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Freitag, den 18. Februar.

1887.

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-Fuldaer Zeitung- erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld- IM 50 M mrt der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen- in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts IM 75 Pf ' ™'v

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

A« die Adresse des Herrn Landraths Roth in Schlüchtern.

Bei Ihren Bemühungen, sich nach Oben zu empfehlen, leisten Sie Erstaunliches. Im amt­lichen Theil der Nr. 14 Ihres durch den „Reichs- besen" rühmlichst bekannt gewordenen Kreisblattes behaupten Sie, daß die nunmehr veröffentlichte Erklärung unseres hochwürdigsten Herrn Bischofs „nicht wahr sein könne".

Man höre aus welchen Gründen!

„Jede Einmischung von anderer Seite habe der Herr Bischof von Fulda nicht zurückweisen können, weil er hiernach auch die Einwirkung des Kardi­nals Jacobini und des h. Vaters hätte abweisen müssen."

Wenn ein katholischer Bischof einem Centrums- wähler bei Besprechung der bevorstehenden Wahlen die Zusicherung ertheilt, daß er jede Einmischung von anderer Seite zurückweise, so soll mit dieser anderen Seite der heilige Vater gemeint sein — ein Unsinn, wie er blühender nicht gedacht werden kann!

Nein, Herr Landrath, die „andere Seite" ist der Mischmasch, dem Sie angehören. Sollten Sie nicht auch persönlich Erfahrung gemacht haben, welcher Seite die Zurückweisung thatsächlich zu Theil geworden ist?

In Ihrer zweiten „Berichtigung" reiten Sie das Septennat vor. Allein von dieser kostspieligen Sache steht ja in der Veröffentlichung kein Wort. Nur von der Wahl des Centrumskandidaten ist die Rede, und für diesen zu stimmen, hat der Herr Bischof ohne Zufügung irgend welcher Beschränkung erklärt, namentlich hat er bezüglich des Septennats weder eine Bedingung gestellt, noch einen Vorbehalt gemacht.

Also, Herr Landrath, es bleibt bei dem, was wir gesagt haben— trübe Quellen müffen es gewesen sein, aus welchen Ihnen Gegen- theiliges bekannt geworden sein soll.

Hit Erdm do« Mmbmnn.

Original-Roman von Marie Romany.

32. Fortsetzung.

Ja, es war ein trauliches Heim. Paolo'S lie­bender Sinn hatte verstanden, aus diesem Plätz­chen ein den Augen der Welt verborgenes kleines Eden zu gestalten; die Weinranken, die er von der Mauer abgelenkt und über die Latten und Pfähle des zeltartig eufgeführten kleinen Lusthau­ses gezogen hatte, legten ihren Blätterputz in so reicher Fülle nach allen Richtungen, daß nicht allein die so wohlthuende Kühle, sondern auch Schutz gegen Wetter und Wind unter diesem grünen Dache zu finden war. Und im Innern sah es noch freundlicher aus. Der junge Meister hatte das Lattenwerk, soweit es sichtbar war, mit grüner Oelfarbe angemalt, was eine entzückende Harmonie mit dem dunkeln Weinlaub, jetzt frei­lich vergilbt und oftmals vom Herbstwetter zer­rissen, bildete. Bequeme Stühle, ein hübsches Tischchen, über welchem, an der Decke des kleinen Raumes angebracht, eine Lampe hing, Fußbänke, dann noch ein Seitentischchen, um Ueberflüsfiges aus dem Wege zu räumen, — gewiß, man sah, mit wie großer Liebe dieses luftige Zelt zum Gebrauch des kleinen Cirkels hergerichtet wurde;

Zur Notiz diene noch, daß die Unterzeichner jeder Veröffentlichung der bischöflichen Erklärung in der Tagespreffe durchaus fern stehen. Die Mit­theilung war nur gegenüber dem Wahlkomite und den Vertrauensmännern der Centrumspartei ge- stattet, und hieraus erklärt sich sehr einfach, daß Veröffentlichung in der .Fuldaer Zeitung' unter- blieb.

Die „einsichtigen Wähler", an welche Sie sich schließlich wenden, wie auch die geistlichen Herren, welche Sie mit Privatbriefen beehrt, haben ihr eigenes Urtheil. Ohne Zweifel aber glauben die­selben unabhängigen Leuten, deren Wirksam­keit sie sseit über 10 Jahren kennen, mehr als Ihnen. Man weiß eben, daß ein Land rath ohne sich Unanehmlichkeiten auszusetzen, nur eine solche politische Thätigkeit entfalten darf, wie . sie von Oben gewünscht wird. Wir denken, daß die Zusammenstellung des Wahlresultats Ihnen von der Einsicht der Wähler einen gesunderen Begriff beibringen wird.

Schick, Profeffor. Rang, Rechtsanwalt. R. Schmitt, Fabrikant.

88 Das Centrum und seine Stellung zu deu Reichstagswahlen.*)

(Fortsetzung.)

Ein zweites Hinderniß einer gründlichen und gedeihlichen Sozialreform ist der Konflikt mit der Kirche. Wenn man als Katholik, also in Mitlei- denschaft gezogen, den Kulturkampf durchlebt hat und jetzt Zeuge deffen ist, was in unseren Tagen sich abspielt, so kann man nicht genug staunen über die Leichtigkeit, mit der man sich an gewiffen Stellen über den unberechenbaren Schaden hinweg- setzt, den der frevelhafte Kampf gegen die Kirche zur Folge haben mußte und thatsächlich gehabt hat. Und fast noch mehr muß man darüber stau­nen, daß man es auch jetzt noch wagt, Kultur­kampfgesetze resp. deren Wegräumung wie Tausch­artikel gegen Konzessionen auf anderen Gebieten

*) Nachdruck verboten.

es fehlte ja gar nichts; sogar die Wiege in der Hinteren Ecke stellte den Beweis auf, daß auch für die kleine Erbin dieser bescheidenen Herrlich- keit hier ein familiäres Plätzchen bestimmt wor­den war.

Dieses Gartenhäuschen in seinem schlichten Putz war — zumal an Tagen, so warm und sonnen­hell , wie der heutige — Cäcilia's bevorzugter Aufenthalt; hier nähte sie, hier schaffte und scherzte sie mit ihrem Kinde, hier sah sie mit liebendem Verlangen der Rückkehr ihres Gatten entgegen, wenn die weithin gellenden Schläge der Domuhr verkündeten, daß die Zeit der Arbeit vorüber war.

O, ein beneidcnswerthes Glück hatte der Lauf der Zeit in diesem kleinen Cirkel heimisch gemacht; es mußte das Herz erquicken, wenn man die ruhige Sorgfalt betrachtete, mit welcher die junge Haus­frau ihren Pflichten oblag, wenn man die stille Seligkeit gewahrte, die im Glanz ihrer Augen, auf jedem Zug ihrer Miene lag. Ein liebreizen- dis Weibchen hatten die verflossenen achtzehn Monate aus Cäcilia gemacht; nicht die geringste Spur jener ungelenken Schüchternheit des Zöz- lings aus dem Findelhause war heute an ihr bemerkbar; ihre, völlig frauenhaft sich gebende Erscheinung, übergossen von jenem Reiz der An-

r zu behandeln. Was hätte nicht Alles erreicht wer- a den können, wenn all' die geistige Kraft und Ar- beit, die im Kulturkämpfe zum Angriff sowohl wie zur Abwehr aufgeboten wurde, dazu verwendet 1 worden wäre, die sozialen Verhältnisse unseres - Vaterlandes zu bessern und sicher zu stellen! Und 3 was hätte nicht Alles erreicht werden können, wenn , man die Kraft der Kirche, bi? sie zur Abwehr des Kulturkampfes aufbieten mußte, in den Dienst der Sozialreform genommen hätte! Was in dieser ’ Beziehung gefehlt wurde, ist nicht zu verantworten

, und nicht gut zu machen. Und es ist die aller-

: höchste Zeit, endlich einmal die Fesseln ganz zu , sprengen, mit welchen die freie Wirksamkeit der , Kirche eingeengt wird. Auch nach dieser Seite hin bietet keine Partei so wie das Centrum die Ga- 1 rantie dafür, daß eine gesunde und gründliche i Sozialreform ermöglicht wird. Die Entfernung : der Hindernisse ist ja das Allererste und Nothwen- . digste. Wem also eine gründliche und gedeihliche

Sozialreform am Herzen liegt, der kann nicht besser und praktischer seine Stimme verwerthen, als wenn er sie einem Csntrums - Kandidaten zu­wendet.

Ein drittes Hinderniß gesunder Sozialreform ist damit hervorgerufen worden, daß man ohne allen Anlaß den Streit um Volksrechte wieder wachgerufen hat. Das deutsche Volk hat es wahr- sich nicht verdient, daß man so kurz nach Errich­tung des neuen deutschen Reiches die ihm verfas- sungsmäßig garantirten Rechte wieder in Frage stellen und den Kampf um dieselben ihm auf- nöthigen will. Allein es ist nun einmal so — zum Schaden und Unglück für das Vaterland. Die Vertheidigung und Hut der Volksrechte kann fei­ner Partei mit größerer Zuversicht und Sicherheit anvertraut werden, als gerade der Centrumspar­tei. Keine andere Partei kann selbstloser und korrekter diese Vertheidigung und Hut besorgen als gerade die Centrumspartei. Sie ist jene Par­tei, die mit gleichem Eifer eintritt wie für die Rechte der Krone, so auch für die Rechte des Vol­kes. Sie ist jene Partei, die keiner Regierung von vornherein und unbedingt Opposition macht, son­dern nur da und nur dann, wo und wann Ueber- zeugung und Gewissen ihr die Opposition aufdrängen.

So ist denn das Centrum die Partei, welche durch ihre ganze Vergangenheit mehr als jede an-

muth, die sich auf jede ihrer Bewegungen legte, ward noch auf das Vortheilhafteste gehoben durch die sinnig geschmackvolle und saubere Kleidung. Den größten Zauber aber verlieh ihrem Bilde das beseligende Lächeln, das, ein stummer Ver- räther ihrer inneren Glückseligkeit, um ihre Mund­winkel lag.

Mit emsiger Geschäftigkeit hatte sie auch heute, da die Mittagsstunde herankam, das Mahl zuge­richtet und saß nun, ihre Kleine auf den Knieen schaukelnd, mit heiter lächelnder Miene zur Be­willkommnung ihres Gatten bereit. Ihr Auge strahlte, als das Gartenpförtchen knarrte und der ihr wohlbekannte Schritt verkündete, daß der Ersehnte heimgekehrt war.

„Endlich, endlich!" scherzte sie, als Paolo dem Eingang der Laube nahe war.

Paolo lächelte.

„Gott zum Gruß, mein Schatz," sagte er hei­ter, indem er mit seinen markigen Fingern zärt­lich die Wangen des jungen Weibes streichelte. „Die Arbeit geht, wie Du weißt, mit dem Glo- ckenschlag und der Weg ist weit."

Er hatte sich niedergebeugt und küßte Cäcilia's Stirn; dann griff er lustiger Geberde nach dem Kinde, welches sie ihm, ein Schmeichelwort im Munde, entgegenhielt, und schaukelte es auf sei-