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ZÄM.

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Deutsches Reich.

Berlin, 16. März.

• Der Kaiser empfing heute den Kronprinzen Rudolf von Oesterreich, welcher kurz zuvor aus Wien hier eingetroffen und vom Kronprinzen und dem Prinzen Wilhelm auf dem Bahnhofe be­grübt worden war. Die Kaiserin begrüßte den erlauchten Gast bei deffen Eintreffen im Schloss', wo derselbe Wohnung genommen hat.

* Der Seniorenkonvent des Reichstag» beschloß heute beim Plenum den Erlaß einer Adresse an den Kaiser gelegentlich de» 90. Ge­burtstages desselben zu beantragen. Die mündliche Beglückwünschung muß unterbleiben, da Se. Majestät auf dringendes Anrathen der Aerzte nur die Glückwünsche der fürstlichen Per­sönlichkeiten und der Botschafter der »sroymäcyre persönlich entgegen nehmen wird. Zu Ehren des Tages halten die Mitglieder des Reichstags ein Festdiner im Kaiserhof ab.

• Der russische .Rezierungranzeiger' bringt nachstehende Mittheilung: Am 19. d. M. gegen 11 Uhr Vormittags wurden auf der Newski-Per- spektive 3 Studenten der Petersburger Univerfität verhaftet, bei welchen bei geschehener Durchsuchung Sprenggeschosse gefunden wurden. Die Ver­hafteten gestanden, daß fie einer geheimen ver- brecherischen Genossenschaft angehöcten. Die ihnen abgenommenen Geschosse erwiesen sich bei d:r Prü­fung durch Sachverständige als mit Dynamit und mit Bleikugeln geladen, die mit Strychnin gefüllt waren. — Im Üebrigen liegen vielfach sich wider-

10 lloin Genius berührt.

Erzählung von Carlos Armand.

(Fortsetzung.)

Das Einzige, was Esmonds Bemühungen zu err.ichen vermocht, war die Erlaubnis für den Verurtheilten, ihm und seiner Braut ein letztes Lebewohl sagen zu dürfen — So hatte er denn am Morgen dieses Tages mit Gabriele den Kerker besucht, wo Rene muthrg und gefaßt dem Tode ins Auge sah.

Es war ein erschütternder Abschied gewesen, Edmond hatte Gabriele zuletzt bewußtlos aus den Armer, des Geliebten hinweggetragcn--und

seitdem saß sie nun dort am Fenster starr und bewegungslos.

Sie wußten nun Beide, daß sie nichts mehr zu thun vermochten — daß es keine Rettung mehr gab und Rene am kommenden Morgen sei­nem Geschick entgegenging. Dennoch lag in Edmonds Zügen nicht der gleiche Ausdruck hoffnungsloser Verzweistung wie in denen des Mädchens. Es brach zuweilen sogar ein Schimmer von Hoffnung aus seinen erweiterten Augen, wenn er auf den prächtigen Veilchenstrauß herabblickte, der in sei­nen Händen ruhte, oder plötzlich durch den zarten Duft an ihn erinnert wurde.

sprechende Nachrichten über den Attentatsplan vor, keine aber bestätigt die gestern von der .Times' gegebene Version, wonach der Zar nur vor die Wahl hätte gestellt werden sollen, entweder abzu­danken, oder eine Verfassung zu erlassen. Auch die obige offizielle Darstellung ist damit nicht ver­einbar.

* Dem italienischen Minister des Aeußern, Grafen Robilant, ist der Schwarze Adlerorden verliehen worden.

* Der Kronprinz von Dänemark trifft Sonn­tag Abend in Berlin ein.

* Der Reichstag behandelte heute Anträge aus dem Hause und zwar die sozialpoliti­schen Anträge des Centrums und der Freikonser­vativen. Der Abg. Hitze hat bekanntlich, unter­stützt vom Centrum, drei Anträge über die Re­gelung der Verhältnisse der Fabrikarbeit einge­bracht. Der Antrag bezweckt die Ausdehnung der Schutzbestimmungen der Gewerbeordnung (§ 134—139b) auch auf Betriebe, die überhaupt elementare Kraft regelmäßig benützen. Der zweite Antrag behandelt die Sonntagsarbeit, die Maxi- malarbeitSzeit, sowie die Frauen- und Kinderar­beit. Ein dritter Antrag bezieht sich auf die Arbeitszeit in Textilfabriken. Die zwei letzten Anträge bezwecken eine umfassende Regelung der angegebenen Gebiete, während der von dem frei- konservativen Abgeordnete Lohren gestellte An­trag 'nur ein Verbot der Sonntags- und Nachtarbeit der Arbeiterinnen f.stsetzen, außer­dem auch eine umfassende Ausdehnung der Schutz- uqinninunyeii uci -y-

von jugendlichen Arbeitern herbeiführen will. Erster Redner war der Abg. Hitze, welcher sich in präziser Rede über die in den Anträgen behan­delten Materien verbreitete. Nach einem kurzen Rückblick auf die Geschichte der Anträge behandelte Herr Hitze hauptsächlich den Maximalarb.itstag, indem er ausführte, daß derselbe die Leistungs­fähigkeit des Arbeiters erhöhe und ihn im Lohne nicht schädige. Zahlreiche praktische Beispiele zeigten, daß das Gebiet sehr wohl in befriedigender Werse zu regeln ist. Als nächster Redner trat der Abg. Lohren auf, der die Absichten seines Antrages darlegte. Auch über den Maximalarbeitstag sprach Herr Lohren, dessen Festsetzung er hauptsächlich der Konkurrenz und dem humanitären Sinn der

Er war rin seltsames Ereigniß, das sich für ihn an diese Blumen knüpfte. Am Morgen, als er nach dem Abschied von Rene Gabriele wieder in die von ihm gemiethete Mansardenwohnung zu der alten Amme gebracht, welche sie auf der Reise begleitet, war er noch einmal, wie schon so oft, ziel- und planlos durch die endlosen Straßen ge­wandert, immer in der unbestimmten Hoffnung, daß irgend etwas Günstiges sich ereignen würde.

Da hatte er plötzlich eine Equipage heranbrau­sen sehen, deren durchgehende Pferde den zerrissenen Zügel lang nachschleistcn. Rechts und links stob alles vor den heranstürmenden Rossen zurück, die das Gefährt mit rasender Eile den schmalen, win­keligen Gassen der ärmeren Viertel entgegenrissen, wo es an den eng zusammentretenden Mauern un­fehlbar zerschellen mußte. Edmond erkannte die Gefahr — er sah undeutlich in dem Wagen ein von namenlosem Entsetzen entst-lltes Frauenai tlitz, und mit dem selbstverleugnendcn Muthe, der ihm eigen, warf er sich den rasenden Thieren entgegen, mit raschem, geschicktem Griff die Zügel dicht am Gebiß ergreifend. Ec hatte wohl nicht die Kraft besessen, die Rosse aufzuhalten in ihrem wilden Lauf, er wurde zu Boden gerissen, aber die Pferde stutzten einen Augenblick, und uun eilten auch An­dere herzu, die sie vollends zum Stehen brachten.

Arbeitgeber überlassen will. Redner polemisirte gegen die Hitze'schen Anträge, welche er schablonen­haft und unausführbar nannte, indem er einseitig den Standpunkt der Arbeitgeber betonte. Er pro« ponirte eine Convention mit obligatorischen Bei­trittszwang, welche diese Materien selbstständig regelt, und erging sich in scharfen Angriffen auf die Hitze'schen Anträge. Der nächste Redner, der sozialistische Abg. Harm, betonte, daß die Hitze'­schen Anträge manches Gute und Schöne ent­hielten, bedauerte aber, daß sie noch nicht weit genug gingen. Als Vertreter ter verbündeten Regierungen sprach der Geheime Oberregierungs- rath Lohmann, der sich auf das bezog/was Herr v. Bötticher seiner Zeit zu den Anträgen gesagt. Herr v. Bötticher hatte ehedem eine Theil- nähme an den Kommissionsberathungen zugesagt. Namens der Nationalliberalen ergriff der Abg. Dr. Buhl das Wort, um nicht bestimmt Ja oder Nein zu sagen. Er hielt zumeist alles für schön und erstrebenswerth, aber unter der heutigen Gesetzgebung und bei der Lage der Industrie nicht für ausführbar. Den deutschfreisinnigen Stand­punkt definirte der Abg. Dr. Bau mbach, welcher im Wesentlichen ein ablehnender ist. Dr. Hart­mann (kons.) suchte die auf Grund der Kais. Botschaft in Angriff genommene .Sozialreform' gegen die Ausführungen des Abg. Harm zu ver- theidigen. Nachdem noch der Pole Cegielski für die Hitze'schen Anträge gesprochen, wurden dieselben an eine Kommission verwiesen. Morgen: Servistarif, Unfallversicherung der Seeleute, sowie Reichstag wird die' Etatsberathüng' voraussichtlich bis Sonnabend den 26. d. zu Ende führen, wo- rauf bis zum19.April vertagt werden soll.

* In der gestern unter Vorsitz des Fürsten Bismarck stattgefundenen Sitzung des preußischen Staatsministeriums wurde über den im Herren- hause eingebrachten Antrag von Kleist-R-tzow, be­treffend größere Selbstständigkeit der eoange- lisch en Kirche Beschluß gefaßt. Das Herrenhaus berieth am Freitag die geschäftliche Behandlung des Antrags.

* Jetzt, nachdem die Wahlen vorüber sind, und die „nationale" Mehrheit als reines „Angst- pr odukt" glücklich in den Hafen des Reichstages eingelaufen ist, vertauscht diejenige Presse, welche

Als Eomond aus der momentanen Betäubung erwachte, in die der jähe Fall ihn versetzt, neigte sich ein zartes, liebliches Frauenantlitz voll heißer Dankbarkeit zu ihm herab, und eine unbeschreiblich wohllautende Stimme fragte ihn, ob er verletzt sei und ob sie, die er gerettet, ihn mit sich nehmen und unter ihren Augen verpflegen lassen dürfe? — Er hatte aber nur heim verlangt nach seiner Mansardenwohnung, wo er Gabriele wußte, und da er, obschon unverletzt, doch durch eine momen­tane Schwäche unfähig war, sich zu erheben, so versprach die fremde, schöne Dame, ihn dorthin bringen zu lassen.

„Ihr habt mir das Leben gerettet," sprach sie bewegt, ehe sie wieder in ihren Wagen stieg. „Sagt mir, habt Ihr nicht irgend einen Wunsch, den ich Euch erfüllen könnte?"

Ec aber hatte nur schmerzlich geantwortet: „Das Einzige, was ich begehre, kann mir Niemand ge­währen — ich möchte den Kaiser sehen!'

Da hatte sie ihn angelächelt — glücklich und verheißungsvoll, und den Veilchenstrauß von ihrer Brust ihm reichend, zuversichllrch gesprochen:

„Euer Wunsch wird Euch gewählt werden! Nehmt diese Blumen zum Pfände, noch ehe sie welken, und der Tag sich zu Ende neigt, werdet Ihr den Kaiser sehen."