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M 71.

1887.

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Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wocheirbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

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—* Fürst Bismarck und der Kulturkampf.

ii.

Höchst intereffant ist auch die Stellung, welche Bismarck gegenüber der Frage der Anzeige­pflicht einzunehmeu für gut sand. Er fragt nach der ganzen Anzeigepflicht keinen Pfifferling, seinet­wegen könnte ste mit den übrigen Fellen den Bach hinunterschwimmen. Aber auf seine Kollegen, seine politischen Freunde muß er billige Rückficht nehmen, deshalb hält er mit der Regierung ge­rade diejenige Forderung aufrecht, an welcher die bei der Ordensfrage so sehr betonten „katholischen Landsleute" so schweren, so unüberwindlichen An­stoß nehmen. Das verstehe, wer will! Oder sollte man am Ende glauben, die Hervorkehrung der persönlichen „Wurstigkeit" sei nur eine verbindliche Handbewegung nach Rom hin, eine Liebenswürdig­keit, die nichts kostet, weil sie mit „leider" einge­leitet ist?

Im Nebrigen helfen alle schönen Worte, die unschuldvollsten Mienen und die schlimmsten Aus­fälle gegen Andere nicht über die Thatsache hin­weg, daß jede neue Rede Bismarck's gegen die von ihm selbst in’s Werk gesetzte Maigesetzgebung die schwerste Selbst anklage in sich schließt. Wenn denn alles wahr ist, was der Kanzler auch jetzt wieder vorgebracht hat, um die UeberMsiig- keit, ja die handgreifliche Schädlichkeit dieser Gesetz­gebung, ihre Rachtheile sogar für unsere aus­wärtigen Beziehungen darzuthun, — warum kommt denn diese Einstcht so spät, warum ist man nicht früher so klug und weise gewesen? Solche Apostrophen würden wir an den Fürsten Bis­marck nicht richten, wir würden vielmehr seiner „Bekehrung" nur die lieblichste Seite abzugewin- nen suchen, wenn er nicht selbst jetzt als geriebener Diplomat die allgemeine Aufmerksamkeit von dem schweren Fehler seiner eigenen politischen Ver­gangenheit auf Andere ablenkte und große Anklage­reden gegen diejenigen hielte, denen er es allein zu verdanken hat, daß seine unheilvolle Kultur­kampfspolitik mit übermenschlicher Kraft aufgc- halten, ihre die Fundamente der kirchlichen, wie der weltlichen Autorität erschütternden Konsequenzen nicht eingetreten sind. Die schweren Anschuldigun­gen, welche Fürst Bismarck immer wieder

Jm Lhil der Mnbirkm.

Roman aus dem Englischen von E. Blackburn«.

7. Fortsetzung.

6. Kapitel.

O'Donnel auf Schloß Garret.

Es war ganz dunkel, als Ruala und Betty Real Schloß Garret betraten. Aus einem Ge­mache am Hintern Ende der Halle schimmerte Licht, und dorthin lenkte Ruala ihre Schritte. — Es war ein hübsches, braun getäfeltes Gemach mit einem alterthümlichen, hohen Kamine und schweren, eichenen Möbeln nach dem Muster des vergangenen Jahrhunderts. Reben dem Kamine in einem kostbaren Armstuhl faß ein schöner, ari­stokratisch aussehender, ältlicher Herr, eingehüllt in einen hübschen Schlafrock. Man hätte Garret O'Donnel eher für einen unermeßlich reichen Lord, als für den ruinirten Besitzer eines ruinirten iri­schen Schlosses gehalten. Jedes einzelne Stück seiner Kleidung zeugte von seinem verschwenderi­schen Geschmacks; die marokkanischen Pantoffeln, die gewebten seidenen Socken, das feine Taschen­tuch, mit welchem er spielte, und das schwere seidene Halstuch; alles war das Beste seiner Art. Auf einem Tische neben ihm stand eine Flasche und einige Gläser, sowie eine silberne Schale voll

gegen das Centrum erhebt, sind unseres Er­achtens nichts Anderes, als die natürliche Reaktion feines stolzen Selbstgefühls gegen das sich ihm aufdrängende Be­wußtsein, daß er in der Kirchenpolitik die Partie gegen das Windthorst'sche Centrum verloren hat. Oder hat das Cen­trum jemals etwas anderes erstrebt, als was jetzt unter der hohen Aegide des Papstes und Kaisers allmählig in's Werk gesetzt wird? Hat ferner die Verlegung des Schwerpunktes der lirchenpolitischen Verhandlungen in's Herrenhaus einen anderen Werth, als den, den Rückzug der Regierung mög­lichst wenig kompromittirend zu gestalten, ihr das Eingeständniß ihrer Fehler zu erleichtern, ja ihr sogar zu ermöglichen, in diesem oder jenem Punkte eine Mohrenwäsche vorzunehmen, ohne daß ein irgend nennenswerther Widerspruch erfolgte?

Alle diese Gedanken würden wir für uns be­halten und nicht öffentlich aussprechen, wenn nicht die unmotivirten Angriffe Bismarck's gegen das um die Vereitelung des Kulturkampfs- planes so hochverdiente Centcum und seine Führer dazu herausforderten. Schon die bloße Existenz dieser Partei ist für gewiffe Leute ein ständiger Vorwurf, sie erscheint ihnen als ein dunkler Punkt in ihrem eigenen politischen Leben. Und den Aerger und Zorn über solche dunklen Punkte pflegt ja der Mensch meistens, statt gegen sich selbst, gegen die unschuldigen lästigen Mahner an vergangenen Zeiten auszulaffen. Dieser Aerger wäre aber jedenfalls zu verschmerzen gewesen, wenn das Centrum sich dazu Herbeigelaffen hätte, mit den kirchenpolitischen Konzeffionen ein offenes Handelsgeschäft zu betreiben, die Verbesserung der Kirchengesetzgebung gegen PreiSgebung politischer Rechte und Pcogrammgrundsätze einzutauschen. Weil aber das Centrum seine politischeSelbst- ständigkeit um jeden Preis wahren will, — schon im Interesse der Kirche selbst, welche aus einer gegentheiligen Stellung in Zukunft sehr böse Früchte ernten könne — hat Fürst Bismarck es schon seit Jahren vertraulich durch Herrn v. Schlözer in Rom als „reichsfeindliche" Partei anklagen und namentlich seine „wel fische" Führung bean­standen laffen. Daffelbe that er jetzt in seiner Herrenhausrede in der denkbar schroffsten Form.

AmTage nach dem erhebenden Kaiser­

getrockneter französischer Pflaumen. Ein Comfort und ein Luxus umgab diesen Mann, welcher un­schicklich kontrastierte mit der Erscheinung Ruala's. Heftig legte diese ihren abgetragenen Shawl und Hut ab und ging auf ihn zu, um ihn zu um­armen.

Ec aber wehrte ihr mit seiner weißen, wohl­gepflegten Hand und sprach: „Ruala, wann wirst Du Dir dieses ungestüme Wesen abgewöhnen; es strengt meine Nerven zu viel an."

„Es thut mir leid, Papa, Dich aufgeregt zu haben; erwiderte sie sanft;7„wie hat es Dir heute Nachmittag gegangen?"

„Nun wie denkst Du, daß es mir gegangen hat? Ich will an Deine Liebe nicht appellieren, denn ich weiß, Du hast keine. Hättest Du nur den kleinsten Funken von kindlicher Zuneigung, ja nur eine Ahnung davon gehabt, so würdest Du nicht ausgegangen sein und mich der Pflege einer unwiffenden Frau überlaffen haben, die sich eine Köchin nennt."

„Aber, Papa," unterbrach ihn Ruala, „Du weißt doch, daß ich zu Gustav Lynch gehen mußte wegen jenes Geschäftes!"

„Halt ein, Ruala! Diese Gewohnheit, Deine systematische Nachlässigkeit zu entschuldigen, gehört zu Deinen schlechten Eigenschaften. Das zeigt

feste, welches auch von allen Centrums­genossen aus lauterer patriotischer, kaisertreuer und staatsfreundlicher Ge­sinnung mitgefeiert wurde, hat Fürst Bis­marck wieder einmal den Vorwurf der Staats- seindlichkeit, der Umstürzlern gegen die Centrums­partei erhoben. Das ist eine traurige Thatsache und ein charakteristisches Symptom der ganzen Lage im deutschen Reiche. Beweise für die „anti­staatlichen" Bestrebungen des Centrums hat der Kanzler nicht erbracht, die klaren Beweise des Gegentheils, z. B. die eifrige Mitarbeit an der gesammten bisherigen Wirthschafts- und Sozial­reform, die ständige Versicherung, daß das Cen­truin unbedingt auf dem Boden der Verfassung steht, an dem Reichsgedanken festhält und eine durch und durch monarchische Partei ist und sein will, werden einfach ignorirt.

Das neueste Schlagwort, welches Bismarck in die Debatte warf, war „die demokratische Priester­republik", die angeblich gegen den Papst revo- lutionire. Will er damit in Rom Stimmung machen? Was der Kanzler damit hat sagen wollen, wird erst durch eine andere Stelle seiner Rede klar. Er sagte nämlich wörtlich: „Wir bekämpften das Vatikanum, um die Bischöfe gegen päpstliche Uebergriffe sicher zu stellen. Wir sind jetzt in der umgekehrten Lage, daß wir die Hilfe des Papstes in Rom gegen Ein­wirkungen unseres deutschen Epis­kopats brauchen." Das ist ja in mehrfacher Hinsicht ein interessantes Geständniß. Uns intereffirt daran hauptsächlich die Konstatirung, daß der deutsche Episkopat den centrumsfeind­lichen Einflüsterungen in Rom keinen Rückhalt bietet. Wenn die Sache also so liegt, sehen wir der Zukunft äußerst ruhig entgegen. So lange der deutsche Episkopat, der die Verhält­nisse aus eigener Anschauung und täglicher Er­fahrung kennt, sich mit dem katholischen Volke in die Rolle des angeklagten Staatsrevolutionärs theilt, hat die Anklage in Rom absolut keine Aussicht._____________________________________________

Deutsches Reich.

Berlin, 28. März.

* Der päpstliche Abgesandte Msgr. Galim- berti sollte nach liberalen Quellen den Austrag

eine angeborene Selbstsucht des Charakters. Wo­mit denkst Du, daß ich heute Mittag bewirthet worden bin?"

„Ich bestellte Fisch für Dich und Lammkotelet­ten und eine Marmeladen-Torte. Ich hoffe, daß Du alles richtig erhalten hast."

Sie sagte nicht, daß sie selbst nur ein frugales Mittagscssen von Kartoffeln und Butter genossen, und Fisch und Fleisch ihrem verwöhnten Vater überlaffen habe.

„Ja, ich hatte allerdings, was Du da erwähnst, aber abscheulich gekocht — und Conrad hat die­sen Portwein so geschüttelt, daß er nicht zu trin­ken ist. Bedenk das, Ruala."

„Das alles thut mir in der That leid, Papa; aber Du weißt, jeder muß auch nach seinen Ge­schäften sehen."

„Ich meine, Dein erster Gedanke sollte immer Dein Vater sein. Ich weiß, daß ich morgen sehr unwohl sein werde, und blos deshalb, weil Du es vernachlässigst, für meine allergewöhnlichsten Bedürfniffe zu sorgen."

Ruala wußte au« Erfahrung, daß e« unnütz sein würde, ihrem Vater zu widersprechen. Sie schwieg deshalb, setzte einen Stuhl an die andere Seite de» Kamins, zog den Brief de» Advokaten aus ihrer Tasche und versuchte die Aufmerksam-