Montag, den 20. Februar.
M 41.
1887.
Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.
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Aus .TLadt, j)rovinz und NachbargsbieL-
Fulda, 21. Februar.
* Die Wahlhandlung ist seit heute Vormittag 10 Uhr im Gange, die Betheiligung lebhaft. Auch unser hochwürdigster Herr Bischof begab sich alsbald nach Eröffnung des Wahlaktes kurz nach 10 Uhr in Begleitung des Herrn Generalvikars Kalb in den kleinen Saal des Rathhauses, um seine Stimme abzugeben. In dieser Thatsache erblicken wir unsererseits die beste Antwort auf das gestrige „Extrablatt" des.Fuldaer Kreisblatt' und sehen uns deshalb vorläufig der Mühe jeder weiteren Kritik enthoben. Wir werden das in hiesiger Stadt und nächster Umgebung erzielte Wahl- resulat so weit als thunlich noch heute Abend durch Extrablatt bekannt geben.
* Die dritte Abendunterhaltung im Museum, welche am vorigen Donnerstag wegen plötzlich eingetretener Hindernisse ausfallen mußte, wird nunmehr mit unverändertem Programm am nächsten Donnerstag den 24. d. M. stattfinden. Die vierte und letzte Unterhaltung ist auf den 10. März argesetzt; für dieselbe ist die Mitwirkung des König!. Kammervirtuosen Herrn Oskar Brückner aus Wiesbaden (Cello) gesichert. — Wie wir bereits mitgetheilt haben, sind Mitgliedkarten für diese—bribmÄbende zum halben Abonnementspreise (M. 1.50) bei dem Gymnasialpedellen Herrn Hirschfelder zu haben.
D Die gestern in Dipperz abgehaltene Wahlversammlung war außerordentlich zahlreich besucht. Als Redner traten auf, außer zwei Herren aus Fulda, die Herren Pfarrer Ney aus Dipperz und Herr Klingebül aus Böckels. Herr Pfarrer Ney widerlegte in schlagender Weise di: Behauptungen des gegnerischen Wahlaufrufs, während Herr Klingebül in längerer und mit vielem Büfall aufgenommenen Ansprache seine Berufsgenossen auf die Wichtigkeit der Wahl, namentlich mit Rücksicht aus das Interesse der Landwirthschast aufmerksam machte, deren Förderung sich das Centrum stets hat angelegen sein lassen. Das schließlich von demselben ausgebrachte Hoch auf das Zentrum fand bei den Anwesenden begeisterte Aufnahme und legte Zeugniß dafür ab, daß die Worte der Redner auf fruchtbaren Boden gefallen sind.
Die gestern in Salmünster im Gasthaus „zum Löwen" zum 2. Male anberaumte Wahlversammlung der Centrumspartei war trotz, oder vielleicht gerade wegen der zu derselben Stunde in dem nahen Soden durch Herrn Landrath von Trott aus Fulda abgehaltenen Versammlung außerordentlich stark besucht und nahm einen glänzenden Verlauf. Am Bahnhofe wurden die von Fulda gekommenen Herren von einer großen Anzahl Männern, die Spalier bildeten, begrüßt und in das Städtchen geleitet. Die zündenden Reden der Redner aus Fulda und des Henn Pfarrers Huhn aus Ulmbach fanden begeisterte Aufnahme von Seiten der starken Versammlung, was sich durch häufiges Bravo und Hoch bemerk- bar machte. Den Höhepunkt erreichte aber die Begeisterung als der Vorsitzende mit kurzen, kernigen Worten schlagend nachwies, daß die große Misch. wasch-Partei nach Rom gegangen, und daß eigentlich das viel verlästerte Cent rum die einzige wirklich deutsche Partei sei, und als er dann mit einem Hoch auf Papst und Kaiser die Versammlung schloß. Die Zahl der Theilnehmer der Versammlung wird auf 7—800 Personen geschätzt, die zum Theil sehr weit z. B. aus dem 3 Stunden entfernten Ulmbach hergekommen waren.
* lieber die gleichzeitig mit den Wahlversammlungen zu Salmünster und Dipperz im Gemeinde- Wirthshaus zu Salzschlirf abgehaltene Versammlung der Centrumswähler ist ebenfalls nur Erfreuliches zu melden. In dem ziemlich geräumigen Saale standen die Theilnehmer so' dicht, daß kein Apfel zwischen ihnen zu Boden fallen konnte, und aus den Augen der nicht zum geringsten Theil aus der Umgegend, namentlich aus Müß zahlreich herbeigeeilten Männer leuchtete sichtlich die Begeisterung für die gute Sache, welche in ihren Herzen einen tiefen Ankergrund längst gefunden hat und nun auch in der Versammlung selbst einen lauten und klaren Ausdruck finden sollte. Eröffnet wurde die Versammlung durch Herrn Pfarrer Schumann aus Salzschlirf, welcher alsbald dem ersten Redner, Herrn Kaufmann Joseph Schmitt von hier, das Wort ertbeilte. Derselbe leitete seine von häufigen stürmischen Beifallsrufen begleitete Rede, die in ihrem Hauptinhalte der Septennatsfrage galt, mit den Worten ein, daß man vor einigen Tagen in Salzschlirf Gelegenheit gehabt habe, einer v. Trott'schen Wählerversammlung beizuwohnen und daß es deß- halb nicht mehr als recht und billig fei, nun auch die andere Partei, d. h. die Centrumspartei zu Wort kommen zu lassen. Nachher möge Jedermann bei der Wahl dasjenige thun, was er auf Grund dieser beiden Versammlungen für am besten halte. Man ersehe daraus, wie -wenig Ursache wir hätten, die Gründe unserer Gegner zu fürchten. Slebner verstand cs mit dem Ernst der von ihm besprochenen Fragen zugleich eine solche Fülle von Humor zu verbinden, daß schon gleich nach der ersten Rede das Terrain sozusagen vollständig erobert und die ganze Hinterlassenschaft der v. Trott'schen „Wahlbesprechung" — in alle Winde zerstoben war. Der zweite Redner, Herr Kaplan Schmidt von Großenlüder zog zunächst in sehr anschaulicher Weise einen Vergleich zwischen dem hölzernen Pferde, durch welches einstens auf listige Weise das „unüberwindliche" Troja erobert wurde und dem Septennat, welches als Sp ck in der Mausefalle benutzt werde, um anderen Plänen den Weg zu bahnen. Sodann wies er in kurzen, aber kräftigen Zügen auf die religiösen Grundsätze hin, nach denen man bei einem Volksvertreter in erster Linie fragen müsse und stellte zuletzt gleichsam die Anfrage: Ihr Männer van Salzschlirf und Umgegend, könntet -Ihr es wirklich über Euch gewinnen, den Centrumsk andidaten im Stich zu lassen, während es das ganze katholische Deutschland für eine Pflicht der Dank- barkeit und ein Gebot der politischen Klugheit erachtet, die erprobten Mitglieder des Centrums wieder zu wählen? Ein vielstimmiges, nicht minder kräftiges Neinrufen war die Antwort der Männer von Salzschlirf und Umgegend. Auch diese Ausführungen fand lebhaften Beifall. Sodann ertheilte der Herr Vorsitzende dem Redakteur d. Bl. das Wort. Nachdem derselbe zunächst die eigenartige Stimmung geschildert, welche das deutsche und insbesondere das katholische deutsche Volk am Vorabend eines solchen Entscheidungskampfes beschleichen müsse, besonders da der unmittelbar vorausgehende Tag ein „Tag des Herrn", ein Sonntag sei, ging er zur Sache selbst über und gab den Zuhörern unter dem Bilde einer wirklichen Schlacht einen Heber« blick über die gesammte politische Lage, welche mit dem 21. Februar vor einem Wendepunkt angelangt ist. Dabei wurden folgende Fragen beantwortet: Welches sind die beiden Mächte, die ihre gewaltigen Heer.smassen im Gefolge der beiderseitigen Verbündeten gegen einander führen? (Die Antwort lautete Bismarck und Wind-
t hör st!) Welches ist die beiderseitige Position? Wie und um was wird gekämpft? Welchen Verlauf wird die Wahlschlacht voraussichtlich an den verschiedenen Punkten nehmen? Wie sollen wir, die Soldaten des Centrums kämpfen? Wir sollen fest und furchtlos unserer Fahne, in g e- schloffenen Reihen marschiren und zwar in'S — Wahllokal! Kein einziger darf befertiren am 21. Februar, alle müssen heran unb ihre Stimme abgeben. Währenb sodann der Herr Vorsitzende die Versammlung schloß, erfüllten drei und vier Mal kräftig wiederkehrende Hochrufe den Saal, welcher sich langsam und stetig leerte. Die Situation gefiel den Versammelten anscheinend so gut, daß es ihnen gar nicht darum zu thun war, schnell wieder auseinander zu kommen. Es war ja auch Sonntag und man hatte sonstwo nichts zu versäumen. Die allgemeine Stimmung war wie gesagt, eine ganz vorzügliche. Dieser Tag wird aus dem Ge- dächtniß der Männer von Salzschlirf, Müß rc. sobald nicht verschwinden. Die Fuldaer Herren begaben sich, nachdem sie das „Gemeinde-Wirths- Haus" auch nach seiner wirthschaftlichen Seite hin, bei Bier und „Wahlwürstchen" in löblicher Weise erprobt hatten, zu Fuß nach Gro- ßenlüder, um auch dort bei Weißmüller noch eine sehr gemüthliche Sitzung abzuhalten und sich alsdann van der tadellos geheizten Oberhessischen Eisenbahn wieder glücklich nach Hause verbringen
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-T-- Aus dem Ulstergrunde, 19. Februar. Weitere Wahlversammlungen der Centrumspartei sind in diesen Tagen gemeinsam durch die Herren Dechant Hohmann und Pfarrer Breitung in Hilders, Wickers, Reulbach und Brand abgehalten worden, denen noch eine solche heute in Lahrbach und morgen in Eckweisbach unter Leitung von Herrn Pfarrer-Breitung sich anreihen sollte.
Vermischtes.
* Der LotteriekÄIekteur Cohn in Hamburg bekannt durch die Worts in feinen Annoncen: „Gottes Segen bei Cohi^", wurde zu sechs Jahren Zuchthaus verurtheilt. Cohn, der Gewinnlisten gefälscht, hatte zu diesem Zwecke ein: eigene Druckerei im Keller eingerichtet.
Gottesdienst-Ordnung in Fulda.
Dienstag, den 22. Februar:
Frauenberg. Um 5 und 7 Uhr hl. Messen; 8 U. Hochamt und Besuchung des hl. Kreuzweges.
Mittwoch, den 23. Februar.
Dom. Vor der Pfarrmesse um 7>/< Uhr Weihung und Auflegung der Asche. Nach der Pfarrmesse jedesmal Vorlesung des täglichen Evangeliums.
Fulda, 19. Febr. Der heutige Schweinemarkt war mit er. 100 Läufer und 200 Ferkel angetrieben. Läufer 36 bis 60 Mark, Ferkel 13 bis 24 Mark. Der Handel war im ganzen ruhig.
Meteorologische Beobachtungen
________der Station Fulda.________
Farbige Seidenstoffe v. Mk. 1.55 bis 12.55 p. Met. (ca. 2000 versch. Färb. u. Dess.) Atlasse, Fai/Ie Franpaise, „Monopol", Foulards, Grenadines, Surah, Sat. men, Damaste, Brocatelle, Steppdecken- u. Fahnenstoffe, Ripse, Taffete etc, Vers. roden- und stückweise zollfrei in'S
Haus das Seidenfabrik-Depot €}, Henneberg: (K. u. St. Hoflief.) Zürich. Muster umgehend. Briefe k. 20 Pf. P. 3 [1861
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