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.HZ 45. Freitag, den 25. Februar. 1887.

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-i- Wahlgeschicke.

Der Aschermittwoch folgte dem Wahltage schnell. Was von den Freisinnigen noch ani Leben ist, kann in Seck und Asche trauern. Gestern noch auf stolzen Rosien, heute durch die Brust geschossen! Wenn wir aber einmal politische Aschenkreuze aus» theilen, so wollen wir auch der triumphirenden Mittelpartei eines auf die Stirne drücken! Be­denke, o Mittelpartei, daß du Staub bist und zu Staub zurückkehren wirst, und zwar noch schneller, als deine Schwestern; denn du bist nicht durch eigene Kraft groß geworden, sondern blos durch Bismarck's Kraft und Kunst, und du wirst dahin» schmelzen wie Märzschnee, wenn der Wind sich dreht oder eine neue Sonne aufgeht.

lieber die Erfolge der gemeinsamen Gegner müssen natürlich auch wir Aerger und Trauer empfinden. Aber wir tauschen doch längst nicht mit den Gefühlen der Freisinnigen. Es geht uns, wie zwei Leuten, die in dem gemeinsamen Hause vom Feuer überrascht worden. Der Eine bringt seine Familie in Sicherheit, kämpft muthig gegen die Flammen und rettet auch das meiste von seinen Werthsachen; der Andere sieht einen Theil seiner Angehörigen und den größten Theil seines Besitzes zu Grunde gehen und jammert in namen­losem Schmerze: „Es war meine Schuld, meine eigene Schuld, daß das Feuer um sich greift!" Um bas gemeinsame Haus trauern sie Beide; aber welch' ein Unterschied in den Gefühlen, mit welchen sie die Unglücksstätte betrachten!

In den großen Schlachten ist cs sehr häufig vorgekommen, daß der eine Flügel einen glänzen­den Sieg errang, während der andere Flügel eine vollständige Niederlage erlitt und so das Schicksal des Tages auch zu Ungunsten des anderen Flügels entschied. So geht es jetzt in dem Kampfe gegen die Reaktion. Auf Seiten der Rechts und Freiheits»

Die Crbin von MMsdrim.

Original-Roman von Marie Romany.

37. Fortsetzung.

Convulsivisch hatte seine Brust sich, während er diese Worte sprach, auf» und niederbewegt; sein Athem fieberte, als er jetzt den Ring, welchen er noch immer zwischen den Fingern hielt, auf den Tisch niederlegte und den Handschuh abziehend, ein Reifchen zum Vorschein brachte, welches unver­kennbar das Gegenstück zu dem von Meister Barlo bewahrten Unterpfand der Herkunft seiner Gattin war.

Mit funkelndem Auge starrte Paolo die beiden Trauringe an. Er wußte selbst wohl kaum, was sein Hirn über das Kritische dieses Augenblicks ineinander kombinirte. Cäcilia, glühend vor Be­wegung, schaute mit verwirrt forschender Geberde bald den Fremden, bald ihren Gatten an.

„Sie verließen Ihre Gemahlin?" fragte endlich Paolo, nachdem er ein paar Sekunden lang mit durchdringendem Blick seinen Gast betrachtet hatte.

„Großer Gott!" rief dieser in vor Erregung vibrirendcm Ton. „Wie unermeßlich glücklich würde ich mich gefühlt haben, mit dcm Weibe zu leben, da« ich in reinster Neigung erwählte! Ich

armee hat der rechte Flügel, das Centrum, das Feld ruhmvoll behauptet, während der linke Flügel, die Freisinnigen, vom Feinde aufgerollt wurde.

Ein rechter Kämpe schätzt seine Ehre unendlich viel höher, als den Erfolg. Zum Glück können wir ohne Selbstüberhebung sagen, daß das Cen­trum seine Ehre glänzend gewahrt hat. Die Gegner machen großes Aufh°ben davon, daß in Süd­deutschland einige schwache Kreise verloren ge­gangen sind und besonders freuen sie sich über die "Eroberung von Mörs-Roos durch die ver­einigten „Nationalen". Aber diese kleinen Verluste, welche zum Theil wohl noch durch einen Erfolg ausgeglichen werden, haben doch sehr wenig zu bedeuten bei einer so großen Partei; es hat nie­mals eins Partei von mehr als hundert Wahl­kreisen gegeben, welche nicht wenigstens ein Dutzend Kreise als unsicher betrachten mußte. Die paar Verluste haben aber erst recht nichts zu bedeuten, wenn man den gewaltigen Ansturm in's Auge faßt, der das Centrum vernichten sollte. Kriegs­furcht, Drohungen und Druck seitens der Arbeit­geber, Beamten-Agitation, Mißbrauch der Jacobini- schen Briefe, Aufgebot sämmtlicher adligen und bürgerlichen Staatskatholiken. Dieses ganze große System von Einschüchterung und Be­griffsverwirrung sollten endlich das „Verduften des Centrums" zu Wege bringen, wovon der Minister des Innern schon im Jahre 1880 ge­schwärmt hatte. Es war eine wahre Feuerprobe für unsere Partei und wir haben sie gut be­standen ! Fürst Bismarck hat wohl der Fortschritts­partei, aber nicht dem „unüberwindlichen Thurm" beikommen können.

Der künftige Geschichtsschreiber wird verwun­dert fragen: Wie ist es denn gekommen, daß in den Katholiken Deutschlands eine ganz andere „Race", eine ganz andere Kraft und Festigkeit steckt, als in den übrigen Wählern? Alle anderen Parteien, die Konservativen, die Nationalliberalen, die Fortschrittler hat der Fürst Bismarck klein gemacht und wieder groß, wie es ihm gerade in den Kram paßt; sogar die sozialdemokratische Wählerschaft hat sich in dem letzten Wahlkampfe als verwundbar gezeigt; über alle Volksschichten hat die gouvernementale Wahlkunst Macht, bloß über die Katholiken nicht. Alle anderen

machte mir keine Sorge darüber, die Verbindung ohne Wissen meines Vaters bewerkstelligt zu haben, denn ich wußte nur zu gut, daß mein Vater mit einer Liebe an mir hing, wie man sie nur dem einzigen Sohne zu geben im Stande ist; ich wußte, daß, in meine Heimath zurückgekehrt, ein Wort genügt haben würde, um die Tochter in die Arme des Vaters zu führen. Ich hatte ein Paradies erträumt von der glückselgen Häuslichkeit, die mir an der Seite meiner jungen Gemahlin bereitet sein würde, aber ich war nicht Herr meines Sch'ck- sals; die Hand des Schöpfers" — ein bebender Klageton entglitt den Lippen des Freihsrrn — „hatte meiner Gattin und mir ein anderes Loos bescheert!

„Und wieso das?"

Paolo und Cäcilia folgten mit athemloser Spannung der Erzählung des Fremden —

„Ich wurde krank," fuhr dieser fort. „Ein gastrisches Fieber, dem eine Gehirnentzündung folgte, warf mich viele Monate lang auf das Lager hin. Meine Gattin wünschte nichts mehr, als mich pflegen zu dürfen; aber ihre Schwäche war hindernd im Wege; auch sie erkranfte. Und diesen Moment benützte er, dem ich in brüder­licher Freundschaft Alles, was ich war und hatte, vertraute, um meine Gemahlin dem elendesten

Bäume biegen sich oder brechen vor der Gewalt des Windes, die Centrumseichs aber steht fest auch im allerstärksten Orkan, und der Wind muß froh sein, wenn er von dem knorrigen Baum hier oder da ein brüchiges Zweiglein als winzige Beute Heimtragen kann.

Jetzt können wir es ja offen heraus sagen: es wurde Vabanque gespielt, es ging auf Leben und Tod, um Sein oder Nichtsein des Cen­trums. Die früheren Wahlen waren eine Men­sur mit Binden und Bandagen, jetzt wurde aber über's Schnupftuch geschossen. Die Entscheidung ist gefallen, da« Centrum lebt, es ist höchstens am kleinen Finger geschrammt, aber der Staats- katholizismus ist so mausctodt, wie man über­haupt in der Politik nur sein kann.

(Schluß folgt.)

Deutsches Reich.

Berlin, 24. Februar.

• Die XII. Kommission des Herrenhauses wird, wie schon berichtet, die Berathung der kir» chenpolitischen Vorlage am 2. März beginnen. Als Berichterstatter fungirt Herr Adams-Koblenz. Zur Berathung im Plenum des Herrenhauses kommt der Gesetzentwurf gegen Ende März, da das Haus frühestens am 22. März zur Berathung des Etats zusammentreten wird. Bis dahin sollen im Herrenhause auch die augekündigte Landgüter- ordnung für den Regierungsbezirk Kassel und eine Haubergsordnung für den Dillkreis zur Erledigung gebracht werden.

* Das Abgeordnetenhaus führte heute die zweite Berathung des Kultusetats zu Ende und erledigte eine Anzahl kleiner Vorlagen. In früheren Jahren nahm die Berathung des Kultus- etats 8 ja sogar 14 Tage in Anspruch. Am Sonnabend soll die zweite Berathung des Etats überhaupt zu Ende geführt werden, so daß die dritte Lesung in der nächsten Woche vorgenommen werden kann. Damit werden die unangenehmen Kollisionen der Reichstags- und Landtagssitzungen, wenn nicht vermindert, so doch erheblich reduzirt. Morgen; Kreistheilungsgesetz für Posen und West­preußen, rheinische Kreis- und Provinzialordnung.

Verderben und mich selbst dem verzweiflungsvoll­sten Jammer zu weihen!"

Mit ungeschminkten Worten berichtete er nun, wie einst Jener, den er Freund und Bruder nannte, das heilige Band seiner Ehe zerrissen und seine Gattin dem schmachvollsten Untergang zugejagt habe; >er erzählte, wie die niedrigste Lüge ihm Mittel gewesen wäre, um das junge Weib, das in reinster Verehrung an seiner Liebe gehan­gen, dem Verderben, dem frühzeitigen Tode zu weihen. Und weiter berichtete er, wie er wäh­rend der zwanzig langen Jahre Insasse der Irren­anstalt St. Salvatore gewesen und wie endlich die Hochherzigkeit des jungen Wesens Alice ihn aus der Gefangenschaft befreite; er erzählte, wie er jüngst in Crovigno gewesen, wie er alle Ein­zelheiten über das Schicksal seiner Gemahlin er» fahren und dann in Neapel die Stätte besucht habe, wo — ein vergessener Hügel auf der Sir» menabtHeilung des Friedhofs — sein einst so ge» liebte« Weib verlassen schlummerte; und erging sich dann in Einzelheiten der Bemühungen, die er während der letzten beiden Wochen angestcllt hatte, eine Spur des Kindes zu finden, das einst» mals, wie in jenem Brief seiner Gattin bemerkt gewesen, guten Händen anvertraut worden sei.

Mit zurückgchaltenem Athem, mit von Minute