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1887.
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—* Fürst Bismarck und der Kulturkampf.
ii.
Höchst intereffant ist auch die Stellung, welche Bismarck gegenüber der Frage der Anzeigepflicht einzunehmeu für gut sand. Er fragt nach der ganzen Anzeigepflicht keinen Pfifferling, seinetwegen könnte ste mit den übrigen Fellen den Bach hinunterschwimmen. Aber auf seine Kollegen, seine politischen Freunde muß er billige Rückficht nehmen, deshalb hält er mit der Regierung gerade diejenige Forderung aufrecht, an welcher die bei der Ordensfrage so sehr betonten „katholischen Landsleute" so schweren, so unüberwindlichen Anstoß nehmen. Das verstehe, wer will! Oder sollte man am Ende glauben, die Hervorkehrung der persönlichen „Wurstigkeit" sei nur eine verbindliche Handbewegung nach Rom hin, eine Liebenswürdigkeit, die nichts kostet, weil sie mit „leider" eingeleitet ist?
Im Nebrigen helfen alle schönen Worte, die unschuldvollsten Mienen und die schlimmsten Ausfälle gegen Andere nicht über die Thatsache hinweg, daß jede neue Rede Bismarck's gegen die von ihm selbst in’s Werk gesetzte Maigesetzgebung die schwerste Selbst anklage in sich schließt. Wenn denn alles wahr ist, was der Kanzler auch jetzt wieder vorgebracht hat, um die UeberMsiig- keit, ja die handgreifliche Schädlichkeit dieser Gesetzgebung, ihre Rachtheile sogar für unsere auswärtigen Beziehungen darzuthun, — warum kommt denn diese Einstcht so spät, warum ist man nicht früher so klug und weise gewesen? Solche Apostrophen würden wir an den Fürsten Bismarck nicht richten, wir würden vielmehr seiner „Bekehrung" nur die lieblichste Seite abzugewin- nen suchen, wenn er nicht selbst jetzt als geriebener Diplomat die allgemeine Aufmerksamkeit von dem schweren Fehler seiner eigenen politischen Vergangenheit auf Andere ablenkte und große Anklagereden gegen diejenigen hielte, denen er es allein zu verdanken hat, daß seine unheilvolle Kulturkampfspolitik mit übermenschlicher Kraft aufgc- halten, ihre die Fundamente der kirchlichen, wie der weltlichen Autorität erschütternden Konsequenzen nicht eingetreten sind. Die schweren Anschuldigungen, welche Fürst Bismarck immer wieder
Jm Lhil der Mnbirkm.
Roman aus dem Englischen von E. Blackburn«.
7. Fortsetzung.
6. Kapitel.
O'Donnel auf Schloß Garret.
Es war ganz dunkel, als Ruala und Betty Real Schloß Garret betraten. Aus einem Gemache am Hintern Ende der Halle schimmerte Licht, und dorthin lenkte Ruala ihre Schritte. — Es war ein hübsches, braun getäfeltes Gemach mit einem alterthümlichen, hohen Kamine und schweren, eichenen Möbeln nach dem Muster des vergangenen Jahrhunderts. Reben dem Kamine in einem kostbaren Armstuhl faß ein schöner, aristokratisch aussehender, ältlicher Herr, eingehüllt in einen hübschen Schlafrock. Man hätte Garret O'Donnel eher für einen unermeßlich reichen Lord, als für den ruinirten Besitzer eines ruinirten irischen Schlosses gehalten. Jedes einzelne Stück seiner Kleidung zeugte von seinem verschwenderischen Geschmacks; die marokkanischen Pantoffeln, die gewebten seidenen Socken, das feine Taschentuch, mit welchem er spielte, und das schwere seidene Halstuch; alles war das Beste seiner Art. Auf einem Tische neben ihm stand eine Flasche und einige Gläser, sowie eine silberne Schale voll
gegen das Centrum erhebt, sind unseres Erachtens nichts Anderes, als die natürliche Reaktion feines stolzen Selbstgefühls gegen das sich ihm aufdrängende Bewußtsein, daß er in der Kirchenpolitik die Partie gegen das Windthorst'sche Centrum verloren hat. Oder hat das Centrum jemals etwas anderes erstrebt, als was jetzt unter der hohen Aegide des Papstes und Kaisers allmählig in's Werk gesetzt wird? Hat ferner die Verlegung des Schwerpunktes der lirchenpolitischen Verhandlungen in's Herrenhaus einen anderen Werth, als den, den Rückzug der Regierung möglichst wenig kompromittirend zu gestalten, ihr das Eingeständniß ihrer Fehler zu erleichtern, ja ihr sogar zu ermöglichen, in diesem oder jenem Punkte eine Mohrenwäsche vorzunehmen, ohne daß ein irgend nennenswerther Widerspruch erfolgte?
Alle diese Gedanken würden wir für uns behalten und nicht öffentlich aussprechen, wenn nicht die unmotivirten Angriffe Bismarck's gegen das um die Vereitelung des Kulturkampfs- planes so hochverdiente Centcum und seine Führer dazu herausforderten. Schon die bloße Existenz dieser Partei ist für gewiffe Leute ein ständiger Vorwurf, sie erscheint ihnen als ein dunkler Punkt in ihrem eigenen politischen Leben. Und den Aerger und Zorn über solche dunklen Punkte pflegt ja der Mensch meistens, statt gegen sich selbst, gegen die unschuldigen lästigen Mahner an vergangenen Zeiten auszulaffen. Dieser Aerger wäre aber jedenfalls zu verschmerzen gewesen, wenn das Centrum sich dazu Herbeigelaffen hätte, mit den kirchenpolitischen Konzeffionen ein offenes Handelsgeschäft zu betreiben, die Verbesserung der Kirchengesetzgebung gegen PreiSgebung politischer Rechte und Pcogrammgrundsätze einzutauschen. Weil aber das Centrum seine politischeSelbst- ständigkeit um jeden Preis wahren will, — schon im Interesse der Kirche selbst, welche aus einer gegentheiligen Stellung in Zukunft sehr böse Früchte ernten könne — hat Fürst Bismarck es schon seit Jahren vertraulich durch Herrn v. Schlözer in Rom als „reichsfeindliche" Partei anklagen und namentlich seine „wel fische" Führung beanstanden laffen. Daffelbe that er jetzt in seiner Herrenhausrede in der denkbar schroffsten Form.
AmTage nach dem erhebenden Kaiser
getrockneter französischer Pflaumen. Ein Comfort und ein Luxus umgab diesen Mann, welcher unschicklich kontrastierte mit der Erscheinung Ruala's. Heftig legte diese ihren abgetragenen Shawl und Hut ab und ging auf ihn zu, um ihn zu umarmen.
Ec aber wehrte ihr mit seiner weißen, wohlgepflegten Hand und sprach: „Ruala, wann wirst Du Dir dieses ungestüme Wesen abgewöhnen; es strengt meine Nerven zu viel an."
„Es thut mir leid, Papa, Dich aufgeregt zu haben; erwiderte sie sanft;7„wie hat es Dir heute Nachmittag gegangen?"
„Nun wie denkst Du, daß es mir gegangen hat? Ich will an Deine Liebe nicht appellieren, denn ich weiß, Du hast keine. Hättest Du nur den kleinsten Funken von kindlicher Zuneigung, ja nur eine Ahnung davon gehabt, so würdest Du nicht ausgegangen sein und mich der Pflege einer unwiffenden Frau überlaffen haben, die sich eine Köchin nennt."
„Aber, Papa," unterbrach ihn Ruala, „Du weißt doch, daß ich zu Gustav Lynch gehen mußte wegen jenes Geschäftes!"
„Halt ein, Ruala! Diese Gewohnheit, Deine systematische Nachlässigkeit zu entschuldigen, gehört zu Deinen schlechten Eigenschaften. Das zeigt
feste, welches auch von allen Centrumsgenossen aus lauterer patriotischer, kaisertreuer und staatsfreundlicher Gesinnung mitgefeiert wurde, hat Fürst Bismarck wieder einmal den Vorwurf der Staats- seindlichkeit, der Umstürzlern gegen die Centrumspartei erhoben. Das ist eine traurige Thatsache und ein charakteristisches Symptom der ganzen Lage im deutschen Reiche. Beweise für die „antistaatlichen" Bestrebungen des Centrums hat der Kanzler nicht erbracht, die klaren Beweise des Gegentheils, z. B. die eifrige Mitarbeit an der gesammten bisherigen Wirthschafts- und Sozialreform, die ständige Versicherung, daß das Centruin unbedingt auf dem Boden der Verfassung steht, an dem Reichsgedanken festhält und eine durch und durch monarchische Partei ist und sein will, werden einfach ignorirt.
Das neueste Schlagwort, welches Bismarck in die Debatte warf, war „die demokratische Priesterrepublik", die angeblich gegen den Papst revo- lutionire. Will er damit in Rom Stimmung machen? Was der Kanzler damit hat sagen wollen, wird erst durch eine andere Stelle seiner Rede klar. Er sagte nämlich wörtlich: „Wir bekämpften das Vatikanum, um die Bischöfe gegen päpstliche Uebergriffe sicher zu stellen. Wir sind jetzt in der umgekehrten Lage, daß wir die Hilfe des Papstes in Rom gegen Einwirkungen unseres deutschen Episkopats brauchen." Das ist ja in mehrfacher Hinsicht ein interessantes Geständniß. Uns intereffirt daran hauptsächlich die Konstatirung, daß der deutsche Episkopat den centrumsfeindlichen Einflüsterungen in Rom keinen Rückhalt bietet. Wenn die Sache also so liegt, sehen wir der Zukunft äußerst ruhig entgegen. So lange der deutsche Episkopat, der die Verhältnisse aus eigener Anschauung und täglicher Erfahrung kennt, sich mit dem katholischen Volke in die Rolle des angeklagten Staatsrevolutionärs theilt, hat die Anklage in Rom absolut keine Aussicht._____________________________________________
Deutsches Reich.
Berlin, 28. März.
* Der päpstliche Abgesandte Msgr. Galim- berti sollte nach liberalen Quellen den Austrag
eine angeborene Selbstsucht des Charakters. Womit denkst Du, daß ich heute Mittag bewirthet worden bin?"
„Ich bestellte Fisch für Dich und Lammkoteletten und eine Marmeladen-Torte. Ich hoffe, daß Du alles richtig erhalten hast."
Sie sagte nicht, daß sie selbst nur ein frugales Mittagscssen von Kartoffeln und Butter genossen, und Fisch und Fleisch ihrem verwöhnten Vater überlaffen habe.
„Ja, ich hatte allerdings, was Du da erwähnst, aber abscheulich gekocht — und Conrad hat diesen Portwein so geschüttelt, daß er nicht zu trinken ist. Bedenk das, Ruala."
„Das alles thut mir in der That leid, Papa; aber Du weißt, jeder muß auch nach seinen Geschäften sehen."
„Ich meine, Dein erster Gedanke sollte immer Dein Vater sein. Ich weiß, daß ich morgen sehr unwohl sein werde, und blos deshalb, weil Du es vernachlässigst, für meine allergewöhnlichsten Bedürfniffe zu sorgen."
Ruala wußte au« Erfahrung, daß e« unnütz sein würde, ihrem Vater zu widersprechen. Sie schwieg deshalb, setzte einen Stuhl an die andere Seite de» Kamins, zog den Brief de» Advokaten aus ihrer Tasche und versuchte die Aufmerksam-