Jli 72. Mittwoch, den 30. März. 1887.
Die Fuldaer Zeituna' erscheint tätlich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.
Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
? Die Huldigung der katholischen Wissenschaft in Deutschland bei
Gelegenheit der Seknndizseier Sr. Heiligkeit.
Es ist schon früher durch das Kamils für die Sekundizftier mitgetheilt worden, daß man beabsichtige, dem hl. Vater bei Gelegenheit seines Priester-Jubiläums durch Ueberreichung einer Biblio- thek der unter seinen, glorreichen Pontifikat in Deutschland erschienenen Literatur ein Bild der geistigen Entwickelung des katholischen Deutschland in dieser Periode vorzusühren. Wenn irgend ein Land des katholischen Erdkreises aus diesem Gebiete auf seine Erfolge stolz sein darf, so ist es gewiß Deutschland; wir haben auf allen Gebieten des göttlichen und menschlichen Wissms, sowohl auf dem Gebiete der streng fachwissenschaftlichen, als der populären und publizistischen Literatur, nicht zuletzt zu gedenken der Poesie, eine abgeschlossene, katholische Literatur produziit, die sich eine Achtung gebietende — ja bei den Gegnern an Furcht grenzende Machtstellung in der Gesammtliteratur gewonnen hat. Wäre die Aufgabe des Komitö's nur die, dem heil. Vater die Titel der Werke und Autoren anzusühren, welche unter seinem Pontifikat die katholische Literatur mit den Gaben ihres Geistes bereichert haben, so .wäre diese Aufgabe zwar sehr leicht zu erledigen, würde aber dennoch immerhin, wenn man nur das Beste berücksichtigen wollte, die stattliche Anzahl von über.20,000 Werken umfassen. , ,___.
AU' müen anderen Gebieten,'"z7'V. "Fern"ebenso' entwickelten der Vereinsthätigkcit, wird das katholische Deutschland sich begnügen müssen, dem heil. Vater in statistischen Daten die Wirkung der erhabenen Worte seiner Encycliken und Breven vor- zuführcn; es ist ja nicht möglich, daß von allen den Vereinen und Genossenschaften, die sein apostolisches Wort in den Kämpfen der letzten Jahre zu neuem Blühen oder auch erst zur Entstehung brachte, Mitglieder persönlich ihre Huldigung darbringen; wohl aber ist es möglich, daß all' die Schriftsteller, welche, entweder gestärkt auf längst verfolgter Bahn, oder neu hingewiessn auf diesen ewigen Pfad der Wahrheit durch diesen Papst, den wahren Erneuerer der katholischen Wissenschast, zum Ruhme der hl. Kirche thätig waren, die Pro-
Isi Wl dcr Siitabirkfit.
Roman aus d-m Englischen von E. Blackburne.
8. Fortsetzung.
Nuala O'Donnel verließ ihren Vater und begab sich in ihr Schlafgemach. Gleich dem Eßzimmer war auch dieses nach alter Weise hübsch möblirt, und ein behagliches Torffeuer brannte in dem Kamine. Sie öffnete eine Schublade, entnahm daraus eine Rolle Rechnungen, und setzte sich neben dem Kamine nieder, um sie bei dem Hellen Schein des Feuers nachzusehen. Während sie damit beschäftigt war, öffnete sich die Thüre und Betty Real betrat das Zimmer.
Ihr vertraute Nuala die Unterredung mit ihrem Vater an. Die Entrüstung der alten Frau war grenzenlos, besonders als sie hört--, daß ihr Herr nach London wolle.
„Was ist hier zu machen, Miß Nuala! Aber weinen Sie nicht, mein Liebling, während der Herr verreist ist, dann wollen wir sie nicht zu Ihnen laffen. Ich werde mich vor ihnen auf die Kniee werfen und Conrad oder Mr. Randal werden Sie beschützen. Doch indem ich von Mr. Randal spreche, fällt mir ein, daß Conrad in der Küche eine Zeitung hatte, in welchem ein großes Gedicht von Mr. Randal stand. Ich will nicht
dukte ihres Geistes zur Huldigung an Seinem Jubelfeste ihm zu Füßen legen.
Das Komits hätte daher sicher darauf rechnen können, daß einem, seinerseits von diesen Gesichtspunkten ausgehenden Aufrufe alle kathol. Autoren mit Freude Folge geleistet und ihre Werke daraufhin zum Jubelfeste nach Rom gesandt haben würden. 4 Das Komito sagte sich ind-ß, daß, wenn Deutschland auf irgend eine einheitliche Kundgebung zur Jubelfestfeier stolz sein dürft und müsse, so müsse und sollte es gerave die auf dem.Gebiete des geistigen Schaffens und Wirkens sein. Hier hat sich Deutschland in nie dagewesener Weift den Ruhm der unitas catholica erworben. Und in dieser unitas catholica muß das geistige katholische Deutschland auf der Jubelfestfeier vertreten sein. Nicht j.’ber einzelne Autor, nicht ein einzelnes, noch so vollkommenes Werk kann und darf diese Universitas vertreten, sondern nur sie alle zusammen als eine neu wiedergewonnene Macht sollen Ihm, dem erhabenen Stellvertrrter der ewigen Wahrheit auf Erden, bei seinem Priesterjubiläum Namens der deutschen Wissenschaft die Worte entgegerjubeln, die er vor zwei Jahren scheioenden Schülern der Anima unter feig Bildniß schrieb: „Unanimes uno ore glorificatc Deum.“
Die Aufgabe, welche sich das Somit e durch Sammlung einer Gesammtbibliothet gestellt hat, war in Anbetracht der Vielheit der Autoren und Verleger keine Leichter Jndeß, nachdem das Komito durch Nachfrage bei einzelnen Hervorragenden Verlegern und Autoren dis Usbexzeugung. gc-, wonnWIattch baß fern TÄäE'sämmmche unter dem MnWkate Seiner QMicfleit .erschienenen Werke zu sammeln, auf günstigen ÄKen gefallen war, durste es mit sicherem Vertrauen-auf Erfolg an die Ausführung des Gedankens gehen.
Die Ausführung ist insoweit gesichert, daß sämmtliche größeren katholischen VerlagShandlungen zugesagt haben,die bei ihnen erschienenen Werke unentgeltlich, und soweit sie eingebunden erschienen sind, in Originalbänden zur Verfügung zu stellen. Gleichwohl bleibt dem Subkomiie, welches die Sammlungen dieser Bibliothek aus sich genommen hat, eine groß; Aufgabe zu erfüllen übrig, die Bibliothek muß geordnet und kutalogisirt werden; die ungebunden
sündigen, Miß, aber ich sage Ihnen, die Haare stehen einem zu Berge, wenn man es hört."
„Hole ein Licht, Betty. Ich habe die Zeitung in der Tasche." Betty gehorchte. Sie brachte das Licht und sagte: „Bitte, Miß, lesen Sie cs laut. Ich möchte es gerne noch einmal hören."
Nuala las das in der lctzien Wochennummer gegebene Gedicht, und je weiter sie las, desto mehr zitterte ihre Stimme.
7. Kapitel.
Miß Nannys Schafs.
Glsnveih, auch das Thal der silbernen Birken genannt, liegt in der wildesten und malerischsten Gegend der Hochlande des Donegal. In früheren Zeilen war dis Gegend von einem einfachen, ländlichen, hart arbeitenden Volke bewohnt, dtsssn hauptsächlichster Wohlstand in den zottigen, sicher gehenden Ponrys bestand, welche sie an die Farmer (Bauern) im Norden und Süden der Insel verkauften.
Daniel O'N il war der Gutsherr dieser,Gegend gewesen, die bis zu den felsigen, öden Ufern be» Donegal reichte. Sein Name war noch in gutem Andenken, und an manchem Herde wurden noch Sagen von seinem Muth; und seiner Tapftik.it erzählt. Die roenigeu seiner Nachkommen, welche
gelieferten Werke müssen würdig eingebunden werden; die Bibliothek muß nach Rom versandt und dort in würdiger Form aufgestellt werden; das Alles erfordert Arbeit und Kosten! Nun ist es ja gewiß nicht zweifelhaft, daß die Autoren, deren Werke von den Verlegern unentgeltlich zur Festbibliothek gespendet werden, gerne einen Beitrag zu den weiteren Unkosten geben dürften; allein, es steht dahin, ob damit die Unkosten auch wirklich gedeckt werden.
Das deutsche Centralkamits hat cs überall zu vermeiden gesucht, die Katholiken zu besonderen Ausgaben für die Sekundizftier zu veranlassen, damit die von den hochwürdigften Herren Bischöfen zu veranlassenden Sammlungen für den außerordentlichen Peterspfennig nicht geschwächt würden. Es gibt aber gewiß so manchen Deutschen und so manche Deutsche, die da vom Wunsche beseelt, daß ihre katholischen Lieblingsschriftsteller in der Festbibliothek nicht nur nicht fehlen, sondern in einem möglichst hochzeitlichen Klttds erscheinen mögen, gerne bereit waren, ein Extrascherstein bei- zutragcn. Alle, welche gesonnen sind, dies zu thun, mögen ihre Gaben an den Säckelmeister des Sub- komitss für die Bibliothck, Herrn Dr. I. Gal land in Münster, ober an ein anderes Mitglied dieses Komitss senden, welches außerdem aus den Herren: Prälat Generalvikar Dr. Giese in Münster, Prälat Dr. Fr. Hülskamp in Münster, Proto- notar Prälat Dr. Janssen in Frankfurt a. M., Bibliothekar Dr. Stamminger in Würzburg besteht, oder auch an die „Centralstelle für. dis Sckündizfestfeier zu Frankfurt am Main, Untermainanlage Nr. 5, 3. Stock.
Deutsches Oteiifj.
Berlin, 29. März.
* Die Veröffentlichung diplomatischer Aktenstücks aus dem Frühjahre 1871, welche über die Entstehung des Kulturkampfes Ausklärung geben sollen, findet, soweit sich bis fitzt übersehen läßt, in der Presse aller Parteien eins überaus kühle Aufnahme. Blätter, die der Regierung nahe stehen und dis sonst jeder Zeit nicht nur den guten Willen, sondern auch eine durch langjährige Uebuug erworbene Fähigkeit besitzen, in allemAkten des Fürsten Bismarck Kundgebungen höchster Staatsweisheit zu bewundern, verrathen in dcr Umgegend lebten, hatten einen fast patriarchalischen Einfluß auf die Landleute. Diese erwiesen ihnen instinktgemäß Huldigung und dachten nicht einen Augenblick daran, ihnen das Feudalrecht streitig zu machen. Außer Miß Ranry O'Neil lebte Niemand mehr in ter Nachbarschaft, der diesen geachteten Namen trug. Deshalb hegte man auch für dis alte Dams einen nicht geringen Grad von Verehrung. M.ß Nanny ritt Steckenpferde und zwar leidenschaftlich, so lange sie in Gunst waren. Ihr fitzlgcs Steckenpferd war die Homöopathie, und zum Schrecken des alten Doktors FenN'ssy stellte sie in einem kleinen I mmer ihrer Wohnung eine homöopathische Apotheke auf, und verschrieb dort davon ihren Untergebenen an bestimmten Tagen. Auch heute stand^ sie wieder da, verschiedene kleine Flaschen vor sich. Einem halben Dutzend Patienten hatten sie schon Heilmittel verabreicht, und sie war sehr befriedigt.
„Bctly Clancy ist in der Küche," meldete jetzt Peter.
„Was will sie?"
„Ich weiß es nicht, sie wünscht Sie zu sprech n, Miß."
„Sag'ihr, si; möge herauf kommen."
Ein paar Minuten nachher trat eine hi fische, schlanke Bauernfrau in das Zimmer. Sie sah