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M 40.

Sonnabend, den 19. Februar.

1887.

fiilimer K 3eihing.

Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenkeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Die Entscheidung na(?t!=S Wähler von Fulda-Schlüchtern-Gersfeld!

Die Neuwahl des deutschen Reichstags steht unmittelbar bevor. Die EntscheidungInaht. Ihr alle wißt, um was es sich am 21. Februar handelt. Unser Comite für Centrumswahlen und die ihm zur Verfügung stehenden Centrumsblätter haben in Verbindung mit den Ver­trauensmännern des Wahlbezirks Fulda-Schlüchtern-Gersfeld seit mehreren Wochen Alles aufgeboten, was in ihren Kräften stand, um Euch die in das Leben der deutschen Nation tief einschneidende und insbesondere für das Centrum hochwichtige Bedeutung des 21. Februar an's Herz zu legen. Ihr kennt die Tragweite der bevorstehenden Entscheidung!

Nun ist es an Euch, Ihr Wähler, auch das Eurige zu thun! Mächtiger als alle Zeitungsartikel, Aufrufe und Wahlversammlungen, mächtiger als jede Agitation und Vorbereitung, mächtiger als alle Diplomatenränke und Heucheleien unserer Gegner ist

3WT der Stimmzettel in der Hand des Wählers!

Der Stimmzettel ist die Waffe, welche über Sieg und Niederlage entscheidet. Jeder einzelne Stimmzettel drückt bei der diesmaligen Reichstagswahl dreifach schwer auf die eine oder andere Wagschale. Darum versäume Niemand, von seinem Stimmrecht Gebrauch zu machen. Jeder Wahlberechtigte hat angesichts der großen Sache, um welche der Kampf auf's Heftigste tobt, die ernste Pflicht, seine Ueberzeugung zur Geltung zu bringen und seine Stimme mit in die Wagschale zu werfen, damit nicht in Folge von Pflichtversäumniß, Gleichgültigkeit und Vertrauensseligkeit das Unrecht triumphire und unsere gute heilige Sache unterliege. Vorsicht auf jeden Fall, muß unsere Losung sein! Bester tausend Stimmen zu viel als eine einzige Stimme zu wenig! Wir wollen nicht blos den Sieg erkämpfen, sondern unseren Gegnern zugleich den Zahlenbeweis liefern, daß der Wahlbezirk Fulda-Schlüchtern-Gersfeld in seiner weitaus überwiegenden Mehrheit dem Centrum und nicht den Feinden des Centrums gehört. Im gegenteiligen Falle würde der Muth unserer Gegner trotz ihrer Niederlage wachsen und sie würden, was sie jetzt nicht erreichen konnten, mit verdop­pelter Anstrengung später zu erreichen suchen. Ist aber unser Sieg ein vollständiger, so werden sie uns auf lange Zeit hinaus mit ihrer pharisäi­schen Agitationskunst nicht mehr behelligen.

Wähler! Katholiken! Ihr alle habt es in den letzten Wochen genugsam erfahren, mit welchen Mitteln auf gegnerischer Seite der Sieg angestrebt wird. Ihr kennt den schnöden Mißbrauch, den man mit dem uns heiligen und unantastbaren Gefühl der Vaterlandsliebe treibt und die Sorte von Ehrfurcht, welche man auf kirchenfeindlicher Seite unserem hl. Vater und unfern Bischöfen gegenüber heuchelt, um die Katholiken selbst der Vernichtung des Centrums dienstbar zu machen. Die ganze Septennatsgeschichte ist nur eine Schlinge, in die man Eure stillschweigend vorausgesetzte und dennoch öffentlich abgeläugnete „Vaterlandsliebe" locken will, weil der Reichskanzler auch für feine anderen Zwecke einen ihm willfährigen Reichstag braucht. Die eine Partei, die Partei der Deutschen, von welcher das .Fuldaer Kreisblatt'noch in seiner gestrigen Nummer phantasirt, das eben ist gerade diejenige Partei, von welcher auch der Reichskanzler träumt und welche, wenn sie zu Stande käme, zugleich die Vernichtung unseres eigentlichen Parteilebens d. h. die Vernichtung des „Reichstages" bedeuten würde. Dann, Ihr Wähler, hättet Ihr ganz gewiß Pflichten genug als deutsche Reichsbürger, aber mit Euren Rechten ginge es abwärts. — Liefert Eure Freiheit nicht aus an Streber und Jasager, und gebet den Schutz Eurer Rechte und Eurer Interessen nicht aus der bewährten Hand eurer bisherigen Volksvertreter, die sich in langen, viel­bewunderten Kämpfen als uneigennützige Männer erprobt haben, als Männer, die das Schmeicheln nach oben und das Heucheln nach unten verachten und stets die Wahrheit auf der Zunge führen, auch da, wo sie zwar nicht gerne gehört wird, aber auch für Euer Wohl fördernd und zweckdienlich ist.

Nicht das Vaterland ist in Gefahr, sondern dec Reichstag, nicht die militärische Wehrkraft steht auf dem Spiele, sondern die parlamentarische.

Windthorst heißt der große Parlamentarier, der wie keiner gefürchtet ist. Windthorst heißt der zuverlässige Führer, der die sieggewohnte unüberwindliche Schaar des Centrums wie kein anderer an den Zauber seiner genialen Beredtsamkeit zu fesseln weiß. Deshalb ist Windthorst auch das gehetzte Wild, aus welches man im Keffcltreiben losstürmt. — Die ganze Meute offiziöser Treiber wird auf ihn losgelafsen, indem man ihn verläumdet und verdächtigt in einer Weise, welche sich selbst verräth — in einer so zügellosen, infamen, vor keiner Schlechtigkeit zurückfchreckenden Weise, daß gerade die Schändlichkeit der Mittel zur Lobrednerin wird der Größe und des Ruhmes deffen, den man verfolgt und verleumdet. —

Katholiken! Wähler von Fnlda-Schliichtern-Gersfeld!

Ihr alle habt es vor kurzem schmerzlich erfahren, welche Enttäuschung die Hünfeld-Gersfelder Landtagswahl vom 10. November v. Js. im ganzen katholischen Deutschland hervorries. Ihr wißt, wessen man Euch damals mit Unrecht verdächtigt hat. Wohlan denn, zeigt allem falschen Schein und jeder Verdächtigung zum Trotz am 21. Februar dem ganzen katholischen Deutschland, daß Fulda als die deutsche Wiegenstadt unseres heiligen katholischen Glaubens, als die Stadt des großen Apostels der Deutschen seiner ruhmvollen Vergangenheit nicht unwürdig ist. Seid auf der Hut, daß Euer guter Wille nicht das Opfer schnöder Heuchelei und scheinheiligen Pharisäerthums wird. Habet Acht, daß man Euch in Eurer allzu großen Sorg­losigkeit nicht überlistet und, wenn dies geschehen, mit Fingern auf Euch deutet und Euch höhnt mit den Worten: Seht da, die stolzen Hüter des

heiligen Apostelgrabes, die vielgepriesenen Katholiken Fulda's und der angrenzenden Bezirke! Zwei protestantische Landräthe find ihre Ans-

erwählten! Die Exerutoren und Zöglinge des Culturkampfes sind ihre Beschützer, die Inhaber ihres Vertrauens geworden! Welche Ironie des Schicksals!

Nein und tausendmal nein! Schmach über den Katholiken, der bei diesen Mahnrufen noch fähig wäre, die Fahne zu verlassen und wie

ein verirrter Soldat hinter einer fremden Fahne herzutrotten. Dagegen Ehre jedem katholischen Reichstagswähler, der dem 21. Februar mit Be,