JK 55. Mittwoch, den 9. März. 1887.
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Ansprache des hl. Vaters an die Cardinäle.
Se. Heiligkeit Papst Leo XIII. hat die Adresse, welche das Cardinals-Collegium in der feierlichen Audienz vom 2. ds. Mt«. an ihn richtete, mit einer längeren Ansprache beantwortet, worin er den Tod Jakobini's beklagte und dem h. Collegium für die ihm bei der Regierung der Kirche gewährte Unterstützung seinen Dank aussprach. Der weitere Inhalt der päpstlichen Ansprache ist folgender:
Wenn vom ersten Tage an diese Regierung im Hinblick auf Unsere Schwachheit Uns als eine furchtbare Last erschien, welcher Wir Uns gern entzogen hätten, so ist sie es heute nicht weniger in Folge der wachsenden Schwierigkeit der Zeiten, in Folge der sich immer schlimmer gestaltenden Lage des h. Stuhles in Rom, und in Folge der Befürchtungen, welche eine sehr zweifelhafte Zukunft erweckt nicht bloß für die Kirche, sondern für die ganze bürgerliche Gesellschaft. Auf der andern Seite aber sind Wir gestärkt durch den Gedanken, daß der göttliche Beistand, welcher unaufhörlich für Uns von der ganzen Kirche angerufen wird, Uns niemals mangeln wird. Auch vertrauen Wir fest auf die mächtige und übermenschliche Kraft, welche der Kirche und dem Papstthum durch göttliche Fügung zum Heile der Welt gegeben ist. Die im Laufe vieler Jahrhunderte geführten Kämpfe haben diese Kraft nicht vermindern, auch nicht verhindern können, daß sie stets ihre wohlthätige Wirkung auf die Menschen ausübte. Dar hat sich immerfort bis zum heutigen Tag inmitten fortwährender Schwierigkeiten wiederholt; denn obwohl gehaßt, bekämpft und verfolgt, hat die Kirche stets ihre friedliche Mission ausgeführt, und selbst heute schickt sie sich mit nicht wenigem Eifer an, überallhin die unschätzbaren Wohkhaten der wahren Religion und der wahren Civilisation zu tragen. Tief überzeugt von dieser göttlichen Kraft haben Wir Uns vorgenommen, die Kenntniß derselben weiter und weiter zu verbreiten in einer Zeit, wo man sie nicht erkennen will. Und Wir haben auch den Trost, zu sehen, wie Unsere Wcrte wohl beachtet werden, und den noch viel süßeren Trost, zu sehen, wie der Glaube sich verbreitet in den ent-
Genies berührt.
Erzählung von Carlos Armand.
(Fortsetzung.) n.
Elf Jahre waren seit jenem Sommerabend dahingeraufcht über die blühenden Gebilde der Provence, blutige, stürmische Jahre, in denen die Revolution ihre furchtbare Geißel über dem unglücklichen Frankreich «nd nicht am wenigsten über der Stadt Marseille geschwungen.
Roch war die Ruhe nicht völlig wieder herge- stellt; aber der Titan war schon erstanden, der die Hydra der Revolution ländigen sollte. Einst- weilen hatte er mit starkem Arm die Ürnern und äußern Feinde der jungen Republik niedergeworfen: auf provencalischem Boden war e» gewesen, wo Napoleon Bonaparte vor der berühmten Seefeste Toulon den ttltfcheidenden Schläg gegen die Elstern geführt und damit zugleich seine erste glänzende Waffenthat vollbracht, während dtr Kampf gegen die Letztern im ftrnen Italien ihm jenen unvergänglichen Siegt slorbeerkranz eintrsg, dessen leuchtendste Blätter die Tage von Lodi Und Arcole bilden.
Es war Morgen. Ein goldener Frühlingt lag
ferntesten Gegenden, wir er jedes Jahr eine be- merkenswerthe Ausdehnung gewinnt, wie er in vielen Gegenden sich fest fetzt, und wie die kirchliche Hierarchie sich ausdehnt. Wenn doch die Völker uud Fürsten von den Vorurtheilen, von dem Mißtrauen und dem gegen die Kirche und das Papstthum durch eine falsche Politik und durch im Dienste der geheimen Gesellschaften stehende Geschichtsfälscher gehäuften Haß sich frei machen wollten, im Gegentheil erkennen möchten, daß Kirche und Papstthum die sicherste Stütze der öffentlichen Ordnung sind, die festeste Grundlage de» öffentlichen Wohles! Ja, dann würde gewiß nicht die menschliche Gesellschaft so vielen Umsturz zu beklagen haben, nicht jeden Augenblick erzittern vor noch schrecklicheren Katastrophen. Wenn man mit Recht noch größern Prüfungen entgegen sehen muß, kann man nur, wie schon in frühem Ze len, hoffen, daß die Kraft der Kirche und des Papstthum» den furchtbaren Zusammensturz mildern werde. Deshalb haben Wir, kraft de» Uns übertragenen Amtes, in einer so unsichern und so gefährlichen Lage nicht» Besseres thun zu können geglaubt, al» daß Wir Fürsten und Völker den sichersten Hafen der Ruhe und der Sicherheit zeigen und sie mit allen Mitteln dorthin zu reiten suchen. Diesem Werke wollen Wir auch den Rest Unsere» Leben» widmen, überzeugt damit zu dienen den Interessen der Religion, mit welchen verknüpft sind diejenigen der bürgerlichen Gesellschaft. Vergeben» würde man andere Absichten in diesen Unfern Acten erblicken. Wenn Wir kraft Unserer Autorität die wahre Freiheit, die wahre Unabhängigkeit fordern, so geschieht da» zu demselben Zweck; denn die Freiheit und Unabhängigkeit der päpstlichen Gewalt ist dazu bestimmt, die wohlthätige und wahrhaft friedliche Mission derselben zu erleichtern. Möchte man doch endlich da» Berechtigte Unserer Forderungen anerkennen. Den größten Vorthtil davon würde die Ration haben, welche auserwählt ist zum Sitze de» Papstthums, und welche dem Papstthum einen so großen Theil ihre» Ruhmes und ihrer Größe verdankt.
Schließlich gedachte der h. Vater noch seines bevorstehenden Jubiläums und ertheilte den Anwesenden den apostolischen Segen.
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lächelte auf Marseille» fruchtbare Umgebung hernieder. Die weißen, von immergrünen Oel- und Mandelbäumen gekrönten Kreidefelsen, von denen die Stadt ringsum eingeschlvssen, warfen blendend das Sonnenlicht zurück, das einen lichtverklärenden Schein um die goldene Jungfrau, „Notre däma, de la Garde,* wob, die auf einer der höchsten Bergspitzen stehend, weithin al« fromme» Wahrzeichen den Schiffern aller Nationen leuchtet.
Ihr zu Füßen, in urewiger Schöne, dehnte sich die blaue See — da» herrliche Mittelländifche Meer, dessen blüthenumkränzte Gestade so weit das Auge reichte, einen entzückenden farbenreichen Anblick boten.
Gleich einem Bild de» Frieden« lag die reizvolle Landschaft im Frühlingssonnenschein, und wie zur Vervollständigung diese» Bilde» waren am Strand drei liebliche Kinder — zwei, etwa zwölfjährige Knaben und ein etliche Jahre jüngere» Mädchen in unschuldvollem Spiet begriffen.
Die beiden Ersten waren sehr verschieden von einander. Der Eine, ein dunkler Krauskopf mit lebensprühenden Zügen und schlankem, aber kraftvollem und elastischem Gliederbau — der Andere zart, schmächtig, da« blosse, schmale Gesicht von langen, lichtbraunen Locken umgeben und von tiefen, schier übergroßen, blauen Augen wunder-
Deutsches Reich.
Berlin, 8. März.
* Die kirch en politische Commission de» Herrenhauses hat die erste Lesung der Vorlage beendigt. Die zweite Lesung soll erst nach Verlauf mehrerer Tage stattfinden. Der Art. 5 der Vorlage ist in der Fassung des Regierungsentwurfes angenommen. Die Abänderung«- anträge de» Hochw. Herrn Bischofs Kopp find sämmtlich abgelehnt. Die Zufatzartikel dürften da« gleiche Schicksal theilen.
* Das Abgeordne tenhaus wird feine Osterferien vorausstchtlich Sonnabend, 2. April antreten. Die Ferien werden ungefähr 14 Tage währen. Den Schluß der Session erwartet man Mitte Mai.
* Der Reichstag trat heute in die erste Be- rathung des Reichshaushalts-Etats ein. Staatssekretär Jakobi konstatirte, daß der dem letzten Reichstage vorgelegene Entwurf im Wesentlichen unverändert geblieben sei und gab dem Wunsche auf rechtzeitige Fertigstellung des Etats Ausdruck. Abg. v. Huene (Centr.) schloß sich diesem Wunsche an und wandte sich gegen da« Reichseinkommensteuerprojekt der Freisinnigen, die er auf dasselbe zu verzichten bat. Abg. von Maltzahn-Gültz (Kons.) beantragte die Verweisung der finanziell wichtigen Theile des Etats an die Butgetkommission und Erledigung des Restes im Plenum. Er betont ferner die Rothwendigkeit der Eröffnung neuer Einnahmequellen des Reicher. Abg. Rickert (freif.) verwahrt seine Partei gegen den Vorwurf, durch Mitbewilligung der Ausgaben die gegenwärtige Finanzlage mit geschaffen zu haben, und charakterisirt dann die Reichseinkommensteuer als eine wahrhaft soziale Steuer. Abg. v. Benda (natl.) sprach die Zuversicht aus, daß sich zwischen Regierung und Reichstag eine Verstän- tngung über die Steuerreform werde erzielen lassen. Abg. Robbe (Reichrp.) suchte da« System der indirekten Steuern gegenüber dem Reichseinkommensteuerprojekt der Freisinnigen zu rechtfertigen. Hierauf wurden die Anträge tx« Abg. v. Maltzahn angenommen. Morgen Mili- tärvorlage, Marine, Relikten.
* Die Reugruppirung der Fraktionen im Sitzungssaal des deutschen Reichstags hat sam durchgeistigt! — Er erschien trotz gleichen Älter« kleiner und unscheinbarer als sein in strahlender Jugendfülle prangender Gefährte; aber auf seiner weißen, von feinem blauen Geäder durchschimmerten Stirn lag jener geheimnißoolle Zug, der jedes Menschenanllitz, dem er ausgeprägt, mit der Weihe einer überirdischen Schönheit schmückt, und den man einzig zutreffend fnit dem Ausdruck „genial" bezeichnet-
Beide Knaben wetteiferten trotz äußerer Verschiedenheit in dem gleichen, glühenden Bestreben, ein Lächeln auf da» Blumengesichtchen der holden, kleinen Else zu locken, deren goldlockige« Köpfchen und zierliche Händchen kaum die Blüthenfülle zu tragen vermochten, mit der ihre beiden jugendlichen Ritter nicht müde wurden, sie zu überschütten.
„J-tzt ist'« aber genug, Rene und Edmond," rief sie mit ihrer Hellen, lieblichen Stimme. „Hört auf jetzt mit pflücken, wir wollen nun schöne Kränze winden für da« Bild unserer lieben Frau. Die bringen wir ihr dann heut Abend hinauf auf den Felsen. Wollt Ihr mir helfen dabei?"
„Ach ja, das ist schön! komm, wir helfen Dir, Gadrielle," stimmte der mit „Edmond" angeredete blasse Knabe bereitwillig zu: doch der lebhafte Rene, dessen feurigem Sinn die vorgeschlagene