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M 66.

Dienstag, den 22. März.

1887.

Mill N Jtilniig.

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Der P o st - Abonnementspreis aus die »Fuldaer Zeitung^ ist pro Quartal nur 1 Mk. 50 Psg. excl. Bestellgeld.

Deutsches Reich.

Berlin, 21. März.

* Zum Geburtstage des Kaisers sind heute Mittag der König und die Königin von Rumä­nien und Nachmittags die sächssische Königsfamilie hier eingetroffen. Gestern Nachmittag, sowie heute trafen unausgesetzt fürstliche Gäste hier ein. Der Kaiser empfing heute Nachmittag den Abgesand­ten des Papstes, Monsignore Galimberti zur Beglückwünschung, sowie ferner die gleichfalls zum Geburtstag hier eingetroffenen besonderen Abge­ordneten fremder Souveräne und zwar den chine­sischen Gesandten Hsü-Ching Ching, denspanischen Abgesandten General Cordova, den griechischen Gesandten Rhaugebe, den niederländischen Gesand­ten, Genrealadjutanten VerSpyck, den portugiesi­schen General de Sa Carneiro, den türkischen Marschall Ali Mizami Pascha und den Mini­sterresidenten der südafrikanischen Republik van Blookland.

* Die städtischen Behörden beschlossen, der Kaiser Wilhelm- und Augusta-Stiftung anlässig des Geburtstages des Kaisers 300,000 Mk. zu überweisen und dem Kaiser am Geburtstage hier­von Kenntniß geben zu lassen.

* Die kirchenpolitische Kommission des Herrenhauses hat über ihre Verhandlungen Be­richt erstattet. Die Kommissionsbeschlüsse haben wir im Wesentlichen bereits mitgetheilt. Aus dem allgemeinen Theile des Berichtes entnehmen wir, daß sich unser hochw. Herr Bischof über die Vor­lage wie folgt äußerte:

Jm i|«l der Mttbirdeu.

Roman aus dem Englischen von E. Blackburne.

2. Fortsetzung.

2. Kapitel.

Ein geschäftlicher Besuch.

Ter Advokat, ein wie gewandter, sich selbst ver­trauender Weltmann er auch sein mochte, flog bei diesen Worten doch aus und verbarg das kleine Gemälde hastig unter den Papieren in der Schub­lade. Kaum hatte er das gethan, als die junge Dame die Schreibstube betrat.

War sie dem kleinen Bilde gleich oder ungleich? Sofort ließ sich das wohl nicht bestimmen; aber ajlch keines Photographen Farben, weder grau, noch schwarz oder weiß, würden je im Stande ge­wesen sein, die frische Farbe des lieblichen Gesich­tes auch nur im entferntesten wiederzugeben. Ein breitrandiger, grober Strohhut überschattete die hohe Stirn; und die langen, dick.n, schwarzen Locken, welcher über ihren Nacken herunter fi.len, waren einfach zusammengehalten durch ein abge­tragenes rothes Band. Abgetragen war auch ihre ganze Kleidung. Das alte, schwarze Sammetkleid war kahl und altmodisch, schwarze baumwollene Handschuhe umschlossen ihre Hände; jedoch den

„Wesentliche Erleichterungen wurden der katholischen Kirche durch die Vorlage gewährt, das sei auch die Mei­nung des heil. Stuhles, alle Erwartungen seien aber nicht erfüllt; es laste sich nicht verkennen, daß der Entwurf wesentliche Abänderungen der bestehenden Gesetze und wie­derum eine erhebliche Verbesserung der Lage der Katho­liken in Preußen enthalte, nichtsdestoweniger vermisse der heil. Stuhl die Revision einiger anderer Gesetze und be­dauere eine zu große Einschränkung der vorgeschlagenen Abänderung; man müsse dankbar anerkennen, daß die Königliche Staatsregierung in voller Loyalität sich bestrebt habe, das von ihr im vergangenen Jahre dem hl. Stuhl gegebene Versprechen einzulösen, sie habe sich aber zu sehr an eine Materie gebunden, es sei Sache der Kommission, eine volle Arbeit zu machen, das Land erwarte dies. Aus diesem Gesichtspunkte heraus seien die Abänderungs- und Zusatzanträge gestellt. Was die Ordensfrage betreffe, so müsse man sich fragen: Sind dies lben eine Nothwendig- keit für die katholische Kirche? Diese Frage müsse unbe­dingt bejaht werden, und hiervon müsse die ganze Frage abhängig gemacht und hiernach die Regelung dieser An­gelegenheit gestaltet werden."

Der Minister der geistlichen rc. Angelegenheiten erwiederte:

„Die Regierung habe bewußt über Materien neu dis- ponirt, welche bereits in dem Gesetze vom 21. Mai 1836 festgelegt worden waren. Dies sei gekommen nicht in Rücksicht auf die Parteien, sondern in Rücksicht auf die Wünsche des Papstes und die guten Beziehungen zu diesem. Thatsächlich hätten sich die Verhältnisse im Lande günstiger gestaltet, als es früher gewesen, immerhin seien nicht alle Erwartungen in Erfüllung gegangen, welche sich an die Novelle von 1886 geknüpft hätten. Die Anzeizepflicht habe sich ziemlich glatt vollzogen. Gegen 900 Geistliche seien vor ihrer Anstellung den Oberpräsidenten benannt worden. So lange aber die kirchlichen Interessen auch von politischen Parteien wahrgenommen zu werden scheinen, würde der Friede nicht erreicht, auch wenn die vorliegen­den Anträge angenommen würden. Hätte man im vorigen Jahre die diesjährige Vorlage in Form von Amendements durchgesetzt, so würde alles über ewi Groß«, was dadurch erreicht werde, gestaunt haben. Zwischen der Staats­regierung und dem heiligen Stuhl« hätten in vertrauens­vollster Weise Besprechungen stattgefunden vor Einbringung der Regierungsvorlage. Wenn man nicht alle Materien berührt habe, so sei dies sehr natürlich. Die Rücksichten auf die 2/s protestantischen Einwohner des Preußischen Staates, auf die politischen Verhältnisse im Innern, auf die Stellung der Parteien zur Regierung und zu einander dürfe man nicht aus den Augen lassen. Die Regierung sei überzeugt, in dieser Vorlage eine richtige Mitte gehalten zu haben, sie gäbe sich deiner Täuschung hin, sie wüßte, dass di« Vorlage in manchen Punkten die evangelischen Einwohner des Preußischen Staates beunruhigen werde und würde er einen erheblichen Theil der noch darüber hinaus gestellten Abänderungsanträge bekämpfen. Der Hoffnung, daß der Frieden durch diese Vorlage herbei- gesührt werde, gäbe sich die Regierung nicht hin, solange nicht in der Parteipolitik eine Aendernng eingetreten sei;

Plaid, welchen sie leicht umgeworfen halte, trug sie mit der Anmuth einer jungen Königin.

Nuala O'Donnel war kaum 18 Jahre alt, doch sehr entwickelt, wie das besonders häufig der Fall ist bei den halb spanischen Typen der Irländerin­nen, von welchr n sie eine gute Repräsentantin war. Ihre irisch grauen Augen waren von langen, schwarzen Augenwimpern beschattet, und die euere gischen, vollen, schön geformten Lippen bezeugten ihre vermischte spanische und keltische Abstammung. Das war das Mädchen, welches in die Schreib­stube des Advokaten an jenem düstern November­tage eintrat, an welchem unsere Erzählung beginnt. „Guten Tag Mr. Lynch," sagte sie mit einer klaren Stimme, welche vortrefflich mit ihrer äußern Erscheinung harmonirte und welche einen entschie­den hiberischen Klang hatte. „Ich dachte, es sei am besten, wenn ich selbst zu Ihnen käme, um mit Ihnen wegen Ihres gestrigen Briests zu sprechen."

„Ich fühle mich sehr glücklich, daß irgen) ein Geschäft mir die Ehre eines Besuches von Meß O'Donnel verschafft," etroiebette der Advokat ga­lant, während er zugleich für seine B.sucherin einen Stuhl bei das Feuer setzte. Nur für eine Sekunde zogen sich Nuala O'Donnei's gerade Augenbraunen zusammen. Für diese stol e, junge Nachkommin von Königen war Rath Lynch nur

fie^hoffe aber, daß ihr Vorgehen Befriedigung beim Papst und bei allen wohlgesinnten Katholiken finden würde."

Aus diesen Aeußerungen des Kultusministers geht überraschend deutlich hervor, daß es auf die Beseitigung des Centrums abgesehen ist. Dieser Zweck tritt hier zum ersten Male offen hervor, während man bisher die Bedürfnisse der katholischen Unterthanen al» Motiv der kirchen- politischen Revision auszugeben pflegte. Wie bei den letzten Reichstagswahlen wird die Regierung auch hier wiederum schlechte Geschäfte machen, wenn sie thatsächlich darauf aus geht, das Centrum lahm zu legen oder gar zu beseitigen.

* Beide Häuser des Landtage» hielten heute Sitzungen ab. Das Herrenhaus nahm die Landgüterordnung für den Regierungsbezirk Kassel, den Gesetzentwurf betr. Gründung von Ansiedlungen in der Provinz Hannover und die Haubergordnung für den Dillkreis und den Oberwesterwaldkreis unverändert an. — Mittwoch: Kirchenvorlage. — Das Abgeordnetenhaus nahm heute die Gefetzentwürfe betr. das rheinische Hypothekenwesen an und verwies das Gesetz betr. die Fürsorge für Beamte infolge von Betriebsunfällen an eine 14er Kommission, nachdem Abg. Francke (nl.) die Ausdehnung desselben auch auf die Kommunal- beawten verlangte. Donnerstag: Vermehrung der Fabrikinfpektoren.

* Der Reichstag fetzte heute die zweite Be- rathung des Reich-Haushalts für 1887/88 fort und nahm dm Etat der Marins und des Reichs- Heeres sowie des allgemeinen Pensionsfonds nach den Anträgen der Commission an. Danach wurde beim Marineetat die erste Rate — zum Bau — eine» Marinedampfers von 275 000 auf 100 000 Mk. herabgesetzt. Beim Militär­etat wurde gestrichen 100 000 Mk. für eine Gar­nisonwaschanstalt in Bromberg, 100000 Mk. und 350000 Mk. für Kasernen in Minden und Mainz. Für einen Exercier- und Turnplatz für die Hauptkadettenanstalt in Groß>Lichterfilde wur­den 434390 Mk. 140410 Mk. weniger als an- gesttzt bewilligt. Beim Extraordinarium des — Militäretats wurden 121000 Mk. für die Gar­nisonkirche in Straßburg und 200000 Mk. für eine Jnfanteriekaserne in Greifswald gestrichen. Dagegen wurden die für Errichtung einer Unter­offizier - Vorschule zu Neu - Breisach eingefieHten

„der Avvokat". „Guten Tag, Jakob," sagte sie mit dem Kopfe zu ihm hinüberwinkend, und in einem viel herzlicheren Tone, als wie sie seinen Herrn angeredet hatte. „Ich hoffe, Sie wurden gestern Abend nicht mehr von dem furchtbaren Schnecsturme überrascht."

„Ihr gehorsamer Diener, Miß," sagte Jakob, indem er seine Stirn mit seinem Haken berührte. „Ich glaubte fast, das Ende meines Lebens fei da. Aber ich bin ziemlich gewöhnt an dar Wet- t.r und komme immer durch." „Das ist am besten," sagte Miß O'Donnel lächelnd, „und nun, Mr. Lynch," fuhr sie fort, „möchte ich Sie bit­ten, Jakob zu erlauben, das Zimmer zu verlassen, da ich Sie allein in einer Privatangelegenheit zu sprechen wünsche." „Gewiß, M:ß O'Donnel. Ja­kob kann zu Emmy Blake in die Küche gehen."

„Ich werde sofort gehen, sofort," sagte Jakob, nicht ohne einen Anflug von beleidigter Würde in seiner Stimme. Er war ein unverbesserlicher Zech- bruder und nicht gerne dispensirt, wenn e» etwas über die Verhältnisse des Nachbarn zu sprechen gab.

„Ich verließ das Zimmer, weil die junge Dame etwas Geschäftliches mit dem Herrn zu besprechen hatte," redete Jakob eine bescheiden aussehende ältliche Frau an, welche in der Halle saß.