Einzelbild herunterladen
 

M 47.

Montag, den 28. Februar.

1887.

filhtr Ä Jcitinn.

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

An die katholischen Wähler unseres Bezirks.

Unser Abgeordneter, Graf v. Droste-Vische- ring hat dem Vorsitzenden des hiesigen Komits's der Centrumspartei telegraphisch seinen Dank mit dem Zufügen übermittelt, daß das Centrum auf die katholischen Wähler unseres Bezirks stolz sein dürfe.

Indem wir dies unseren Wählern zur Kenntniß bringen, versäumen wir nicht, auch unserem per­sönlichen Dankgefühl für die thatkräftige Mit­wirkung, welche uns von allen Gesinnungsgenossen gewährt worden ist und die allein unseren glänzen­den Sieg ermöglicht hat, hierdurch warmen Aus­druck zu verleihen.

Fulda, den 28. Februar 1887.

Das Comitö für Centrumswahlen.

Deutsches Reich.

Berlin, 27. Februar.

* Der Kaiser wird persönlich den Reichstag eröffnen, vorausgesetzt, daß sein Befinden dies gestattet, andererseits erfolgt die Eröffnung durch den Kronprinzen. Falls der Kaiser die Er« Öffnung persönlich vollzieht, wird der Reichskanzler Fürst Bismarck die Thronrede verlesen und der Kaiser nur die Eröffnung aussprechen.

* Nach dem amtlichen Wahlresultat sind gewählt: Centrumsmitglieder 92, Nationalliberale 88, Deutschconservative 72, Freiconservative 33, Protestler 15, Deutschfreisinnige 14, Polen 13, Socialdemokraten 6, Welfen 2, Dänen 1.

Die Zahl der Gouvernementalen beträgt inrge- sammt 193, sie Haden also bei vollbesetztem Hause bis zur absoluten Majorität von 199 noch 6 Man­date nöthig. ES finden 61 Stichwahlen statt, bei denen da« Cent rum in Würzburg, Forchheim Kronach, Köln, Mainz, Reichenbach, Usingen-Id­stein, Stuhm-Marienwerder, München I. und II., sowie in Danzig Land betheiligt ist, also in 11 Wahlkreisen. Es können acht Mandate gewonnen werden, so daß das Centrum 100 Mitglieder er-

Die firtin ernt WMsbmn.

Original-Roman von Marie Romany.

39. Fortsetzung.

„Meine Frau hat nichts vermißt, so lange sie nicht wußte, daß die Geburt sie zu einem höheren Loose, als ich es ihr bereiten kann, bestimmte," fuhr Paolo fort. „Und wenn ich Cäcilia richtig verstehe, so glaube ich, daß sie auch für die Zu­kunft mit dem, was mein Beruf uns einbringt, zufrieden sein wird."

„Das heißt —"

„Nein, nein," wendete Paolo geschwind ein, da er glaubte, in der Erregung, die sich bei der Berührung dieses Themas seiner bemächtigt hatte, zu heftig gesprochen zu haben, „es war nicht meine Absicht, Ihrer guten Meinung zu nahe zu treten, lieber Schwiegerpapa. Aber es ist der Stolz eines jeden Mannes, dem Gott als Empfehlung nur seine Tüchtigkeit im Handwerk gegeben hat, daß seine Gattin durch das Loos, welches er ihr be- reitet, glücklich und also zufrieden ist."

„Es gibt Frauen, deren pekuniäre Verhältnisse eine Erleichterung für den Beruf ihrer Männer stnd," meinte der Freiherr, in dessen Biedersinn Paolo's Rede Gefallen erzeugte.

„Gewiß," versicherte der junge Ehemann. „Aber

hielte. — Die Deutschfreisinnigen besitzen 14 Mandate und sind an 29 Stichwahlen be­theiligt, von denen 26 zu ihren Gunsten ausfallen können, so daß sie 40 Mandate bekämen. — Die Socialdemokraten haben 6 Mandate inne, sind in 16 Stichwahlen betheiiigt, von denen 14 zu ihren Gunsten sich wenden können, so daß sie 20 Mann stark würden. — Die Polen haben Wirsitz-Schubin verloren. Sie besitzen 13 Man­date, stehen in Stichwahl in Thorn, Bromberg und Fraustadt; sie werden auf 14, günstigen Falls auf 15 Mandate kommen. —Die Elsaß- Lothringer sind 15 Mann stark, die Welfen werden 4 Sitze haben, die Dänen einen. — Die gouvernementale Majorität wird also 201 Mandate, d. h. 2 über die absolute Mehrheit besitzen. Daß eine solche Mehrheit ein schwanken­des Brett für den Fürsten Bismarck ist, versteht sich von selbst. Absplitterungen werd.n ohnehin genug Vorkommen, so daß das Cent rum nach wie vor ein wesentlicher Factor der Mehrheits­bildung sein wird.

* Das Abgeordnetenhaus führte heute die 2. Berathung des Staatshaushalts für 1887/88 zu Ende. Die Extraordinarien der Eisenbahn- und allgemeinen Finanzverwaltung wurde unver­ändert angenommen. Der Antrag des Abg. Knörcke auf Erhöhung der Pensionen der vor Erlaß des Lehrerpensionsgesetzes von 1885 emeii« tirten Lehrer wurde aus formellen und materiellen Gründen abgelehnt. Das Etats- und das Anleihe- gefetz wurde angenommen und da« Volksschul- leistungSzesetz einer Commission zur Vorberathung überwiesen. Nächste Sitzung: Montag. Dritte Berathung des Staatshaushalts.

* Gestern Mittag 12 Uhr fand im Reichs­tagsgebäude unter Vorsitz des Geheimen Corn- merzienraths Delbrück die constituirende Versamm­lung der deutsch-ostafrikanischen Gesell­schaft statt. Als Commissar des Reichskanzlers wohnte Wirklicher Legationsrath Dr. Kayser der Versammlung bei, die Seehandlung war durch Geheimen Rath Bötticher vertreten. Die Consti- tuirung erfolgte auf Grund des vorgelegten Statutenentwurfs. Es wurden sodann von der Versammlung 21 Mitglieder in den Direktions­rath gewählt und zum Vorsitzenden Carl v. d. Heydt-Elberfeld, zu seinem Stellvertreter Geh.

Sie wußten, als Sie Ihre Gattin heimführten, daß ein solcher Vortheil ihr zur Seite sein würde. Ich freite Cäcilia, weil mein Herz für sie sprach."

„Ich liebe meine Frau," fügte er nach einer kurzen Weile, in der beide Männer geschwiegen hatten, hinzu; „ich habe seit drei Jahren, seit dem Tage, da ich sie zum ersten Male sah, mit verdo- pelter Kraft gearbeitet und mit wahrer Gier den Erlös meiner Arbeit zusammengehalten, um ihr eine trauliche Heimath zu bieten; was wir um uns sehen, ist das Produkt meines Strebens, was wir zu hoffen haben, sind die Früchte meiner Thä- tigkeit. Und wir sind glücklich. Glauben Sie mir, lieber Schwiegerpapa, es bedarf keiner hervorra­genden Schätze, um einem Weibe das Loos, wel­ches sie glücklich macht, zu bescheeren; Eintracht, Liebe, das Bewußtsein vereinigten Strebens und Vertrauen auf den Beistand des Höchsten — — seit dem Tage, an welchem ich mir Cäcilia vom Altar der St. Marienkirche holte, hat jeder Mo­ment dazu beigetragen, daß unser beiderseitiges Glück befestigt ward."

Herr von Erleuburg schwieg noch einen Augenblick.

„Paolo", sagte er dann in einem Tone, der berechnet war, die Schwärmerei des jungen Idea­listen auf eine praktische Seite zu kehren, „ich schätze die Gesinnung des Manres, der im Ver-

Commerzienrath Delbrück-Berlin und Commerz ien rath Langen-Köln.

Ausland.

* Aus Rom kommt die Nachricht, daß der Car- dinal-Staatssecretär, Ja cobini im Sterben liege und bereits die letzte Oelung empfangen habe. — Der „Moniteur de Rome" bementirt die Nachricht, daß die Nunciatur München nach Berlin verlegt werden solle. — Die Verwundeten von Massauah sind in Neapel angekommen und vom Cardinal Sanfelice gesegnet worden. Ein Tagesbefehl des Königs Humbert begrüßte die Tapferen. — Der Correfpondent der „Köln. Ztg." meldet, daß der Vertheidigungsbund zwischen Deutschland, Oester­reich und Italien abgeschlossen sei. Für Deutsch­land ist die Thatsache von beruhigender Wichtigkeit, daß bei einem französischen Angriff gegen Deutsch­land Italien tbätig eingreift, bei einem russischen Angriff gegen Oesterreich aber neutral bleibt.

Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 28. Februar.

x Die gestern in der „Harmonie" abgehaltene Generalversammlung des hiesigen St. Vincenz- Vereins war sehr zahlreich besucht. Herr Stadt« kaplan Söding hielt einen interessanten Vortrag über den „Einfluß der Reformation auf die christ­liche Charitas", und wies nach, daß derselbe ein wesentlich ungünstiger gewesen. Darauf entwarf der Präsident, Herr Weinhändler Jos. Schmitt, ein Gesammtbild über die erfreuliche Thätigkeit der einzelnen Vircenzoereine unserer Diözese, und zeigte dann noch besonders an zwei Einzelfällen, wie nothwendig der St. Vincenzverein auch in unserer Stadt sei. Auch regte er noch die Frage an, ob es nicht gut sei, eine Anzahl von Arbei­terwohnungen zu bauen, da die kleinen Woh­nungen für arme Arbeiter in hiesiger Stadt sehr gesucht und dazu oft noch recht ungesund seien. Möge der Wunsch des Herrn Prälaten Regens Dr. Komp, der zum Schluffe noch einige Worte sprach, daß der hiesige Vincenzverein namentlich an aktiven Mitgliedem wachsen möge, sich reichlich erfüllen!

trauen auf die Kraft seines Verdienstes spricht. Aber die Welt, wie sie vor uns liegt, ist auch in anderem Licht zu betrachten. Man kann sich, ohne feinem Charakter etwas schuldig zu bleiben, das Leben heiterer gestalten, wenn das pekuniäre Verhältniß uns die Erlaubniß gibt."

„Und was.fehlt uns?" fragte Paolo, sich er­regend. „Mein Geschäft hat bis jetzt in gutem Maße hergegeben, was für die Bedürfnisse einer Bürgerfamilie wünfchenswerth ist."

„Cäcilia hat niemals eine Ahnung gehabt, daß sie einem freiherrlichen Haufe entstammte", fügte er in begütigendem Tone bei, „und die Einfach­heit, in der sie erzogen wurde, hat ihr keinen Blick in Verhältnisse gestattet, für welche sie als Zögling des F'ndelhaufes nicht bestimmt zu fein schien. Sie erreichte das höchste Ziel ihrer Wünsche in dem Geschick, welches ihr meine Arbeit und meine Siebe bereiteten. Warum sie in Verhältnisse drängen, nach deren Besitz das junge Weib keine Sehnsucht hat? Cäcilia hat nicht die Erziehung bekommen um die Rolle einer hochgeborenen Dame im großen Leben zu spielen, und mein Wunsch ist es gewiß nicht, daß sie über die Schranken meiner eigenen Stellung hinaustritt. Lassen wir daher die Verhältnisse, wie Sie liegen. Es war bis jetzt meine höchste Glückseligkeit, für meine