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1887.

5 Sonnabend, den 2. April.

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E rst es Blatt

* Der Bur.desrath bat sich gestern bis zum 1 14. April vertagt. Demselben wird noch vor < seinem Wiederzusammentritt ein Nachtragsetat, welcher durch die neue Heeresvorlage bedingt w.rd, rugehen.

* Die Commission zur Vorbereitung eines Reichsvogelschutzgesetzes hat gestern ihre Berathungen beendet, eine bezügliche Vorlage wird voraussichtlich dem Reichstags noch zugehen.

» Der Deutsch-Ostafrikanisch en Gesell­schaft sind durch k. Ordre vom 27. b. Mts. auf Grund des eingereichten Statuts die Rechte einer juristischen Person verliehen worden. - Nachdem der Sultan von Sansibar sich den deutschen Forderungen gegenüber entgegenkomm^ d gezeigt hatte, sind die von dem Kaiser als Ge­schenk für den Sultan bestimmten, besonders reich ausgestatteten vier Kanonen nach Sansibar abge- sandt und dort übergeben worden. Sultan Sard Bargasch hat in einem an den Reichskanzler ge­richteten Telegramm seinen Dank für das Geschenk ausgesprochen und gebeten, Sr. MaMät dem Kaiser noch seinen besonderen Dank für dre freund­liche Gesinnung und das bekundete Wohlwollen zu übermitteln. . . , , ..

* Die ,Berl. Polit. Nachr.' wiederholen dre Mittheilung, daß Deutschland die Pariser Ausstellung offiziell nicht'.beschicken werde.

♦ Der in Leipzig im Herbst v. I. m Szene gesetzte Buchdruckerstrike hat bisher 18000 Mark gekostet. Die Unterstützung ist deßhalb herabgesetzt.

-»Posen, 1. April. D^e Ansiedlung--Kom- misston kaufte in der Subhastation für 576,000 Mark die polnischen Güter Großzalcsic und Lis- zow (Kreis Kroioschin) an. lFr.Z.)

» Kiel, 31. März. Die Feier der Eröffnung der Arbeiten am Nordostsee-Kanal findet am 18. Juni in Holtenau bei Kiel statt. Man rechnet dabei auf die Gegenwart des Kronprinzen.

* München, 31. März. Der hiesige Wahl­verein der katholisch-baierischen Partei hat in seiner gestrigen General-Versammlungden Namen: „Wahl­verein der baierischen Centrumspartei angenommen. m „„ ,

* Mainz, 31. März. Zu den Veröffent- lichungen der .Rordd. Allg. Ztg.' bemerkt trocken das .Mainzer Journal': „Wenn die Bildung des Centrums die Veranlaffung zum Kultur-

„Nun lasten Sie uns einfach die Frage wegen der Schafe erörtern, über die irische Zweideutig­keit können wir ein anderes Mal weiter sprechen", sagte er, und lachte so laut, daß e« durch das Zimmer schallte.

Miß Nanny blickte ihn noch unwrllrger an und sprach: „Machen Sie nur voran. Ich warte darauf. Sagen Sie, wa« Sie zu sagen haben. Mir kommt er vor, al« ob wir in einem Tempel der Wahrheit seien, und Sie hätten mich bereits eine Lügnerin genannt."

„O, Tante Nanny!" rief Ruala, welche feuer- roth wurde und die alte Dame verwundert an­blickte.

„Ich glaube, Sie haben mich mißverstanden', sagte Richard Stevens höflicher, als gewöhnlich.

Nein, gar nicht," sprach Miß Nanry etwas ärgerlich. „Sie haben gesagt, alle Irländer seien Lügner, und da ich, Gott sei Dank! eine Irlän­derin bin, so bin ich auch eine von den Schurken."

„Lasten Sir uns auf unsere eigentliche Tages- frage zurückkommen," sagte er so entschieden, daß i seine Sprache Randals Zorn erregte.

„Ja," sagte Gustav Lynch, „diese Sache müsten i wir vor allem ordnen. Die nächste Frage ist, wem ■ der Hund gehört." , , , . ,,

„Einer meiner Leute sollte ihn hierher bringen.

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kampf war, dann fiele für uns in Hessen auch der letzte Vorwand weg, aus dem der Kultur­kampf in Hessen sich rechtfertigen ließe. Wir hatten damals gar keine Centrums - Fraktion — aber trotzdem sind wir mitten im tiefsten Frieden von einer katholikenfeindlichen Mehrheit überfallen und unserer heiligsten Rechte beraubt worden.

Ausland.

• Der bulgarische Justizminister Stoiloff hat in Wien einen englischen Zeitungsberichterstatter erklärt, die Wiederwahl des Fürsten Alexander gelte in Bulgarien als die einzige Lösung der bulgarischen Krisis. ,

» Kopenhagen, 1. April. Rrtzau's Bureau meldet: Nach authentischen Informationen fand kein Attentat aus den Zaren statt, noch überhaupt etwas, was das Gerücht veranlaßt hat. Das Königshaus erhielt im Gsgentherl nur gute Nachrichten aus Gatschina.

. * Während von verschiedenen Seiten dre Nach­richt von dem erfolgten Rücktritt des russischen Ministers des Auswärtigen v. Giers bezwerftlt wird, wird dieselbe an anderen Stellen aufrecht, erhalten, man glaubt aber, daß nicht der russische Botschafter in Berlin. Graf Schuwaloff sondenr d r russische Botschafter in Wien, Fürst L o b a n o f f, der Nachfolger des Herrn von Giers sein werde.,

* Newyork, 31. März. Kardinal Gibbons, Erzbischof von Baltimore, hat dem Kardinal Si- meoni, dem Präfekten der Propaganda, eine Denk- schrist überreicht, in welchem der Episkopat der Vereinigten Staaten sich gegen das Verbot der Mitgliedschaft der „Ritter der Arbeit ausspricht. Ein solches Verbot wäre nicht gerecht, da weder der Buchstabe noch der Geist der Statuten und Satzungen des Bundes gegen die Kirche verstoßen; es erscheint unnöthig. anbetrachts der rasch wech­selnden sozialen Lage der Union; e« wäre unklug, da die Klagen der Arbeiter berechtigt sind; es wäre machtlos, da es die Arbeiter als falsch und ungerecht betrachten würden; es wäre gefährlich für da» Ansehen der Kirche in dem durch und durch demokratischen Lande und könnte sogar Feind­seligkeiten gegen daffelbe erzeugen; es wurde statt wohlthätig nur zerstörend wirken, da es die treuen Söhne der Kirche zur Auflehnung gegen ihre Mut­ter reizen würde. Dieselben würden sich den Sozia-

„Randal", sprach M.ß Nanny würdevoll, „sieh, ob der Hund hier ist."

Randal ging hinan« und der Unter-Inspektor fuhr fort: „Sie können e« nicht verneinen, daß ein krummer Zug im irischen Charakter liegt. Der Irländer sieht es als seme unabweisliche Pflicht an, so und so zu handeln. Wegen einer falschen Einbildung oder albernen Ueberlieferung, oder auf den Rath einer alten Frau oder tut Glauben an die Wirkung seine« G<.bete« vergeht er sich gegen die Staatsgesetze., kommt vor den Gerichtshof und biingt nun alle diese lächerlichen Gründe vor, um sein Betragen zu entschuldigen.

.Vollkommen wahr ist e« nicht? sprach Miß Nanny zu Nuala und Gustav Lynch, welche ver- ständnißooll lächelten. Sie kannten da« alte Frau- lein und wußten, wa« nach dieser bedeutung.- vollen Ruhe folgen würde."

„Es freut mich, daß Sie mir dieses zugestehen," sprach er unruhig. „Ich war also von Anfang an entschloffen, mich an bieten Unsinn nicht zu kehren, sondern da» Landvolk nut strenger ^and zu regieren und Ihnen zu zeigen, daß Macht ‘ Recht ist." . .

Und da« halten Sie für die richtigste Art und Weise, ein Volk zu regieren," tief Nuala mit

Deutsches Reich.

Berlin, 1. April.

* Soeben kommt die Meldung, daß auf An­frage in Petersburg folgende authentische Antwort erfolgt ist: Die von Reuter in London verbreitete Nachricht, daß in Gatfchina ein Att en- tatsverfuch stattgefunden habe, ist durchaus falsch und grundlos. Es hat wederein Attentat noch irgend- ein ähnliche« frevelhaftes Unternehmen stattgefunden.

• Karl Fürst zu Löwenstein erläßt in der .Germania' folgende Erklärung:

„Die .Nordd. Allg. Ztg.' hat kürzlich die Korrespondenz des Grafen Tauffkirchen mit dem Reichskanzler aus dem Jahre 1871 zum Abdruck gebracht und mit einer Ein­leitung versehen, in welcher meiner wiederholt Erwähnung geschieht. Es wird behauptet, ich sei mit einer Deputation im Auftrag der Centrumsfraktion im Jahre 1871 nach Rom gereist, um den Papst auf die Seite des Centrums gegen die Regierung zu ziehen. Dem gegenüber erkläre ich, daß ich zwar stets mit Freuden bereit war und brn, den edlen Bestrebungen des Centrums für das Wohl der Kirche und des Staates zu dienen, daß nur aber vom Centrum nie eine Mission oder ein Auftrag gegeben wurde, und daß ich mich auch nicht erinnere, mit dem Papst oder mit dem Kardinal Antonelli über das Eentrum gesprochen ,u haben, jedenfalls nicht in der in dem Artikel angege­benen, vollkommen unnöthigen Absicht, da Rom jeder Zeit sehr wohl erkannte, welche Wichtigkeit und welcher Werth einer der Kirche so treu ergebenen Partei beizumeffen sei. Kleinheubach, 31. März 1887. Karl Fürst zu Löwenstein.

• Bei der heute von dem Kaiser dem Statt­halter der Reichslande Fürsten Hohenlohe erteil­ten Audienz dürfte über die Umgestaltung der Verwaltung Elsaß-Lothringens endgiltigBe­schluß gefaßt worden fein. Ein Elsaß-Lothringen betreffender Gesetzentwurf soll dem Reichstage noch im Laufe dieser Seffion zugehen. Es soll sich darin um die Wiederherstellung der Verhältnisse, so wie sie vor 1879 waren, handeln. Damit würde jede autonome Gesetzgebung durch den Landesausschuß in Wegfall gebracht und das Staatsfekretariat aufgehoben. Ob der Statthalter­posten bestehen bleibt, oder ob an Stelle des Statthalters ein Oberpräsident tritt, war bisher noch zweifelhaft; doch wird die Entscheidung da- rüber wahrscheinlich heute erfolgt sein.

Will der Merdirdm.

Roman aus dem Englischen von E. Blackburne.

11. Fortsetzung.

10. Kapitel.

Miß Nanny'« Meinungen.

Wir haben schon gesagt, daß Mr. Steven« ein Mann war, der viel auf feine eigene Meinung hielt; aber doch auch ein ehrlicher Mann. Von der Wahrheit und Gerechtigkett feiner Ansichten war er durch und durch überzeugt, und darum hielt er sie auch jeder Opposition gegenüber auf­recht. Miß Nanny'« Art und Weife brachte in ihn Verwirrung. Da er das feurige Temperament der alten Dame kannte und da« sie leitende Motiv, so hatte er von ihr eine Fluth von nichtzusammen- hängenden Behauptungen erwartet; allein auf solch' einen Empfang war er unvorbereitet. Gleich allen Männern haßte er, im Nachthelle zu fein, und er fühlte jetzt, daß er es war, und das von einem hübschen Mädchen, die sich in die Sache gemischt hatte. E« war eine fatale Sage, denn Miß Nanny saß mit verschränkten Armen in ihrem Armstuhl und sah ihn an mit grimmigenSpott und Nuala hatte ihr Gesicht abgcwendet und fchaute stand­haft zum Fenster hinan«.