M 59.
Montag, den 14. März.
1887.
Marr W 3tihnm.
7
Er liche '
fachen Artillerielieutenant bi» zum Kaiserthron durchmkffen; seit 1804 vereinigte er die Kronen von Frankreich und Italien auf der lorbeerae- schmückten Stirne.
Rene de Castre — er hatte den Adel, den sein vor Kurzem verstorbener Vater während der Republik abgelegt, unter dem Kaiserreiche wieder angenommen — folgte seinem angebeteten Kaiser auf seinen Feldzügen im fernen Deutschland während der Jahre von 1805—1807. Wie er e» al» Knabe geträumt, sammelte er unter dem dreifarbigen Banner auf dem Felde der Ehre Lorbeeren. Rach erfolgtem Friedensschluß zum Kapitän befördert, sollte der junge Krieger nun nach dreijähriger Abwesenheit zum ersten Mal mit längerm Urlaub nach Marseille zurückkebren. —
IV.
Gabriele und Edmond wußten um Rene's bevorstehende Ankunft. Es war am fiebzehnten Geburtstag der Elstern. Edmond hatte ihr einige selbst komponirte, wundersüße Lieder gespielt, und nun wandelte sie an seiner Seite am Strande auf und nieder. Sie wunderte sich, warum ihr Herz nur gar so unruhig klopfte. Sie wollte sich selbst nicht gestehen, daß e» dem einstigen Spiel- kameraden so ungestüm entgegenschlug; aber wieder und wieder spähte sie erwartungsvoll den Strand-
Wunderblume der Liebe erblühen läßt, daß es sich vielmehr meistens dem zuwendet, der neu und überraschend in sein Leben tritt, und fuhr fort, mit hoffender Seele in die Zukunft zu blicken.
Den einstigen Gefährten ihrer Kinderspiele, Rene, hatten die Beiden ein paar Mal während der Ferien wiedergesehen. Er hatte mit jedem Male in der kleidsamen Kadettenuniform schöner und strahlender ausgesehen und die Freunde stets mit der ihm so eigenen liebenswürdigen Wärme begrüßt — die erblühende Gabriele aber jedes Mal mit feuriger Bewunderung angeschaut. Seit drei Jahren indeß, seit er mit dem ersehnten Lieutenantpatent die Kriegsschule verlaffen, war er nicht mehr in der Heimat gewesen.
Seine Bahn folgte der strahlenden Sonne, die damals hell leuchtend am Himmel Europas stand und eine Welt mit ihrem Glanze erfüllte. Napoleon Bonaparte — der Cäsar des neunzehnten Jahrhunderts — hatte mit stolzem AdlerflUt, in neun kurzen Jahren die schwindelnde Bahn vom ein
weg zwischen den Mandelbäumen hinauf, ob nicht eine Gestalt in blitzender Uniform dort erscheinen würde.
Als der Erwartete endlich kam, schön und ritterlich wie ein junger KriegSgott anzuschauen, da bot sie ihm nur erglühend in jungfräulicher Schüchternheit die klekne, weiße Hand nnd wußte kein Wort zu sagen.
Um so gesprächiger war Rene. Er wurde nicht müde, von den fremden Ländern, die er gesehen, von den erfochtenen Siegen, von Paris und vor Allem von dem Kaiser zu erzählen. Wenn fein Bericht sich auch meist an Edmond wandte, so fühlte Gabriele doch oft seinen feurigen Blick, der bewundernd und hingerissen an ihrer Erscheinung haftete; — mußte ihm doch die holde Mädchen- gestalt in dem weißcn Festgewande mit dem Veilchenkranz im blonden Lockenhaar in der Tha t wie ein Engelsbild erscheinen!
Von da an kam Rene wie damals in der seligen Kinderzeit täglich an den Strand hinab. Er traf Gabriele häufig allein dort, da Edmond durch seine Schüler meist fern gehalten wurde. Tann wandelten die beiden jungen, schönen Menschen- linder in anmuthigem G-plauder, das oft so be- deutungslos war und ihnen doch wie der Inbegriff der Seligkeit erschien, zwischen dem blühen-
Mannschaften für die Zeit vom 1. April 1887 bis zum 31. März 1894 auf 468,409 Mann festgestellt. Die Einjahrig-Freiwilligen kommen auf die Friedenspräsenzstärke nicht in Anrechnung.
S 2.
Vom 1. April 1887 ab werden die Infanterie in 534 Bataillone, die Kavallerie in 465 Eskadrons, die Feld- Artillerie in 364 Batterien, die Fuß-Artillerie in 31, die Pioniere in 17 und der Train in 18 Bataillone formirt.
Ä § 3-
Der Artikel I 8 1 und 2 des Gesetzes vom 6. Mai 1880, betreffend Ergänzungen und Aenderungen des Reichs- Mrlrtärgesetzes vom 2. Mai 1874 (Reichs-Gesetzbl. 1880 S. 103), und die noch in Geltung befindlichen, auf die Zahl der Truppentheile Bezug habenden Bestimmungen des 8 2 des Reichs-Militärgesetzes vom 2. Mai 1874 (Reichs-Gesetzbl. 1874 S. 45) treten mit dem 31. März 1887 außer Kraft.
Gegenwärtiges Gesetz kommt in Bayern nach näherer Bestimmung des Bündnißvertrages vom 23. November 1870 (Bundes-Gesetzbl. 1871 S. 9) unter III 8 5, in Württemberg nach näherer Bestimmung der Militärkonvention vom 21./25. November 1870 (Bundes-Gesetzbl. 1870 S. 658) zur Anwendung.
Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktem Kaiserlichen Jnsiegel.
1 Gegeben Berlin, den 11. März 1887.
(L- * 8-) Wilhelm.
, von Boetticher.
Bei dem gestrigen parlamentarischen Diner beim Reichskanzler wurde über Politik fast gar nicht gesprochen. Fürst Bismarck gab seinen Gästen eine Anzahl intereflanter Reminis- cenzen aus der Zeit seines Petersburger Aufenthaltes zum Besten.
* Einem römischen Telegramm der,Kreuzzeitung' zufolge soll der päpstliche Nuntius in München, di Pietro, demnächst von seinem Posten ab- berufen werden.
* Münster, 11. März. Drei schwere „Verbrecher," d. h. maigesetzliche, sind be- gnadigt worden. Zunächst der berühmte Kapuzinerpater Gabriel, der s. Z. einem cultur- kämpferischen Bürgermeister im Rheinlands die Absolution verweigert hatte und dieserhalb zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt wurde. Der gute Ordensmann zog es vor, im freien England bessere Zeiten abzuwarten; jetzt ist derselbe be- gnadigt worden. Dasselbe ist dem in den Cul« turkawpfsjahren fox viel genannten und durch feine Verfolgung, über die sich ein Roman von stattlichen Bänden schreiben ließ, so berühmt ge- wordenen Pfarrer Kemper von Eggenrode, und
Deutsches Reich.
Berlin, 13. März.
* Die kirchenpolitische Herrenhauscom- misfion hielt am Samstag Vormittag zur zweiten Lesung der Vorlage eine Sitzung, ohne jedoch die Berathung schon zu beendigen. Voraussichtlich wird dieselbe aber in der am Montag 11 Uhr anberaumten Sitzung zum Abschlüsse gelangen. Man nimmt, wie schon berichtet, an, daß die Plenarberathung der kirchenpolitischen Vorlage im Herrenhause am 23. d. M. stattfinden werde.
* Größere katholische Blätter veröffentlichen gleichzeitig eine längere Denkschrift Windt- horst'« über die Kirchenvorlage. Der Centrumsführer sagt nach einer eingehenden Krit'k des Entwurfs, derselbe sei in keiner Weise eine abschließende Revision der Maigesetze; es fehle noch bei der Reichsgesetzgebung die Beseitigung des Kanzelparagraphen, des Jesuitengesetzes und des Ordens-Ausweisungsgesetzes; bei der preußischen Gesetzgebung die unbedingte Freigabe des Mefle- lesens, des Sakramentespendens, die Beseitigung des Bisthumverwesereides, des Vermögensverwaltungsgesetzes, des Altkatholikengesetzes, der Verwendung der aufgehäuften Millionen des Sperr- gesetzes und die Wiederherstellung der aufgehobenen Verfassungsparagraphen. Windthorst schließt, daß so lange das nicht geschehen sei, kein dauernder Friede zwischen Staat und Kirche möglich sei.
* Nachdem der Reichstag gestern die Militär- Vorlage angenommen, trat sofort der Bundesrath zusammen, um über das Gesetz endgültig Beschluß zu fassen. Dasselbe wurde unmittelbar darauf dem Kaiser zur Vollziehung unterbreitet und heute erfolgt bereits im .Reichsgesetzblatt' wie im .Reichsanzeiger' die amtliche Publikation des Gesetzes, welches lautet:
Gesetz, betreffend die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres.
Vom 11. März 1887.
Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen :c.
verordnen im Namen des Reichs, nach erfolgter Zustimmung des Bundesraths und des Reichstages, was folgt:
§ 1.
In Ausführung der Artikel 57, 59 und 60 der Reichsverfassung wird die Friedenspräsenzstärke des Heeres an
seinem würdigen Confrater, dem maigesctzlichen Sünder Pfarre? Thöne in Pfalzdorf bei Cleve, geschehen. Den hochverehrten Herren ist die Angehörigkeit zum Deutschen Reiche wieder zuerkannt.
Ausland.
'Bukarest, 12. März. Aus Rustschuk wird gemeldet: Das Kriegsgericht verurthsilte den Marmekapitän - > issimow und 2 Civilpersonen welche der Teilnahme an dem Aufstande beschuldigt sind, ersteren zu einjähriger Festungshaft und d,e letzteren zum Tode. 300 jüngere Soldaten wurden begnadigt, 125 ältere zu ein- bis dreijährigem Gefängniß verurtheilt. Es heißt, die Letzteren hätten Gnadengesuche überreicht.
— 13. März. Nach Berichten aus Rustschuk fand gestern daselbst in Gegenwart der Garnison die Degradirung der aufständischen Unteroffiziere statt. Oberst Filow-ist seinen Wunden erlegen. Die beiden gestern vom Kriegsgerichte zum Tode verurtheilten Civilpersonen wurden zu 15jähriqer Festungshaft begnadigt.
* Sofia, 13. März Zur Feier des Jahrestages der Thronbesteigung des Kaisers Alexander findet heure ein F-stgottesdienst in der hiesi- gen Kathedrale statt.
«Newyork, 11. März. D m Mormonen- thum soll nun ernstlich zu Leibe gegangen werden. Es ist ein neues Gesetz eingebracht, welches den Widerstand der Mormonen brechen soll. Der drakonische Gesetzentwurf hebt die Korporation der Mormonen sammt dem von denselben verwalteten „Emigrantenfonds" auf und konfiszirt zum Besten der Vereinigten Staaten ihr Eigenthum. Ja, um ..eben gesetzlichen Widerstand im Territorium zu brechen, beraubt sie sämmtliche Anhänger der polp- gamisttschen Theorie des Stimmrechts. Die Mor- monen haben es selbst verschuldet, wenn mit ihnen energisch verfahren wird. Sie haben Hunderte auf Hunderte unschuldiger Frauenzimmer aus Europa hierhergelockt, um den Lüsten ergrauter Wüstlinge unter religiösem Vorwande zum Opfer gebracht zu werden. Abmahnungen seitens unserer Konsuln, Mahnungen der auswärtigen Regierungen nützten Nichts. Da wurden die Amerikaner, deren Geduld onst sprichwörtlich ist, doch am Ende bös und be- schlossen, die ganze Gesellschaft auszukehren. Mögen die Mormonen dorthin gehen, wo der Pfeffer wächst!
Dom (Senins dekShrt.
Erzählung von Carlos Armand.
(Forffetzung.)
' bedachte nicht, daß der tägliche, vertrau- Verkehr in einem Mädchenherzen selten die
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