1887.
Freitag, den 1. April.
Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender^Rabatt.t^==±^==
Deutsches Reich.
Berlin, 31. März.
• Die über London gekommene Nachricht von einem neuen erfolglos gebliebenen Attentat auf den Czaren, welches in Gatschina verübt worden fein soll, wird durch keinerlei Mitlheilung auf der kaiserlich russischen Botschaft in Berlin bestätigt. Es ist hierbei aber daran zu erinnern, daß der hiesigen russischen Botschaft auch bei dem ersten Attentatsversuch keine Mittheilung aus Petersburg geworden war.
* Das Abgeordnetenhaus hat sich heute bis zum 19. April vertagt. Vorher wurden einige kleine Vorlagen in zweiter Lesung erledigt; der Gesetzentwurf betreffend den Verkehr auf den Kunststraßen einer Kommission überwiesen, das Volksschulleistungsgesetz aber mit Rücksicht auf die Ferienstimmung des Hauses von der Tagesordnung abgesetzt.
* Der Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung von Bestimmungen des Gerichtskostengesetzes und der Gebührenordnung für Rechtsa nwälte, ist jetzt dem Reichstage mit einer Begründung zugegangen. Dieselbe beschäftigt sich hauptsächlich damit, nachzuweisen, daß eine Herabsetzung der Gerichttkosten nicht nothwendig sei — der Entwurf enthält auch eine solche nicht — sondern, daß nur eine Ermäßigung der Anwaltsgebühren im Interesse der Rechtspflege liege.
♦ Der Deutsche Landwirthschaftsrath hat zur Prüfung der Frage der Organisation des land- wirthschaftlichen Kreditwesens und zur Ausarbeitung von bezüglichen Vorschlägen eine Kommission niedergesetzt.
* Die .Post' dementirt die Nachricht der .Straßburger Post', wonach die Auflösung der Statthalterschaft in Elsaß-Lothringen geplant sei.
* Zu der Mitlheilung der .Post' aus Rom, daß daselbst vor vierzehn Tagen ein außerordent- kicher Gesandter des deutschen Jntrafigenten- Departements, Herr Bachem jun., eingetroffen sei. versehen mit Briefen an die römischen Hauptgönner des Centrum» und mit Spezial-Instruktionen Windthorst's, bemerkt die .Köln. Volksztg.': „Herr Windthorst wird über diese kostbare Enthüllung ebenso erstaunt sein als Herr Assessor Karl Bachem,
Im Thal der Mndirkc».
Roman aus dem Englischen von E. Blackburne.
10. Fortsetzung.
Mit solchen Gedanken war Richard Steven» beschäftigt, al» er den Thorweg zu Miß Nanny's Domäne hinaufritt. Er war ein ehrlicher, gewissenhafter Mann, treu bi»-in den Tod, hatte aber ein vollständiges Mißverständniß von den Besonderheiten de» irischen Temperamentes. Der Nachmittag war bitter kalt und ein fast undurchdringlicher Nebel lagerte um die Berge. Als er nahe am Thore war, sah er zwei Frauen an der Innenseite desselben stehen, und eine von ihnen, die ein Kind auf dem Arme trug, kam vorwärts und öffnete ihm. Er blickte sie scharf an und erkannte die Wittwe Taffe.
„Was machen Eie hier, Frau?" rief er er- staunt. „Ich sagte Ihnen, daß e» em besten für sie sei. zur Vereinigung zu gehen. Wa« streichen Sie hier müßig herum? Bei diesen Worten stieg der Unterinspektor ab und warf die Zügel seines Pferde» über den Arm.
„O, hör' einmal da!" rief Mr. Tage, indem sie ihr Kind an ihren Busen drückte. „Wenn ich in Ruhe gelassen worden wäre, hätte ich die Miethe bi» fitzt schon bezahlt. Aber wenn eine Sorte
der Sohn des Verlegers dieser Zeitung, d.r als Reconvalescent von schwerer Krankheit nach dem Süden reiste, siüchtig Rom berührte und schon seit mehr als vierzehn Tagen in llnteritalien weilt."
* Das Befinden der Herzogin von Cumberland gilt als hoffnungslos. Die Geistesstörung hat sich seit der Unterbringung in der Anstalt des Professors Leidesdori verschlimmert.
* Karlsruhe, 30. März. Der von allen einsichtsvollen Männern gehegte lebhafte Wunsch, daß nunmehr, nachdem in Preußen der „Kulturkampf" zu Grabe getragen wird, auch im Groß- herzogthum Baden geeignete Schritte geschehen sollten, um den leidigen kirchenpolitischen Streitig, keilen und ihrer das ganze bürgerliche Leben vergiftenden Verbitterung in hochherziger Weise ein Ende zu machen, scheint vorläufig noch wenig Aussicht auf Verwirklichung zu haben. Maa sträubt sich, wie der ,Bad. Beob.' schreibt, in den leitenden Kreisen der Regierung und der nationalliberalen Partei (die Grenze zwischen beiden läßt sich leider nicht so genau ziehen) gegen eine Nach- ahmung de» preußischen Beispiels, und während in der einschlägigen Presse tagtäglich der Befriedigung über die Beilegung des preußischen Kulturkampfes der lebhafteste Ausdruck gegeben wird, ist man nicht konsequent und vorurtheilssrei genug, das, was zwischen den schwarz-weißen Grenzpfählen recht ist, innerhalb der rcth-gelben billig sein zu lassen. So lange e» aber an dieser Bereitwillig, keit fehlen wird, den badischen Katholiken mit demselben Maße zu messen, welches den preußischen Katholiken gewährt ist, wird die Verbitterung der Gemüther nimmer aufhören. Die Regierung und die herrschende Partei würden in ihrem eigenen Interesse keinen glücklicheren Schritt thun können, als wenn sie sich entschlössen, alsbald mit der katholischen Kirche in Baden einen vollen, ehrlichen Frieden herzustellen.
* Straßburg. 31. März. Die .Landesztg.' erklärt die Nachricht von einer bereits beschlossenen Auflösung der Stadthalterschast, des Ministeriums und de» Landesausschusses für unbegründet.
"Metz, 31. März. Der Reichstagsabgeordnete A ntoine wurde ausgewiesen und seinem Wunsche gemäß sofort an die französische Grenze gebracht. (Fr- Z-)
Menschen gleich Wilden zu uns kommen und uns beständig beunruhigen, so verliert man allen Muth. E» war eine Grausamkeit von Ihnen, mich mit meinen vier unschuldigen Kindern au» meiner klei- nen Hütte in die weite Welt hinaus zu treiben."
„Meine gute Frau," sprach der Beamte herrisch. „gleich allen Irländern, besonders gleich den Irländern Ihrer Klasse haben Sie keine Idee von Recht. Sie konnten Ihre Miethe nicht bezahlen, und Sie konnten nicht erwarten, daß Ihr Gurrherr Sie für nicht» behielt."
Die grauen Augen der Wittwe flammten. „Sie haben eine sonderbare Meinung von mir und den Meinigen. Ich verlange nicht» umsonst, sondern arbeite gern für Alle». Miß Nanrp wußte da», al» sie mich sammt meinen Kindern in ihr Hau» aufnahm. Ich spinne so seine» Garn, wie Sie e» selten in Irland finden werden."
„Ruhig, ganz ruhig, meine gute Frau. Diese Gefühle sind sehr gut, aber Sie sollten sich nut Ihren Kindern in’» Armenhaus begeben haben. Miß O’Neil vergeht sich gegen da» Ges.tz, wenn sie Armen gleich Ihnen ein Unterkommen gewährt. Ein solche» Beispiel wirkt schlecht in der Gegend. Ich muß sie sprechen, um sie zur Vernunft zu dringen. Machen Sie sich also bereit, dessen Platz baldigst zu verlassen. Ich — ich bitte um Vcr- zeihung."
Ausland.
* Der Wiener Auarchistenprozeß hat milder Verurtheilung der Angeklagten zu 1 bis 20jäh- tigern schweren Kerker geendet. Die Verurtheil- ten sind halbgebildete, verführte und fanatisirte Leute, die natürlich die über sie verhängte Strafe vollständig verdient haben; es bleibt aber doch zu bedauern, daß es nicht möglich war, auch gleichzeitig die Verführer unschädlich zu machen.
* In Pest sind Cholerafälle vorgekommen, infolge deren umfassende Vorkehrungen getroffen wurden.
* Mit der bulgarisch» Frage ist es noch beim Alten. Einen Fürsten haben die Bulgaren noch immer nicht. Gegenwärtig befindet sich der bulgarische Justizminister Stoilow auf einer europäischen Rundreise, die mit der Fürstenfrage zu- sammenhängen soll. Er soll den Auftrag haben, die Mächte zu sondiren, wie sie sich zu einer Wie- derwahl des Fürsten Al. xander stellen würden, und den Fürsten Alexander zu sondiren, ob er eine Wiederwahl annehmen würde. Gelegentlich wird auch der Prinz von Coburg-Gotha wieder einmal als Kandidat genannt. Andererseits soll Rußland auf der Kandidatur des Dadian von Mingrelien bestehen, die man schon längst al» abgethan betrachtete. Kurz, „nichts Gewisses weiß man nicht." In Bulgarien selbst dauern die Konspirationen gegen die jetzigen Machthaber fort, diese sind, bisher aber immer im Stande gewesen, die aufrührerische Bewegung, die offenbar in den großen Kreisen der Bevölkerung keinen rechten Rückhalt finden kann, niederzuhalten. Einen drohenden Charakter hat die bulgarische Frage im Augenblicke nicht.
• Frankreich hat wieder einmal mit Mühe die Klippe einer Ministerkrisis umschifft. Schon lange ist eine Bewegung im Gange, das jetzige Ministerium abzuthun, und es schien, als ob die von demselben geforderten Supplementarkredite von der Kammermehrheit zum Vorwand benützt werden sollten, da» Ministerium zu stürzen. Da» Kabinet kannte diese Stimmung sehr wohl und forderte deßhalb von der Kammer eine offene Erklärung. Die Gambettisten scheinen jedoch noch im letzten Augenblick zu der Ueberzeugung gekommen zu sein, daß der Augenblick, da» Ministerium
Bei diesen letzten Worten nahm der Inspektor . seinen Hut ab, denn plötzlich und unerwartet sah er Nuala O'Donnel mit flammenden Augen und erregtem Gesichte vor sich stehen.
9. Kapitel. Bernhard Clancy» Hund.
Die Landschaft bot an diesem Tage ein traurige» Bild. Die Bäume standen blätterlos, der Himmel war trübe und der von Glen aufsteigende Nebel verdeckte die Umrisse eines jeden Dinges. Im Vergleich zu dieser Umgebung erschien Nuala» blühendes und jetzt durch die Erregung glühende» Gesicht wie eine Sonne. Gleich im ersten Augen- blick fiel Mr. Steven» ihre seltene Schönheit auf, sowie die Reinheit und Klarheit ihrer Sprache. Der Ausdruck ihrer Züge und ihre ganze Haltung zeugten von Nuala’» hoher Abstammung. Gleickzeitig entging e» ihm aber auch nicht, bofe die Ärmlichkeit ihrer Kleidung mit ihrem Be- nehmen in grellem Widerspruche stand.
Also in solcher Weise wollt ihr Engländer un» behandeln", sprach sie ohne weitere Umstande. „Ich bin erstaunt," fügte sie sarkastisch bet, „daß Ihr gefühlvollen Engländer nicht vorsichtiger seid, sondern Euere Meinung über die Irländer so offen aussprecht. Ihr gebraucht Drohungen und sprecht in einer herrischen Weise; Ihr erklärt einem leiden, schaftlichen und rachedürstigen Volke offen, ta&