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M 73.

Donnerstag, den 31. März.

1887.

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Die .Fuldaer Rettung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Binngerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenteilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

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Deutsches Reich.

Berlin, 30. März.

* Der erste Theil der parlamentarischen Saison ist abgeschlossen. Der Reichstag hat sich bis zum 19. April vertagt, das Abgeordnetenhaus hält zwar noch bis Freitag Sitzungen ab, aber es nimmt wichtigere Gegenstände nicht mehr vor, sondern beginnt damit auch erst wieder in der zweiten Hälfte des April. In Organen der Re- gierung und der Majoritätsparteien wird mit be­sonderer Genugthuung hervorgehoben, wie ruhig und glatt die Arbeiten im Reichstage verlaufen seien, und daran werden Folgerungen geknüpft über die segensreiche Thätigkeit einer „nationalen" Mehrheit. Die Thatsache ist richtig, der Reichstag hat in knapp drei Wochen so ziemlich Alles er­ledigt, was ihm vorgelegt worden ist, und da­runter als Hauptstücke die Militärvorlage und den Etat. Es ist aber ein Euphemismus, wenn man behaupten wollte, er hätte diese Gesetze „be­lachen", denn das ist nicht geschehen und war auch nicht nöthig. lieber die Militärvorlage hatten die Wahlen entschieden, und den Etat hatte bereits der vorige Reichstag erörtert, eine Fortsetzung der Diskussion war auch unmöglich, wenn er bis zum 1. April fertiggestellt werden sollte. Die „natio­nale" Mehrheit hat daher in diesem ersten Theile der Session gar keine Gelegenheit gehabt, eine Probe zu bestehen. Im zweiten Abschnitt nach Ostern wird ihr diese Gelegenheit geboten werden, denn wie in den letzten Jahren fast immer, wird der zweite Theil der parlamentarischen Saison der politisch wichtigere werden. Es unterliegt keinem Zweifel mehr, daß der Reichstag sich bald nach den Osterferien mit zwei Steuervorlagen, der Zuckersteuer und der Branntweinsteuer zu beschäftigen haben wird. Dann erst wird sich zeigen, ob und in wie weit die nationale Mehrheit zusammenhält. Auch im Abgeordnetenhause wird der zweite Theil der Session nach Ostern der politisch wichtigere werden. Es steht dort erstens die Entscheidung über die kirchenpoli­tische Vorlage bevor, wobei es sich zeigen muß, ob die Nationalliberalen dem Beispiel des Herrn Miquel folgend die Kirchenpolitik des Herrn Reichskanzlers mitmachen, ferner kommen die Konservativen mit einem Anträge aus Reform der

Im Thil der AUmbirkm.

Roman aus dem Englischen von E. Blackburns.

9. Fortsetzung.

„Er that es nicht," versicherte sie, Miß Nanny's Kleid erfasiend. „Und wenn er es gethan hätte, wollen Sie ihn dann nicht für diese Zeit freilasien. Denken Sie an die vier Kinder und es ist ein harter Winter. Wir müßten ins Armenhaus gehen, und das wäre ein Schimpf, welcher noch niemals mir oder einem von den Meinigen widerfahr, n ist."

„Auf mein Wort, Betty Clancy, ich bin erstaunt, wie Du mir dieses alles so erzählen kannst, und dabei noch versuchen willst, mich zu bewegen, etwas für Bernard zu thun. War es Recht von ihm, mir so zu vergelten? Aber Euch ist alles gleich!" rief sie aus, indem sie ihr Kleid aus Betty's Händen losmachte und wieder durch das Zimmer erregt auf und ab schritt. „Nein, Bet'y, ich sage Dir aufrichtig, wenn es bewiesen wird, daß Bernard schuldig ist, werde ich mich nicht in die Sache mischen, sondern dem Gesetze seinen Lauf lassen. Die Gemeinde wird dann vielleicht von einem Subjekte befreit werden. Doch Dir und den Kindern werde ich helfen, wenn Bernard weggeschickt werden sollte," setzte sie in einem weicheren Tone hinzu.

direkten Steuern. Geht die Regierung darauf ein, so werden auch hier die Nationalliberalen vor eine schwere Entscheidung gestellt, denn es ist be­kannt, daß sie vor drei Jahren den letzten Steuer­entwurf des Herrn v. Scholz, namentlich auch die Kapitalrentensteuer bekämpft und zu Falle gebracht haben.

* Der päpstliche DelegatMsgr. Galimberti soll zum Nachfolger Jacobini's als Kardinal- Staatssekretär ausersehen sein, während bislang der päpstliche Nuntius in Madrid als für diesen wichtigen Posten designirt galt. Monsignore Ga­limberti wurde vor einigen Jahren von Leo XIII. zum Domkapitular an der St. Peterskirche er­nannt, nachdem er vorher der Redaktion des päpst­lichen Moniteur de Rome' als maßgebendes Mit­glied angehört hatte und nach kurzer Zeit erhielt Galimberti auch den einflußreichen Posten eines Sekretärs der geistlichen Kongregationen und außer­ordentlichen Angelegenheiten. In dieser Stellung hat Galimberti schon verschiedene wichtige Aufgaben gelöst, unter ihnen namentlich die päpstliche Ver­mittelung in der Karolinenfrage und es war weniger der verstorbene Staatssekretär, als viel­mehr Galimberti selber, welcher die bezüglichen Verhandlungen zu einem ersprießlichen Ende ge­führt hat. Höchst wahrscheinlich ist die hervor­ragende Rolle, welche Galimberti in den diploma­tischen Verhandlungen über die Karolinen - Inseln spielte für Leo XIII. bestimmend gewesen, den gewandten Diplomatcn auch mit der ehrenvollen Mission der offiziellen Beglückwünschung des deut­schen Kaisers durch 'den Papst zu betrauen und vielleicht ist Msgr. Galimberti auch ferner dazu ausersehen, den eigentlichen Vermittler zwischen Berlin und dem Vatikan zu repräsentiren.

* Zur Nachricht der .Schlesischen Zeitung' über die Breslauer Bischofswahl bemerkt die .Schles. V.-Ztg.'

Wenn die ,Schles. Ztg.' aus der Mitte des hochwür­digen Domkapitels oder aus einer staatlichen Kanzlei ge­naue Nachricht dahin zu haben scheint, daß die Candida- tenliste bisher nicht zurückgelangt ist, so haben wir keinen Anlaß, in diese Nachricht einen Zweifel zu setzen. Die Folgerung aber, daß, da die dreimonatliche Frist abge­laufen, kaum noch durch eine Wahl des hochwürdigen Domkapitels der fürstbischöfliche Stuhl werde besetzt iroer« den, glauben wir als nicht berechtigt bezeichnen zu dürfen. Als „etwas der deutschen Nation Angenehmes und Sr. Majestät dem Könige von Preußen Wohlgefälliges" erfogte

Die Frau brach aus's neue in einen Strom von Thränen aus. Sie warf sich dem Fräulein zu Füßen und rief aus: „Ist das Ihr letztes Wort, Miß Nanny? Wenn Jemand mir gesagt hätte, daß Sie so handeln könnten, so würde ich es nie geglaubt haben. Und sicher, Bernard hat es nicht gethan. Alles, was sie sagen, sind Lü­gen. Als es bekannt wurde, daß in der letzten Nacht wieder die Schafe erwürgt waren, da kommt der Inspektor von Sasienach herauf zu dem In­spektor von Glinmore, und die beiden sagen, daß sie einmal irgend einen recht hart bestrafen müß­ten, zum warnenden Beispiele für die anderen. Und da haben sie den armen Bernard genommen, weil er den Namen hat, daß er wild ist — Gott Helse ihm!"

„Woher weißt Du das?" fragte Miß Nanny stillstehend.

„Ich hörte es den Inspektor von Glinmore zu Mr. Thurgood sagen. Und sie sagten auch, sie würden machen, daß Sie Bernard verklagten, damit einmal einer tüchtig bestraft würde zum Beispiele für die anderen; bann würde es wohl Frieden geben."

„Betty, Bernard ist ein gemeiner Mensch." Doch nun gehe hinunter in die Küche und laß Dir etwas zu esien geben, und dann schweig still.

in der Bulle de salute die feierliche Wiederherstellu n des Rechtes der Bischofswahl zu Gunsten der Domkapitel Durch die rechtzeitige Einsendung der Liste der gewählten Bischofskandidaten hat das hochwürdige Domkapitel zu Breslau alles gethan, was an ihm lag. Wenn nicht innerhalb der dreimonatlichen Frist die List: zurückkam, so waren die Wahlherren in die Unmöglichkeit versetzt, ihr Recht weiter auszuüben, und konnten also ihres Wahl­rechtes durch den Ablauf der Frist nicht verloren gehen. Hat ja, wie jedes Recht in unserem Vaterlande, so auch das bedeu­tungsvolle Recht der Wahlherren, Anspruch darauf, aner­kannt zu werden und zur Ausübung zu gelangen. Selbstver­ständlich müßte dem stärkeren Rechte der plenitudo potes- tatis, der Fülle der Kirchengewalt des heil. Vaters, wenn die Weisheit Sr. Heiligkeit diesmal der Bischofswahl durch das Domkapitel die eigene Ernennung unseres neuen Ober­hirten vorzöge, das schwächere Recht des hochwürdigen Domkapitels weichen. Einstweilen fahren wir fort, den Herrn unserer Kirche um einen gesegneten Ausgang der Frage, von welcher das Heil der betheiligten Millionen Seelen abhängt, anzuflehen.

* Der Kaiser hat das Gesuch des Staats« sekrekärs des Ministeriums für Elsaß-Lothringen von Hofmann, um Versetzung in den Ruhe­stand genehmigt. Eine neue Ernennung für diesen Posten wird vorläufig noch nicht beabsichtigt; die Geschäfte führt Unterstaatssekretär von Puttkamer weiter.

* Der Gesetzentwurf über Elsaß-Lothringen soll jedenfalls noch in der laufenden Reichstags­session vorgelegt werden. Derselbe befindet sich zur Zeit noch im ersten Stadium der Vorberei­tung. Für denselben steht als Gesichtspunkt fest, daß die Verhältnisse wie vor 1879 wieder herge­stellt werden, die Gesetzgebung für Elsaß-Lothringen wieder ganz auf den Reichstag übertragen werde und jede autonome Gesetzgebung, sowie Landes­ausschuß und Staatssekretariat fortfällt. Bei der Herstellung der Provinzialverwaltung nach Ana­logie der preußischen, Oberpräsidien bleibt es zwei­felhaft, ob der Statthalterposteu bestehen bleibt oder an dessen Stelle ein Oberpräsident tritt.

* Der von der konservativen Fraktion des Abgeordnetenhauses eingebrachte Antrag betreffend die Reform der direkten Steuern lautet:

1) In Erwägung, daß die bestehende Klassen- und klassifizirte Einkommensteuer den Grundsätzen einer gleich­mäßigen und gerechten Besteuerung nicht entspricht! 2) in Erwägung, daß die Ungleichheit der Besteuerung des Grundbesitzes gegenüber dem mobilen Kapital die Ein­führung einer Kapitalrentensteuer nothwendig erscheinen läßt; 3) in fernerer Erwägung, daß im Hinblick auf den Rückgang des Kleingewerbes die Bestimmungen der Ge­werbesteuer vom stehenden Gewerbe einer der wirihschast-

„Ader, Miß Nanny —"

„Geh hinunter in die Küche, sage ich Dir," und Miß Nanny zeigte bei diesen Worten befeh­lend nach der Thüre. „Ich werde Dich wieder rufen lassen."

8. Kapitel.

Der Unter-Inspektor.

Aufrichtig gestanden fühlte sich Miß Nanny überzeugt, als sie in ihrem Wohnzimmer unab­lässig auf und ab schritt, daß nicht ein bloßer Verdacht, sondern wichtige Gründe vorliegen muß- ten, weshalb Bernard Clancy verhaftet worden war. Ihr war der Mann persönlich mißliebig. So gütig und wohlmeinend die alte Dame auch gegen ihre Untergebenen war, obwohl sie zuwei­len mißverstanden wurde, dieser Mann widerstand allen Anstrengungen, ihn zu bekehren. Schon schuldete er ihr den Pachtzins von zwei Jahren, weshalb Miß Nanny ihm anbot, auf der Farm dafür zu arbeiten; aber Bernard Clancy war, wenn auch nicht gerade boshaft, doch so nachläisig, daß das Herz des alten Fräuleins durch diese Undankbarkeit tiefer verwundet war, als sie sich eingestehen mochte. M>ß Nanny wußte nicht recht, was sie in dem vorliegenden Falle thun sollte. Sie wußte wohl, daß dieses sch rarze Schaf unter ihren Untergebenen die Strafe des Gesetzes »er«