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Jü 69.

Sonnabend, den 26. März.

1887.

filhtr W 3eitiig.

Erstes Blatt

Die Gesetze vom 11. Mai 1873 (Ges.-S. S. 191) und . Juli 1883 (Ges.-S. S. 109) werden wie folgt ab-

11. Juli

geändert:

8 1. Die Verpflichtung der geistlichen Obern zur Be-

* Das neue Friedensgesetz im Herrenhanse.

Berlin, 24. März.

Die zweite Lesung der kirchenpolitischen Vorlage wurde heute fortgesetzt und zu Ende geführt. Bei Beginn derselben um 12 Uhr waren Haus und Tribünen nur schwach besucht. Professor Dove ist erster Redner. Er spricht sich wie wir der .Germania' entnehmen, gegen die Vorlage aus und deducirt aus derselben ein Ueberwiegen der Hierarchie über die Staatsgewalt. Ein gro­ßer Theil der Rede geht über das Septennat und den ,Gegenpapst' Windthorst. Redner ver­tritt das .protestantische Bewußtsein' mit aller Schärfe. Als zweiter Redner spricht Herr v. Mirbach für die Vorlage vom Standpunkt der .praktischen Politik' aus. Er hofft, daß die ka­tholische Kirche den .territorialen Besitzstand' der Protestanten respectiren werde. Graf Brühl er- sucht in kurzer präciser Rede um Annahme der Vorlage mit den Amendements des Herrn Bischofs Kopp. Oberbürgermeister Miquel ist fder An­sicht, daß die Maigesetze ihren Zweck verfehlt ha­ben und nur noch Trümmer sind. Er ist bereit, den Frieden herzustellen und in Einzelheiten nach^ zugeben, die er subjektiv nur ungern ertrage. Redner stimmt deshalb für die Vorlage. Dem Staate Detbft#b<tt noch in,,..»» H-h.ri».

rechte. Auch sei es richtig, daß man protestan­tische Gefühle nicht gegen da» Gesetz sprechen laffen dürfe. Im vorigen Jahre habe er gegen die damalige Vorlage gestimmt, weil das Ein­spruchsrecht nicht feststand. Dasselbe aber sei jetzt klar concedirt, deßhalb sei seine Stellung eine andere. Er ist der Anschauung, daß die allge­meine Weltlage die Curie auch später noch zum Frieden nöthige. Herr Miquel bedauert jedoch, daß die eingeschlagenen Wege nicht so bestimmt seien, daß seine politischen Freunde ihm fol­gen könnten. Er ist der Ansicht, daß mit der Vorlage das Revisionswerk abgeschloffen sei. De» Weiteren erklärt sich Miquel entschie­den gegen die Kopp'schen Anträge. Freiherr v. Landsberg weist die Angriffe, welche wäh-

nimmt dann den § 1 mit dem Antrag Kopp an. Bei § 2 empfiehlt dec Referent Avains Namens der Kommission die Ablehnung des Kopp'schen Antrages, welcher die Gründe des Einspruchs ein­schränkt; der Antrag würde die Anzeige illusorisch machen. Bischof Kopp befürwortete seinen Antrag, der die Beruhigung des katholischen Klerus und Volkes bezwecke. Herr Miquel widerspricht dem Antrag aufs Entschiedenste, der dem Einspruchs­recht jede Wirksamkeit nehme. Ec plädict für die Fassung der Kommission. Herr v. Kleist- Retzow erklärt sich gegen den Antrag, er hält da» Wohlwollen der Bischöfe für kein Aequivalent, um die Gründe der Anzeige einzuschränken. Es sei ein Beweisverfahren über subj klives Ermessen gefordert, aber nicht festgesetzt, wer entscheidet. Kultusminister Dr. v. Goßler hält das Amen­dement nicLt für unannehmbar, aber doch für höchst unbequem. Ec ist der Meinung, daß der Antragsteller etwas empfehle, was man an den Maigesetzen getadelt hat: eine Fülle von Diskre- tion. Der Antrag belaste den Wagen der Ge­setzgebung und mache denen, welche ihn ziehen, große Beschwerde. Schließlich wurde die B o r l a g e mit mehreren der Kopp'schen Amendements ange­nommen. Die zu Artikel 2 vom Herrn Bischof Kopp beantragte Formulirung des Einspruchsrechts wurde abgelehnt; dagegen wurde Artikel 5, wel­cher die Wiederzulassung der Orden betrifft, in» ^^rWnben Korporationen nicht in das diskretionäre Ermessen der Regierung gestellt wird.

In der nunmehr vom Herrenhause angenom­menen Fassung lautet der Gesetzentwurf wie folgt: Artikel 1.

Artikel 2 des Gesetzes vom 21. Mai 1886 (Ges.-S. S. 147) wird wie folgt abgeändert und ergänzt:

§ 1. Die Bischöfe von Osnabrück und Limburg sind befugt, in ihren Diözesen Seminare zur wissenschaftlichen Vorbildung der Geistlichen zu errichten und zu unter­halten. Auf diese Seminare finden die Bestimmungen des Artikels 2 des Gesetzes vom 21. Mai 1886 Anwendung.

§ 2. Die beschränkende Bestimmung im Absatz 4 des Artikels 2 des Gesetzes vom 21. Mai 1886 wegen des Besuchs der kirchlichen Seminare wird aufgehoben.

Artikel 2.

renb der Debatte gegen das Centrum und gegen den Abg. Dr. Windthorst gerichtet wurden, zurück und spricht mit Wärme für die Amendements des Herrn Bischofs Kopp. Als Redner sagt, daß ja auch Fürst Bismarck für die Anträge sich ausge­sprochen, erhebt sich auf der linken Seite des Hau­ses lebhafter Widerspruch. Graf Ziethen- Schwerin tritt für die Vorlage ein, wünscht aber eine Erklärung der Regierung int Sinne de» Antrages Hammerstein-Kleist. Diesem Standpunkte widerspricht auf'sLebhafteste Frhr. ».Manteuf­fel; es dürfe nicht der Schein aufkommen, als ob die Protestanten eine äo-ut-äos-Politik verträ­ten. Referent Adams giebt hierauf ein Refums der Debatte, in welchem er konstatiren zu muffen glaubt, daß der kirchenpolitische Friede erreicht wird. Er plaidirt dabei für die Kopp'schen Amen- dements. In der Spezialberathung wird darauf Artikel 1 der Vorlage (Errichtung von Seminaren in Limburg und Osnabrück, sowie Freizügigkeit auf den Seminarien) mit großer Majorität ange­nommen, nachdem der Herr Bischof Kopp erklärt hatte, er habe seinen in der Kommission gestellten Antrag, welcher die Errichtung von Seminaren allen Bischöfen zugesteht, deshalb nicht wiederholt, weil in der Bulle de salute animarum das Recht vorbehalten fei, mit der Staatsregierung in Unter­handlung über die Errichtung neuer Seminare zu treten. Bei Artikel 2 (Anzeigepflicht) vertritt Graf Rothkirch-Trach feinen Antrag, wonach Pfarr­verweser nur 9 MonatL ein 'Pf*tro-‘ —■ uaifni, oyne augtzmgr zu werden, während die Kommissionsbeschlüste diese Beschränkung nicht ken­nen. Oberbürgermeister Miquel tritt für das Amen­dement Rothkirch-Trach ein und verbreitet sich über die Institution der Succursalpfarrer. Herr Bischof Kopp weist die Angriffe gegen die Bischöfe von Köln und Trier zurück und empfiehlt feinen An­trag (Umfang de» Einspruchs). Kultusminister v. Goßler spricht sich alsdann gegen den An­trag Rothkirch-Trach aus, da er sich praktisch gar nicht durchführen lasse. Er spricht dann über den Antrag Kopp, da derselbe int Wesen nicht» ändere, sondern nur positiv ausdrückt, wa» § 1 des Artikes 2 negativ besagt, die Staatsregier« ung überläßt e» dem Hause, wie e» sich zum Amendement Kopp stellt. Die Staatsregierung spreche sich nicht für noch gegen aus. Das Haus

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Im <611 der SilMritktn.

(. Roman aus dem Englischen von E. Blackburne.

5. Fortsetzung.

„Diese Dinge verstehst Du nicht, Nuala. Du wirst sehen, daß der Tag kommen wird, an dem alle« tausendfach bezahlt werden wird."

„In welcher Weife, möchte ich fragen ?"

„Wie? durch die Bewunderung und Ergeben- hett meine» Vaterlandes," rief Randal enthu­siastisch. „Ich schreibe für die Ehre und Glorie meine» Vaterlandes, und wenn ich niemals einen Pfennig dafür erhalten werde, fo will ich doch weiter schreiben für mein theures Irland."

„Sie sprechen in Wahrheit, wie ein Nachkomme von Mac Sorley sprechen muß," fiel Betty Neal entzückt ein. „Sie thuen wohl daran, für unser arme«, alte« Irland zu arbeiten, Mr. Randal. Und mich wundert da« nicht. Habe ich doch tausend­mal von meinem Vater gehört, daß Ihr Ahne Mac Sorley O'Donnel da» ganze Eigenthum von „Sieben Glynner" und die ganze Gegend umher zu« Nutzen de» Vaterlander verkauft hätte."

„Ich wollte, dir Mac Sorley'» und O'Donnel'» hätten auch etwa» mehr an die Wohlfahrt ihrer Nachkommen gedacht," sagte Nuala. „Doch, ich gebe zu, daß Jeder handeln kann, wie e» nach

seiner Meinung am besten ist," fügte sie lachend hinzu, „und leider haben alle gedacht wie Mac Sorley dachte."

„War muß ich da hören?"

„Höre, Randal! Neulich sprach ein Mitglied de» irischen Parlamente« bei einer Diskussion: Warum sollen wir immer an unsere Vorfahren denken und davon sprechen. In welcher Weise haben unsere Vorfahren au un« gedacht und was haben sie für uns gethan? Randal, alle unsere großen und berühmten Vorfahren dachten wie Du. Und was haben sie für un« gethan? Sie haben un« einen großen und berühmten Namen hinter­lassen!"

„Ich wünschte, sie hätten un» auch etwa» mehr hinterlassen. Du bist mein Verwandter, Randal, sonst würde ich nicht so sprechen. Aber Du weißt, daß sie von Generation zu Generation mehr Schulden und Pfandbriefe hinterlassen haben."

„Da« kümmert mich nicht," war die mürrische Erwiderung. „Ich roül lieber ein Nachkomme von Mac Sorley O'Donnel sein, ohne einen Heller Geld und ohne Aussicht auf ein anderes Stück Land, al» die fech» Fuß, wo einst mein Leichnam liegen wird, al« ein Abkömmling jener empor­gekommenen sächsischen Fabrikanten mit einer halben Million in der Bank."

„Du bist ein Narr," sagte das Mädchen hitzig. „Randal," fuhr sie eifrig fort, „weißt Du, daß Du mich jetzt schrecklich ärgerst?"

„Wie fo denn?"

„Warum? Weil Du Dein Leben fo verträumst. Du bist jetzt sechs iznd zwanzig Jahre alt und was hast Du ander« gethan, al« einige Gedichte ge­schrieben, — für welche Du nicht bezahlt worden bist, — und einige Artikel für Blätter dritter oder vierter Klasse."

»34 fetze voran», daß ich damit ziemlich viel für mein Vaterland gethan habe. Diese Zeitung: „Hibernia» Banner." erreicht die Masten."

„Es wird den Masten fo viel de» Schlechten geboten, möchte ich wohl sagen. Doch in Ernst, Randal, welche (Saniere hast Du Dir gewählt?"

„Ich habe mich entschieden: Ich bin Patriot. Meine Bestrebungen sind demüthig, aber ehrlich."

„Daß sie ehrlich sind, weiß ich. Aber wenn ich ein Mann wäre und mich al» (inen irischen Patrioten betrachtete, fo würde ich einen anderen Weg einschlagen, um meinen Patriotismus zu zeigen."

„Vielleicht würdest Du mir die Definition eine« Patrioten nach Deiner Meinung geben?“

„Nun ja: Anstatt daß ich die Bresche zwischen den Irländern und Sachsen zu erweitern sucht-