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Mittwoch, den 2. März.

1887.

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D»e .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld- 1 M 50 mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

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Deutsches Reich.

Berlin, 1. März.

* Der Bundesrath beschloß in seiner gestri- gen Plenarsitzung die Wiedervorlegung der Gesetz­entwürfe über die Feststellung des Reichshaushalts für 1887/88, über die Aufnahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltungen des Reichsheeres, der Marine rc., über die Friedenspräsenz­stärke des deutschen Heeres, über die unter Aus­schluß der Oeffentlichkeit stattfindenden Gerichts­verhandlungen, über den Servistarif und die Klas- seneintheilung der Orte und über die Fürsorge für die Wittwen und Waisen von Angehörigen des Reichsheeres und der Marine an den Reich Stag. Die vom Statistischen Amte aufgestellte Uebersicht der nach der Verfassung und den Gesetzen des Reiches festzustellenden Vevölkerungszahlen nach der Zählung vom 1. Dezember 1885, sowie ein An­trag auf strafrechtliches Einschreiten gegen die Presie wurden den zuständigen Ausschüssen über­wiesen.

* Eine Anzahl „liberaler" Blätter sieht bereits die glorreiche Zeit von 18 71 bis 1877 wied er aufleben, wo der Nationalliberalismus schrankenlos herrschte, wo es „eine Lust zu leben" war. Diese Fraktion von Kanzlers Gnaden wird aber lediglich vom Willen des mächtigen Fürsten Bismarck gelenkt und ob es diesem nach einer zweiten Auflage der Gründungs- und Kultur- krmpfsaera gelüstet, möckten wir berweifiln. Es tritt unabweisbar die Frage hervor, welchen Ein­druck Fürst Bismarck als den dommirenden gelten lasien will, ob den nationalliberalen oder den konservativen. Wir glauben nicht, daß man diese Frage einfach aus der Kenntniß des konservativen Grundcharakters der Bismarck'schen Politik heraus beantworten kann; sondern es muß dem Reichs- kanzler ungemein viel darauf ankommen, ferne praktische Politik in Einklang zu bringen mit der Richtung, die in der Umgebung des Thronerben die maßgebendste ist. In gewisiem Sinne ist es ja eine Zukunftspolitik, die jetzt getrieben wird. Und deßhalb glauben wir nicht, daß die „Natro- nalliberalen die „Männer der Zukunft" fern

Trier, 25. Febr. Gestern hat sich das Lokalcomits zur Vorbereitung der 34. General­

versammlung der Katholiken Deutsch­lands gebildet. Die Versammlung ist auf die Tage vom 28. August bis 1. September fest­gesetzt.

• Essen, 28. Febr. Der Uebermuth der Na­tionalliberalen wird mit jedem Tage größer. Be­reits findet sich in der ,Rheinisch - Westfäl. Ztg.' eine Aufforderung, die Niederlage des Herrn Krupp in „dem waffenschmiedenden Wahlkreise" dadurch zu rächen, daß alle Arbeitgeber ausnahmslos aus ihren Betrieben die Arbeiter entlassen sollen, welche nicht nationalliberal oder konservativ sind. — Man scheint mit aller Gewalt entweder Gesinnungslum­pen oder Sozialdemokraten züchten zu wollen. Mögen die frivolen Herren niemals für ihre Dumm­heiten am eigenen Leibe gestraft werden.

* Posen, 28. Febr. Dem Propstv. Jazd- zewski, welcher als der einzige katholische Geist­liche in der Provinz Posen bekanntlich zum Reichs­tags-Abgeordneten für den Wahlkreis Krotschin gewählt worden ist, hat, wie der „Dziennik Pozn." mittheilt, ErzbischofDr. Dinder die Gemehmig- ung zurAnnahme dieses Mandats nicht ertheilt, so daß also für den Wahlkreis Kroto- schin eine Ersatzwahl wird statt finden müssen.

* Lübeck, 1. März Bei der heute vollzoge­nen Stichwahl zwischen dem Nationalliberalen Fehling und dem Sozialisten Schwartz erhielt Ersterer 7200, Letzterer 5100 Stimmen, Fehling ist somit gewählt. (Fr. Z.)

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* Aus Holland kommen neue Nachrichten über Unruhen. In Leyden hat am Sonntag ein Haufe von etwa vierhundert Personen ein Wirths« haus angegriffen und demolirt, in welchem di? Sozialisten ihre Zusammenkünfte zu halten pflegten. Dann ging es zu dem Hause des Präsidenten des sozialistischen Vereins, und an dem Hause blieb keine Scheibe ganz. Nur mit Mühe gelang es der Polizei, die Ordnung herzustellen. Diesen antisozialistischen und speziell monarchisch-loyalen Charakter trugen auch die Unruhen, von denen vor acht Tagen aus A m st e r d a m berichtet wurde. 5Die Bevölkerung war nämlich durch etliche sozia­listische Flugschriften, in denen dem König etwas übel mitgespielt war, sehr entrüstet worden und am Abend von Königs Geburtstag (19. Februar)

Bit Mn m Waüttsdrmm.

Original-Roman von Marie Romany.

41. Fortsetzung.

Lassen wir ihn bei seiner Fahrt allein. Wäh­rend ihn der Zug über die Alpen trägt haben wir Zeit genug, zu betrachten, welchen Abschluß die Karriere des Wärters aus St. Salvatore, 4 dessen Beredtsamkeit Herr von Erlenburg indirekt f seine Befreiuung mitverdankte, gesunden hat.

XVIII.

Giacomo Corel, wie leicht begreiflich, war nach Schluß der Gerichtsverhandlung in Freiheit ge­setzt. Es hatte ihm ja nicht bewiesen werden können, daß er seinen Nebengewinn aus der Ern- schließuna des Herrn von Erlenburg hatte ziehen wollen • auch eine weitere Unredlichkeit in Betreff der Angelegenheit hatte ihm nicht vorgeworfen werden können; und da endlich das Zeugmß, welches der Freiherr selbst über den Mann aus­gestellt, zu seinen Gunsten sprach, hatte der Ge- richtshof, wie wir wissen, seinem ehrlichen -tarnen keinen weiteren Schaden gethan.

Bejammernswerthe Tage hatte der arme Mann im Gesängniß verbracht. Es war nicht allem die Furcht, daß man ihm als Mitwisser des Ver­brechens einen Antheil an der Schuld des Dr.

Rimoli zu erkennen würde, was ihn niederdrückte, die bange Voraussetzung, daß nach dem vorliegen­den Verhältniß seine langjährige Dienstzeit in St. Salvatore ohne Zweck, d. h. ohne den ge­nügenden Geldersolg bleiben würde, war es, was ihm jede Hoffnung auf eine bessere Zukunft nahm.

Man kann daher begreifen, mit welcher Begierde er nach seiner Freilassung der Abwicklung seiner finanziellen Angelegenheit entgegensah. Ohne einen Tag zu verlieren, wendete er sich an die Gerichts - stelle, welche die Ordnung des Nachlasses des Direktor Rimoli unter sich hatte; er machte seine Angaben und erhielt auch die Zusicherung, daß man nach Kräften sein Interesse wahrnehmen werde; auf diese Hoffnung gestützt, kehrte er, das von Alice von Waldheim erhaltene Gold und die Dukaten im Säckel, wieder bei der Wittwe Forg- hese ein.

Der Willkomm, welcher ihm von den beiden Frauen zu Theil wurde, war nicht so gewinnend, wie er es seit Jahren gewesen war. Wohl streckte ihm die Alte nach der spekulativen Art guter Weiber die Rechte entgegen, wohl lächelte und herzte Sofia, aber es war richt zu verkennen, daß ein gewisses Mißtrauen die Stimmung beengte; auch nachdem Giacomo eindringlich versicherte, daß er nicht den geringsten Antheil an der Schuld

zog eine große Volksmenge mit den Farben des Hauses Oranien geschmückt an den Häusern be­kannter Sozialisten vorbei, unter Abstngen des Liedes: „Hop, hop, hop, hangt hem op, (hängt ihn auf)!" An den beiden folgenden Tagen wieder­holten sich die Demonstrationen, doch gelang es der Polizei, einen thätlichen Ausbruch zu ver­hüten. Am 22. Februar zog die Menge dann vor das Haus eines gewissen Pennings am Water- looplein, wo mehrere Sozialisten versammelt waren und sich, angesichts der wachsenden Gefahr, mit Waffen versehen hatten. Die Menge erbrach die Wohnung, die Sozialisten wehrten sich mit Revol­vern und cs kam zu einem förmlichen Gefechte, in welchem es zahlreiche Verwundete gab und das Lokal fast vollständig demolirt wurde. Der ver­stärkten Polizei gelang es endlich, die Kämpfenden auseinander zu bringen und die Ruhe wieder her­zustellen. Die Zahl der Verwundeten betrug 34, darunter 5 Polizeibeamte. An den folgenden Tagen wurde in Amsterdam die Ruhe nicht mehr gestört, da die Polizei umfassendere Vorsichtsmaßregeln getroffen hatte; nur bemerkte man, daß die Be­völkerung sich auf der Straße vielfach dem Verkauf sozialistischer Schriften widersetzte.

* Bukarest, 1. März. Ein Privattelegramm aus Giurgewo meldet: Bei der Garnison von Silistria fanden Kundgebungen gegen die Regent­schaft statt. Aus Varna und Schumla werden Truppen dorthin entsendet. Eine offizielle Bestätig­ung dieser Nachricht liegt nicht vor.

Wochen auf demselben Fleck.

• In politischen Kreisen Italiens und Frank- reichs wird vielfach die Möglichkeit einer Aussöh­nung des hl. Stuhles mit der italienschen Regie­rung besprochen. Ein französisches Blatt wußte sogar einen ganz bestimmten Plan mitzutheileu, auf Grund dessen die Versöhnung statthaben würde. Hiernach sollte der Papst den sogen. Leonini'schen Stadttheil in Rom, sowie einen Länderstrich bis zur Hafenstadt Civitavecchia zum Eigenthum er» halten. Augenscheinlich verdankt das Gerücht der Jakobini'schen Note an den Münchener Nuntius, in weiter die Hoffnung auf eine Verbesserung der unerträglichen Lage des hl. Vaters ausge­sprochen war, seine Entstehung. Daß es bereits zu Verhandlungen der Mächte unter Vermittelung des Direktors von St. Salvatore gehabt habe, daß die sür ihn rückständige Summe von mehr als fünftausend Franken sein ihm rechtmäßig zu- fallender Lohn sei, daß ihm das Gericht zweifellos fein in Mühe erworbenes Geld auszahlen werde, wollte die Situation für ihn nicht von der er­hofften Gemüthlichkeit sein.

Aber Giacomo's Lebensanschauung war von praktischem Kern.

„Ich verarge Euch nicht die Zurückhaltung, die Ihr gegen einen in Mißkredit gefallenen Mann beobachtet," dachte er, ohne jedoch seine Meinung durch ein Wort zu verrathen; „warten wir, bis der Spruch des Gerichts über den Erhalt meines Geldes gefällt ist; fünftausend Franken und darüber werden der acceptabelste Ausgleich für meine in Zweifel gestellte Ehre fein."

Mit lobenswertstem Eifer brachte er endlich die Entscheidung des Gerichts herbei. Die Zurück­stellung seines Lohnes, resp. der größeren Hälfte seines Lohns, hatte sich in dem Rechnungsbuche des Dr. Rimoli verzeichnet gefunden; also nahmen die Herren vom Gesetz keinen weiteren Anstand, den Nachlaß des Direktors mit einer Quittung über den Betrag zu bereichern, wogegen Giacomo die Summe von sünfiausend und zweihundert Franken in blankem Golde ausgezahlt ward.