Arbeiterstandes,

3) Pfleg« der Freundschaft und des geselligen Lebens unter seinen Mitgliedern.

II. Mittel.

S 2. Zur Erreichung dieses Zweckes verpflichten sich die Mitglieder, vier Mal jährlich gemeinschaftlich zu den heiligen Sakramenten zu gehen (diese Kommunionen wer­den mit denen der Marianischen Sodalität dahier abge­halten), die Sonntage und die kirchlichen Feste nach Kräf­ten zu heiligen und die Standestugenden, besonders Fleiß, Treue, Mäßigkeit und Sparsamkeit zu üben.

§ 3. Ferner verpflichten sie sich, den Versammlungen regelmäßig beizuwohnen, in welchen belehrende Vorträge gehalten und Fragen erörtert werden, welche die Inter­essen des Arbeiterstandes berühren. Politik ist ausgeschlossen.

§ 4. Um zur Sparsamkeit anzuregen und die mate­riellen Interessen des Arbeiterstandes zu heben, werden geeignete Einrichtungen getroffen.

§ 5. Der Verein feiert alljährlich am 1. Sonntage nach Schluß der Bonifatius-Oktav sein Vereinsfest.

S 6. Stirbt ein Mitglied, so geben, wenn der Tod zeitig dem Präses angemeldet wird, drei dazu bestellte Mitglieder mit der Fahne dem Verstorbenen das Geleite bis zum Grabe. ———— , jWk.

§ 7. Der Verein läßt alljährlich im Allerseelenmonate für die verstorbenen Mitglieder eine hl. Messe lesen.

HL Organisation des Vereins.

a) Mitglieder.

§ 8. Mitglied kann jeder unbescholtene katholische Arbeiter vom 25. Lebensjahre (in besonderen Fällen vom 18. Lebensjahre) an werden. Die Anmeldung erfolgt bei einem Mitgltede des Vorstandes. Der Gesammtvorstand entscheidet über die Aufnahme.

§ 9. Die Mitglieder zahlen einen monatlichen Beitrag von 20 Pfg.; wer länger als sechs Monate mit diesem Zahlen im Rückstände bleibt oder durch sein sonstiges Be­tragen sich der Mitgliedschaft unwürdig macht, kann durch den Vorstand ausgeschlossen werden.

S 10. An ausscheidende oder ausgeschlossene Mitglie­der finden keine Rückzahlungen statt.

b) Vorstand:

§11 . Den Verein leitet ein von der vorgesetzten geistlichen Behörde ernannter katholischer Geistliche. Dem

über ihre» Vater» Betragen. Ihr Leben war fast so trübe und freudenlos wie die Landschaft, welche vor ihr ausgebreitet dalag. Fast nackte, und nicht gerade hübsch geformte Berge, deren Spitzen sich in dem Nebel verloren, umgaben sie von allen Seiten. Der Novemberwind pfiff durch die blätterlosen Zweige der Bäume, und nichts als Trauriges und Unliebenswürdiges begegnete ihrem Auge.

Da» schien ihr ein paffende» Sinnbild ihres trostlosen Lebens. Wie oft hatte sie sich nach einem thätigeren und freudevolleren Leben gesehnt, jen­seits der Hügel, welche sie von allen Seiten ein­schloffen. Gleich vielen andern Menschen wurde sie der ewigen Eintönigkeit ihrer Existenz, der selbst­süchtigen Klagen des Vaters, des unaufhörlichen Krieges mit Armuth müde. Sie schaute im Geiste auf zu den sonnigen Höhen de« Glückes und ver­langte leidenschaftlich und ungestüm, diese zu ge­winnen und eine höhere Stellung in der Welt einzunehmen, al« ihr da» Schicksal bb jetzt be­willigt hatte. E» ist nur die Geschichte vieler ruhe- losen Herzen, welche verlangen, die Höhen zu ge­winnen, die von den Thälern de« Leben« ausgesehen so groß, erhaben und wünfchenswerth erschei­nen. Sie vergeffen, daß, wenn die ersten Strahlen der Sommersonne des Glücke« vorüber find, Höher-

Präses steht zur Seite «in Vicepräses, ein Schriftführer und ein Kassirer (engerer Vorstand). Zum Gesammtvor­stand« gehören außerdem noch 6 andere Mitglieder.

S 12. Der Präses ernennt die übrigen Mitglieder des engeren Vorstandes, alljährlich findet Neuernennung statt. Die übrigen Vorstandsmitglieder wählt der Verein mit einfacher Stimmenmehrheit. Alljährlich scheidet ein Drittel derselben aus. Die Ausscheidenden können von Neuem als Kandidaten aufgestellt werden.

S 13. Die regelmäßigen Versammlungen finden alle 8 Tage statt, und zwar Sonntags von 8—10 Uhr Abends. Nichtmitglieder können zweimal eingeführt werden. Vor­träge sind dem Präses vorher spätestens am Morgen des­jenigen Tages, an welchem die Versammlung stattfindet, zur Genehmigung vorzulegen. Die Diskussion liegt im Ermessen des Präses. Anträge werden dem engeren Vor­stande unterbreitet, welcher über die Zulässigkeit derselben entscheidet. Bei allen Abstimmungen gibt die Stimmen­gleichheit des Präses bett Ausschlag.

§ 14. Der Vorstand wird nach Bedürfniß versammelt. Er ist beschlußfähig, wenn außer dem Präses oder dessen Stellvertreter die Hälfte der Vorstandsmitglieder zugegen ist. Dem Vorstande hat der Kassirer in der ersten Sitzung nach Neujahr Rechnung abzulegen. Dem engeren Vorstand steht jederzeit die Revision der Kassenbücher zu.

c) Ehrenmitglieder.

§ 15. Zu Ehrenmitgliedern werden Freunde und Gön­ner des Vereins ernannt, welche einen Jahresbeitrag von 5 Mark zahlen. Die Ehrenmitglieder haben Zutritt zu allen Vereins-Versammlungen und auch denselben berathende Stimme.

IV. Schlußbestimmungen.

S 16. ließet Aenderung der Statuten beschließt der Gesammtvorstand. Zwei wenigstens 14 Tage auseinander liegende Sitzungen müssen behufs Statutenänderung durch den Präses anberaumt werden. Zur Giltigkeit eines auf Statutenänderung abzielendes Beschlusses ist erforderlich, daß s/« der Stimmberechtigten anwesend sind. Einfache Stimmenmehrheit entscheidet. Erst in der zweiten Sitzung wird endgiltig Beschluß gefaßt.

S 17. Der Verein ist aufgelöst, wenn der Präses, die Hälfte der Mitglieder des Vorstandes und % her anwe­senden Vereinsmitglieder sich für die Auflösung er­klären.

S 18. Nach Auflösung des Vereins fällt sein Vermö­gen der kathol. Stadtpfatrkirche dahier anheim, welche es durch den zeitigen Pfarrer zu Gunsten dürftiger, beson­ders kranker Arbeiter zu verwenden hat.

S 19. Nach Ablauf eines Jahres sollen die vorstehen­den Statuten von den Mitgliedern des Vorstandes einer Revision unterzogen werden. Hierbei entscheidet einfache Stimmenmehrheit. Nachdem dieselben alsdann geändert resp. zu Definetiven erklärt worden sind, gelten für spä­tere Aenderungen die Vorschriften des § 16.

Fulda, 5. April 1887.

Der Vorsitzende des prov. Vorstandes Joseph Müller, Kaplan.

gestellte viel mehr den erbarmungslosen Winter­stürmen de» öffentlichen Tadel« und beißenden Spottreden ausgesetzt sind.

Der Wind blies ihre schweren Locken weg und gab ihren Waugen, auf denen noch die Spuren der Thränen standen, eine frischere Farbe, als Gustav Lynch sie einholte. Sie erhob ihr Auge zu dem Advokaten, ihre Lippen zitterten und sie konnte ihre Seufzer nicht länger mehr zurückhalten.

„Miß O'Donnel," sagte er sanft — der Advo­kat hatte seit einiger Zeit eine zärtliche Stimme, wenn er mit Frauen sprach, und al» er Nuala anredete, sprach er fast unbewußt noch sanfter wie gewöhnlich — „es betrübt mich, Sie in solcher Unruhe zu finden. Warum entfernten Sie sich so schnell. Miß O'Neil hat mich Ihnen nachgeschickt.*

„Ich entfernte mich, weil ich es hasse, über das Betragen meines Vater» ;u sprechen," rief sie heflig aus. „Ich bin beschämt und gedemüthizt, wenn ich darüber nachdenke. Auch mit mit Ihnen, Mr. Lynch, würde ich nicht darüber sprechen, wenn e« das Geschäft nicht erforderte, daß Sie alles wiffen miss n."

„Sehen Sie mich weniger an a'» einen Advo- ten und Geschäftsmann, sondern oielm hr al­len theilnehmenden Freund," entgegnete er. Di,ft Worte waren unglücklich gewählt. Nuala,