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JH, 77. Dienstag, den 5. April. 1887.

Man W Leitung.

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* Arb eiter-Kolonien

gibt es gegenwärtig im Deutschen Reiche 15, die im Verein mit den katholischen Gesellen­häusern, tun „Herbergen zur Heimath", Natu­ral »Verpflegungsstationen, Volksküchen, Knaben­horten u. s. w. eine starke Kette bilden, welche dazu dienen soll, der sozialen Noch entgegenzuwir­ken. Von vielen unverdientermaßen übersehen oder verachtet oder gar bekämpft (vielleicht deswegen, weil sie hauptsächlich von kirchlicher Seite in's Leben gerufen worden sind) nahmen die Kolonien ihren Anfang im Jahre 1882, als Pastor v. Bodelschwingh in der Nähe von Bielefeld eine solche gründete. Jndesien haben sie von Seiten der Regierungen, Bezirke und Kreise, sowie von opferwilligen Privatpersonen bei ihrer Gründung sowohl wie Erhaltung reichliche Unterstützung ge­funden. Vor Allem ist nicht zu vergessen, daß jedem Gebiete des deutschen Reiches, das eine Kolonie gründet, aus der Friedrich-Wilhelmstif- tung ein Kapital von etwa 10,000 Mk. zugewie­sen wirbl Die innere Einrichtung der Kolonien zu beschreiben ist nicht Zweck dieser Zeilen. Doch sei auf zwei Seiten derselben vorübergehend hin­gewiesen, auf die Disziplin und Beschäftigung der Anstalten. Die Disziplin beruht außer der Unter­ordnung unter religiöse Gesichtspunkte, dem Aus­schluß alkoholischer Getränke, sowie der Beschrän­kung des Genusses von Tabak, hauptsächlich auf der freiwilligen Ueberahme aller Anstaltsverpflich- tungen beim Eintritt. Und ist der Schutz und Arbeit suchende Gast eingetreten, so ist für Arbeit in ausgiebigster Weise gesorgt. Die Beschäftigung ist weder einseitig noch in allen Kolonien die gleiche. Während hier Wald ausgerodet wird, muß an­derswo sumpfiges Terrain drainirt werden. Wo es nöthig ist, wird Haideland urbar gemacht, und

Im Thal der Alberbirken.

Roman aus dem Englischen von E. Blackburne.

13. Fortsetzung.

12. Kapitel.

Nuala's Erbtheil.

Als der Unter-Inspektor das Zimmer verlassen hatte, rief Randal Macsorley aus: „Nun, ein so frecher Bursche ist mir doch noch nie begegnet. Er weiß nicht einmal mit Damen umzugehen. Ich hätte ihn nicht länger mehr hier dulden können."

„Ich auch nicht, fügte Miß Nanny hinzu. „Und nun, ihr beiden jungen Leute, geht in die Küche und sagt Betty Clancy, daß wir uns be­müht hätten, Bernhard frei zu bekommen — nicht daß er es verdient, versteht Ihr, die Begebenheit muß auf fein Gemüth einwirken. Gebet also, denn ich habe mit Mr. Lynch in Geschäftsangr- legenheiten zu sprechen."

Sie verließen das Zimmer, begleitet von dem nun berühmten oder berüchtigten Spot, welch-r mit dem Schwänze wedelte, und immer von neuem wieder in weiten Bogen um seine junge Gebiete­rin herumsprang. Ein großes Holzfeuer brannte auf dem Herde, und über demselben hing an

wer nichts vom Ackerbau versteht oder zu schwach ist, findet in Handarbeiten verschiedene Art Be­schäftigung. Auch die Viehzucht wird nicht ver­nachlässigt. Ist auch die Arbeit streng, die Hand­habung der Hausordnung stramm, der religiöse Hauch vielen unangenehm: Gäste kommen und gehen zahlreich und aus den verschiedensten Be­rufs- und Altersklassen. Die Altersklasse von 30 auf 40 Jahre ist am stärksten vertreten. In sämmtlichen 15 Anstalten wurden während des Monats November 1886 1929 ^Kolonisten be­schäftigt und seit Eröffnung derselben, also seit dem Jahre 1882, 17,370 Arbeitslose ausgenom­men. Nehmen wir an, daß von diesen nur etwa die Hälfte eine dauernde Einwirkung von Seiten der Anstalten erfahren hat: ist es nicht ein un­schätzbarer Gewinn, so viele heimath- und verdienst­lose Wanderer der Ordnung, dem Fleiße, der bürgerlichen Achtung wieder zugeführt zu haben? Schließlich sei erwähnt, daß zu den älteren An­stalten , nämlich Wilhelmsdorf für Westfalen, Kastorf für Hannover, R ckling für Schleswig- Holstein, Friedrichswille für Brandenburg, Sepda für die Provinz Sachsen, Dornahof für Württem­berg, Dauelsberg für Oldenburg und Bremen, Wunscha für Schlesien, Meierei für Pommern, Karlshof für Ostpreußen, Ankenbuck für Baden- Neu-Ulrichstein für das Großherzogthum und die Provinz Hessen, im Jahre 1886 noch drei neue sich angeschlossen haben: Berlin, dessen Kolonie 1884 schon gegründet war, wurde in den Verband des Centralvorstandes ausgenommen; neu entstan­den sind Bühlerheim für die Rheinprovinz und Schneckengrün für das Königreich Sachsen.

Deutsches Reich.

Berlin, 4. April.

* Ueber die im Herbst in Ost- und Westpreu­ßen stattfindenden Kaisermanöver wird aus Königsberg folgendes Nähere berichtet: Um Köi igs- berg werden sich die Manöver nur 3—4 Tage hinziehen, das Haupttreffen sich in Westpreußen, angeblich in der Nähe von Danzig, konzentriren. Es werden dabei betheiligt sein 18 Regimenter Infanterie, 4 Regimenter Feldartillerie, 2 Divi­sionen Kavallerie, 2 Bataillone Pioniere, 2 Ba-

Uner eisernen Kette ein großer Topf mit kleinen Kartoffeln für das Geflügel. An der einen Seite des Herdes faß die Wittwe Taffe, emsig mit Wollspinnen beschäftigt; an der anderen Betty Clancy mit ihrem kleinsten Kinde, das sie auf den Armen hin und her schaukelte, um es ein­zuschläfern.

Nuala überbrachte ihr die Botschaft der Tante, und das arme Weib weinte laut vor Freude, als sie die gute Nachricht hörte. „O," rief fie aus, „ich kannte Miß Nanny und wußte, daß sie so handeln würde. Aber wann werden fie mir nun wohl meinen armen Bernhard wieder schicken. Es ein Unglück, daß er zuweilen einige Tropfen zu viel trinkt, liebe Miß Nuala, sonst wäre er ein so guter Mann, wie nur in der Gemeinde einer ist."

„Versuchen Sie, ihn vom Trinken abzubringen," sagte Randal. „Alles Unglück, was bis jetzt über Bernhard gekommen ist, ist von den Tropfen herge­kommen, die er zuviel hatte:"

„Verlor er nicht deshalb auch die Stelle bei unserem Pfarrer? fragte Nuala, die sehr wohl über die Verhältnisse der ärmeren Leute des Dorfes unterrichtet war.

„Er allein hatte aber die Schuld nicht," erwi­derte Betty, die es fich zur Ehre rechnete, bei

taillone Train, 2 Bataillone Jäger und die Un« teroffizierfchule Marienwerder.

• Wie Deutschland, wird sich auch Rußland nicht an der Pariser Weltausstellung von 1889 betheiligen. Die Bedenken, daß deshalb Veranlassung zur Verherrlichung der französischen Revolutiou bieten könnte, haben, wie der .Kreuz­zeitung' aus Paris gemeldet wird, die Wünsche des Petersburger KabinetS, Frankreich gefällig zu sein, überwogen.

* Die Reichsschulkommission tagte in voriger Woche unter Vorsitz des Geheimen Ober­regierungsraths Dr. Bonitz in Berlin, um sich über die Feststellung von einheitlichen Normen für die Prüfungen zum einjährigen Mi­litärdienst gutachtlich zu äußern,

* Der Statthalter von Elsaß-Lothringen, Fürst Hohenlohe, ist am Sonntag Abend wieder in Straßburg eingetroffen. Der Aufenthalt des Fürsten Hohenlohe in Berlin hing bekanntlich mit der Neuregelung der Verwaltnng der Reichslande zu­sammen. Nach den Vorschlägen des Fürsten Hohen­lohe bleibt die Statthalterschaft bestehen, dagegen wird das Staatssekretariat nicht mehr besetzt wer­den, um dem Statthalter eine direkte und inten­sive Betheiligung an der eigentlichen Verwaltungs­arbeit zu ermöglichen. Die Wirksamkeit des Landes- auöschusscs wird beschränkt und werd,» namentlich alle organischen Fragen, insbesondire die der Neuregulierung der Gemeindeverfassung und die Einführung der deutschen G werbeordnung vorbe­halten.

* Die l andwirthschaftlichen Vereine überfluthen den Reichstag mit Petitionen wegen der Kunstbuttervorlage. Die Zahl der Petitionen beträgt bereits 1208. Die Petenten ersuchen, der Kunstbutter-Vorlage nur dann zuzustimmen, wenn folgende Bestimmungen in derselben vorhan­den sind. „1. Fette, welche nicht aus Milch her­stammen, dürfen nicht unter einer Bezeichnung in den Verkehr gebracht werden, in welcher das Wort „Butter" oder ein ähnlich klingendes Wort vorkommt. 2. Vermischung der Butter mit irgend welchen fremdartigen Stoffen soll unter den Begriff der Verfälschung im Sinne des Nah- rungsmiltelgesetzes von 1879 fallen." Die übri­gen beim Reichstag einlaufenden Petitionen beziehen sich hauptsächlich auf Erhöhung der jeder Gelegenheit für ihren lieben Bernhard ein­zustehen: „Gott bewahre mich, daß ich jemals etwas gegen einen Priester sage! Gott segne sie olle!" und sie bekreuzte sich andächtig.

„Aber ich muß doch die Wahrheit sagen, wenn gegen meinen eigenen Mann gesprochen wird, und ich lüge nicht, wenn ich Ihnen sage, daß Vater Fenessy am Samstag Abend selbst zu spät nach Hause gekommen'war, als er am Sonntag Bern­hard wegschickte, weil er die Messe nicht recht dienen könne und dergleichen mehr."

„Still Betty," sagte ein Diener, welcher eben mit dem Schüreisen versuchte, ob die Kartoffeln weich waren, „es ist nicht schön, wenn man gegen einen Priester spricht."

„Das thue ich sonst auch nicht," sagte Betty. „Aber Vater Fennessy hat Miß Nanny nicht die reine Wahrheit gesagt. Er sagte bloß, daß er Bernhard weggeschickt habe, weil er betrunken ge­wesen sei."

„Nun, dann sag' mir, wie es war, Betty," sagte Nuala, „ich werde es dann meiner Tante erzählen.

Betty begann: „Wie ich schon sagte, war Va­ter Fennessy am Samstag Abend zu spät nach Hause gekommen und daher war es ihm am Sonntag noch nicht recht klar im Kopfe. Als