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Jg 35. Montag, den 14. Februar. 1887

fidtor W

Die Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., •mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

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Deutsches Reich.

Berlin, 13. Februar.

* Die ,Saale-Zeitung' will von zuverlässiger Seite erfahren haben, daß eine Kaiserliche Botschaft für die Reichstagswahl festgestellt sei, aber erst einige Tage vor dem 21. veröffentlicht werde.

• Der heutige ,Reichsanzeiger' publizirt die Verhängung des kleinen Belagerungszustan­des über Offenbach noch nicht, doch wird be­stätigt, daß der Bundesrath einen bezüglichen Be­schluß gefaßt habe.

* Das Abgeordnetenhaus überwies heute die Vorlagen, betreff, den weiteren Erwerb von Privateisenbahnen für den Staat und betreffend die weitere Herstellung neuer Eisenbahnlinien und sonstiger Bauausführungen auf den Staatsbahnen an Kommissionen zur Vorberathung. Minister Maybach erwiederte auf prinzipielle Emwände des Abg. v. Strombeck gegen das Staatsbahn- System, daß unsere Finanzlage ohne die Ueber- schüffe aus den Staatsbahnen eine wesentlich schlech­tere sein würde. Bei der Berathung der Verstaat­lichungsvorlage wurden eine Reihe lokaler Wünsche geäußert. Die geplante Errichtung von Dienst­wohnungen für das Bahnbewachungspersonal fand lebhafte Anerkennung. Seit 6 Jahren sind 5200 Kilometer neue Bahnen projektirt bezw. eingeführt worden. Mit Rücksicht auf die Wahlen vertagte sich schließlich das Haus bis zum 23. Februar.

* Crefsld, 12. Fsbr. Die .Niederrheinische Volkszeitung' bestätigt, daß die hiesigen Liberalen Herrn Oberpfarrer Dr. Schmitz als Reichstags­kandidaten in Aussicht genommen, und bei diesem Herrn ihre Fühler ausgestreckt und sodann gar den hochwürdigsten Herrn Bischof Kopp in Fulda, um ihn zur Kandidatur zu bewegen, mit einer Deputation beschickt, bestehend u. A. aus den Herren Realgymnasialdirektor Dr. Schauenburg und Landrath v. Uslar-Gleichen rc., und als sie überall abgewiesen worden waren, blieb doch noch ihre Fürsorge für „alle bisherigen Centrumswähler" obenauf, und sie kamen an den Rittmeister a. D. Fritz Herbertz. Der scheint sich denn endlich zum Opfer gebracht zu haben. Dieser gehört also jedenfalls nicht zu jenen, welche den „ausdrück­lichen Wunsch Sr. Heiligkeit des Papstes nicht

Die Alm een WMrsdmm.

Original-Roman von Marie Romany.

28. Fortsetzung.

Mit einer Stimme, die im Uebermaß der Qual, die sie zu Boden drücken mußte, fieberhaft zitterte, erstattete nun Fräulein von Waldheim Berickt über das Geständniß. welches ihr Vater vor seinem Scheiden abgelegt hatte; sie erzählte, wie sie — und mit ihr ein Jeder, der etwa eine Aeußerung vernommen — die Angaben, welche er gemacht, als ein Erzeugniß seiner Fieberphantasieen hin- genommen hatte, bis endlich der von Dr. Rimoli eingetroffene Brief Veranlaffung zur Prüfung des Verhältnisses gab. Und weiter berichtete sie, wie sie dem Andenken ihres Vaters das Gelöbniß der Sühne abgelegt hatte, wie sie nach Italien gereist und zu ihrer Orientirung in der Angelegenheit bei Direktor Rimoli in St. Salvatore gewesen war; sie erzählte, wie Dr. Rimoli hartnäckig auf der Behauptung, Herr von Eilenburg sei als irrsinnig unheilbar, bestanden und jeden Besuch bei dem­selben mit Entschiedenheit abgelehnt hatte; wie dann der Zwischenfall mit dem von Tobsucht ge­plagten Irren Veranlaffung zu ihrer persönlichen ; Begegnung mit Ludwig von Erlenburg gewesen war. '

achten", er zählt vielmehr zu denen, welchen „ihr kichliches Oberhaupt höher steht als die Partei und die Führung." Darum stellen die fanatisch­sten Kulturkämpfer von Crefeld diesen Kan­didaten auf! Es klingt unglaublich, aber die ,Crefelder Zeitung' schreibt's. —

* Mainz, 12. Fsbr. Das Mainz. Journ.' veröffentlicht folgende Erklärung:

„In Nr. 77 des »Franks. Journ.' wird mitgetheilt, der Bischof von Mainz, Dr. Paulus Haffner, habe bei einem Festmahl erklärt, daß auch er für das Septennat einge­nommen sei. Wenn durch diese Mittheilung beabsichtigt wird, meine Person in die Wahlbewegung hineinzuziehen, so muß ich bemerken, daß ich keine Veranlassung habe, zu den politischen und militärischen Fragen des Tages Stel­lung zu nehmen. Daß ich in einer Privatunterhaltung dem Gedanken Ausdruck gab, es wäre ein Glück, wenn die herrschende Aufregung durch Bewilligung des Septen- nats beseitigt werden könnte, soll von mir nicht in Abrede gestellt werden. Ich würde aber bedauern, wenn die wenig diskrete Veröffentlichung einer vertraulichen Aeußerung zu der Meinung Anlaß geben würde, ich habe bei dieser Ge­legenheit die Absicht gehabt, über die Haltung der bis­herigen Abgeordneten des Centrums ein Ürtheil zu fällen, oder den Entschließungen der künftigen vorzugreifen. Ich überlasse die so schwierige Entscheidung der schwe­benden politischen Fragen der Einsicht und Gewis­senhaftigkeit der erprobten Männer, welche sich durch Wahrung unserer religiösen Inter­essen so hohe Verdienste erworben haben. Gebe Gott, daß das katholischeDeutschland indem künftigen Reichstag eine ebenso starke und feste Vertre­tung finden möge wie in dem früheren. Mainz, den 12. Fehruar 1887. f Paulus Leopold, Bischof von Mainz."

* Limburg, 12. Februar. Lautgewordenen falschen Auslegungen de» bischösiichen Erlaffes vom 8. d. M. gegenüber bemerkt der .Badische Beobachter': „Man mag über die Opportunität des bischöflichen Erlaffes denken, wie man will, man mag selbst den unbeabsichtigten Vorschub be­dauern, den die in ihren Agitationsmitteln nicht wählerischen Mittelparteiler in demselben suchen werden, zweierlei steht aber bombenfest: 1. Der Bischof von Limburg hält es geradezu für selbst­verständlich, daß der Klerus für die CentrumS- kandidaten eintritt. 2. Der Bischof von Limburg erkennt an, daß das Centrum durch sein Votum für eine dreijährige Bewilligung den Wünschen des hl. Vaters erfreulicher Weise bereits eine weit­gehende Rücksicht bethätiqt hat. Und dann fügen wir als 3. bei: Was der Herr Bischof nach seinem Erlaffe nicht will, ist, daß sein Diözesanklerus sich nicht der Gefahr aussetze, bei dem hl. Vater

„Ich würde die Hilfe des Gerichts nicht ange­rufen haben," fchlgß sie bebend; „aber ich glaubte überzeugt zu fein, daß Herr von Erlenburg nicht dem Irrsinn verfallen war, und wußte, daß eine Herausgabe des Patienten von Dr. Rimoli auf gütlichem Wege nicht zu erreichen war."

Der Präsident hatte mit sichtbar steigendem Jntereffe das junge W-s-n angesehen.

Weshalb hielten Sie den Glauben aufrecht, daß Herr von Erlenburg nicht irrsinnig sei?" fragte er.

„Der ganze Fortgang der Verhältnisse bestimmte mich zu dem Glauben," erwiderte Alice, bereit Aufregung sich mit jeder Minute steigerte. „Außer­dem

„Run?"

„Es kxistirte ein Papier, welches diese Annahme bohimentirte; —"

Der Präsident beobachtete scharfen Auges Fräu­lein von Waldheim, die sich kaum auf den Füßen hielt.

„Und dieses Papier?" fragte er mit einer Miene, als erwarte er, daß die Zeugin das so gewichtige Schriftstück deponire.

Alice hatte den Blick zur Erde gewandt. Co festen Willens sie gewesen war, konnte sie nicht hindern, daß ihre Wimpern sich füllten. Ihre

beschuldigt zu werden, daß er an der Spitze der Opposition gegen thunlichste Berücksichtigung der Wünsche des heiligen Vater« stehe." Diese authen­tische Auslegung des oberhirtlichen Erlaffes, so bemerkt dazu die Redaktion des ,Naff. Boten', überhebt uns jeder weiteren Erörterung desselben.

Ausland.

* Paris, 11. Fsbr. Dis katholischen Blätter drängen die Regierung, endlich Erklärungen über die Tragweite der Militärkredite zu geben, die liberalen bestehen auf dem Verlangen der Auf­klärung über die internationale Stellung Belgiens. — Belgiens Kosten für die Befestigung der Maas­linie sind im außerordentlichen Budget auf 24 Millionen angesetzt, wovon 8 Millionen als erste von drei Jahresraten.

* Rom, 12. Febr. Für das Jubiläum des heil. Vaters wird eine außerordentliche Ausgabe der Dichtungen Leo XIII. veranstaltet.

— Zu dem Leitartikel des mit der päpstlichen Kurie in Verbindung stehenden Moniteur de Rome', welcher den Brief des Kardinals Jacobini bespricht, heißt cs u. a. m.: „Das Centrum muß bleiben und wird bleiben. Der Vati­kan thut das förmlich (in dem Briefe) kund und er erkennt die von den Vertretern des katholischen Volkes geleisteten Dienste an. Andererseits hat sich die aufgeklärte öffentliche Meinung nicht ge­täuscht, wenn sie diese Erklärung (im Briefe vom 21. Januar an den Münchener Nuntius) als eine neue politischeTaufe betrachtet, welche aus demCentrum eine dauernde und beständige Einrichtung machen wird." — Wer Gegen­kandidaten gegen ein Mitglied des Centrums un­terstützt, handelt also nicht im Sinne des Papstes.

* Rom, 13. Febr. Gutem Vernehmen nach hat der König heute Vormittag Depretis beauf­tragt, im Einvernehmen mit dem Grafen Ro'.ilant ein neues Kabinet zu bilden.______________

Ein kräftiges Wort.

„Nun wird's mir aber zu bunt!" rief der Grob­schmied und schlug mit der Faust auf den Tisch daß die Krüge der Knobloch-Agenten nur so tarnten: „Ich bin bloß ein simpler Handwerks­mann, aber ich kann doch weiß und schwarz unter­scheiden und lasse mich nicht mit faustdicken Lügen nudeln!"

Gestalt wankte. Sie wäre ohne Zweifel zur Erde aesunken, hätte nicht die Hand des greifen Priesters sie stützend umfangen und zu dem ihr nahe stehen­den Sitz geführt.

Theilnehmend schaute der Präsident ihr zu.

„Haben Sie das Schriftstück bei sich?" wieder­holte er in sanfterem Ton.

Alice nickte stumm. Sie öffnete ein Täschchen, welches an der Seite ihres Kleides befestigt war, und entnahm demselben Papiere, unter welchen das Dokument, nach dem sie suchte, bald gefun­den war.

Das Auge des Präsidenten leuchtete, als das Schriftstück offen vor feinen Blicken lag.

„©ine Quittung des Dr. Rimoli über 60,000 Franken, Abschlagszahlung für die Aufnahme des Herrn von Ludwig in St. Salvatore!" rief er triumphirend. „Das überführt Sie der Schuld, H-rr Doktor," wendete er sich dem mit satanischem Blick auf den Gerichtshof starrenden Direktor de» St. Salvatore zu.

Wie vom Blitze emporgefchnellt, fuhr Dr. Ri­moli bei diesen Worten von seinem Sitz empor.

„Das Papier ist gefälscht!" rief er in verzwei- fester Empörung.