jß 76. Montag, den 4. April. 1887.
Fnlimer W 3ritm.
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Deutsches Reich.
Berlin, 3. April.
* Ueber die bevorstehende Entwickelung der Kirchenpolitik stellt der „Wests. Merkur Betrachtungen an und kommt dabei zu folgendem Resume": „Kein Mensch weiß, was jetzt werden wird, die Entscheidung hat Rom. Ein Gesetz, ohne römische Zustimmung wird jetzt nicht mehr erlassen werden, denn es würde ein Schlag ins Wasser fein. Findet, was wohl ziemlich sicher ist, die vom Herrenhause beschlossene Fassung die päpstliche Zustimmung nicht, so sind nur zwei Eventualitäten denkbar: entweder giebt die Regierung noch etwas zu, oder das Gesetz scheitert, und in diesem Falle dauert da» bisherige Provisorium bis auf Weitere» fort. Wenn nicht, was uns aber ganz undenkbar erscheint, das Gesetz in der herrenhausfafsung die außerordentliche Zustimmung Roms findet, so kann das Centrum dem von seinen Wählern übernommenen Mandat nur gerecht werden, wenn es diese Fasiung einhellig adlehnt. Gehen nicht wenigsten» die Kopp'schen Amendements sämmtlich durch, so wollen wir uns gerne auf eine spätere Revision vertrösten, oder auch von neuem den Kampf beginnen. Ein fauler Friede ist viel schlimmer al» ein Krieg, der die Nerven stählt, die Opferwilligkeit belebt und das katholische Bewußtsein wieder mächlig anfeuert."
* Die .Norddeutsche Allg. Ztg.' macht in einem hochoffiziösen Artikel darauf aufmerksam, daß die dem französischen Kriegsminister nahestehenden Blätter den deutschen Militärattache als angeblichen Empfänger von pflichtwidrigen Mittheilungen eines entlassenen Beamten des französischen Kriegsministeriums angegriffen haben. Dieses Verfahren sei neu; man könne keinen ähnlichen Fall anführen selbst aus Epochen, wo die
Im Shei der Silbrtbirken.
Roman aus dem Englischen von E. Blackburne.
12. Fortsetzung.
11. Kapitel.
Der Verbrecher.
Dem Hunde folgte mit einem triumphirenden Gesichte Randal Macsorfiy.
„Spot!" rief Nuala, als ein großer, zottiger Haushund seine Tatzen auf ihren Schoß und seinen Kopf gegen ihre Schulter legte. „Ei was, Spot, Du warst doch nicht der in Verdacht stehende Hund? Das ist doch nicht der Hund, um den es sich handelt, Randal?"
Miß Nanny fitzte ihre Brille auf und schaute fragend nach dem jungen Manne.
„Das ist derselbe Hund," rief er jubelnd, während seine Augen vor Lachen überliefen. „Nun," fuhr er fort, indem er sich an den Unterinspektor wandte, „was haben Sie nun zu Ihrer Rechtfertigung zu sagen?"
„Nur dieses," entgegnete der Beamte ruhig, "daß derjenige, dem der Hund gehört, vorgeladen werden muß."
„Dann bin ich der Verbrecher," sagte Nuala wuthig; „bcr Hund gehört mir. Ich vermißte
Spannung zwischen zwei Staaten einen Grad erreichte, der zum Ausbruch eines Krieges führte. Wie verhalte sich der französische Kriegsminister selbst? Er theile den Zeitungen mit, daß das Konzept des Berichts des deutschen Hauptmanns Schwarzhoff über die Touloner Seemanöver französischen Militärblättern entnommen sei. Wie sei wohl der französische Kriegsminister zur Einsicht in das Konzept des Hauptmanns Schwarzhoff gelangt? Bisher galt es für internationalen Anstand, da» Kundschafterwesen nicht bi» zu operativen Eingriffen in fremde Schreibtische auszudehnen; der französche Kriegsminister habe das erste Beispiel gegeben, einen solchen Griff, den« er die Bekanntschaft mit den „Konzepten" fremder Missionen verdanke, zur Grundlage einer offiziösen Note zu machen. Der deutsche Wiilitär» attachö sei übrigens von agents provocateurs überlaufen worden, so daß er die Hilfe der Polizei brauchte. Gegen uns werde die Spionage, wie vier Prozesse gezeigt, mit allen Mitteln betrieben. Wir lieben aber französische Kundschafter aus dem Offizierstand, selbst wenn wir Thatbeweise besäßen, in Freiheit abreisen. Daraus sei ersichtlich, mit wie verschiedenem Maß bei uns und in Frankreich gemessen werde. Es fei bemerkenswerth, daß nun Boulangers Organe die Angelegenheit so ungebührlich behandeln, die Organe der anderen französischen Minister aber ernstlich den Wunsch nach Erhaltung des Friedens vertreten. (Fr. Z.)
* Nach der ,Vcce della Verita' würde u. A. Graf Herbert Bismarck als Nachfolger des Herrn v. Keudell für den römischen Botschafterposten in Aussicht genommen sein. Diese Nachricht dürfte sich schwerlich bewahrheiten.
* Der Direktionsrath der Ostafrikanischen Gesellschaft hat heute, nachdem die Gesellschaft die Rechte einer juristischen Person erhalten hat sich konflituirt und die Instruktion für Dr. Peters festgestellt, der sich am 6. d. M. mit etwa 20 Begleitern nach den Besitzungen der Gesellschaft in Ostafrika begibt. Derselben sind neuerdings mehrere größere Antheilszeichnungen im Betrage von 200,000 Mk. zugegangen.
* Folgende Formations- rc. Aenderungen 2c. aus Anlaß des Etats für 1887/88 sind vom Kaiser bestimmt worden: 1. Zwecks Trennung der Feld- und Fuß-Artillerie auch in der obersten Waffen-
ihn in der letzten Zeit und konnte nicht denken, wo er hingekommen war. Erst gestern hörte ich, daß er bei Daniel Camerons Hütte gesehen worden war."
„Wer ist denn Daniel Cameron, Nuala," fragte Miß Nanny.
„Es ist der schottische Verwalter, welchen Mr. Thurgood auf Glinmore mitgebracht hat."
„O, abscheulich!" rief Mr. Stevens; „ein Mann wie Cameron sollte solch' ein Thier aufhalten!" und er bewegte seine Hand verächtlich gegen den Hund, welcher zufrieden neben Nuala saß und seinen Kops auf ihren Schoß legte. „Ec hat zum Bewachen der Schafe prächtige schottische Hunde mitgebracht."
Randal konnte nicht umhin, zu sagen: „Sie haben aber ihr Geschäft nicht besser verstanden, wie die hiesigen auch. Mr. Thurgood hat nicht den rechten Weg eingeschlagcn, um sich in Glcn- veih populär zu machen," fitzte er hinzu.
„Mein lieber Herr," sprach Mr. Stevens, „cs ist auch wirklich keine Gesellschaft hier, wegen deren sich Mr. Thurgood die Mühe geben sollte, sich populär zu m.chen. Der Platz ist sehr gut zum Fischen und Jagen."
„Und für Mr. Thurgood, um Geld zu ver-
Instanz wird die bisherige General-Inspektion der Artillerie in eine General- Inspektion der Feld-Artillerie umgewandelt und neben derselben eine besondere General-Inspektion der Fuß-Artillerie errichtet. Die bisherigen beiden Fuß-Artilleric-Jn- spektionen, deren Bezeichnung auf die vier Fuß- Artillerie-Brigaden übergeht, kommen in Wegfall. Die General-Jnpektionen der Feld- und Fuß-Artillerie bestehen aus je 1 General-Inspekteur, 1 Chef des Generalstabes beziehungsweise des Stabes, 4 bezw. 3 Adjutanten und dem erforderlichen Unterpersonal. Auf die Adjutanten der nunmehrigen Fuß - Artillerie - Inspektionen finden die für d>e Adjutanten der übrigen höheren Commando- behörden gegebenen Bestimmungen im vollen Umfange Anwendung. 2. Die bereits provisorisch bestehende 3. Landwehr-Inspektion wird etatsmäßig. 3. Der Etat de» Generalstabes erhöht sich im Hauptetat um 1 Abtyeilungschef, aus dessen Stelle der Chef des Stabes der Fuß- Artillerie seine Gebührnisse zu beziehen hat, und im Nebenetat um 5 Hauptleute II. Classe als Recognoscenten. 4. Für Zwecke der Militärmusik wird die Stelle eines Armee - Musikinspi- cienten errichtet. Derselbe zählt zu den oberen Militärbeamten und hat die Aufgabe, dem Kriegsministerium als Berather in Fragen der Armeemusik zu dienen, sowie die zur Hochschule komman- dirten Hautboisten rc. speziell in der Militärmusik zu unterrichten. Ueber den Geschäftskreis der General-Inspektion der Feld-Artillerie und denjenigen der General-Inspektion und Inspektionen der Fuß-Artillerie find besondere Bestimmungen ergangen. Beide General - Inspekteure sind Mitglieder der LandesvertheidigungSkommission und dem Kaiser unmittelbar unterstellt. Der bisherige General-Inspekteur der Artillerie von Voigt-Rhetz wird, wie man uns meldet, General-Inspekteur der Feld-Artillerie, während die General - Inspektion der Fuß - Artillerie, der Generallieutenant Roerdansz, bisher Inspekteur der 2. Fußartillerie-Jnspektion, erhält. Von weiteren, vom Kaiser bestimmten Aenderungen heben wir noch hervor, daß sänimtliche Fourage- rationen um 250 Gramm Hafer erhöht werden.
* Die Meldungen über eine ernstliche Gemüths- krankheit des Herzogs von Cumberland sind
dienen, welches er in England oder anderswo aus- geben kann," unterbrach Miß Nanny ärgerlich.
Er lachte ironisch. „Also Mr. Thurgood hat Sie zu seiner Vertrauten gemacht, Miß O'Neil? Wenn es kein Vertrauensbruch wäre, würden Sie uns vielleicht genau sagen können, wie er die enormen Summen ausgibt, welche er aus Glen- veih zieht?"
„Ich weiß nicht, wie er es ausgibt, aber ich weiß, daß er viel Geld hier aus der Gegend zieht. Das sagen alle Einwohner von Glenveih."
„Sicher, Mr. Stevens," sagte Randal Macsor- ley. „Sie müssen doch wissen, was die allgemeine Ansicht in Betreff der Schafe ist, welche in den letzten zwei Jahren von den Bergen verschwanden."
„Ich weiß," antwortete er, „daß beinahe zwei- hundertundsünzig Schafe von den Bergen verschwanden, und wenn das Geld dafür hier in der Gegend hätte aufgebracht werden sollen, so würde das den Leuten sehr hart vorgekowmen sein."
„Ich möchte auch gerne wissen, warum er seine schottischen Schafe hier hält," sprach Miß Nanny hitzig. „Denken Sie einmal, wie viele arme Leute deswegen in diesem und dem vocigen Winter ohne Brod und Kartoffeln gewesen sind. Seit undenklichen Zeiten hatten sie das Recht, ihre Kühe oder Ziegen oder auch ihre wenigen Schafe, die sie be-