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Freitag, den 11. März.
1887.
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SXe .Fuldaer Zeitung- erscheint täg l ich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellaeld- IM 50 Ns mrt der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen- in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts IM 75 Pf ' ' "
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Nom Gemiis berührt.
Erzählung von Carlos Armand.
Eine Stunde später hatten die Kinder den Unfall schon vergesien. Sie saßen auf einem Rasen- Hügel unter einem rothblühenden Akazienbaum. Gabrielle und Rene flochten eifrig an den Blumenkränzen, während Edmond seiner Geige, die er stets mitzubringen pflegte, zauberische Weisen entlockte.
Gabrielle," und er küßte zärtlich die k einen weißen Finger, die immerfort liebkosend über seine blaffe Schläfe strichen.
Centrum (einschließlich von 3 Hospitanten) Rational-Liberale (gleichfalls einschließlich von 3 Hospitanten
Deutsch-Konservative Frei-Konservative Deutsch-Freisinnige Protestler Polen Sozialisten . . . „Wilde--
»Ich weiß nicht - ich fühlte einen stechenden Schmerz hier —" er legte die Hand auf's Herz — „und dann nicht mehr. Aber j-tzt ist es wie-
Dort bettete er den Bewußtlosen in’8 weiche Gras, und sich in verzweifeltem Schmerze über ihn werfend, rief er ihn mit den zärtlichsten Schmeichelnamen, indem er sich unaufhörlich selbst , , , . ,
anklagte, den Freund durch seine unbedachsame | der^ gut, ßtzt wollen wir Deine Kränze roinben Aeußerung über deff n schwächlichen Körper zu der "* übermäßigen Kraftanstrengung getrieben zu haben, der durch dieselbe jedenfalls habe zeigen wollen, daß er etwas zu leisten vermöge.
Endlich gelang es den vereinten Bemühungen beider Kinder, den Ohnmächtigen in's Leben zurückzurufen. Edmond schlug langsam die Augen auf und schaute sekundenlang ungewiß um sich. Dann aber fiel sein Blick auf dm Veilchenstrauß, den Rene in dem Augenblicke ergriffen, al« Ed-
(Fortsetzung.)
Rene hatte keinen Laut von sich gegeben, aber seine lebensvollen Züge überzogen sich mit tödt- licher Bläffe. Der Schreck raubte ihm indeß die Geistesgegenwart nicht. Augenblicklich untertauchend, gelang es ihm, den Freund zu erfaffeu und mit ihm schwimmend, wenn auch unter fast übermenschlicher Anstrengung und keuchender Brust das Land zu erreichen.
-*• Das Centrum im neuen Reichstage.
Die Septennatsvorlage wird schon nach kurzer Frist erledigt sein; wie die erste, so wird auch die zweite und dritte Lesung sich rasch abwickeln, ja wir werden wohl kaum nachträglich als Pessimisten gescholten werden, wenn wir voraussagen, daß in der „nationalen" Mehrheit die früher übliche Schlußmacherei zum Nachtheil der oppositionellen Redner wieder in Aufnahme kommen wird. Wenn dann die Frage der Herresverstärkung auf sieben Jahre (d. h. falls Fürst Bismarck sich an das Septennat gebunden halten wird) zur Ruhe gebracht ist, so wird ein großer Theil de« deutschen Volkes sich erst bewußt werden, daß es seine Abgeordneten nicht bloß für's Septennat gewählt hat, sondern daß die nur auf's „Septennat" und für „Kaiser und Reich" gewählten Reichsboten in drei Jahres- sesflonen eine ganze Fülle von Plänen und Wün- scheu der Regierung und des Reichskanzlers unter Dach und Fach zu bringen haben werden. Wir wollen heute keine trübe Fata morgana der nächsten parlamentarischen Zukunft und bet inneren politischen Entwickelung des Reiches hervorzaubern; bie nächsten Wochen unb Monate werben schon alles Röthige zur beginnnenben Ernüchterung beß „nationalen" beutschen Wählers besorgen. Schon bie Beschaffung ber Mittel für d e steigenben Militärlasten wirb die „nationale" Mehrheit und ihre Wählerschaft auf eine harte Probe stellen.
Man würde sich täuschen, wenn man annähme, daß die Centrumsfraktion, nachdem sie die aus« fchlaggebende Stellung als Theil ber bisherigen Abwehrmehrheit eingebüßt hat, nunmehr jebes I maßgebenden Einflusses verlustig gegangen sei. Keineswegs! Das Centrum wird bei feiner Dop- | pelstellung als Partei ber bürgerlichen Freiheit, ber parlamentarischen unb Volksrechte unb als Partei ber positiven WirthschastS- und Sozialreform zunächst unb vor Allem in letzterer Beziehung eine Rolls zu spielen haben. Jnbessen ist es noch keineswegs sicher, ob sich nicht auch gegen etwaige allzu exorbitante reaktionäre Gelüste aus Centrum, Linkslideralen, sowie sonstiger Opposition unb aus bem linken Flügel ber nationalliberalen Partei unter Umstänben eine ausreichenbe Abwehrrnehr-
»Nein, sie gehören Dir!" rief Rene leibenschaft- lich. „Du hast sie verbient unb ohne Deinen plötzlichen Unfall wären sie in Deine Hanb gefallen! O, sage nur, wie kam es, baß Du unter» sankest?"
Deutsches Reich.
Berlin, 10. März.
* Die Stärke ber Reichstags-Fraktionen ist, nach bem offiziellen Verzeichn iß, folgenbe:
die Bocksprünge, welche bann bie nationalliberalen „Katholikenfrennbe" unb die Spießgesellen de» „evangelischen Bundes" vor ben Wählern vollfüh- ren werben.
I heit zusammenfinben würbe; bei ber immerhin nicht sehr starken Mehrheit ber vereinigten „nationalen" Gruppe werben n. E. kleine Ueberraschun- gen in ben nächsten drei Jahren nicht ganz aus- geschlossen fein, unb so könnte das Centrum viel- leicht auch als Oppositionspartei wirksam in Aktion treten.
Der Schwerpunkt ber Centrumspolitik im'gegen- wärtigen Reichstage wirb in ber Sozialpolitik unb den damit in Verbindung stehenden Fragen liegen müssen, und es ist ein gutes Vorzeichen, daß der Abg. Hitze, unbekümmert um bie letzten Ereignisse und Parteiverschiebungen, bereits feinen Antrag zur Gewerbeorbnung, betreff, bisFrauen- unbÄinberarbeit, roieber eingebracht hat. Andere Anträge auf bem Gebiete bes Arbeiterschutzes werden folgen, und so wird ber Regie- rung sowohl wie ben Parteien Gelegenheit geboten werben, in ben brennenben Fragen ber positiven Sozialreform Farbe zu bekennen unb bie schönen Worte ber Wahlbewegung in Thaten zu übersetzen. Auch bie Jnnungs- unb Hanbwerkerfrage wirb roieber auf's Tapet kommen, fei es, daß bie Regierung ihre angefünbigte Vorlage einbringt unb bie Frage zur Diskussion stellt, fei es, daß bie innungssreunblichen Parteien, vor Allem bas Cem trum, wie schon fo oft bie Initiative in dieser ' Frage ergreifen.
In allen diesen Fällen wird die „nationale" Mehrheit vordem kritischen Auge der Wählerschaft Proben ihrer Leistungsfähigkeit unb ihres guten ober bösen Willens abzulegen haben, unb bie Bilder bürsten sich dann vielleicht etwas anders gestalten, als im Wahlkampfe unter dem fast allmächtigen Hochdruck der Regierungsmaschine und unter dem die Besinnung raubenden Einfluß ber blassen Kriegsangst. So sehen wir benn ben be» vorstehenben ReichStags-Verhanblungen nicht ohne Interesse unb Spannung entgegen. Die „nationale" Mehrheit wirb auf allen Gebieten im Feuer exerciren, unb wehe ihr, wenn sie sich bei diesem Exercitium fo viele Blößen gibt, baß sie van ber Wählerschaft nachträglich zu leicht befunben wirb. Auch von ihrer angeblich fo großen Papstfreundschaft unb von ihrer Sorge um bas Wohl ber Katholiken und ihrer Kirche wirb bie „nationale" Mehrheit höchst wahrscheinlich Zeugniß ablegen müssen, unb wir freuen uns schon ordentlich auf monb's Hand sich davon zurückzog, unb ben er jetzt zwischen bes Freunbes Finger geschoben. Damit kehrte ihm bie Erinnerung zurück.
Mit schmerzlichem Lächeln hielt er Rene bie Blumen hin. „Sie gehören Dir!" sagte er trau» rig. „Da, nimm sie unb gib sie ihr — Du warst wieder einmal glücklicher als ich."
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* Bis gestern war eine Aeußerung Rußlanbs über bie letzten Vorgänge in Bulgarien hier noch nicht eingettoff en. Man sieht einer solchen entgegen, hält aber trotz ber brohenben Sprache des .Journal be St. Petersbourg' an ber Heber» jeugung fest, baß Rußlanb sich zu keinem über» eilten Schritt hinreißen lassen wirb, ber es in Wiberspruch mit ben Großmächten fetzen könnte. Man glaubt in diplomatischen Kreisen zu wissen, baß das Vertrauen Rußlands auf den Umfang unb die Leistungsfähigkeit feiner militärischen Rüstungen minder groß ist, als man im Auslands für gewöhnlich annimmt. Kurz vor der letzten Revolte in Sofia war von Petersburg aus die Anregung zu einem erneuten Ideenaustausch ber Mächte über bie Regelung ber bulgarischen Frage ausgegangen, ber eine befriebigenbe Lösung hoffen ließ.
* Der Reichstag trat heute in bie zweite Berathung bes Reichshaushalts für 1887/88 ein. Debattelos würben angenommen die Etats des Reichstags und des Reichskanzlers. Beim Etat des Auswärtigen tadelte Abg. Virchow, daß der für die wissenschaftliche Erschließung Central- afrikas und anderer unbekannter Länder ausge- rootfene Fonds für Erforschung des Hinterlandes von Kamerun verwendet werde, anstatt wie früher ber Afrikanischen Gesellschaft für die Er-
Die beiden Anbern lauschten anbächtig, unbewußt ergriffen von ber Kunst, bie zu begreifen sie noch nicht fähig waren.
Die kleine Gabrielle faltete plötzlich bie kleinen Händchen zusammen. k„Das ist ja, als ob die Englein im Himmel sängen!" flüsterte sie, „wo hast Du nur all bie süßen Melodien her, Edmond ?" Der jugendliche Künstler hörte sie nicht. Er blickte unverwandt in die leuchtende Sonne hinein. — Es war eine Eigenthümlichkeit seiner Augen, daß sie ungeblendet in das Licht sehen konnten, und der Volksmund sagt, das solche Augen, sich früh schließen müssen. —
Die Kleine mußte ihre Frage wiederholen, ehe er, aus feiner Versunkenheit erwachend, träumerisch erwiederte:
„Ich weiß nicht, sie kommen, ohne daß ich sie rufe, ber Winb, bie Wellen rauschen sie mir zu." In bem Augenblick erhob sich ber Winb, er bewegte geheimnißvoll flüsternb bie Krone bes Baumes unb überschüttete bie Kinder mit einem duftenden Blüthenschauer.
Ein paar Tige später kam R.'ne mit glühenden Wangen unb ^strahlenden Augen auf ben gewohnten Spielplatz am Strande gelaufen, wo er bie Gefährten schon seiner harrend fand. Athem-