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M 70.

Montag, den 28. März.

1887.

filtatt W Iritiiil«.

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täalich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

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—* Fürst Bismarck und der Kulturkampf.

i.

Schärfer als in seiner großen Herrenhausrede vom 23. ds. hat Fürst Bismarck noch niemals seine Worte zurückgenommen, seine im Kultur» kampf begangenen Jrrthümer zugestanden. Jetzt gibt der Kanzler uns selbst recht gegenüber all' den kleinen und großen bezahlten und unbezahlten Reptilien, die uns während des Kulturkampfes mit Bismarck'scher Weisheit pflichtschuldigst ver­sorgten.

Man müßte die Bismarck'sche Rede eigentlich mit dem französischen Worte „causerie“ bezeich­nen, denn eine planmäßige, von großen Gesichts­punkten ausgehende und nach solchen gegliederte „Rede" war cs nicht, sondern vielmehr ein be­quemes, breites, behagliches, nicht allzu konse­quentes Geplauoer über das Thema und über alles, was sich damit in Zusammenhang bringen läßt. Fürst Bismarck k alte es diesmal außer­ordentlich leicht, denn er brauchte nicht zu fürchten, daß seine gegen das Centrum gerichteten Aus­einandersetzungen widerlegt, den Versuchen, seine frühere Kulturkampfspolitik in, harmlosesten Lichts darzustellcn, widersprochen, seine Witze und Sarkas­men mit doppelter Münze heimgezahlt würden. Diejenigen, gegen welche er seine Geschosse richtete, waren nicht anwesend, konnten sich nicht verthei- digen und konnten auch nicht zurückschießen, und die wenigen anwesenden Gesinnungsgenoffen hielten es begreiflicherweise nicht für klug, den Löwen, dem sie parlamentarisch doch nun einmal nicht gewachsen sind, zu reizen und dadurch nicht nur die Frucht langer Arbeit in Frage zu stellen, son­dern auch vielleicht die Sache ihrer Freunds in eine schiefe Lage zu bringen. Das Centrum wird an geeigneter Stelle dem Fürsten Bis­marck seine Antwort schon zu Theil werden lassen.

Eine eigentliche Disposition ist in der Rede Bismarcks nicht zu finden, wollte man daher das Ganze rach bestimmten Gesichtspunkten behandeln, so müßte man sich die zusammengehörigen Mo­mente aus allen Ecken der Rede zusammenlesen. Aber das ist nicht unsere Absicht, wir wollen uns darauf beschränken, einige markante Punkte heraus«

Im Oil der Iilbnbirkkll.

Roman aus dem Englischen von E. Blackburn«.

6. Fortsetzung.

5. Kapitel.

In Miß Nanny's Küche.

„Du und Tante Nanny, ihr beiden paßt aut zusammen," waren die letzten Worte Nuala'S an ihren Vetter gewesen. Sie hatte Recht; beide waren Gesinnungsgenoffen und daher häufig bei­sammen, ungeachtet der Verschiedenheit ihrer Jahre.

„Ist Miß Ranny zu Hause, Peter?" fragte Randal Macsorley, als ihm die Thüre von Miß O'ReilS gastlichem Hause geöffnet worden war, einen Diener, welcher dem Fräulein als Kellner und Kutscher diente.

„Ja, Mr. Randal, meine Herrin ist oben im Sprechzimmer. Ich wollte gerade den Thee her­aufbringen. Werden Sie eine Taffe mit ihr trinken?"

„O ja, Peter." Randal zog seinen Ueberrock au». Die Halle war nur durch eine einzige düstere Oellampe erhellt, aber ihr Licht reichte hin, um zu erkennen, daß Randal ein hübscher, kerngesunder Kelte war mit blondem Haar und blauen Augen.

zugreifen. Bemerkenswerth ist zunächst der etwas gereizte und sarkastische Ton, den der Kanzler gegenüber dem nationalliberalen Kulturkampfspro­fessor Beseler anschlug, dem er ziemlich unverblümt Nörgelsucht vorwarf. Aehnlich mag cs auch an­deren Nationalliberalen ergehen, welche es wagen sollten, die Intentionen dessen zu kritisiren, dem sie doch allein verdanken, was sie an politischer Macht zu besitzen glauben. Auch der Spott über diejenigen seiner protestantischen Glaubensgenossen denen der Anblick einer schwarzen Kutte Haß und Galle errege, war nicht übel; hoffen wir, daß allenthalben in Deutschland die geschworenen Feinde der katholischen Orden sich diese Worte ihres Herrn und Meisters hinter die Ohren schreiben und darnach handeln. Das „protestantische Gefühl", welches sich, wie gegen die Wiederzulaffung von Orden, so auch gegen viele andere kirchliche Forderungen sträube, wurde überhaupt vom Fürsten Bismarck sehr gering- schätzend behandelt. Seine ganze Behandlung der Ordensfrage hatte etwas außerordentlich Saloppes. Dinge, welche er selbst früher mit der ganzen Leidenschaftlichkeit und Zähigkeit deren er fähig ist, durch Dick und Dünn verfochten und durch­gesetzt hat, erscheinen ihm heute als etwas absolut Gleichgiltiges, bezüglich dessen er nur das „Urtheil der katholischen Landsleute", das „katholische Be- dürfniß" maßgebend sein läßt. Das ist ja ein totaler Frontwechsel, welcher um so erfreu­licher wäre, wenn er sich konsequent .auf, das ganze Gebiet der preußischen Maigefttzgebung und der deutschen Ausnahmegesetze erstreckte und sich durch einen einzigen resoluten dicken. Strich durch die ganze verkehrte Gesetzgebung gegen die Kirche Gel­tung verschaffte.

Freilich hat Bismarck durchblicken lassen, daß er mit Rücksicht auf gewisse Vorurtheile und aus seine politischen Freunde erst ganz allmälig die große Abbruchsarbeit vollziehen könnte. Aber andererseits hat er auch zugegeben, daß er sich lediglich und allein von politischen Nützlichkeitsrücksichten leiten laffe, daß er der Sache rein „opportunistisch" .gegenüber stehe. Die Politik des „do ut des“, dis Zweck­politik ist das Leitmotiv der Bismarck'fchen Kerchen- politik. Wohl noch nie ist das von ihm so deutlich ausgesprochen worden, wie jetzt, da er

Eine ältliche Dame stand am Kamin, als er ins Sprechzimmer trat. Sie war von mittlerer Größe, und mit einer einfachen schwarzen Seiden­robe bekleidet. Unter dem hübschen Häubchen kamen einige kastanienbraune Locken von der Form und Größe einer Wallnuß hervor, welche auf die hohe intelligente Stirn fielen. Ihre Augen blick­ten sanft und freundlich.

„Guten Abend, mein Junge," rief sie herzlich, als Randal eintrat. „Ich dachte wohl, daß Du heute Abend kommen würdest."

Ich komme mit einem neuen Gedickt, erwiderte Randal, indem er die alte Dame küßte.

„Guter Junge! Aber Du sollst cs nach dem Thee vor'esen. Dann wollen wir hinuntergehen in die Küche. Vielleicht sind außer Peter und Franz noch einige andere da, die es hören können."

Randal lächelte wohlgefällig. Er liebte es, seine patriotischen Ergüffe einer zahlreichen Zuhö­rerschaft vorzulesen.

„Ich sah Nuala heute Abend," sagte er wäh­rend des Thee's.

Miß Nanny trank stillschweigend eine halbe Taffe und sagte dann: „Ich dachte, Du hättest mit meinem Schwager kernen Verkehr gehabt."

„Es würde mir auch leid thun," rief der junge Mann feurig, wenn ich so wäre, wie er. „Nein

u. A. den Frieden mit dem Papste auf gleiche Stufe stellte mit dem Frieden jeder anderen aus­wärtigen Macht. Dfiser rein realpolische, jeder idealeren Auffassung entbehrende Standpunkt hat für uns Katholiken etwas un­gemein Kränkendes. Also nicht um den katholischen Unterthanen aus inneren Gründen die ihnen zu­kommenden Rechte zu gewähren, sie in ihrem Glauben zu schützen, sondern lediglich um des politischen Erfolges willen — nach Innen und Außen — will Bismarck mit der Kirche Frieden schließen. Mit den Verheißungen der verschiedenen preußischen Thronreden stimmt das schlecht über­ein, und wir glauben auch nicht, daß der Kaiser und König, welcher den eigentlichen Anstoß ge­geben hat zu der von der Regierung leider nun schon so lange verschobenen und verzögerten Re­vision der Kirchengesetze, sich von den gleichen Motiven hat leiten lassen, wie sein realpolitischer erster Minister. Sogar für die Beziehungen zu den auswärtigen Mächten, z. B. zu O.sterreich, hofft der Kanzler Vorth.ile aus dem Friedensbe- schluffe mit Rom. Und um auch den letzten Zweifel zu beseitigen, erklärte er ganz offen, daß man ja, wenn seins Hoffnungen und Voraus­setzungen nicht in Erfüllung gingen, die ganze Gesetzgebung zu jeder Zeit wieder erneuern könne. Ein besserer Beweis dafür, daß Bismarck sich nicht von der Erkenntniß des in der Kirchs und den katholischen Unterthanen zugcfügten Unrechtes, sondern lediglich von politischen, realpolitifchen zwingenden Gründen hat leiten lassen, ist nicht denkbar.

Deutsches Reich.

Berlin, 27. März.

* Der Kaiser hat dem Generalfeldmarschall Gräfin Moltke die Brillanten zu dem Sterne der Großkomthure mit Schwertern des Hausordens von Hohenzollern verliehen. Diese Auszeichnung wurde dem Grafen Moltke anläßlich feines Em­pfanges an Kaisersgeburtstag durch Se. Majestät zu Theil.

* Die Vermählung des Prinzen Heinrich mit der Prinzessin Irene von H.ffen wird in der nächsten Wintersaison stattfinden. .

* Die Gerüchte von einem Rücktritte des Fi­nanzministers von Scholz erhalten sich. Der

ich traf Nuala und Betty Neal, die von Don- nelstown kamen und begleitete sie bis Schloß Garret. Nuala und ich wären bald in einen Wortwechsel gcrathen," fügte er bei mit einem verstohlenen Blicks auf Miß Nanny.

„Warum denn?"

„Ich mich in Nuala getäuscht," sagte der junge Mann, während sich sein hübsches Gesicht merk­lich verdüsterte. „Sie ist nicht halb so patriotisch, wie sie es ihrer Geburt und Stellung nach sein sollte."

„Nein, das ist sie nicht. Sie ist meiner eige­nen Schwester einziges Kind, aber ich gestehe, daß ich mich ihrer schäme." Miß Nanny's Helle Au­gen leuchteten und ihre bleichen Wangen färbten sich bei diesen Worten.

„Ich will nicht gerade behaupten", daß Nuala herzlos ist," fuhr sie fort; „aber sie ist mehr ge­neigt, darüber zu disputieren, was recht oder unrecht ist, anstatt daß sie gerade durchgreifen und den Armen helfen sollte. Die Dempscys hier in der Nachbarschaft wären im vergangenen Win­ter fast verhungert, und Nuala sagte, cS geschähe ihnen recht, werl sie die ihnen von den Sachsen angebotene Arbeit nicht hätten annehmen wollen."

„Warum thaten sie das denn auch nicht?"