M 44.
Donnerstag, den 24. Februar.
1887.
Mitt W Jritni.
* Das „Fuldaer Kreisblatt"
Anti-Septennats-Kandidaten geltend machten und sich per-
„Obgleich in bett vier Wahlbezirken hiesiger Stadt auffällig viel Wähler von der Wahlurne zurückgewiesen werden mußten, weil sie nicht in die Wahlliste eingetragen waren, hat die konservative Partei doch niemals soviel , ----------„
Sttmtnen erhalten, als bei der vorgestrigen Reichstags- ausstellen, wähl, da Herr Landrath von Trott 447 Stimmen in hiesiger Stadt erhielt, während bei der Reichstagswahl am 28. Oktober 1884 auf den damaligen Kandidaten der Konservativen nur 28 Stimmen fielen. Es nahm somit die Zahl der Konservativen um 414 Stimmen zu, während die ultramontmen Stimmen nur um 250 und die sozialdemokratischen um 27 wuchsen. Es ist daher dies Resultat für uns ein hocherfreuliches, zumal d« wir jeder Partei- organtsation entbehren und die Agitation von unserer Sette eine sehr geringe war, während die ausgezeichnet organtsirte Gegenpartei ihren ganzen Apparat von reli- gtosen Veretnen rc. benutzte, um den letzten Mann zur Wahlurne herbeizuholen, und schon seit Wochen die Wählerschaft auf alle Art und Weise bearbeitet hatte. Wenn wir nun die Stimmen der Demokraten und Deutsch-Freisinnigen,
Voll stummer Verwunderung starrten Paolo | und Cacilia ihn an. Sie wußten sich das Seltsame seines Gebührens nicht auseinanderzu legen.
1 »Ist Ihnen der Ring bekannt?" fragte endlich Paolo, den es drängte, die so absonderliche Stimmung vorübergehen zu sehen.
Der Fremde blickte auf, aber seine Miene hatte einen Ausdruck, als habe er die Erinnerung an da« wirkliche Leben verloren; er faßte nach den Bnefen, doch kaum hatte er einen Blick auf die Zeilen geworfen, als er mit einem tonlos hervorgebrachten „Mein Gott!" da« Papier wieder sinken ließ. Al« schenke er seiner Umgebung nist die geringste Achtung, so hatte er sich gegen die Lehne de« Sessels zurückgleiten lassen und starrte mit in Thränen schwimmendem Auge unverwandt die Decke des Zimmers an. Seine Brust wogte auf und nieder; den Lippen, die halb geöffnet waren, entfuhr dann und wann ein Beben das aber, tonlos wie es sich hervorpreßte, für dar junge Paar nicht verständlich war.
Bange Minuten gingen vorbei. Paolo und Cäcilia, die für das so absonderliche Gebühren de« fremden Gastes keine Lösung finden konnten, überkam ein eigenthümlich b. engendes Gefühl, da seine bleiche Miene mit jedem Augenblick mehr den Ausdruck tiefen Seelenschmerzes zeigte; es
uns in dieser Beziehung ein reichhaltiges Material zu Gebote, von dem wir bei gegebener Gelegenheit Gebrauch zu machen gedenken. Nicht unerwähnt wollen wir laffen, daß Herr Landrath von Trott, entgegen der Prophezeihung des Herrn Ortspfarrers zu Dietershausen 2 Stimmen erhielt. Wenn wir demnach schon einen so schönen Erfolg bei der diesmaligen Wahl errungen haben, so können wir uns der Hoffnung hingeben, daß bei einiger Anstrengung bei der nächsten Wahl das Ergebniß für uns ein noch besseres sein wird."
enthalten haben, sicher nicht der Partei der -F- 3-' zuzuzählen sind. Auch im Landbezirke des Kreises Fulda hat Herr Landrath von Trott die dreifache Anzahl von Stimmen auf sich vereinigt, als je zuvor für den antiultramontanen Kandidaten abgegeben wurden; wir rechnen im Landbezirke Fulda auf 300 Stimmen für unseren Kandidaten. Daß derselbe nicht mehr Stimmen erhielt, ist nicht zu verwundern, da die
dte Wahlberechtigten, welche sich der Wahl enthalten haben, noch in Berücksichtigung ziehen — es werden, deren 800 sein — so dürfte die .Fuldaer Zeitung' nicht mehr das Recht haben, sich als Vertreterin der großen Majorität der hiesigen Wählerschaft zu geberden, zumal wenn wir berücksichtigen, daß die ultramontane Partei chren letzten Mann ins Treffen geschickt hat und demnach die 800 Stimmen, welche sich der Wahl
mußte wohl ein Glück genannt werden, daß endlich, nach Minuten, die wie eine Ewigkeit schienen, seine Gestalt wieder Leben zeigte und er, doch immer noch mit thränengefülltem Auge vor sich stierend, zu reden begann.
„Sie wollen meine Schwäche vergeben'" sagte er in vor Bewegung zitterndem Tone; „die Aufklärung eines Geheimnisses, nach dessen Lösung ich lange vergebens suchte, hat diese Stimmung hervorgebracht."
Paolo und Cäcilia — die letztere hatte sich erhoben und stand zur Seite ihres Gatten — sahen mit stummer Theilnahme seine Bemühung zu reden. Paolo, in dessen Hirn wohl der Gedanke Raum faßte, daß der Fremde unter den Erinnerungen eines Jugendstreiches leide, meinte ermuthigeno:
»Lassen Sie sich Zeit, wieder Herr über sich zu werden; welcher Art auch Ihr Gernüthszustand fein mag, es wird vorübergehen."
Der Fremde lächelte w hmutsvoll.
„Er ist ein Zusamentreffen, da» mir das Herz erschüttert," meinte er wie vordem; „zwanzig Jahre lang mar mein Leben von einem geheim« nißvollen Dunkel umgeben und nun die Vorseh« ung mir gestattet, klar in mein eigenes Verhält« niß zn sehen, finde ich, daß das, wonach ich
als .konservative' Verstellungskunst, welche den trügerischen Schein erwecken soll, als habe man in der Harmlosigkeit seines tiefsten Inneren nicht nur keine Ahnung von einer .Nieder« löge', sondern sogar das stolze Bewußtsein emes errungenen Sieges. Um jedoch für den
„so schönen Erfolg", von dem da« ,Fuld. Krbl.' so hoch befriedigt ist, auch unsererseits wenigstens einiges Verständniß an den Tag zu legen, wollen wir ihm um so aufrichtiger den mit Recht hervorgehobenen wahren Trostgrund gön« nen, daß Herr Landrath v. Trott in Dieters- Hausen, wo ihm eigentlich gar kein Hoffnungsstern leuchten sollte, als Frucht seiner dortigen „Wahlbesprechung" summa summarum doch immerhin zwei ganze Stimmen eingeheimst habe. — Was ferner den der gesammken katholischen Geistlichkeit des Kreises Fulda gemachten dreisten Vorwurf betrifft, daß dieselbe entgegen dem Willen des hl. Vaters ihren Einfluß für den Anti- Septennatskandidaten geltend gemacht habe, so er« faßt uns wirklich ein menschliches Rühren mit der Naivetät oder Unwissenheit einer Redaktion, welcher bis auf den heutigen Tag noch nicht bekannt fein soll, daß die sämmtlichen Centrumskandidaten schon seit Wochen gar nicht mehr als Anti-Septennatskandidaten betrachtet werden konnten, indem es ausdrücklich einer nochmaligen Erwägung des Centrums anheimgegeben wurde, ob man für oder gegen das Septennat stimmen werde. Man erdreistet sich sogar, diesen Vorwurf gegen unseren hochwürdigsten Herrn Bischof zu erheben, indem das .Fuldaer Kreisblatt' wörtlich schreibt:
„Auf unser Extrablatt vom 19. b. M. weiß bie ,Fulb. 3tg.' nichts zu erwidern, als baß unser hochwürbigster Herr Bischof sich nach Eröffnung bes Wahlaktes kurz nach 10 Uhr tn Begleitung bes Herrn Generalvikars Kalb in ben klemm Saal bes Rathhauses begeben hat, um seine Stimme abzugebm. Für welchen Kanbibaten ber hoch- würbigste Herr seine Stimme abgegeben hat, barüber scheint berselbe bie ,Fuld. Ztg.' nicht informirt zu haben. Daß berselbe seine Stimme einem Kanbibaten gegeben hat, ber wider ben Willen bes heiligen Vaters gegen bas Septennat ist. habm wir allen Grunb, sehr zu bezweifeln. Bei bieser Gelegenheit sei noch auf einen Widerspruch in betn Verhalten ber bekannten brei Herren hingewiesen,
in Nr. 39 ber ,Fulb. Ztg.' erklären, baß bie Mitteilung ber bekannten Steigerung des hochwürbigsten Herrn Bischofs nur gegenüber bem Wahlkomits unb ben Vertrauensmännern ber Centrumspartei gestattet worben sei, währenb einer von biefen Herren in ber am 6. b. M. in ber „Harmonie" stattgefunbenen öffentlichen Wähler
weiß die erlittene Wahlniederlage und etliche damit zusammenhängende,B l a m a g e n' s p e z i f i s ch kreisblättlichen Antheils mit so wenig Geschick zu bemänteln und mit so wenig Anstand zu ertragen, daß es sogar seine eigenen Partei- , . -
genossen in die peinliche Lage bringt, sich des ®e,f“,^enrT Äen Will-" bes heiligen ”bb--ung-.
schrallchkett ihres Parteiorgans nachgerade I sönlich stark an ber Wahlagitation beteiligten. Es steht schämen zu müssen. Zum Beweise dafür lassen ""a ‘-----1 ---
wir diejenigen drei Artikel des gestrigen.Fuldaer Kreisblatt', auf welche sich diese unsere Behauptung bezieht, weiter unten wörtlich folgen, denn es ist nicht unsere Sache, nach Art des .Fuldaer Krbl.', das Denkvermögen unserer Leser zu bevormunden und ihnen statt der in Rede stehenden Artikel selbst bloß einige persönliche Beschimpfungen vorzusetzen.
Ueber das in der Hauptsache bereits hinlänglich bekannte Wahlresultat, welches in hiesiger Stadt und im Landbezirk des Kreises Fulda erzielt wurde, äußert sich das .Fuldaer Kreisblatt' wörtlich wie folgt:
Die Mi m WMsdnmu.
Original-Roman von Marie Romany.
36. Fortsetzung.
Der Fremde starrte den jungen Meister mit emem wehmüthigen Blick wohl eine Minute lang an. Es war Schmerz, diese Erregung, die sich m seiner Miene abspiegelte. Paolo, durch diesen Ausdruck, den er sich im Augenblick nicht zu deuten wußte, stutzig gemacht, breitete Cäcilia's Denk- Zeichen aus dem Findelhause vor seinem Besucher aus, indem er, wohl nur, um etwas zu sagen, weinte: „Der Ring trägt ein Datum; von den Briefen wird nicht gar Manches erkennbar sein."
Mit schnellem Griff hatte der Fremde den Ring erfaßt; er drehte ihn zwischen den Fingern, indeß sein Blick sich auf die Zahlen heftete. Seine Brust hob sich; die Hand, welche den Ring hielt, zitterte sichtbar; er konnte wohl nicht verhindern, daß seine Wimper glänzte im Uebermaß der Erregung, in bet er gefangen war.
„April 18 . .", murmelte er kaum hörbar. Dann glitt seine Hand nieder und das Auge, vollends mit Thränen angefüllt, starrte vor sich. Er schien seine Umgebung vergessen zu haben; lange Minuten gingen vorüber, ohne daß er wieder « sich selber gekommen war.
Ist schon der bloße Abdruck dieses Artikels eine hinlängliche Kritik desselben, indem jeder vor« urtheilsfreie Leser die tiefere Weisheit des« selben auf den ersten Blick herausfindet, so wollen wollen wir doch auf den dreisten Kniff, der dem- selben zu Grunde gelegt ist, hiermit kurz hindeu« ten. Man vergleicht das diesmalige Wahlresultat mit demjenigen des 28. Oktober 1884, wobei sich allerdings „hocherfreuliche" Zahlen-Contraste her- Als ob Niemand wüßte, daß die .nationalen' Gegner des Centrums damals überhaupt gar keine Anstrengungen machten, dem in letzter Stunde und in geräuschlosester Weise aufgestellten Gegenkandidaten zu einer nennens« welchen Stimmenzahl zu verhelfen. Von einem .Wachsen' dieser Partei kann deßhalb gar keine Rede sein, wohl aber von einer regeren und ernsteren Wahlbetheiligung. Alle aus diesem Trugbild hergeleiteten Phantasieen und Träume von der Pracht und Herrlichkeit der neuerdings zu überraschender Größe herangediehenen Ureis« welche auf ben ultramontanen Kanbibaten'fielen/"in'Ab- I leuchtuna^^ru^ibr^^ResL^densiett' nnn ^fi zug bringen — wir wollen beten 100 annehmen — unb : s^UNg zu Ihrer Beschetdenhett von ehedem ki- ----- — ■ -9-- unD 1 wieder elend zusammenschrumpfen. Der so schöne
.Erfolg', von dem da« ,Fuld. Krbl.' fabelt, entpuppt sich gelinde gesagt — als tröstliche Ein- bildung, weil man den freien offenen Blick der wahren Sachlage gerne verschließt, um das Maß des Aergers zu verringern. Deutsch gesagt ist das „hocherfreuliche" Wahlbild weiter nichts
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