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Dienstag, den 15. März.

60.

1887.

Fulimr

Die,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

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* Christliche Sozialpolitik.

Am Jahrestage der Äibnuug unseres glorreich regierenden Papstes Leo XIII. schrieb der Moni­teur de Rome', das Organ der Kurie, einen schwungvollen Artikel, in welchem es, soweit er die Werke des heiligen Vaters in der die Welt be­wegenden sozialen Frage behandelte, u. A. hieß: Die Bischöfe beginnen in allen Ländern des Erdballes, geleitet von der sicheren Hand Leo's XIII. einzu- fahren in das bereits offene Fahrwasser der so­zialen Frage. Die Monsignori: Hugonin und andere in Frankreich, Doutreloux in Belgien, Ko­mm, Kremen6 und die übrigen Nachfolger des verstorbenen Bischofs Ketteler von Mainz in Deutsch­land, Bischof Schleich und der Kardinal Simor in Ungarn, die Bischöfe von Pölten, Linz und Salzburg in Oesterreich und Bischof Bonvmelli in Italien, die amerikanischen Bischöfe, alle diese Würdenträger behandeln fortgesetzt diesen Gegen­stand in ihren Hirtenbriefen und bischöflichen Ver­ordnungen. Wenn sich darin Spanien, Portugal und Italien weniger hervorthun, io geschieht es deswegen, weil dort der Klaffenhaß noch keine solche Ausdehnung erreicht hat wie in den Län­dern slavischer, französischer, deutscher und engli­scher Zunge. Diese ausgedehnte Mitwirkung des Episkopates an dem Problem, welches eine Lebensfrage für l te moderne Gesellschaft bildet, ist eine der tröstlichsten Thatsachen in diesen traurigen Zeiten, insbesondere im veifloffenen Jahre. Der Kongreß zu Lüttich im letzten Sommer, auf welchem sich Frankreich, Hollans, Belgien und Deutschland Stelldichein gaben, bildete eine der glänzendsten und fruchtbarsten Kundgebungen nach dieser Richtung hin. Dieser Kongreß ist in der That ein Markstein in der geschichtlichen Entwicke­lung der katholischen Werke. Er hat sich zu glei­cher Zeit, als der erste Versuch der thatsächlichen Fleischwerdung einer der Lieblingsideen des Papstes dargestellt, der „Der allgemeinen katholischen Ver­einigung!" Es ist merkwürdig, festzustellen, daß diese Wiedererneuerung katholischer Grundsätze auf einem so fruchtbaren Boden stattgefunden hat. Man konnte sehen, wie dieses persönliche AuSsprechen begeisterter Menschen, dieser Jdeenstreit sofort die moderne Auflösung in einzelne Theile ersterben ließ. Die deutschen und französischen Lehren der

gern Genius beruhet.

Erzählung von Carlos Armand.

(Fortsetzung.)

Wie aber jedes Leid seinen Lohn in sich trägt, so nahm auch Cdmond aus dieser schwersten Stunde seines Lebens einen reichen Gewinn mit sich fort, wenn er auch selbst ihn jetzt noch nicht erkannte. Was der Mensch verloren, das gewann der Künst­ler. In dem großen, gewaltigen Schmerz, der die tiefsten Tiefen seines Innern aufwühlte, er- fchloffen sich ihm die geheimsten Mysterien der Kunst — fortan gab es keine Regung der Seele mehr, für die fein Ton nicht einen Ausdruck ge­sunden hätte.

Als hernach drunten im weißen Haufe Rene dem Freunde seine hold errötheude Braut zuführte und ihm mit warmer Herzlichkeit um seinen Glück- wünsch bat, da vermochte Eomond es sogar über sich, zu lächeln, und der Blick seligen Glückes, mit dem Gabriele dabei zu ihm aufschaute, goß einen Tropfen Balsam in die Wunde seines Herzens. — Was lag auch an ihm? — wenn sie nur glücklich wurde I

Rene der diesen Abend natürlich bei feiner Braut zubrachte, dachte im Laufe desselben mehr­mals, wenn er seinen Freund ansah:

sozialen Frage haben sich zu Lüttich mit dem Ellen­bogen gestoßen und dieses Aufeinanderplotzen ver­schiedener Meinungen erweiterte und vertiefte den geistigen Jdeenkreis der Koigreßtheilnehmer. Auf diesem Kongreß zu Lüttich haben auch zwei andere edelmüthige und nützliche Ideen Leo's XIII. be­redte Vertheidiger und Ausleger gefunden: „Die Stelle des Priesters, der hierarchische und kirch­liche Charakter, die sozialen Aufgaben der Korpo­rationen, Vereine und Genoffenschaftender Arbeiter!"

Das Werk der katholischen Arbeiterver­eine wurde besonders, man kann sogar sagen, beinahe sprungweise angeregt! Auf den National- kongreffen Deutschlands und Frankreichs (Katho­liken - Versammlungen) wurde die Gründung der katholischen Arbeitervereine mit großem Beifalle begrüßt. Der Abb« Franz Hitze hat bereits eine Broschüre über die Gründung katholischer Arbeiter­vereine herausgegeben. Es ist das eine den Wün­schen des heil. Vaters gewidmete Aufmerksamkeit. Diese Vereine muffen unter die verantwortliche Lei­tung der Bischöfe gestellt und dem pfarramtlichen hierarchischen Organismus untergeordnet werden. Ebenso müffen alle diese lebendigen Kräfte unter ter Leitung vom Bischöfe ernannter Priester nach einem religiösen Ziel hin vereinigt werden. Die Politik muß natürlich aus diesen Vereinen ver­bannt bleiben, und nur religiöse und wirthschaft- liche Materien dürfen behandelt werden. Der Moniteur de Rome' spricht endlich den Wunsch nach der weitesten Verbreitung dieser katholischen Arbeitervereine aus, w.lL»ste jetzt in Deutschland durch die Initiative der Bischöfe überall in der Bildung begriffen sind.

Diese Erfüllung der Herzenswünsche des heil. Vaters wird aber heute von denselben „liberalen" Blättern des „Wahlkartells", die vor den Reichs­tagswahlen in „Papstgehorsam unterthänigst er­starb en", als ultramontane Propaganda bezeichnet und die Behörden werden von diesen „katholiken­freundlichen" und „gut katholischen" Blättern be­reits mit deutlichem Augenzwinkern auf die „Ge­meinschädlichkeit" dieser katholischen Arbeitervereine aufmerksam gemacht. Als die biederen National- liberalen, denen nach dem Willen des Herrn Reichs­kanzlers im jetzigen Reichstage die ausschlaggebend Rolle, auch bet den sozialpolitischen Gesetzen, zu-

„Welch' seltsam ergreifende Schönheit Edmond doch besitzt! Wenn nur die allzu durchsichtige Bläffe und die tiefen Schatten unter den Augen nicht wären."

Für Gabriele begann jetzt eine selige, roonne- volle Zeit. Vor der jungen Braut lag die Zu­kunft in rosenfarbenem Glanze, und wenn der Verlobte auch ferne weilte, so füllte er doch all' ihr Denken aus. Unaufhörlich flogen lange zärt­liche Briefe zwischen den Liebenden hin und her. Dazwischen nähte und stickte sie voll glückseligen Eifers an ihrer bescheidenen Ausstattung, denn schon nach einem kurzen Jahre dachte der unge­duldige Rene sich sein junges Lieb hinüberzuholen in die ferne Hauptstadt.

Der warme, felbftoerleugnenbe Antheil, den Edmond an ihrer Freude nahm, erhöhte dieselbe noch; mit ihm konnte sie unaufhörlich von dem Geliebten sprechen und sich die Seligkeit ausmalen, wenn sie ihm erst ganz und voll angehören würde. Sie ahnte es ja nicht, welche Marter es ihm ver­ursachte, mit freundlicher Gelassenheit ihrem glück­lichen Geplauder zuzuhören. Der junge Künstler bewahrte fein schmerzliches Geheimniß vor jeder­mann, nur seine Vertraute, die kleine braune Geige, die wußte, wie er litt und rang. Ihre Töne waren ja die einzige Sprache, die den Wellen und Winden sein Leid klagen Durfte.

getheilt wurde, in dem ausgefahrenen Geleise der Manchestertheorien den wirthschaftlichen Karren Deutschlands immer noch tiefer in den Sumpf zu führen am Werke waren, hatte das Centrum be­reits fein festes, wirthschaftliches Programm. — Heute, wo ein ganz kleiner Theil dieses Programms gegen den Willen derselben manchesterlichen Na­tionalliberalen durchgeführt ist (die Unfall- und Krankenversicherung) tbun die braven Leutchen (;. B. die Generalversammlung des Vereins für die wirthschaftlichen Interessen Rheinland-Westfalens am 6. März in Düffeldorf), als ob sie allein das Vaterland gerettet hätten, als ob sie stets für die Verbesserung der Lage der arbeitenden Menschheit eingetreten wären. Es ist dies ein Be­weis der nationalliberalen Bescheidenheit. Nun, taffen wir die Herren an ihrer Arbeit, bleiben wir nach der Anweisung des heil. Vaters an der unserigen. Es wird sich in absehbarer Zeit zeigen, wer zerstört und wer aufgebaut hat. Noch lebt das Centrum im Reichstage und es hat bereits sichtbare Beweise davon gegeben, daß es sich von seinem Programme nichts abhandeln läßt. Die Berathung der wieder eingebrachten Arbeiterschutz- gesetze und der Anträge auf Hebung des Gewerbe­fl andes wird dem deutschen Volke bald zeigen, wo die wahren Freunde der Produktivstände sitzen, im Läger der Kartellbrüder ober in betn bes Centrums. Das Centrum wirb auch bie Herren bes Wahl­kartells zum Reden bringen. ES wird sich dann zeigen, daß nur das Centrum die Wünsche nach baldiger Lösung der sozialen Fragen der Gegenwart zu erfüllen geeignet ist, daß der Mifchmasch aber die Verewigung des zur all­gemeinen Umwälzung mit unbezwinglicher Gewalt hinstrebenden höchst unvollkommenen sozialen Zu­standes der Jetztzeit zu erstreben wünscht nach dem Metternich'schen Ausspruche: „Wenn's nur so lange hält, als ich lebe!" — Davor möge Gott uns behüten.

Deutsches Reich.

Berlin, 14. März.

* Der Kaiser empfing gestern den Grafen Ferdinand von Lesseps, welcher in huld­vollster Weise durch eine längere Unterhaltung ausgezeichnet wurde; vorher hatte der Erbauer

V.

So waren Sommer und Winter hingegangen, und der Lenz begann die Knospen an Baum und Strauch zu schwellen.

Der Mai — der Wonnemonat — der dem jungen Brautpaar bie Erfüllung feiner schönsten Hoffnungen bringen sollte, stand vor ber Thür. Von Tag zu Tag erwartete man im weißen Hause einen Brief, ber Rene's Ankunft zur Hoch­zeitsfeier, zn der schon alles vorbereitet, anzeigen würbe.

Doch Tag um Tag verging, ohne den ersehnten Gast oder auch nur eine Botschaft von ihm zu bringen. Statt besten erschien unter den Bewohnern des kleinen Hauses am Strand plötzlich und un­erwartet ein anderer Gast — ein düsterer, unge­betener. Der Tob warf unerbittlich seine schwarzen Schatten auf Gabriele'» strahlendes,, bräutliches Glück. Dem müden Greise zwar, dessen Schmer­zenslager er leise und sanft sich nahte, war er ein willkommener Freund, ber ihn von langer Qual erlöste. Von seinen Lieben konnte er ja ohne Sorgen scheiden: seine vergötierte Gabriele wußte er geborgen in ber Hut ber Liebe und um Eomond war ihm nicht bange. Er zweifelte nicht baran, baß biefer vor eimr glänzenbcn, rühm- vollen Laufbahn staub: in den verflossenen schweren Jahren hatte er deutlich erkannt, welch hohe Gei-